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Title: 00372909.pdf
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00372909.pdf
Published Time: Mon, 22 Feb 2021 09:57:53 GMT
Number of Pages: 4
Markdown Content:
KUA/033/2020
X öffentlich nicht öffentlich
# Beschlussvorlage
Betrifft:
Kunst im öffentlichen Raum zur Realisierung eines Erinnerungsorts für LSBT
Fachbereich:
41 - Kulturamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordneter Hans-Georg Lohe
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Kulturausschuss 30.04.2020 Entscheidung
Beschlussdarstellung:
Der Kulturausschuss beschließt, vorbehaltlich der Beendigung der vorläufigen Haushaltsführung, entsprechend der Empfehlung der Kunstkommission zum Projekt
„Erinnerungsort für LSBT*“, den Künstler Claus Richter als Wettbewerbssieger mit der Realisierung seines Entwurfs „EIN SELTSAM KLASSISCHES DENKMAL“ bis zu
maximal 200.000 Euro (inkl. Honorar, Herstellung und MwSt.) zu beauftragen. Für die Finanzierung stehen Mittel der Kunstkommission aus dem Profitcenter 2528101/ 790000537/ 78310000 für Kunst am Bau zur Verfügung.
Sachdarstellung:
Im März 2018 fand in Zusammenarbeit zwischen dem Forum Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Trans*Gruppen sowie der Mahn- und Gedenkstätte ein Werkstatttag statt. Im Ergebnis sollte in Rheinnähe ein Erinnerungsort/Kunst geschaffen werden, der nicht nur als Mahnmal dient, sondern der aktiven Erinnerung. Hierbei sollte der Erinnerungsort sich nicht nur auf den Zeitraum des Nationalsozialismus begrenzen. Weiter sollten neben Schwulen auch Lesben und Trans*Gruppen einbezogen werden.
Der Kulturausschuss hat in seiner Sitzung am 28.06.2018 auf Empfehlung der Kunstkommission die Realisierung eines zweistufigen Wettbewerbs für einen Erinnerungsort/Kunst in Rheinnähe zwischen Rheinkniebrücke und Rheinterrasse in Höhe bis zu 200.000 Euro beschlossen (41/96/2018).
Für die Wettbewerbsvorbereitung und Konkretisierung des Auslobungstextes wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, der neben Mitgliedern der Kunstkommission auch Vertreter*innen des Forums Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Trans*Gruppen angehörten. Im Ergebnis wurde im Februar 2019 der Wettbewerb ausgelobt. Es wurde ein internationales Teilnehmerfeld von 15 Künstler*innen eingeladen. Das Forum hatte als Teil der Jury ein Stimm- und Vorschlagrecht. Die Teilnehmenden Seite 2
der ersten Wettbewerbsphase wurden mit 1.500 Euro vergütet, die Teilnehmenden der zweiten Wettbewerbsphase mit 2.500 Euro. Für die Vermittlungsarbeit führte in Zusammenarbeit mit dem Forum die Kunstkommission Düsseldorf am 1.4.2019 eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Wettbewerb durch. Interessierte wurden an diesem Tag über den Stand des Verfahrens, die Beschreibung der Wettbewerbsaufgabe, Beispiele anderer Städte, das Teilnehmerfeld sowie die weitere Vorgehensweise des Wettbewerbs informiert.
Die zum Wettbewerb eingereichten 13 Arbeiten der Teilnehmenden wurden gesichtet und ausführlich in der Jurysitzung am 10.07.2019 beraten. Die Jury entschied, fünf der eingereichten Beiträge zur zweiten Phase zuzulassen. In der Jurysitzung am 26.11.2019 schieden 4 Beiträge nach ausführlicher Beratung aus. Lediglich die Arbeit von Claus Richter verblieb im Wettbewerb. Der Künstler wurde aufgefordert, seine Arbeit entsprechend der Empfehlungen aus der Jurysitzung zu überarbeiten und persönlich am 26.2.20 in der Sitzung vorzustellen. Herr Richter kam dieser Aufforderung nach und erläuterte die Grundprinzipien, die er der weiteren Bearbeitung im Auftragsfall zugrunde legen würde und zeigte dabei ein überarbeitetes Modell.
Die Kunstkommission empfiehlt mehrheitlich, die Arbeit von Claus Richter „EIN SELTSAM KLASSISCHES DENKMAL“ zu realisieren. Die Arbe it wird ausdrücklich vom Forum gelobt und es erklärt, dass es sich über das Ergebnis des Wettbewerbs und auf die Realisierung freut.
Die genaue Standortfrage wird im Rahmen des Realisierungsprozesses noch mit den betroffenen Fachbereichen geklärt.
Auszüg e aus dem Erläuterungsbericht des Künstlers „EIN SELTSAM KLASSISCHES DENKMAL“:
…Die Figurengruppe besteht aus zwei scheinbar „männlichen“ und zwei scheinbar „weiblichen“ Figuren. Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ist ein sehr weites Feld,
zersplittert in unzählige Subkulturen und Untergruppen. Beginnend bei Homosexualität und Bisexualität über den Bereich Transgender und Non-Binarität bis hin zu dezidierten Fetischen und zu guter Letzt der bewussten Loslösung von jedweder Zuschreibung öffnet sich bei g enauem Hinschauen ein weites Feld….
… Mein Vorschlag destilliert aus all den Figuren dieser Welten vier Grundfiguren: eine
feminine, scheinbar biologisch männliche Figur, eine eher maskuline scheinbar biologisch männliche Figur, eine glatzköpfige scheinbar biologisch weibliche Figur und
eine eher feminine scheinbar biologisch weibliche Figur. Diese vier Figuren stehen sinnbildlich für alle Spektren sexueller Ausrichtung und sind daher in ihren Details
reduziert und zurückgenommen.
Es wäre möglich gewesen, stärkere klischeehafte Zuschreibungen einzubringen, eine Tunte mit Federboa, ein Lederschwuler in Kluft, eine Transgender-Frau mit OP-Narben usw.
Das wiederum würde ich als reduktiv und eng empfinden. Sexuelle Vielfalt ist unendlich und die von mir gewählten vier Archetypen können diese Vielfalt meiner
Meinung nach eher abdecken als ein stark illustrativer Ansatz. Denn: Ist die „Frau“
vielleicht nicht Transgender? Ist die glatzköpfige Figur vielleicht Nicht-Binär? Ist der
Mann im Rock mit langen Haaren nich t eventuell Heterosexuell und der „normal“
aussehende Mann Schwul? Und ist es nicht auch dann am Ende nicht auch hoffentlich egal! Denn Menschen sind Menschen und so sehr der Kampf gegen Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt sexuell diverser Menschen niemals aufhören darf, so sehr sollte auch die durchaus bestehende Abgrenzung und Ausgrenzung als das gesehen werden, was sie ist: Spießig.
Was diese vier Archetypen jedoch eint ist die Geste. Die in den Himmel gereckte Seite 3
Faust und der ernste Gesichtsausdruck ist ein weltweit erkennbares Zeichen für Kampf und Widerstand. Kampf gegen Ausgrenzung, gegen Diskriminierung, gegen Unterdrückung und für Offenheit und Gemeinschaft. Die vier Figuren sind geeint in
dieser Haltung, sie sind „Helden“. Sie sind Platzhalter für all die, die agieren und einschreiten, die Zivilcourage zeigen, und für all die, die trotz Gefahr und Druck
sichtbar „anders“ leben und gelebt haben, die dabei verfolgt, gefoltert und vielleicht
sogar ermordet wurden.
Mein Vorschlag soll eben nicht nur ein Ort für ein-oder zwei sexuelle Ausrichtungen
sein, sondern für Alle. Ein Heldendenkmal für absolute Offenheit und Toleranz….
Anmerkung zum Bild:
Das Bild zeigt lediglich einen Modellentwurf. Im Rahmen des Realisierungsprozesses wird der Künstler sein Modell mit Unterstützung der Kunstkommission überarbeiten. Die Gesichter werden generisch dargestellt (keine historischen Gesichter), die Körper abstrakt kubisch. Die Gesamtgruppe soll eine überzeugende Spannung ausstrahlen und ironisch auf ein klassisches Bronzedenkmal Bezug nehmen. Der Sockel wird deutlich verkleinert.
Vita Claus Richter
Claus Richter (* 1971 in Lippstadt) ist ein zeitgenössischer deutscher Künstler. Er lebt und arbeitet in Köln. 2003 absolvierte er das Studium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Seine künstlerische Praxis ist multimedial und lässt sich auf kein Genre festlegen.
Neben seinen künstlerischen Installationen, die sich stilistisch meist einer nostalgischen Spielzeugästhetik verschrieben haben, verfasst er Marionetten-Theaterstücke, inszeniert auf der Bühne, komponiert Lieder, erfindet Geschichten und hält Vorträge. Die Konzeptionen seiner Ausstellungen haben oftmals einen illusionistischen Charakter. Er konstruiert räumliche Arrangements, welche er detailliert ausarbeitet und so komplette Illusionswelten schafft. Diese Räume beschäftigen sich u. a. mit Vergnügungsparks, Filmsets und märchenhaften Sujets, die in der Kindheit des Künstlers fußen. / https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Richter/. Seite 4