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OVA/044/2020
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Informationsvorlage
Betrifft:
Sachstandsbericht über die verkehrstechnischen Anlagen der Landeshauptstadt
Düsseldorf
Fachbereich:
66 - Amt für Verkehrsmanagement
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Cornelia Zuschke
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ordnungs- und
Verkehrsausschuss
05.05.2020 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Allgemeines
In den letzten 20 Jahren wurde die Verkehrstechnik in Düsseldorf systematisch aus-
gebaut. Mit der Errichtung neuer Systeme im Bereich Verkehrsrechner und
Lichtsignalanlagen, Detektions-, Parkleit- und Anzeigesysteme sowie Verkehrslage
und Strategiemanagement wurden die Grun dlagen für ein digitales
Verkehrsmanagement geschaffen. Eine bedarfsgerechte Verkehrslenkung und
Verkehrsinformation wird so immer besser möglich.
Verkehrsrechnersystem
Die Komponenten des Verkehrsrechnersystems werden im Rahmen der Wartungs -
verträge aktualisiert und somit auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten. Ferner
wurde und wird fortlaufend im Rahmen von Forschungsprojekten (Dmotion, Ur:Ban,
KoMoD, KoMoDnext) die Systemlandschaft mit neuen Komponenten erweitert.
Die Weiterentwicklung der verkehrstechnischen Infrastruktur ist Teil des Green City
Masterplans der Landeshauptstadt Düsseldorf und wird derzeit in verschiedenen,
zum großen Teil im Rahmen des im Programm „Saubere Luft" des
Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) geförderten
Projekten strukturell erarbeitet.
Lichtsignaltechnik
Auf dem Düsseldorfer Stadtgebiet befinden sich etwa 630 Lichtsignalanlagen, wovon
sich 607 Anlagen in der Baulast der Stadt befinden. Die Lichtsignalanlagen haben ein
durchschnittliches Alter von etwa 11 Jahren, über 90 % der Anlagen sind jünger als
20 Jahre. Ein Großteil der Anlagen stellt bereits heute Prozessdaten an den
Verkehrsrechner zur Verfügung.
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Im Jahr 2014 wurde ein neues Steuerungsverfahren für Lichtsignalanlagen
eingeführt, welches mehr Möglichkeiten in der verkehrsabhängigen Steuerung der
Signaltechnik birgt. In diesem Zusammenhang wird seit 2015 verstärkt an der
Beschleunigung des ÖPNV gearbeitet. Bis zum Jahr 2024 sollen alle
Lichtsignalanlagen (etwa 550 LSA) entlang der Linienwege des Düsseldorfer ÖPNV -
Netzes mit einer neuen ÖPNV -priorisierten Signalschaltung ausgestattet sein. Die
Leistungsfähigkeit und der Verkehrsfluss für den Individualverkehr werden hierbei
berücksichtigt.
Die ÖPNV-Beschleunigung wird im Rahmen des Förd erprogramms „Saubere Luft"
durch das BMVI gefördert. Insgesamt wurden seitens der Landeshauptstadt drei
Förderanträge (Datenbereitstellung, ÖV-Beschleunigung I, ÖV-Beschleunigung II) für
die Umrüstung/Erneuerung von insgesamt 281 Lichtsignalanlagen gestell t und
bewilligt. Neben der Implementierung der ÖPNV-Bevorrechtigung sollen so zukünftig
flächendeckend Prozessdaten sowie georeferenzierte Versorgungsdaten für die 281
LSA für Anwendungen des vernetzten Fahrens bereitgestellt werden. Zusätzlich
werden die Anlagen für eine barrierefreie Nutzung mit akustischen und taktilen
Signalgebern ausgestattet.
Um dieses ambitionierte Ziel umsetzen zu können, wurde im letzten Jahr zusammen
mit der Rheinbahn AG eine gemeinsame Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Die
Schaffung der rechtlichen, organisatorischen, personellen und vergaberelevanten
Rahmenbedingungen zur Einrichtung dieser neuartigen Kooperation zwischen
Rheinbahn AG und Stadtverwaltung waren sehr aufwendig, so dass die gesteckten
Ziele bisher nicht erreicht werden konnten.
Auch konnte das Team erst im Frühjahr dieses Jahres komplettiert werden, da sich
die Akquise von Fachpersonal schwierig gestaltete. Hiermit ist jedoch die Grundlage
geschaffen, um die Umrüstung der Lichtsignalanlagen wie geplant voranzutreiben.
Zukünftige Anforderungen an die Verkehrstechnik - C-ITS
In den letzten Jahren hat die Bedeutung von C -ITS (Cooperative Intelligent
Transport Systems) - kooperativer Systeme und vernetztes Fahren - deutlich
zugenommen.
Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat in den letzten Jahren in verschiedenen
Forschungsprojekten mitgewirkt, um als Infrastrukturbetreiber den Prozess der
zunehmenden Automatisierung aktiv mitzugestalten und die eigenen Anforderungen
in die Entwicklungen einfließen zu lassen. Auf Grund de r Integration der neuen
Applikationen in den bestehenden Betrieb der Verkehrsrechner -Zentralen und
Lichtsignalanlagen sind die Voraussetzungen einer baldigen Marktreife der
entwickelten Applikationen und Technologien deutlich höher als bei einer reinen
Anwendung in separaten Forschungsumgebungen.
Im Rahmen der Forschungsprojekte wurden und werden neue Kommunikationswege
zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur getestet. Dabei bestehen die Möglichkeiten,
direkt zwischen Feldgerät und Fahrzeug eine Verbindung über Nahfeldkommunikation
herzustellen, oder die Kommunikation zentralenseitig über den Verkehrsrechner
durchzuführen. Die Kommunikation erfolgt dabei in beide Richtungen. Fahrzeuge
können Informationen zu ihrem Standort mitteilen, die Infrastruktur aktuell e oder
zukünftige Informationen wie die Grünzeit an einer Ampel. Hierdurch kann
fahrzeugseitig durch Assistenzsysteme mehr Energieeffizienz und Verkehrssicherheit
erreicht werden, infrastrukturseitig kann der Verkehr bedarfsgerechter abgewickelt
werden.
In KoMod wurde in diesem Zusammenhang zum Beispiel eine alternative Form der
ÖPNV-Anmeldung getestet und soll in KoModnext weiter verfolgt werden.
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Als eine wichtige Applikation für einen Rollout ist aus diesen Projekten die
Bereitstellung einer Grünzeitprognose für verschiedene Verkehrsteilnehmer hervor
gegangen. Dem Verkehrsteilnehmer wird über eine App oder ein Bordsystem das zu
erwartende Signalbild für seine Fahrtrichtung bei Ankunft an dem Kreuzungspunkt
angezeigt. Hierdurch kann eine energiesparendere Fahrweise erreicht werden.
Der Automobilhersteller Audi hat bereits auf Grundlage der städtischen Daten für
seine Fahrzeuge Anfang dieses Jahres einen Prognosedienst an den ersten 150 LSA
in Düsseldorf eingerichtet und wird diesen kontinuierlich erweitern. Das Amt für
Verkehrsmanagement wird voraussichtlich im Sommer 2020 eine Grünzeitprognose
flächendeckend für den Radverkehr zur Verfügung stellen.
Um einen solchen Dienst zuverlässig dauerhaft anbieten zu können, sind strukturelle
Anpassungen im Verkehrsrechnersystem notwendig sowie neue Prozesse zu
implementieren.
Datenbereitstellung
Die bereitgestellten Daten sollen grundsätzlich allen Interessenten zur Verfügung
gestellt werden. Durch verschiedene Anbieter werden Dienste schneller in die Fläche
ausgerollt, so dass hier schnell Synergieeffekte für die städtische
Verkehrsabwicklung erreicht werden können.
Die Daten werden entsprechend den technischen Möglichkeiten über den Mobilitäts
Daten Marktplatz (MDM) der Bundesanstalt für Straßenwesen zur Verfügung gestellt.
Über diese Plattform ist es aktuell noch nicht möglich, Rohdaten (Grünzeiten) mit
kurzer Latenz, wie z.B. Prozessdaten von Ampeln weiterzugeben.
Diese Datenformate werden als Übergangslösung den Interessenten auf Anfrage
über eine städtische Schnittstelle direkt zur Verfügung gestellt.
Anforderung an ein zukunftsfähiges Verkehrsrechnersystem
Die Landeshauptstadt Düsseldorf beteiligt sich derzeit zusammen mit mehreren an -
deren deutschen Großstädten im Rahmen des Förderprojektes Di KoVe (Saubere Luft)
an der Erstellung eines Leitfadens, in dem zukünftige Anforderungen an die System -
landschaft dargestellt werden. Insbesondere werden hier die Anforderungen für eine
Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur (kooperative System e)
definiert. Diese Anforderungen werden unter anderem mit dem Bestandssystem der
Stadt Düsseldorf verglichen, um hieraus notwendige Anpassungen abzuleiten. Das
Projekt steht kurz vor dem Abschluss.
Die Gap-Analyse im Rahmen dieses Projektes zeigt folgende zukünftige Handlungs-
felder für die Landeshauptstadt Düsseldorf auf:
- Aufbau eines zentralen Versorgungsdatenservers, um alle Systeme aktuell zu
halten und aktuelle valide Daten zur Verfügung stellen zu können;
- Reduzierung von Latenzzeiten für eine schnellere Übertragung von Daten;
- Anpassung von Schnittstellen, um neue Daten über die bestehenden Wege
übertragen zu können.
Der Förderantrag für ein Folgeprojekt, in dem die Standardisierung von
georeferenzierten Versorgungsdaten und dessen Bereitstell ung erarbeitet wird
(DiMap, Programm „mFUND" des BMVI), wurde zusammen mit den Städten
Düsseldorf, Hamburg, Kassel, Köln, München und Stuttgart gestellt.
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Versorgungsdatenserver und Schnittstellen
Ein Förderantrag zur Implementierung eines Versorgungsdatenservers wurde bereits
über das Förderprogramm „Saubere Luft" gestellt und ist Ende März dieses Jahres
positiv beschieden worden. In diesem Projekt sollen die Schnittstellen zwischen den
einzelnen Teilsystemen angepasst werden und ein zentra ler Server zur Verteilung
der Versorgungsdaten aufgebaut werden. Das Projekt soll voraussichtlich im Jahr
2022 abgeschlossen werden.
Latenzzeiten
Latenzzeiten entstehen steuergeräteseitig sowie auf der Seite des Verkehrsrechners
und stehen einer „Echtzeit-Prognose" entgegen
Im Rahmen von KoMod wurden erste Optimierungen am Verkehrssystem
durchgeführt. Die Latenzzeiten an den Steuergeräten der Lichtsignalanlagen sollen
durch angepasste Ausführungsmerkmale bei neuen Geräten minimiert werden.
Ferner ist perspektivisch spätestens im Rahmen einer Digitalisierung der ÖPNV -
Anforderungssysteme eine Umstrukturierung des Verkehrsrechners vorgesehen.
Digitalisierung ÖPNV-Anforderungssysteme
Das derzeitige ÖPNV-Anmeldesystem an Lichtsignalanalgen erfolgt über ein analoges
Funk-Bake-System. Die Bundesnetzagentur hat jedoch eine Kündigung der für dieses
System notwendigen Frequenzen zum Ende des Jahres 2028 angekündigt. Hier ist
perspektivisch zusammen mit der Rheinbahn AG ein neues System auf den
Erfahrungen und Ergeb nissen von KoMod, KoModnext aber auch anderen
Forschungsprojekten wie Veronika in Kassel zu entwickeln.
Durch die Kommunikation in beide Richtungen bestehen durch einen Systemwechsel
aber auch Chancen. Zum Beispiel wäre eine Effizienzsteigerung des ÖPNVs möglich.
Aus diesem Grund wurde bereits ein Einplanungsantrag für GVFG -Mittel an den VRR
gestellt, um eine mögliche zukünftige Förderung schon heute vorzubereiten.
Umweltsensitive Steuerungen
Die frühzeitige Erkennung von Zeitbereichen mit erhöhten Schad stoffemissionen ist
komplex und mit den bisherigen Modellansätzen nur bedingt für den Verkehrsbereich
anwendbar. Ferner ist auf dem Markt erhältlichen Sensorik nicht ausreichend erprobt
und die Verwertbarkeit der Daten noch nicht erschöpfend betrachtet wor den. Aus
diesem Grund wird im Rahmen des Projektes Zukunftsviertel mögliche Sensorik zur
Erfassung von Schadstoffemissionen im Feld getestet. Sollten die Tests sowie die
Grundlagenermittlung positiv verlaufen ist eine umweltsensitive Steuerung,
bestehend aus einer modellbasierten adaptiven Steuerung und einer
Spursignalisierung auch für Düsseldorf denkbar.
Mehrere Städte in Deutschland sind ebenfalls im Aufbau eines modernen
Verkehrsmanagementsystems. Ein Beispiel hierfür wäre Wuppertal. Die Stadt möchte
eine umweltsensitive Verkehrssteuerung aufbauen sowie Teile des Ampelsystems
durch Auswertung von Echtzeitdaten adaptiv steuern. Die Stadtverwaltung ist in
verschiedenen Gremien (Fachkommissionen und Arbeitskreise des Städtetages,
Arbeitskreis Lichtsignalregelung Nordrhein-Westfalen, Open City Association (OCA
e.V.)) im ständigen Austausch mit diesen Städten Hier werden aktuelle
Entwicklungen diskutiert sowie Erfahrungen zu konkreten Projekten geteilt.
Besonders hervorzuheben sind hier die Bestrebungen der OCA e.v.. Über diesen
Verein haben sich insgesamt 39 deutschsprachige Städte und Landesbetriebe
organisiert, um sich zu verschiedenen, hauptsächlich verkehrstechnischen Themen,
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auszutauschen und herstellerunabhängige Standards zu entwickeln Düsseldorf ist
hier unter Anderem ständiges Mitglied des Anwenderkreises „Intelligente
Verkehrssysteme (IVS)".
In diesen Gremien, informieren sich die Mitglieder über nationale und internationale
IVS-Aktivitäten und deren Auswirkungen auf die Städte und Kommunen. Hierdu rch
soll ein nationales und internationales IVS-Informationsnetzwerk aufgebaut werden.
In diesem Zusammenhang wird derzeit ein Wegweiser mit dem Titel "Kooperative
intelligente Verkehrssysteme (C-ITS) - Chancen und Herausforderungen für die
Kommunen" erstellt.
Die Gremienarbeit ist ein Grundstein für die fachlich fundierte Abwägung der
Einsatzmöglichkeiten neuer Systeme und Verkehrssteuerungsansätze. Die
Erkenntnisse fließen direkt in den Prozess der Weiterentwicklung des
Verkehrsmanagementsystems für die Stadt Düsseldorf ein.