Beschlussvorlage Aktenzeichen KUA/160/2020

Kunst am Bau - KAP1

Ein Vorschlag der Verwaltung, über den der Rat oder ein Ausschuss abstimmt.

Termine abgeschlossen Die eingetragenen Termine sind vergangen; ein eindeutiges abschließendes Ergebnis ist nicht veröffentlicht.
1Dokument 11. November 2020veröffentlicht

Zur amtlichen Vorlage

Für dieses Dokument liegt noch keine belastbare redaktionelle Zusammenfassung vor. Beratungsweg, Eckdaten und Originaldokumente werden deshalb unverändert aus dem Ratsinformationssystem angezeigt.

Themen

Originale durchsuchen

Dokumenttexte

Beschlussvorlage als Text anzeigen
Title: 00391639.pdf URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00391639.pdf Published Time: Mon, 27 Sep 2021 10:07:14 GMT Number of Pages: 10 Markdown Content: KUA/160/2020 X öffentlich nicht öffentlich # Beschlussvorlage Betrifft: Kunst am Bau - KAP1 Fachbereich: 41 - Kulturamt Dezernentin / Dezernent: Beigeordneter Hans-Georg Lohe Beratungsfolge: Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität Kulturausschuss 21.01.2021 Entscheidung Beschlussdarstellung: Der Kulturausschuss beschließt die Auftragsvergabe für die Realisierung des Wettbewerbsbeitrags „Blickfang“ der Künstlerin Barbara Wille aus dem Kunst am Bau Wettbewerb KAP 1. Die erforderlichen Mittel für die Realisierung i.H.v. 200.000 Euro sind wie folgt zu finanzieren: 150.000 € durch den Investor und 50.000 Euro aus Mitteln der Kunstkommission (Profitcenter 2528101/ 790000537/ 78310000). Sachdarstellung: Das ehemalige Logistikzentrum der Deutschen Bundespost am Konrad-Adenauer-Platz 1 (KAP1) wird umfassend saniert und umgebaut. Das Gebäude wird zukünftig die Zentralbibliothek, das Forum Freies Theater (FFT), das Theatermuseum, diverse Archive auf ca. 25.000 qm sowie Teile des Schulverwaltungsamts beherbergen. Das Projekt KAP 1 lässt aus dem alten Postlogistikzentrum einen Ort für Bildung, Kultur und Begegnung entstehen. Das alte Logistikzentrum wird somit zu einem Zentrum für den Austausch von Wissen und Kultur. Bereits 2019 wurden Gespräche mit dem Investor (VZN), dem mit der Planung beauftragten Architekturbüro RKW+ und den Nutzern geführt. Die Realisierung eines Kunst am Bau Projekts wurde von allen Beteiligten begrüßt. Auf Empfehlung der Kunstkommission hat der Kulturausschuss in seiner Sitzung am 12.03.2020 die Durchführung und Realisierung eines einstufigen anonymen Wettbewerbs mit 8 Teilnehmenden mit einer Summe von insgesamt 216.000 Euro beschlossen (KUA/003/2020). Hiervon entfallen 66.000 Euro auf die Kunstkommission für Verfahren (16.000 Euro) und Realisierung (50.000 Euro) und 150.000 Euro für die Realisierung auf den Investor. Seite 2 Entsprechend der Beschlussfassung des Kulturausschusses wurde im März 2020 der Kunst am Bau Wettbewerb für das KAP 1 mit dem Ziel ausgelobt, durch eine künstlerische Arbeit einen signifikanten gestalterischen Beitrag zum Gebäude zu leisten und mittels einer charakteristischen Gestaltung, dem Gebäude eine Identifikation zu geben. Ausgelobt wurden für die Realisierung maximal 200.000 Euro (inkl. Honorar, Herstellung und MwSt.) Am 07.10.2020 fand die Jurysitzung der Kunstkommission statt. Nach ausführlicher Diskussion schieden 6 der 8 Arbeiten aus. Im Verfahren blieben die Arbeiten „Public Sp eaker“ von Michael Beutler (s. Anlage 1) und „Blickfang“ von Barbara Wille (s. Anlage 2). Die Kunstkommission empfahl nach ausführlicher Beratung der beiden Arbeiten mehrheitlich zunächst die Realisierung des Entwurfs „Public Speaker“ jedoch unter dem Vorbehalt, dass nach eingehender Prüfung der Realisierbarkeit keine hinreichenden Gründe gegen die Realisierung sprechen. Sofern eine Realisierung nicht angestrebt werden kann, empfahl die Kunstkommission einstimmig die Realisierung des Entwurfs „Blickfang“. Entsprechend der Empfehlung hat die Verwaltung die Realisierbarkeit beider Arbeiten eingehend geprüft. Diese ergab, dass laut Auskunft des Rechtsamts zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit der Arbeit „Public Speaker“ bauliche Verhinderungsmaßnahmen einer Bekletterung (z.B. Dornenkränze) bis hin zur Anbringung von Verbotsschildern oder sogar einer Umzäunung des Werks in Erwägung zu ziehen sind. Gegen die Verkehrssicherheit der Arbeit „Blickfang“ bestehen keine Bedenken. Bezüglich der Folgekosten bestehen durch die Zugangssituation zu einem Lebensmittelladen erhöhte Ansprüche an die Sauberkeit. Der zu erwartenden Verschmutzung des Werks „Public Speaker“ als auch des Bodenbelags unter dem Werk durch Taubenkot muss mit intensiver Reinigung und entsprechend hohen Kostenaufwendungen entgegengewirkt werden. Für die Arbeit „Blickfang“ bestehen diese Ansprüche aufgrund der Installation auf dem Dach nicht. Aufgrund dieser Problematiken wird im Einvernehmen mit dem Investor die Realisierung der Arbeit „Blickfang“ von Barbara Wille empfohlen. Zur Künstlerin Barbara Wille: Die Künstlerin wurde in Jugenheim/Bergstraße geboren. Studium der Bildenden Kunst an der Universität Mainz bei Ansgar Nierhoff. 1990 erhielt sie den 1. Preis des Förderpreises Junge Kunst der Saarferngas AG, 1991 den Villa Romana Preis in Florenz und 1994 den Preis der Universität Mainz. Es folgten verschiedene Stipendien, die künstlerische Mitarbeit an der Universität in Mainz, Arbeitsaufenthalte bspw. in New York und Paris. Seit 2014 ist sie Professorin an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden. Barbara Wille lebt und arbeitet in Berlin und Dresden. Seite 3 # Anlage 1: „Public Speaker“ von Michael Beutler: Erläuterungsbericht Kennzahl 201720 Auf dem Weg in die Bibliothek gehen wir von Bahnhof über einen kleinen Vorplatz zur neuen Eingangshalle des monumentalen, ehemaligen Postgebäudes. Zwischen den jungen Kirschbäumen erheben sich rote Streben und verknoten sich zu einem Geflecht aus runden und gewellten Formen. Es ist früher Abend und das Freie Theater hat soeben mit einer Vorstellung begonnen. In dem roten Gebilde zwischen den Baumwipfeln geht eine Lampe an. Licht fällt durch das Laub auf den Platz und erhellt die Fassade. Mit dem Lichtschein erreicht uns auch leises Gemurmel, welches aus dem Gebau herabrieselt. Wir treten aus dem Schatten der Bäume vor die gläserne Halle und sehen deren Reflektion, dass es sich um eine kleine einfache Hütte handelt, welche auf jenen Stelzen über den Bäumen thront. Mit der Fahrt in dem Fahrstuhl zeichnen sich die Konturen des Hauses noch deutlicher. Es gibt keine Rückwände, die einen Blick ins Innere des Baus verwehrten, vielmehr steht hier eine Kulisse, die eine zweite Wand zwischen Bahnhofsvorplatz und den Etagen des Theaters und der Bibliothek definiert. Der Blick aus den Fenstern scheint durch den Blick durch die Fenster des Baumhauses auf den Platz verlängert und fokussiert zu sein. Wir gehen weiter in die Bibliothek zum Vorlesungssaal. Hier wird das Gemurmel wieder deutlicher. Es sind dieselben Stimmen, die wir auch schon draußen vernommen haben, nur kommen sie diesmal direkt von den Gästen auf dem Podium. Der „Public Speaker“ steht vor dem ansonsten unberührten KAP1. Alle Flächen, die zuvor mit gelben Postschildern versehen waren, sind wie das gesamte Gebäude mit Steinplatten verkleidet. Das Stelzenhaus steht unabhängig auf dem Vorplatz und behauptet seinen eigenen Raum. Tatsächlich steht es hier als Vermittler zwischen dem Geschehen im undurchsichtigen Inneren des Hauses und der Öffentlichkeit auf den Plätzen davor. Immer wenn eine Veranstaltung stattfindet, leuchtet die Lampe in der Hütte und der Ton wird mit gemäßigter Lautstärke auf den Platz live übertragen. Stimmen und Musik sind stets gerade so unterhalb der Hütte zu hören und überschallen den Ort nicht. Die Passanten werden nicht direkt angesprochen, sondern können dem leisen Gespräch in der Hütte folgen. Bekannt ist eine derartige Übertragung zum Beispiel vom Vorplatz des Schauspielhauses in Frankfurt am Main. Wenn mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden, so überlagern sich auch die Stimme und Töne dieser. Vortragenden, denen eine solche Ausstrahlung nicht beliebt, kann mit der Abschaltung der Übertragung entsprochen werden. Das Licht jedoch bleibt an, beleuchtet die Fassade des KAP1 und setzt sie in Szene. Gibt es keine Vorstellung, so leuchtet auch keine Lampe und die Hütte steht still zwischen ihren Bäumen vor dem gigantischen Gebäude. Diese Bäume erzählen eine ähnliche Geschichte wie die umliegenden Häuser der Stadt. Einige Bäume gelten als erhaltenswert, wie auch die große Platane auf der naheliegenden Verkehrsinsel. Andere Bäume müssen neuen Gestaltungsideen weichen und sind so nur für kurze Zeit Teil des Stadtbildes. Der Qualität und auch Kapazität der postmodernen Postzentrale ist es nun zu verdanken, dass die Stadt Düsseldorf ein neues Kulturzentrum bekommt. Es ist ein Glück, dass sich dieses Gebäude an diesem Ort so gut umnutzen lässt. Mit der Umnutzung folgt dieses Haus dem Zeitgeschehen. Die schon immer als störend empfundenen, gelben Schmuck-und Kommunikationsschilder der Post dürfen verschwinden und der Hauskoloss darf ganz in wunderbarer Natursteinfassade gleich einem riesigen, alten Felsen in der Stadt verweilen. Warum sollte solch ein Monument Zeichen gebrauchen, die es erklären? Seite 4 Andernorts, aber gar nicht weit entfernt, werden einfache Behausungen in Baumwipfeln errichtet, um auf die Besonderheit nicht eines alten Felsens sondern auf jenen alten Wald aufmerksam zu machen und um dessen Erhalt zu kämpfen. Bilder wie vom Protest am Hambacher Forst sind prägend für diese Zeit, in der wir trotz vielseitiger Anstrengungen die Wälder unserer Welt schwinden sehen. Das Stelzenhaus ist eine Kopie dieser Protestbauten. Gleich ihnen macht es auf das Gebäude dahinter aufmerksam und dient als Sprachrohr für Kulturschaffende der Gegenwart. Die Besetzung des Waldes hat für den erfolgreichen Erhalt eben dessen gesorgt. Die durch ständiges Gebastel von Lebendigkeit trotzenden Bauten verleihen jenen Stimmen ihren Ausdruck, die von den Autoritäten gehört wurden. Auch wenn diese Kraft schwer auf den KAP1 Vorplatz zu übertragen ist, soll sie doch zumindest als Zeichen vor Bibliothek und Freiem Theater zum Erhalt von Kultur einstehen. Permanentes Weiterbauen wie im Forst ist vor dem KAP1 leider dauerhaft nicht denkbar. Ganz im Gegenteil werden wir froh sein, wenn die Baustelle geräumt ist und so die eigentliche, vielseitige Nutzung des Hauses beginnen kann. Daher wird die einfache Materialität des Hambacher Dorfes zugunsten der Nachhaltigkeit der Hütte durch dauerhaftere Materialien und Oberflächen ersetzt. Das freie, improvisierte Formenvokabular der Vorbilder wird jedoch beibehalten. Architektonisch steht das Stelzenhaus so dem wunderbaren KAP1 Klotz gegenüber wie David gegenüber Goliath, dabei könnten sie derselben Familie angehören. Auch das Stelzenhaus birgt postmoderne Qualitäten, ist es doch selbst ein Formenzitat einfacher Urhütten. Ähnlich wie die Folies Bernhard Tschumis im Park de la Vilette leuchtet es in satten Rottönen vor der grauen Steinwand. Anders als die Hallen, Säle und auch die Büros und Werkstätten auf den vielen Etagen des KAP1 bietet die Hütte kaum Raum für mehr als einen Menschen. Während das KAP1 Öffentlichkeit verwaltet, belehrt, informiert und bespielt, widmet sich die Hütte dem Schaffen des Einzelnen. Denn beliebt sind derartige Hütten nicht nur bei Aktivist*innen, sondern auch weise Eremit*innen, Literat*innen und Drehbuchautor*innen ziehen sich gerne zum Schreiben und Denken in Tiny Houses zurück. Auszug aus dem Protokoll der Jurysitzung vom 07.10.2020: Der Entwurf „Public Speaker“ fand in der Jury breite Anerkennung. Die hohe poetische Qualität wurde hervorgehoben. Lobend wurde ausdrücklich der Signalcharakter und die Eigenständigkeit der Skulptur festgehalten, sowie die funktionale Beziehung, die die Skulptur mit dem Gebäude KAP1 und seinen Nutzern eingeht. Im Gebäude selbst generierte Inhalte (bspw. Theateraufführungen des FFT oder Lesungen in der Bibliothek) werden durch Licht und Ton auf dem Vorplatz des KAP1 sicht- und hörbar. Die Jury sieht darin eine Aufwertung des öffentlichen Raumes vor dem Gebäude, ferner klingt die grundsätzliche Frage nach der zukünftigen Kommunikation kultureller Institutionen an. Der Charakter der Hütte, die der/die Künstler*in u. a. als Rückzugsort von kulturschaffenden Individuen definiert, steht im Kontrast zu dem sanierten Gebäude des KAP1, einem Gebäude der Vielen. Das poetische Moment des Werkes wird bekräftigt, seine improvisierte Erscheinung als Verweis auf den permanenten Kampf mit Kontrollverlust in urbanen Zusammenhängen gelesen. So holt es die Problematik des Provisoriums in den Stadtraum. Durch die rote Fassung der Skulptur werden die ursprünglich unterschiedlichen Materialien der Arbeit nivelliert, die Zeichenhaftigkeit verstärkt und daher zum Kunstwerk, das seinen politischen Auftrag wahrnimmt. Seite 5 Es wird auf Themen wie Behausung, Urbanität und die Klimafrage im aktuellen Diskus anspielt und somit ein zeitgenössisches Statement darstellt. Offen bleibt aus Sicht der Kommission, wie groß langfristig der Grad der Verschmutzung durch Taubenkot etc. zu beurteilen ist. In Abhängigkeit des Ergebnisses des Wettbewerbs ist eine Vereinbarung mit dem Investor zur Regelung des Eigentums am Kunstwerk während und nach der Vertragslaufzeit von 30 Jahren zu treffen. Seite 6 Imagebild „Public Speaker“ Seite 7 Lageplan „Public Speaker“ Seite 8 # Anlage 2. „Blickfang“ von Barbara Wille: Erläuterungsbericht Kennzahl 721099 Der Gebäudekomplex des KAP1 am Konrad Adenauer Platz wird zukünftig als kulturelles Zentrum die Entwicklung des Viertels um den Düsseldorfer Hauptbahnhof wesentlich prägen und der Stadtgesellschaft attraktive Perspektiven kulturellen Miteinanders eröffnen. Durch die Bündelung mehrerer für das kulturelle Leben der Stadt bedeutsamer Institutionen wird es den Platz transformieren von einem Ort des Transits und der Mobilität in einen Ort des Verweilens, der Bildung und des kulturellen Austauschs. Synergien mit den bereits vor Ort befindlichen Kulturinstitutionen werden entstehen und das Viertel zu einem Anziehungspunkt mit hoher kultureller Strahlkraft machen. Der Entwurf nimmt diese herausragende Bedeutung des Gebäudes in den Blick. Auf mehreren Türmen der bewegten Dachlandschaft werden sehr große, golden schimmernde Stahlrahmen platziert. Ihre Dimension zieht das Gebäude in einen neuen Maßstab und verleiht ihm eine gewisse Leichtigkeit. Ihre Ausrichtung nimmt die Achsen der einzelnen Gebäudeteile und der umgebenden Straßen auf. Die lichten und weiten Rahmen ragen über die Balustraden der Dächer hinaus in den Luftraum über den Straßen, fangen die Blicke der Passant*innen und visualisieren die Grenzfläche zwischen Innen und Außen. Das Gebäude erhält beziehungsreiche Öffnungen, die in den Stadtraum kommunizieren und vice versa. Auch aus den umliegenden Häusern sind sie gut wahrnehmbar. Von der Karlsstraße aus ist eine der exponierten, golden schimmernden Skulpturen weithin sichtbar. Die Aufstellung auf der Dachkante im rechten Winkel zur Straße dynamisiert den Komplex. Die schlanken Rahmen konterkarieren die burgartig massive Anmutung des Gebäudes und verankern es im Himmel über Düsseldorf. Diese Offenheit am Beginn von etwas Neuem veranschaulicht das utopische Potential von Kunst und Kultur. Die Rahmen sind vieldeutig und universell. Sie sind Bühne, Fenster, Bild und Schild: eine verheißungsvolle Dachmarke unserer Träume, Sehnsüchte und Perspektiven. Auszug aus dem Pro

Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.

Ohne KI-Zusammenfassung. Angezeigt werden ausschließlich strukturierte Angaben und extrahierte Inhalte aus dem Ratsinformationssystem.

Quelle: Ratsinformationssystem Düsseldorf · Aktenzeichen KUA/160/2020