Als ich mit meiner Familie nach Düsseldorf zurückzog, kannte ich die Stadt und musste sie doch neu lernen. Ich hatte zuvor in China und in den USA gelebt, zuletzt in San Francisco. Dort erlebte ich als Journalist aus nächster Nähe, wie OpenAI ChatGPT veröffentlichte und künstliche Intelligenz vom Fachthema zur Alltagstechnologie wurde.
Zurück in Düsseldorf merkte ich schnell: Mit zwei kleinen Kindern schaut man anders auf eine Stadt. Der eigene Radius wird kleiner. Wichtiger wird, was in der Nähe passiert. Welche Schule wird modernisiert? Wo entstehen neue Wohnungen? Welche Straße wird gesperrt? Welche Bäume sollen gefällt werden? Welche Spielplätze, Feste und Kulturangebote liegen wirklich um die Ecke? Solche Fragen klingen klein. Wenn ich direkt betroffen bin, sind sie aber sehr groß und relevant.
Düsseldorf veröffentlicht viele Informationen. Der Rat der Stadt, Ausschüsse und Bezirksvertretungen arbeiten öffentlich. Die Stadt stellt Daten bereit, veröffentlicht Vorlagen, Tagesordnungen, Anlagen und Pressemitteilungen. Auch Polizei und Feuerwehr informieren regelmäßig. Viele Kommunen gehen inzwischen diesen Weg. Sie öffnen Daten und Dokumente.
Das hilft aber nur, wenn Bürgerinnen und Bürger die Informationen auch nutzen können. Genau dort beginnt das Problem. Vieles liegt in PDF-Dateien, Ratsinformationssystemen und Archiven. Die Dokumente tragen Aktenzeichen, verweisen auf Anlagen und setzen Vorwissen voraus. Wer nicht genau weiß, wonach er sucht, findet oft wenig. Düsseldorf Radar soll diese Lücke verkleinern, vielleicht sogar schließen. Das ist mein Ziel.
Der konkrete Anlass
Der Anstoß lag direkt neben unserem neuen Zuhause. Nebenan entstand ein größerer Gebäudekomplex. Selbst Nachbarn, die seit Jahrzehnten dort wohnen, hatten davon kaum etwas mitbekommen. Einige arbeiten bei der Stadt. Die Informationen waren öffentlich. Man musste sie nur finden. Nur: Ich hatte sie nicht gefunden.
Gefühlt verbrauchte ich eine Ewigkeit auf der offiziellen Seite des Ratsinformationssystems der Stadt. Immer wieder scheiterte ich. Dabei hatte ich die genaue Adresse und wusste genau, welche Dokumente ich einsehen konnte. Nach zwei Wochen stand für mich fest: Das muss auch einfacher gehen.
Für mich zeigte dieser Fall ein grundsätzliches Problem. Kommunalpolitik entscheidet über den Alltag: über Verkehr, Schulen, Bäume, Spielplätze, Bauprojekte, öffentliche Räume. Trotzdem erfahren viele Menschen erst spät oder gar nicht, was in ihrem direkten Umfeld geplant ist.
Ich wollte das für mich ändern. Also baute ich zunächst ein privates System, das öffentliche Quellen auswertet und mir zeigt, was rund um meine Adresse passiert. Mir wurde dabei aber auch klar: Das kann auch anderen helfen. Erst teilte ich es mit meinen Nachbarn. Später stellte ich das ganze Portal ins Internet. Das war der Beginn von duesseldorf-radar.de.
Was Düsseldorf Radar macht
Düsseldorf Radar sammelt öffentliche Informationen aus verschiedenen Quellen und bereitet sie verständlich auf. Dazu gehören Ratsvorlagen, kommunalpolitische Dokumente, Pressemitteilungen und Statistiken der Stadt und des Landes NRW sowie Meldungen von Polizei und Feuerwehr. Immer wieder kommen weitere Quellen hinzu.
Ein KI-System analysiert diese Inhalte, fasst sie zusammen und ordnet sie räumlich zu. Es soll möglichst klar beantworten: Worum geht es? Wo passiert es? Warum kann es relevant sein? Wo steht das Originaldokument? Das KI-System ist das Herzstück dieses Projektes.
Die Seite bereitet die Quellen auf. Oft ist ein PDF-Dokument alleine noch nicht aussagekräftig. Das System ist aber so trainiert, dass es erklären soll, in welchem Kontext eine Information steht. Es soll beschreiben, wann eine Entscheidung bevorsteht, welche Mitwirkungsmöglichkeiten es gibt und was sich für Bürgerinnen und Bürger ändert. Wer noch mehr Informationen will, kann sich auch von den Originalquellen leiten lassen.
Mir sind drei Punkte wichtig.
Erstens: verständliche Sprache. Viele Vorlagen sind formal korrekt, aber schwer lesbar. Düsseldorf Radar übersetzt sie in Alltagssprache, ohne die Fakten zu verändern. Ich habe versucht, so gut es geht, die Sprachregeln für meine Arbeit als Journalist in Anweisungen an die KI zu übersetzen. Ich habe dazu meine alten Unterlagen aus der Journalistenschule in Prompts – also Befehle für das KI-System – übersetzt. Dabei habe ich mich stark an der US-Medienplattform Axios orientiert. Ich habe viele der Kollegen dort in den USA schätzen gelernt. Das Leitprinzip von Axios ist: Schreibe Informationen sauber auf. Leserinnen und Leser sollen schnell den Kern einer Entwicklung erfassen. Unnötige Informationen sind Ballast.
Zweitens: Nähe. Eine Baustelle, ein Radweg oder eine Schulmodernisierung interessieren oft erst dann, wenn sie den eigenen Weg, das eigene Viertel oder die eigene Familie betreffen. Dazu hilft ein Geocode-System, das im Hintergrund läuft. Es ordnet Entwicklungen konkreten Orten in der Stadt zu.
Drittens: Transparenz. Wer früher erfährt, was geplant ist, kann sich eher einbringen. Bürgerbeteiligung beginnt mit Zugang zu Informationen. Deshalb sind auch – wo möglich – die Originalquellen verlinkt.
Warum KI nötig ist
Ich kann die vielen Vorlagen, Anlagen, Meldungen und PDF-Dokumente nicht selbst auswerten. Dafür fehlt mir die Zeit. KI macht es möglich, große Mengen öffentlicher Informationen laufend auszuwerten.
Ich habe deshalb ein System aufgebaut, das Veröffentlichungen der Stadt und anderer öffentlicher Stellen analysiert. Es erkennt Themen, erstellt Zusammenfassungen und hilft bei der räumlichen Zuordnung. So werden aus offenen Daten nutzbare Informationen. Das ist mein Ziel.
Das funktioniert nicht perfekt. KI macht Fehler. Sie kann einen Zusammenhang übersehen, eine Formulierung zu stark glätten oder eine Relevanz falsch einschätzen. Auch ich finde regelmäßig Punkte, die ich verbessern will. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie mir direkt, dann kann ich ihn korrigieren und im Idealfall auch die KI so trainieren, dass sie einen vergleichbaren Fehler nicht ein zweites Mal macht.
Deshalb versteht sich Düsseldorf Radar als laufendes Projekt. Der Grundsatz bleibt: Zahlen und Fakten stammen aus den Quellen. Das System soll nichts erfinden. Zusammenfassungen sollen kenntlich machen, dass KI sie erstellt hat. Quellen sollen verlinkt sein.
KI ersetzt hier weder Journalismus noch Verwaltung. Sie hilft, öffentliche Informationen besser zugänglich zu machen.
Was Düsseldorf Radar nicht ist
Düsseldorf Radar ist kein offizielles Angebot der Stadt Düsseldorf. Die Stadt hat es nicht beauftragt. Das Projekt ist auch kein Ersatz für lokale Medien.
Düsseldorf braucht gute Lokalredaktionen. Die „Rheinische Post" und andere Angebote leisten wichtige Arbeit. Einige meiner Freunde arbeiten dort.
Düsseldorf Radar setzt an einer anderen Stelle an. Viele Informationen sind für klassische Medien zu kleinteilig, um daraus regelmäßig Artikel zu machen. Für die betroffenen Menschen können sie trotzdem wichtig sein.
Ein Einbruch am anderen Ende der Stadt interessiert mich meist wenig. Ein Einbruch in der eigenen Straße interessiert mich sehr. Eine Parkplatzsperrung irgendwo in Düsseldorf bleibt abstrakt. Vor der eigenen Haustür verändert sie den Alltag.
Dieses Informationsbedürfnis lässt sich bislang kaum systematisch bedienen. KI kann das ändern. Deswegen finde ich das Projekt so spannend. Ich bin begeistert von den Möglichkeiten der KI.
Warum mir das wichtig ist
Ich möchte, dass Düsseldorf ein guter Ort für meine Kinder bleibt und besser wird. Das entscheidet sich nicht nur an großen Leitlinien, sondern im Alltag: an sicheren Wegen, guten Schulen, ausreichend Schatten, funktionierenden Spielplätzen, erreichbaren Kulturangeboten und nachvollziehbaren Entscheidungen der Stadt.
Seit ich Kinder habe, sehe ich solche Dinge genauer. Ich achte auf Kreuzungen, Schulhöfe, Baustellen, Bäume und kurze Wege. Ich sehe auch, wie viele kommunale Entscheidungen den Alltag prägen, ohne dass viele Menschen davon erfahren.
Düsseldorf Radar ist deshalb ein persönliches Projekt. Es verbindet meine journalistische Arbeit mit meinem Interesse an Technik und meiner neuen, sehr lokalen Perspektive auf die Stadt.
Offene Daten brauchen Übersetzung
Künstliche Intelligenz alleine reicht nicht aus, um so ein Projekt möglich zu machen. Viele Kommunen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren begonnen, mehr Daten zu veröffentlichen. Auf diesen Daten fußt dieses Projekt. Offene Daten sind ein Fortschritt. Sie schaffen aber noch keine Öffentlichkeit. Eine Datei in einem Portal hilft wenig, wenn kaum jemand sie findet, versteht oder auf die eigene Umgebung beziehen kann.
Düsseldorf Radar will aus veröffentlichten Daten verständliche Hinweise machen. Die Seite soll zeigen, welche Themen in Stadtteilen auftauchen, welche Entscheidungen anstehen und wo Bürgerinnen und Bürger genauer hinschauen sollten.
Wenn das gelingt, profitieren alle: die Verwaltung, weil ihre Informationen mehr Menschen erreichen; die Politik, weil mehr Bürgerinnen und Bürger Diskussionen nachvollziehen können; und die Stadtgesellschaft, weil Beteiligung früher beginnen kann. Das ist zumindest meine Idealvorstellung und mein Antrieb für dieses Projekt.
Wie es weitergeht
Die wichtigsten Funktionen stehen. Neue Informationen werden aufbereitet, analysiert und jeder kann die Seite nutzen. Jetzt will ich sehen, ob Düsseldorf Radar im Alltag hilft und welche Funktionen fehlen.
Ein möglicher nächster Schritt ist ein personalisierter Newsletter. Nutzerinnen und Nutzer könnten einen Stadtteil oder eine Adresse angeben und Hinweise aus ihrer Umgebung erhalten.
Denkbar sind auch bessere Karten, klarere Filter, Benachrichtigungen zu bestimmten Themen und weitere Datenquellen. Was davon kommt, hängt davon ab, wie die Seite genutzt wird und welche Rückmeldungen eingehen.
Düsseldorf Radar entsteht ehrenamtlich und unabhängig. Es ist keiner Partei, keiner Behörde und keinem Verlag verpflichtet. Die Kosten für Website, Server und KI trage ich bislang privat.
Wenn Sie einen Fehler finden, melden Sie ihn bitte. Wenn eine Zusammenfassung unklar ist, eine Adresse falsch zugeordnet wurde oder ein wichtiges Thema fehlt, schreiben Sie mir. Auch Hinweise, Wünsche und Kritik helfen.
Ich will ein Werkzeug bauen, mit dem mehr Menschen verstehen, was direkt um sie herum passiert. Das ist mein Ziel. Der Anfang ist gemacht. Jetzt bin ich gespannt, wohin dieses Projekt führen wird.
Stephan Scheuer, Düsseldorf, Juni 2026