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BV6/087/2021
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Düsseldorf, 07.04.2021
Ratsherr Lukas Mielczarek (BÜ90/Die Grünen)
An
die Bezirksbürgermeisterin
des Stadtbezirks 6
Frau Birgit Schentek
Anfrage des Ratsherrn Lukas Mielczarek (BÜ90/Die Grünen)
zur Sitzung der Bezirksvertretung 6 am 21. April 2021
Betrifft:
Anfrage des Ratsherrn Lukas Mielczarek (BÜ90/Die Grünen):
Ausmaß des Büroleerstands und Bedeutung für die weitere Flächenentwicklung
Begründung:
Die Coronapandemie hat zu einer deutlichen Zunahme an Homeoffice -Aktivitäten
geführt und das Arbeiten von Zuhause in vielen Arbeitsfeldern normalisiert. Es
ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung nach der pandemischen Lage
Bestand haben wird und dauerhaft weniger Menschen den Weg zu einem
Büroarbeitsplatz antreten werden. Deshalb ist in den Medien aktuell davon zu
lesen, dass der Bedarf an Büroimmobilien wahrscheinlich anhaltend Tiefstand
haben wird. Gleichzeitig erreichen uns als Bezirksvertretung weitere
Bauanfragen für die Errichtung von Büroimmobilien. Es ist unklar, ob damit nicht
ein Angebot auf einem Markt entwickelt wird, der bereits gedeckt ist. Dies wäre
eine Fehlentwicklung. Für die Entwicklung unseres Stadtbezirkes und seiner
Flächen ist es nicht nachhaltig, wenn der Bau weiterer Bürogebäude zu
erwartbarem Leerstand führt. Dies würde keinen Mehrwert für Gesellschaft und
Wirtschaft mit sich ziehen und etwaige Flächen könnten anders sinnvoller
genutzt werden. Sollte diese Sorge berechtigt sein, wäre eine Änderung der
städtischen Flächenpolitik notwendig.
Die Verwaltung wird daher gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
1. Auf welchem Niveau bewegt sich aktuell der Leerstand an Büroflächen in
Düsseldorf und im Stadtbezirk 6 ganz konkret?
2. Wie hat sich die Nachfrage an Büroflächen in den letzten fünf Jahren und
insbesondere seit Beginn der Coronapandemie entwickelt?
3. Welche Schlüsse zieht die Verwaltung aus Einschätzungen, wonach die
Neuentwicklung weiterer Büroflächen angesichts der Zunahme an
Homeoffice überdacht werden sollte (bspw. Anpassung von
Flächennutzungsplänen)?
gez. Ratsherr Lukas Mielczarek
Seite 2
BV6-087-2021 Antwort Anfrage Ausmaß Büroleerstand als Text anzeigen
Drucksache BV6/087/2021
Antwort der Verwaltung
zur Anfrage des Ratsherrn Mielczarek (BÜ90/Die Grünen)
vom 07.04.2021
Ausmaß des Büroleerstands und Bedeutung für die weitere Flächenentwicklung
Das Wirtschaftsförderungsamt (Amt 80) beantwortet die Fragen wie folgt:
Frage 1:
Auf welchem Niveau bewegt sich aktuell der Leerstand an Büroflächen in Düsseldorf
und im Stadtbezirk 6 ganz konkret?
Antwort:
Gemäß der Büromarkterhebung der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche
Forschung e.V. (gif) ist die Leerstandsquote im Jahr 2019 von 6,0% auf 6,5% im
Jahr 2020 gestiegen und befindet sich damit immer noch auf einem stabilen
niedrigen Niveau. Im gesamten Stadtgebiet sind aktuell rd. 473.000 m² Leerstand zu
verzeichnen.
Die niedrige Leerstandsquote ist auf die sehr guten Büroflächenumsätze in den
letzten Jahren zurückzuführen, wodurch viele Vakanzen abgebaut wurden.
Beispielsweise befand sich im Jahr 2012 die Leerstandsquote noch auf einem Niveau
von rd. 11%. Leerstände auf einem gewissen Niveau sind wichtig für den
Immobilienmarkt, da ansonsten Umzüge, Ansiedlungen, etc. nicht mehr realisiert
werden können. Aufgrund einer geringen Auswahl an zur Verfügung stehenden und
den Wünschen und Vorstellungen potentieller Mieter*innen entsprechenden
Immobilien, konnten bereits Anfang des Jahres 2020 einige Ansiedlungen in
Düsseldorf nicht realisiert werden. Darüber hinaus werden Büroflächen kaum
spekulativ errichtet. Eine weitere Reduzierung des Leerstands wird aufgrund der
aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Situation nicht erwartet.
Der Stadtbezirk 6 liegt im sogenannten Büroteilmarkt Düsseldorf-Nord. Parallel zur
gesamten Entwicklung des Leerstandes in Düsseldorf konnte in diesem Teilmarkt in
den letzten fünf Jahren der Leerstand von rd. 104.000 m² auf rd. 80.000 m² Ende
2020 verringert werden. Die ersten Quartalszahlen 2021 prognostizieren für den
Teilmarkt Düsseldorf-Nord einen minimalen Anstieg des Leerstands.
Frage 2:
Wie hat sich die Nachfrage an Büroflächen in den letzten fünf Jahren und
insbesondere seit Beginn der Coronapandemie entwickelt?
Antwort:
Bis zum Beginn der Corona-Pandemie hat sich der Büroflächenumsatz zum
Jahresende 2019 auf das Rekordniveau von rd. 474.000 m² (gem. gif) entwickelt
und ist damit der höchste registrierte Flächenumsatz in Düsseldorf. Umso deutlicher
wirkte sich der Rückgang des Flächenumsatzes seit Beginn der Pandemie 2020 im
Vergleich zum Rekordjahr aus. Demnach ist der Umsatz auf rd. 244.000 m² ( gem.
gif) gesunken. Neuanmietungen auf dem Düsseldorfer Markt sind in ihrem Volumen
kleiner ausgefallen, Entscheidungen über Anmietungen wurden verzögert getroffen
oder gar zunächst ganz on-hold gestellt. Prognosen bzgl. eines Flächenumsatzes
2021 sind schwierig zu treffen. Verschiedene Maklerhäuser gehen davon aus, dass
ein ähnlicher Flächenumsatz wie im Jahr 2020 realisiert werden könnte.
Weiterhin herrscht auf den Büromärkten in ganz Deutschland eine hohe
Unsicherheit: die fehlende Planbarkeit durch den weiteren Verlauf der Pandemie und
die Betroffenheit des eigenen Geschäftsumfeldes - von
Wertschöpfungszusammenhängen bis zum Einsatz der Belegschaft - ist für viele
Akteure nicht vorhersehbar und planbar. Seitens der Wirtschaftsförderung
beobachten wir die verschiedenen Entwicklungen am Immobilienmarkt, um mögliche
Einschätzungen zur Entwicklung der Branche nach dem Ende der Pandemie
vornehmen zu können.
Frage 3:
Welche Schlüsse zieht die Verwaltung aus Einschätzungen, wonach die
Neuentwicklung weiterer Büroflächen angesichts der Zunahme an Homeoffice
überdacht werden sollte (bspw. Anpassung von Flächennutzungsplänen)?
Antwort:
Derzeitig gibt es noch keine finalen Aussagen darüber, wie sich die Neuentwicklung
von Büroflächenbedarfen hinsichtlich des Aspektes Homeoffice beurteilen lässt. Eine
aktuelle Studie des Institutes der Deutschen Wirtschaft (Feb. 2021) zeigt auf, dass
der deutsche Büroimmobilienmarkt insgesamt sehr robust ist und mit einem Einbruch
nicht zu rechnen ist. Vielmehr gehe es um die Anpassung der bestehenden
Büroangebote.
Auch aus Sicht der Wirtschafsförderung wird das Büro als Ort der Begegnung und
des persönlichen Austausches bleiben, ergänzt durch die Möglichkeiten des Mobilen
Arbeitens dort, wo es inhaltlich sinnvoll ist und die persönliche Situation der
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dies zulässt.
Absehbar ist, dass sich die Ausgestaltung und das konkrete Angebot einer Bürofläche
verändern werden. Dies wird Investitionen in die Erneuerung und Anpassung an die
neuen Kundenvorstellungen mit sich bringen, sodass Neuentwicklungen ein
Höchstmaß an Flexibilität aufzeigen müssen. Darüber hinaus werden Aspekte wie
Mischnutzungen, Nachhaltigkeit, intelligente Betriebstechnik und eine
kreislauftaugliche Gebäudesubstanz gefragte Entscheidungskriterien sein, um in neue
Gebäude zu investieren, da diese im Bestand oftmals nicht abbildbar sein werden.
Hinsichtlich der Flächenbedarfe zeigt sich bei den Gestaltungen der
Büroräumlichkeiten beispielsweise die Tendenz, größere Bereiche für die
Kommunikation und Begegnung einzuplanen. Wird diese mit der Erforderlichkeit
Abstandsflächen einzuplanen zusammengelegt, so würde sich in Summe kein
geringerer Büroflächenbedarf ergeben. Trotz bisheriger Entwicklungen -
beispielsweise größere Flächeneffizienz, Desk-Sharing oder Homeoffice etc. - ist der
Flächenverbrauch pro Arbeitsplatz nach Kenntnisstand der Wirtschaftsförderung nicht
gesunken.
Darüber hinaus ist ebenfalls die Wohnsituation eines jeden Mitarbeiters und einer
jeden Mitarbeiterin entscheidend, inwiefern Homeoffice weiterhin positiv
angenommen wird. Ist ein effizientes und konzentriertes Arbeiten von zuhause nicht
möglich (z.B. aufgrund fehlender Räumlichkeiten oder fehlender Ausstattung des
Heimarbeitsplatzes), kann die Möglichkeit des mobilen Arbeitens in der Nähe des
Wohnortes eine Alternative bieten. Diese ließe sich in Form von Coworkings oder
Business Centern abbilden und hätte wiederum Einfluss auf den Büroflächenbedarf.
Ein wesentlicher Aspekt, der vom Institut der Deutschen Wirtschaft (s.o.) angebracht
wird ist, dass eine Verlagerung des Arbeitsplatzes ins Homeoffice die „Anwendung
der Arbeitsstättenverordnung und damit unter anderem auch die Verpflichtung des
Arbeitgebers, den heimischen Arbeitsplatz den Vorgaben des Arbeitsschutzes
entsprechend mit Mobiliar und Gerätschaften auszustatten", impliziert
(Stettes/Voigtländer: IW-Kurzbericht 6/2021, Büroflächenabbau bleibt die
Ausnahme, 05.02.2021).
Inwieweit das Homeoffice tatsächlich zu einem geringeren Flächenbedarf führt hängt
wesentlich von der Art der Tätigkeit aber insbesondere auch von den
Rahmenbedingungen ab, die im Verhältnis von Arbeitnehmer*innen und
Arbeitgeber*innen die rechtliche Grundlage für Mobile Arbeit oder Homeoffice
darstellen. Nach aktuellem Erkenntnisstand geht die Wirtschaftsförderung davon aus,
dass Büroflächenbedarfe - wie oben beschrieben ggf. mit neuen Anforderungen
verbunden - in Düsseldorf und damit auch im Stadtbezirk 6 auf hohem Niveau
bestehen bleiben.