bis 35 Stunden
für alle Einkommensgruppen ab August 2027
Düsseldorf Radar · Themenportal
Kita- und OGS-Beiträge, Betreuungskosten und die Düsseldorfer Neuregelung ab 2027.
Inhaltlich geprüft:
Datenlage
Bis 35 Wochenstunden wird Betreuung unabhängig vom Einkommen beitragsfrei. Bei längeren Buchungen entscheidet die Einkommensstufe. Das Dossier erhält das gemeinsame Portallayout; seine ausführliche Chronologie und politische Einordnung bleiben erhalten.
für alle Einkommensgruppen ab August 2027
bis einschließlich dieser Stufe auch längere Betreuung beitragsfrei
Stand 31. Juli 2026
Düsseldorf senkte seit 2009 schrittweise die Kita-Beiträge. 2027 steht eine große Reform an. Viele Familien zahlen künftig weniger oder nichts. Wer mehr als 35 Stunden Betreuung braucht, muss dagegen bis zu 1.200 Euro im Monat für zwei Kinder zahlen. Kritiker sprechen von einer „Düsseldorfer Herd-Prämie".
Kerninfo: Ab 1. August 2027 sind bis zu 35 Wochenstunden für alle Einkommensgruppen beitragsfrei. Wer mehr Betreuung benötigt, zahlt bis 60.000 Euro Jahreseinkommen weiterhin nichts; darüber gilt eine gestaffelte Tabelle.
Als Dirk Elbers, damaliger Oberbürgermeister und CDU-Politiker, am 5. Februar 2009 den Beschluss des Düsseldorfer Stadtrats verkündete, stellte er die Entscheidung als Signal an Familien dar. „Dieses Geld ist es uns wert", sagte Elbers. „Wir entlasten die Geldbeutel der Familien. Düsseldorf festigt damit seine Position als Familienstadt." Der Rat beschloss an jenem Donnerstag einstimmig, alle rund 15.000 Kindergartenkinder in Düsseldorf ab dem Sommer 2009 beitragsfrei zu stellen – unabhängig vom Einkommen der Eltern, für Kinder vom dritten Geburtstag bis zum Schuleintritt. Die Kosten: 19,7 Millionen Euro jährlich, allein im Haushaltsjahr 2009 rund 8,2 Millionen Euro.
Der Beschluss war damals bundesweit ungewöhnlich. In den meisten deutschen Großstädten zahlten Eltern selbst für Dreijährige erhebliche Summen. Düsseldorf ging einen anderen Weg, und die CDU-Fraktion beanspruchte später die Urheberschaft: „2009 hat die CDU-Fraktion dafür gesorgt, dass Kinder ab drei Jahre beitragsfrei den Kindergarten besuchen können", erklärte Fraktionsvorsitzender Rüdiger Gutt. „Seitdem ziehen wieder vermehrt junge Familien nach Düsseldorf." Die Beitragsfreiheit war damit nicht nur Sozialpolitik, sondern auch Teil der Standortpolitik.
Diese Linie prägte die Düsseldorfer Kita-Politik der folgenden Jahre. Die Reform von 2026 knüpft daran teilweise an, verändert aber zentrale Regeln. Sie entlastet viele Familien, führt zugleich für bestimmte Gruppen wieder Beiträge ein.
Der Ratsbeschluss von 2009 hatte eine zweite Seite: In derselben Sitzung beschloss der Rat, 541 zusätzliche U3-Plätze für das Kitajahr 2009/2010 zu schaffen. Die Versorgungsquote für unter Dreijährige stieg damit auf 30 Prozent. Elbers setzte als Ziel 40 Prozent. Düsseldorf lag damit schon damals im Bundesvergleich weit vorn. Während im Westen Deutschlands Krippenbetreuung bis in die 2000er-Jahre hinein vergleichsweise selten war, hatte die Stadt den Ausbau früher vorangetrieben.
In den Folgejahren investierte Düsseldorf weiter in die Betreuungsinfrastruktur. Zum Kitajahr 2023/24 standen in Düsseldorf laut Angaben des Jugendamts 28.000 Betreuungsplätze zur Verfügung – 9.061 für Kinder unter drei Jahren, 18.882 für Drei- bis Sechsjährige. Für die Ü3-Gruppe hatte die Stadt eine Bedarfsdeckungsquote von über 100 Prozent erreicht. Rechnerisch stand für jedes Kind ab drei Jahren ein Platz bereit.
Bis zum 31. Juli 2026 wächst das Angebot auf insgesamt 29.186 Betreuungsplätze bis zum Schuleintritt: 10.034 Plätze für Kinder unter drei Jahren (U3-Quote 59 Prozent, davon 3.800 in der Kindertagespflege) und 19.152 Plätze für Kinder ab drei Jahren – eine rechnerische Versorgungsquote von rund 108 Prozent.
In der Praxis blieb das Angebot aber durch den Fachkräftemangel begrenzt. Jugendamtsleiter Stephan Glaremin sagte: „Aufgrund von fehlendem Fachpersonal konnten im Kindergartenjahr 2021/2022 teilweise bis zu 900 Plätze in den Kitas nicht belegt werden." Räume standen damit zur Verfügung, Gruppen konnten aber nicht immer öffnen. Der Engpass verlagerte sich vom Bau neuer Plätze zur Gewinnung von Personal.
Landesweit ist das Kita-Personal in NRW über zehn Jahre deutlich gewachsen – von rund 120.000 Beschäftigten (2015) auf knapp 175.000 (2025). Der Bedarf steigt dennoch schneller, als Fachkräfte nachrücken:
Die Coronajahre verschärften das Problem. Laut dem DJI-Kinderbetreuungsreport 2024 nutzten mehrere Bundesländer – darunter NRW – die zwischen 2019 und 2024 vom Bund bereitgestellten KiQuTG-Mittel (Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe) auch für die Entlastung der Eltern bei den Beiträgen. Für Düsseldorf bedeutete das: Die schrittweise Absenkung der U3-Beiträge in den Jahren 2021 bis 2024 war zum Teil durch Bundesmittel möglich, die auch für Qualitätsverbesserungen eingesetzt werden konnten. Mit dem Auslaufen des Programms Ende 2024 entfiel diese Finanzierungsquelle.
Ab 2021 arbeitete die schwarz-grüne Ratsmehrheit daran, die Beitragsfreiheit auf jüngere Kinder auszuweiten. Der Weg verlief in mehreren Schritten:
CDU-Fraktionssprecherin Birgit Schentek formulierte das politische Ziel so: „Die CDU ist die Partei der Familien. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Bündnis 90/Die Grünen haben wir uns zum Politikziel ‚Mehr Chancen durch frühe Förderung' verpflichtet."
Im Jahresbericht 2022 zur Kindertagesbetreuung dokumentiert die Stadt zugleich: Im September 2022 wurden rund 500 Betreuungsverträge weniger geschlossen als im Vorjahr. Grund war nach Angaben der Stadt nicht mangelnde Nachfrage, sondern fehlendes Personal.
Das Beitragsrecht, das sich bis 2024 herausgebildet hatte, ließ sich so zusammenfassen: Kinder ab drei Jahren sind in Düsseldorf generell beitragsfrei, unabhängig vom Einkommen und von der Betreuungszeit. Für unter Dreijährige entfällt der Beitrag bei einem Einkommen von bis zu 40.000 Euro brutto. Darüber steigt er gestaffelt an. Dieses Modell wird durch die Reform von 2026 abgelöst.
Um Düsseldorfs Sonderweg zu verstehen, muss man den Landeskontext kennen. In Nordrhein-Westfalen regelt § 50 KiBiz (Kinderbildungsgesetz NRW), dass die letzten beiden Kitajahre vor der Einschulung – also ab dem vollendeten vierten Lebensjahr, Stichtag 30. September – landesweit beitragsfrei sind. Diese Regelung gilt seit 2011 und entspricht dem NRW-Standard.
Die schwarz-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte 2022 im Koalitionsvertrag versprochen, auch das dritte Kitajahr vor der Einschulung beitragsfrei zu machen – also de facto für Dreijährige. Dieses Versprechen ist bisher nicht eingelöst. Im März 2025 räumte NRW-Familienministerin Josefine Paul (Grüne) ein, dass die Umsetzung „auch mit Blick auf die derzeitige Haushaltslage unter dem Vorbehalt weiterer Beratungen steht". Die Wahlperiode endet im Mai 2027.
Für Düsseldorf ist das politisch relevant: Die Stadt finanzierte seit 2009 aus eigenen Mitteln eine Beitragsfreiheit, die das Land nicht verbindlich vorschreibt. Die kommunale Beitragsfreiheit ab drei Jahren war damit kein landesrechtlicher Anspruch, sondern eine freiwillige Leistung der Stadt. Die neue Satzung verändert diese kommunale Leistung.
Am 16. Juli 2026 beschloss der Düsseldorfer Stadtrat mit schwarz-grüner Mehrheit die neue Elternbeitragssatzung (Beschlussvorlage JHA/059/2026). Sie tritt zum 1. August 2027 in Kraft und verändert die Logik der Beiträge grundlegend.
Bis 35 Wochenstunden Betreuung sind sämtliche Beiträge abgeschafft – für alle Einkommensstufen, für alle Kinder zwischen null und zehn Jahren, ob Kita, Kindertagespflege oder Offener Ganztag (OGS) in der Grundschule. Das entspricht täglich sieben Stunden.
Für Kinder, die mehr als 35 Stunden pro Woche betreut werden, gelten folgende Regeln:
Gültig für Kita und Kindertagespflege bis zum vollendeten vierten Lebensjahr, monatlich:
| Jahreseinkommen (brutto) | bis 35 Std. | bis 40 Std. | bis 45 Std. |
|---|---|---|---|
| bis 60.000 € | 0 € | 0 € | 0 € |
| bis 80.000 € | 0 € | 230 € | 380 € |
| bis 100.000 € | 0 € | 300 € | 450 € |
| bis 120.000 € | 0 € | 370 € | 520 € |
| bis 140.000 € | 0 € | 440 € | 590 € |
| bis 160.000 € | 0 € | 510 € | 660 € |
| bis 180.000 € | 0 € | 580 € | 730 € |
| über 180.000 € | 0 € | 650 € | 800 € |
Quelle: Beitragstabelle, Anlage 2 zu JHA/059/2026. Für Betreuungszeiten über 45 Stunden pro Woche kommt je zusätzlicher Stunde ein Aufschlag von fünf Prozent hinzu.
Im OGS gelten eigene Regelungen: Das 14- und das 15-Uhr-Modell sind in allen Einkommensstufen beitragsfrei. Das 16-Uhr-Modell kostet zwischen 180 und 240 Euro monatlich.
Besuchen mehrere Geschwister gleichzeitig eine beitragspflichtige Betreuung, zahlen Eltern für das zweite und jedes weitere Kind nur 50 Prozent des Tabellenbeitrags. Den vollen Betrag zahlen sie für das Kind, für das der höchste Beitrag anfällt.
Kita und Kindertagespflege werden beitragsrechtlich gleichgestellt. Bisher galten unterschiedliche Tabellen. Die neue Satzung vereinheitlicht sie.
Ein zentraler Punkt der Reform betrifft die seit 2009 geltende kommunale Beitragsfreiheit für Kinder ab drei Jahren. Bisher zahlten Eltern in Düsseldorf für Drei- bis Sechsjährige keine Beiträge – unabhängig vom Einkommen und unabhängig von der Betreuungszeit.
Künftig gilt: Wer mehr als 35 Stunden bucht und mehr als 60.000 Euro verdient, zahlt wieder – auch für ein dreijähriges Kind. Der Einstiegsbeitrag für ein Drei- bis Vierjähriges mit einem Haushaltseinkommen zwischen 60.000 und 80.000 Euro beträgt 230 Euro monatlich bei 40 Stunden und 380 Euro bei 45 Stunden. Das entspricht bis zu 4.560 Euro jährlich.
Das Libelle-Magazin, ein Düsseldorfer Familienmagazin, schreibt dazu: „Ins Gewicht fällt zudem, was die neue Satzung ablöst: Bislang waren Geschwisterkinder unabhängig vom Alter in der Kita beitragsfrei, ab dem dritten Geburtstag entfielen die Kitagebühren generell. Im Ergebnis müssen künftig also mehr Familien wieder zahlen als bisher."
CDU-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Gutt hatte 2015 noch erklärt: „Für uns ist die Beitragsfreiheit gesetzt und absolut nicht verhandelbar. Düsseldorf muss Familienstadt bleiben." Elf Jahre später trägt seine Fraktion die neue Satzung mit. Die CDU argumentiert, die neue Beitragsfreiheit für die Mehrheit der Familien sei besser als das alte System.
Die Reform zielt auch auf das bisherige Buchungsverhalten. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche erklärte in der Ratsdebatte, bislang buchten rund 80 Prozent der Düsseldorfer Eltern pauschal das 45-Stunden-Modell. Die tatsächliche Betreuungsdauer habe nach Angaben der Verwaltung häufig darunter gelegen.
Das hatte systemische Gründe: Das 45-Stunden-Modell garantierte volle Flexibilität. Wer 35 Stunden buchte, aber an einzelnen Tagen länger arbeiten musste, hatte kein Recht auf spontane Verlängerung. Viele Eltern buchten deshalb das Maximum als Sicherheitspuffer – auch dann, wenn sie nicht jede Stunde nutzten.
Für die Kitas hatte das Folgen. Sie mussten Personal für gebuchte, aber nicht genutzte Stunden vorhalten. In einer Phase akuten Fachkräftemangels belastete das die Planung. Jugendamtsleiter Glaremin hatte bereits 2023 darauf hingewiesen, dass im Kitajahr 2021/22 bis zu 900 Plätze mangels Fachpersonal nicht belegt werden konnten, obwohl Räume vorhanden waren.
Die neue Satzung setzt an diesem Punkt an: Sie macht die 35-Stunden-Grenze zur finanziellen Entscheidungsschwelle. Wenn ein erheblicher Teil der Eltern auf 35 Stunden umbucht, sinkt der nachmittägliche Personalbedarf. Die vorhandenen Fachkräfte könnten dann für mehr Kinder ausreichen. So lautet die Logik der Verwaltung. Ob diese Wirkung eintritt, ist offen. Hintzsche sagte, man wolle beobachten, wie sich das Buchungsverhalten entwickelt.
An der 35-Stunden-Grenze entzündet sich die politische Kontroverse. Die zentrale Frage lautet: Unterstützt die Reform Vereinbarkeit, oder setzt sie finanzielle Anreize, Arbeitszeit zu reduzieren?
Sieben Stunden täglich reichen nicht in jedem Fall für eine Vollzeitstelle. Eine Vollzeitstelle umfasst in der Regel acht Stunden, hinzu kommen Pausen, Pendelzeit und Überstunden. Wer um 8 Uhr mit der Arbeit beginnt und zuvor ein Kind in die Kita bringt, kann es häufig nicht schon um 15 Uhr abholen.
Die NRZ fasst die Kritik so zusammen: „Frauen sollen durch finanzielle Mittel gelockt werden, ihr Kind früher von der Schule abzuholen. Die Stadt will über Umwege eine Düsseldorfer Herd-Prämie." Das Libelle-Magazin ergänzt: „Viele Kitas öffnen bereits vor 8 Uhr, Kinder werden aber oft nicht so früh gebracht und erst nach 14 Uhr wieder abgeholt. Wer künftig die beitragsfreien 35 Stunden nutzen will, muss entsprechend früher abholen – was laut Kritikern vor allem Mütter vor die Frage stellt, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren sollten, um die neuen Gebühren zu vermeiden."
SPD-Bürgermeister Fabian Zachel kritisiert die Einkommensgrenze von 60.000 Euro Jahreseinkommen. Sie sei „vergleichsweise niedrig angesetzt". Familien in diesem Bereich bezögen teilweise noch Wohngeld. Die Schwelle trenne daher nicht klar zwischen Besserverdienenden und anderen Haushalten, sondern betreffe auch Teile der unteren Mittelschicht. Linken-Ratsherr Matthias Poczatek formuliert grundsätzlicher: „Bildung sollte für alle da sein und nicht finanziell gestaffelt sein." FDP-Ratsfrau Christine Rachner bemängelt die Beitragssprünge: „Man täte der Chancengleichheit damit keinen Gefallen." Die Änderungsanträge der Opposition scheiterten im Rat.
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller verteidigt die Reform. „Bildung darf keine Frage des Einkommens sein. Mit diesem Ratsbeschluss setzen wir ein starkes Zeichen für mehr Bildungsgerechtigkeit und verlässliche Kinderbetreuung." Das Argument der Befürworter: Die große Mehrheit der Düsseldorfer Familien, alle mit einem Einkommen bis 60.000 Euro, zahlt künftig nichts mehr, unabhängig von der Betreuungszeit. Für diese Familien bedeutet die Reform eine Entlastung.
Stadtdirektor Hintzsche betont den Systemaspekt: Die vollzeitnahe Betreuung bis 45 Stunden bleibe für alle zugänglich, „die sie benötigen". Sie sei aber nicht mehr für alle kostenfrei. Wer das 45-Stunden-Modell wirklich brauche, weil beide Elternteile Vollzeit arbeiteten, gehöre in der Regel auch zu einer Einkommensgruppe, der 380 Euro monatlich zugemutet werden könnten.
Das IW Köln weist in seiner Studie zu Kitagebühren im regionalen Vergleich von 2024 auf ein Grundproblem hin, das über Düsseldorf hinausgeht: Wenn Eltern aus finanziellen Gründen gezwungen werden, eine weit größere Betreuungsleistung zu kontrahieren als nötig – oder umgekehrt eine kleinere als gewünscht –, verfehlt das Beitragssystem sein Ziel. Die Autoren plädieren für ein System, das Buchungsanreize mit dem tatsächlichen Bedarf in Einklang bringt. Ob das Düsseldorfer Modell das leistet, bleibt offen.
Eine WDR-Analyse aus dem September 2025, die Daten von 30 NRW-Großstädten für das Kitajahr 2025/26 ausgewertet hat, zeigt große Unterschiede: Die Vollzeitbetreuung für unter Zweijährige kann zwischen null und mehr als 1.200 Euro monatlich kosten – je nach Stadt und Einkommen.
Vor der Reform hatte Düsseldorf eine besondere Stellung: Für Kinder ab drei Jahren zahlen Eltern dort null Euro – unabhängig vom Einkommen. Daran ändert die neue Satzung für niedrige und mittlere Einkommen nichts. Der Vergleich mit der Nachbarstadt Köln zeigt jedoch, wie unterschiedlich selbst benachbarte Großstädte vorgehen:
Zum Vergleich (Familie mit 4.000 Euro monatlichem Haushaltseinkommen, neun Stunden tägliche Betreuung, Kind ab drei Jahren, laut Netzsieger-Kitakosten-Index): Dortmund 138 €, Essen 132 €, Bochum 132 €, Bonn 128 €. Düsseldorf: null Euro. Für die Mehrheit bleibt das auch nach der Reform so.
Das IW Köln hat 2024 die Unterschiede zwischen den Bundesländern systematisch herausgearbeitet:
Das zentrale Fazit des IW Köln: „Wollte man die Familien in Deutschland bei der Beteiligung an den Kosten für die institutionelle Betreuung gleichbehandeln und niemanden schlechterstellen, müsste man die Kitagebühren bundesweit vollständig abschaffen."
Das DJI (Deutsches Jugendinstitut) verweist in seinem Kinderbetreuungsreport 2024 darauf, dass sich Deutschland strukturell von Ländern wie Frankreich unterscheidet. Dort sind Kitas (Écoles Maternelles) formal Teil des Schulsystems – mit anderen Finanzierungslogiken. In Deutschland gilt Kinderbetreuung als Fürsorge, nicht als Bildungsrecht. Das erschwert eine bundeseinheitliche Beitragsfreiheit rechtlich. 2023 besuchten 66,4 Prozent der Zweijährigen eine Kita oder Tageseltern; 80,7 Prozent der Eltern wünschen sich das. Studien zeigen zugleich: Hohe Beiträge sind ein messbarer Hinderungsgrund.
Über die Beitragsdebatte hinaus hat die neue Satzung praktische Folgen für die Einrichtungen. Wenn 80 Prozent der Eltern bisher pauschal 45 Stunden buchten und ein erheblicher Teil künftig auf 35 Stunden umbucht, verändert das die Personalplanung der Kitas.
Der Personalbedarf in den Nachmittagsstunden könnte sinken. Für Kitas, die schon heute kaum qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher finden, wäre das eine Entlastung. Für Eltern, die nachmittags Betreuung brauchen, könnte sich die Lage verschlechtern, falls Einrichtungen ihre Öffnungszeiten an einen sinkenden 45-Stunden-Bedarf anpassen. Die NRZ zitiert entsprechende Befürchtungen: Es gebe die Sorge, „dass bei den Bildungsanbietern Stellen wegfallen, weil das Personal dann einfach nicht mehr gebraucht wird".
Damit hängt ein wesentlicher Teil der Bewertung an der Umsetzung: Entscheidend ist nicht nur, wie hoch die Tabellenwerte sind, sondern auch, ob die Anreize das Verhalten der Eltern verändern und welche Folgen das für die Versorgungssicherheit hat.
| Gremium | Sitzung | Rolle |
|---|---|---|
| Schulausschuss | 23. Juni 2026 | Kenntnisnahme |
| Jugendhilfeausschuss | 24. Juni 2026 | Vorberatung |
| Haupt- und Finanzausschuss | 6. Juli 2026 | Vorberatung |
| Rat der Stadt Düsseldorf | 16. Juli 2026 | Beschluss |
Der Beschluss fiel mit der schwarz-grünen Mehrheit. Oppositionsanträge von SPD, FDP und Linken für Änderungen scheiterten. Auch betroffene Eltern verfolgten die Ratssitzung von der Zuschauertribüne. Als jemand ein Plakat hochhielt, untersagte Versammlungsleiter Josef Hinkel dies sofort.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 5. Februar 2009 | Rat beschließt einstimmig Beitragsfreiheit für alle Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt (ab 1.8.2009); Kosten 19,7 Mio. €/Jahr; gleichzeitig 541 neue U3-Plätze |
| 2011 | KiBiz NRW: letzte zwei Kitajahre vor Einschulung landesweit beitragsfrei |
| 2015 | CDU-Fraktionschef Gutt: Beitragsfreiheit für Dreijährige „absolut nicht verhandelbar" |
| 2018 | Berlin führt vollständige Kita-Beitragsfreiheit ein |
| 2019–2022 | Bund stellt KiQuTG-Mittel bereit; NRW nutzt sie u. a. für Beitragsabsenkungen |
| 4. Februar 2021 | Rat beauftragt Verwaltung: U3-Beiträge jährlich um 25 € senken |
| August 2021 | Erste Absenkung: Familien bis 40.000 € zahlen für U3 keine Beiträge mehr |
| 23. Juni 2022 | Rat beschließt weitere Absenkungen für 2022/23 und 2023/24 (je –25 €/Monat) |
| Januar 2023 | Fachkräftemangel-Bericht: bis zu 900 Plätze 2021/22 mangels Personal unbelegt |
| August 2023 | 28.000 Kita-Plätze; Fachkräftemangel bremst Ausbau |
| März 2025 | NRW-Familienministerin Paul: drittes beitragsfreies Kitajahr unter Haushaltsvorbehalt |
| 9. Juni 2026 | RP Online berichtet erstmals über die geplante Reform |
| 16. Juli 2026 | Rat beschließt neue Elternbeitragssatzung (JHA/059/2026) |
| 1. August 2027 | Neue Satzung tritt in Kraft |
Ist die Kita in Düsseldorf kostenlos? Ab dem 1. August 2027 ist die Betreuung bis 35 Wochenstunden für alle Familien beitragsfrei — unabhängig vom Einkommen. Familien mit einem Bruttojahreseinkommen bis 60.000 Euro zahlen in allen Modellen nichts, auch bei mehr Stunden.
Ab wann gilt die neue Elternbeitragssatzung? Zum 1. August 2027. Den Beschluss fasste der Rat am 16. Juli 2026 (Vorlage JHA/059/2026).
Was kostet mehr als 35 Stunden Kita in Düsseldorf? Über 60.000 Euro Einkommen einkommensabhängig: in der Stufe bis 80.000 Euro etwa 230 Euro (40 Std.) bzw. 380 Euro (45 Std.) im Monat, bis zu 650 bzw. 800 Euro über 180.000 Euro. Über 45 Stunden je Stunde +5 %.
Bis wann sind Kinder generell beitragsfrei? Im letzten und vorletzten Kitajahr vor der Einschulung (ab dem 4. Lebensjahr, Stichtag 30.09., § 50 KiBiz) — bis 45 Stunden.
Was kostet der Offene Ganztag (OGS)? Das 14- und das 15-Uhr-Modell sind beitragsfrei; das 16-Uhr-Modell kostet 180 bis 240 Euro monatlich.
Warum ist die Reform umstritten? Weil oberhalb von 60.000 Euro Einkommen erst ab der 36. Stunde Beiträge anfallen, entsteht ein finanzieller Anreiz, nur 35 Stunden zu buchen. Kritiker sehen darin einen Nachteil für Vollzeit-Berufstätige und sprechen von einer „Herd-Prämie".
Stand: 12. August 2026. Diese Seite wird aktualisiert, sobald die Stadt die Umsetzung zum 1. August 2027 dokumentiert oder das Land NRW über das dritte beitragsfreie Kitajahr entscheidet.
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