Informationsvorlage als Text anzeigen
Title: Informationsvorlage
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00588787.pdf
Published Time: 2026-06-16T09:00:00.000Z
Number of Pages: 5
Markdown Content:
OVA/068/2026
X öffentlich nicht öffentlich
# Informationsvorlage
Betrifft:
Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) für Düsseldorf – Sachstand
Fachbereich:
66 - Amt für Verkehrsmanagement
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Cornelia Zuschke
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ordnungs- und
Verkehrsausschuss 24.06.2026 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Die vorliegende Informationsvorlage gibt einen Überblick über die bisher erfolgten und noch
anstehenden Arbeiten der Verwaltung an einem EU-konformen nachhaltigen urbanen
Mobilitätsplan / SUMP (Sustainable Urban Mobility Plan).
Notwendige Überarbeitung zwecks EU-Konformität
Mit der Verordnung 2024/1679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni
2024 über die Leitlinien der Union für den Aufbau eines Transeuropäischen Netzes (TEN-V)
sind verbindliche Anforderungen an SUMP der Kommunen gestellt worden. Als Knoten im
transeuropäischen Verkehrsnetz ist Düsseldorf gemäß der Verordnung verpflichtet bis zum
31. Dezember 2027 einen SUMP aufzustellen und politisch beschließen zu lassen.
Ziele des Transeuropäischen Netzes sind unter anderem die Schaffung eines einheitlichen
unionsweiten multimodalen Verkehrsnetzes von hoher Qualität sowie die Stärkung des
sozialen, wirtschaftlichen und territorialen Zusammenhalts in der Union. Insgesamt soll die
Resilienz und Eigenständigkeit Europas auch durch die bessere Konnektivität im
Verkehrsnetz gestärkt werden.
Am 13. April 2026 hat das Bundesministerium für Verkehr nationale Kriterien veröffentlicht,
die ein SUMP erfüllen muss, um als solcher anerkannt zu werden. Die neuen bzw.
verbindlichen Vorgaben seitens der Europäischen Union und des Bundes erfordern eine
Überarbeitung der für Düsseldorf erarbeiteten Inhalte.
In der Verordnung ist zudem festgelegt, dass die EU-Länder Daten zur städtischen Mobilität
für jeden städtischen Knoten erheben und der Kommission übermitteln müssen. Zu diesem
Zweck wird die Kommission einen Durchführungsrechtsakt erlassen, in dem die Indikatoren
festgelegt werden. Es ist zu erwarten, dass die EU-weiten Indikatoren aufgrund der
kritischen Rückmeldungen der Mitgliedsländer oberflächlich und allgemein bleiben. Die Seite 2
Verwaltung hat daher bereits auf Grundlage verschiedener wissenschaftlicher Quellen ein
eigenes Set an Indikatoren erarbeitet, das auf die Bedarfe in Düsseldorf zugeschnitten ist.
Ein Abgleich wird zu gegebener Zeit durchgeführt. Hier schließt das Setting an den
Mobilitätsplan D und seine diesbezügliche Bearbeitung an und wird auf die aktuell
vorgegebene EU- Konformität gehoben. Im Sinne der Landesförderung zur 2. Stufe des
Aufstellungsprozesses ist der Mobilitätsplan D in seiner bisherigen Form entsprechend
abgeschlossen und wird nun in einen EU-konformen SUMP überführt.
Auf Grundlage der beiden genannten Prozesse kann die Verwaltung mit dem Abgleich, der
Aktualisierung und der Finalisierung der bisher erarbeiteten Inhalte schrittweise beginnen.
Sachstand
Seit 2018 wird in Düsseldorf ein strategischer Rahmenplan für die Verkehrs- und
Mobilitätsentwicklung in zwei Stufen erarbeitet. Begleitet wurde der Erstellungsprozess von
zahlreichen Öffentlichkeits- und Fachgruppenbeteiligungen sowie einem politischen
Steuerungskreis.
Die Definition der Ziele zur Mobilitätsentwicklung erfolgt in drei Stufen. Aufbauend auf einem
Leitbild für die Mobilität in Düsseldorf wurde das im Jahr 2019 beschlossene Zielkonzept,
welches Zieldimensionen und Handlungsziele beschreibt, aktualisiert. Mithilfe konkreter
Indikatoren und korrespondierenden Zielwerten für die Jahre 2030 und 2040 können diese
qualitativen Ziele messbar gemacht werden. Ziel ist es, zukünftig eine Aussage zur
Wirksamkeit der nachhaltigen, urbanen Mobilitätsplanung in Düsseldorf machen zu können.
Hier verschneiden sich Mobilitätsplan D und SUMP zu einer konkreten Handlungsvorgabe
mit unmittelbarer Aktualisierung der Inhalte , Vorgaben und Handlungsfelder.
Das Handlungskonzept besteht aus drei Ansätzen:
1. Verkehrsmittel und ihre Netze
Für alle Verkehrsträger wurden entsprechende Netze definiert und Anforderungen an
deren Qualität formuliert. Während für den Radverkehr und den ÖPNV auf bereits
bestehende Netze zurückgegriffen werden kann, wurden für den Kfz-Verkehr und den
Fußverkehr erstmals Netze entwickelt. Für den Kfz-Verkehr wird unter
Berücksichtigung verschiedener Studien ein Kernstraßennetz mit Straßenzügen
definiert, auf denen der Kfz-Verkehr mit einer hohen Priorität unter Anwendung
intelligenter Verkehrstechnik abgewickelt werden soll. Somit werden die
Leistungsfähigkeit der Düsseldorfer Straßen und die Erreichbarkeit der zentralen
Versorgungsgebiete sowie Gewerbe- und Industriestandorte zukünftig gesichert. Der
Kfz-Verkehr soll auf diesen Straßen gebündelt werden, sodass sich für Straßen
außerhalb des Kfz-Netzes neue Möglichkeiten ergeben, den Umweltverbund zu
fördern und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Für den Fußverkehr werden die
wichtigsten Routen unter dem Begriff eines Flanierkonzepts definiert. Dabei werden
Verbindungen innerhalb der Stadtteile, aber auch zwischen räumlich eng vernetzten
Stadtteilen aufgezeigt.
2. Maßnahmenempfehlungen
Für ausgewählte Handlungsfelder, die neben den Verkehrsarten (Fuß- und
Radverkehr, ÖPNV, Kfz-Verkehr) weitere für die Mobilität relevante Themen
(Verkehrssicherheit, Digitalisierung, Mobilitätsmanagement, Marketing etc.)
berücksichtigen, wurden Maßnahmen entwickelt und in Form von Steckbriefen
ausgearbeitet. Die in den Steckbriefen enthaltenen Angaben zur Priorisierung und zu
Zusammenhängen mit anderen Maßnahmen sind wichtige Hilfestellungen für die
Auswahl der Maßnahmen. Ortsspezifische Maßnahmen oder Detailplanungen sind
hierin nicht enthalten. Diese werden, wie die Radleitrouten, Bewohnerparkgebiete,
ÖPNV-Maßnahmen, Mobilitätsstationen, Fußverkehrsmaßnahme etc. in eigene
Beschlussfassungen delegiert. Seite 3
3. Monitoring, Evaluation und Fortschreibung
Um die Wirkung der Maßnahmen zu überwachen, werden Vorgaben für Monitoring,
Evaluation und eine zielgerichtete Fortschreibung des nachhaltigen, urbanen
Mobilitätsplans festgelegt.
Abbildung 1: Ziele und Handlungskonzept des SUMP
Als strategisches Rahmenwerk sind die Inhalte des SUMP bereits heute fest in der Arbeit der
Verwaltung verankert und erzielen damit Wirkungskraft. Folgend wird eine Auswahl von
wesentlichen Maßnahmen wiedergegeben, die auf dieser Basis in den vergangenen Jahren
angegangen und umgesetzt wurden.
Bau von Mobilitätsstationen und Sharingstationen
Auf Grundlage der Vorlage OVA/072/2021 wurden bereits 33 Mobilitätsstationen
umgesetzt. Weiterhin ist es geplant circa 10 Mobilitätsstationen pro Jahr zu bauen.
Hinzu kommen circa 300 Sharingstationen auf Grundlage der Vorlagen
OVA/118/2021 und OVA/014/2024.
Einstellung von zwei Fußverkehrsbeauftragten
Zur stärkeren Berücksichtigung von Fußverkehrsbelangen in Planungs- und
Entscheidungsprozessen wurde innerhalb der Verwaltung eine organisatorische
Zuständigkeit für den Fußverkehr aufgebaut. Seit 2023 gibt es in Düsseldorf eine
Fußverkehrsbeauftragte, die seit 2025 durch eine weitere Kollegin unterstützt wird.
Ziel ist es, Belange der Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität
frühzeitig und systematisch in Planungsprozesse einzubringen.
Bau von Radleitrouten
Aufbauend auf den Zielsetzungen des SUMP verfolgt die Landeshauptstadt
Düsseldorf den sukzessiven Ausbau eines stadtweiten, hierarchisierten
Radverkehrsnetzes. Neben der kontinuierlichen Umsetzung von Maßnahmen im
Radhauptnetz werden insbesondere die sogenannten Radleitrouten entwickelt, die
als neue Kategorie leistungsfähiger Radverkehrsachsen oberhalb des
Radhauptnetzes definiert wurden. Mit den Radleitrouten sollen wichtige Quell- und
Zielbereiche über mehrere Stadtbezirke hinweg verbunden und attraktive, direkte
sowie sichere Verbindungen für den Alltagsradverkehr geschaffen werden. Die
Radleitrouten 1 und 2 befinden sich bereits in der Umsetzung. Für die Radleitroute 3
wird derzeit eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Perspektivisch sollen weitere
Radleitrouten entsprechend der Beschlusslage OVA/145/2024 entwickelt werden. Seite 4
Bau von Fahrradstationen
Mit dem Aufbau von Fahrradstationen wird ein weiterer Baustein zur Förderung der
inter- und multimodalen Mobilität umgesetzt. Auf Grundlage der Vorlage
OVA/072/2021 wurden sichere und digital buchbare Abstellmöglichkeiten für
Fahrräder und Pedelecs entwickelt. Die Fahrradstationen ergänzen sowohl
Mobilitätsstationen als auch bestehende ÖPNV-Angebote und verbessern
insbesondere in dicht besiedelten Wohnquartieren die Alltagstauglichkeit des
Radverkehrs. Insgesamt gibt es mittlerweile 43 Standorte mit Sammelschließanlagen
und Fahrradboxen in Düsseldorf.
Kommunikationskampagne „Wege für alle“
Auf Basis der Ausarbeitung im SUMP wurde die Kommunikationskampagne „Wege
für alle“ entwickelt (OVA/139/2024). Dieser gemeinsame Slogan für alle
Mobilitätsprodukte der Stadtverwaltung als auch der Stadttöchter findet sich als
Branding z. B. auf Bussen, Fahrradstationen und Bauschildern wieder.
Zielkonzept Stadtbahn-/Straßenbahn
Ausgelöst durch die Erarbeitung des ÖPNV-Netzes im SUMP wurde ein Zielkonzept
für das Stadt- und Straßenbahnkonzept erarbeitet und beschlossen (OVA/116/2024).
In diesem Zusammenhang wurden zunächst sechs Untersuchungsinhalte festgelegt,
welche sukzessive auf ihre Umsetzbarkeit untersucht werden.
Nahverkehrsplan
Die Untersuchungen zum SUMP sind in die Ausschreibung der Neuaufstellung des
Nahverkehrsplans eingeflossen. Die Vergabe des Nahverkehrsplans konnte
erfolgreich abgeschlossen werden und der interne Kick-Off hat stattgefunden.
Strategie zum Parkraummanagement
Die Strategie zum Parkraummanagement war als Teil des SUMP angelegt. Die
Verwaltung wurde mit der Umsetzung der Strategie durch den Beschluss
OVA/070/2023 beauftragt. Eine der zentralen Maßnahmen ist die Mehrfachnutzung
von vorhandenen Stellplätzen im privaten Raum (Supermärkte, Gewerbeimmobilien
etc.) und auf Liegenschaften der Landeshauptstadt Düsseldorf mittels des Angebots
Feierabend-Parken.
On Demand – Flexy
Im Jahr 2023 wurde, veranlasst durch den Aufgabenträger, von der Rheinbahn in
Düsseldorf das On Demand-Angebot flexy eingeführt. Das Bediengebiet wurde auf
Grundlage der ÖPNV-Netzplanung im SUMP festgelegt. Der OVA hat am 15.01.2025
eine räumliche und zeitliche Ausdehnung des flexy-Angebots beschlossen
(OVA/002/2025). Zum 01.02.2026 hat die Rheinbahn das Bediengebiet über den
Rhein ausgedehnt, um so einen Ersatz für die durch die Ablastung der Theodor-
Heuss-Brücke entfallenden Busverbindungen zu schaffen.
Verkehrssystemmanagement
Im Rahmen des Verkehrssystemmanagements werden verschiedene Verkehrsdaten
gebündelt und zur Bewertung der aktuellen Verkehrslage genutzt. Störungen im
Verkehr lösen automatisch Strategien zur Anpassung der Lichtsignalsteuerung,
Veröffentlichung von Verkehrsmeldungen (über Mobilithek des Bundes, nationaler
Zugangspunkt für Mobilitätsdaten, Zugang zu Navigationsdienstleistern) und
Schaltung auf LED-Informationstafeln aus. Ziel ist eine möglichst störungsarme
Abwicklung des Kfz-Verkehrs. Derzeit werden 13 Standorte des Parkleitsystems
modernisiert und auf LED-Tafeln umgerüstet, die neben Parkhausbelegungen auch
Verkehrsinformationen anzeigen. Seite 5
Fazit und weitere Vorgehensweise
Die beispielhafte Auflistung zeigt, dass der SUMP bereits heute einen Schirm über alle
Planungen und Konzepte innerhalb der Mobilitäts- und Verkehrsplanung der
Landeshauptstadt spannt und diese strategisch steuert. Das Leitbild und die Ziele sind durch
einen breiten, öffentlichen Diskurs abgestimmt und geben eine klare Richtung für die
Mobilität in Düsseldorf vor.
Mit der anstehenden Überarbeitung des SUMP werden die Inhalte auf den aktuellsten Stand
gebracht und situativ mit relevanten Stakeholdern abgestimmt. Der Beschluss des SUMP
wird für den Sommer 2027 angestrebt und soll durch eine Öffentlichkeitsinformation begleitet
werden. Damit werden die Vorgaben der EU erfüllt und der SUMP zu einem verbindlichen
Planungsinstrument für die Landeshauptstadt Düsseldorf.