Originale durchsuchen
Dokumenttexte
Vorlage als Text anzeigen
Ö Vorlagen - Nr. 70/ 33/2005
Seite 1 von 3
Informationsvorlage
Betrifft:
Beantwortung der Anfrage der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zur
Altkleidersammlung
Die Verwaltung beantwortet die Anfrage wie folgt:
1. Von wem werden in Düsseldorf Altkleider in welchen Mengen und mit welchen
Annahmebedingungen über Depotcontainer gesammelt?
Antwort zu Frage 1.
2004 wurden in Düsseldorf im Auftrag der AWISTA GmbH über Depotcontainer im
öffentlichen Straßenraum und auf den Recyclinghöfen 617 t Altkleider von
Wohlfahrtsverbänden und 1.246 t von einem kommerziellen Verwerter eingesammelt.
Einer der Wohlfahrtsverbände hat seine Sammlung zum Jahresende 2004 beendet und
seine Container dem kommerziellen Verwerter überlassen.
Auf den Depotcontainern ist am Einwurfschacht vermerkt, dass Altkleider nur in Tüten
verpackt einzuwerfen sind. Am Container ist ein Hinweisplakat angebracht, das unter der
Überschrift "wir sammeln:" gut erhaltene Kleidung, Woll- und Strickwaren, Unterwäsche
für Kinder und Erwachsene, Schuhe (nur paarweise), Federbetten, Spielzeug und Hüte
aufführt. Weiter wird darauf hingewiesen, dass keine Stoffreste, Schneiderabfälle,
Matratzen, Hausmüllreste, Kunststoffe und Papier eingeworfen werden dürfen.
2. Wie werden die eingesammelten Textilien weiterverwendet und welchen Einfluss hat
die Stadt hierauf?
Antwort zu Frage 2.
Die Angaben von Verwertern und in Marktberichten zur Weiterverwendung von Alttextilien
unterscheiden sich an einzelnen Stellen, verschaffen aber insgesamt einen Eindruck vom
Geschehen auf dem Altkleidermarkt:
Nach Angaben des kommerziellen Verwerters, der als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert
ist, werden die eingesammelten Textilien sortiert. Ca. 40 %, vor allem Schuhe, Bettfedern
und Spielzeug, würden in Deutschland zur Weitervermarktung verkauft. Weitere 40 %
gingen an Zwischenhändler ins europäische Ausland und ungefähr 10 % als schlechtere
Qualitäten in die Putzlappenverarbeitung. Weitere 10 % müssten beseitigt werden.
Der noch tätige Wohlfahrtsverband teilte mit, dass die Sammelware zunächst komplett an
einen Sortierbetrieb in Dortmund gehe, der dann ca. 10 % der gebrauchsfähigen Kleidung
für die Katastrophenhilfe aussortiert und dem Verband wieder zur Verfügung stellt. Die
übrige tragfähige Kleidung werde nach Osteuropa vermarktet. Nur Recyclingmaterialien
würden auch in die Dritte Welt verkauft. Ca. 5 % müssten beseitigt werden.
RSD AllVorlg.WPT
Ö Vorlagen - Nr. 70/ 33/2005
Seite 2 von 3
Marktberichten zufolge werden ungefähr 90 % der Alttextilien wiederverwendet oder
recycelt. Der Anteil gebrauchsfähiger Kleidung an den eingesammelten Alttextilien
betrage ca. 40 %. Davon seien 3 bis 4 % so gut erhalten, dass sie an
Second-Hand-Läden in Deutschland und Westeuropa verkauft werden. Der Rest wird
hauptsächlich nach Osteuropa und Afrika, aber auch nach Asien und Südamerika
exportiert. Mit den Verkaufserlösen noch tragfähiger Kleidung werden nicht nur Sammlung
und Sortierung, sondern teilweise auch das Recycling, z.B. zu Dämmmaterialien,
subventioniert. Die dafür geeigneten Materialien müssen meist unter den Einkaufs- und
Sortierkosten verkauft werden.
Unter der Überschrift "Altkleider werden weiterverkauft" berichtete die NRZ am 19.02.05
im Düsseldorfer Lokalteil zu diesem Thema. Dort wurde auch eine Irreführung der
Verbraucher bemängelt, die glauben, ihre Kleiderspende diene vollständig einem
caritativen Zweck.
Tatsächlich geht nur ca. 1 % der gebrauchsfähigen Altkleidung an Bedürftige vor Ort oder
in die Katastrophenhilfe. Hier sei allerdings angemerkt, dass die eingesammelten Mengen
an tragfähigen Altkleidern den Bedarf hierfür um ein Vielfaches übersteigen. Auch
caritative Einrichtungen verkaufen die von ihnen gesammelten Alttextilien oft komplett an
Sortierbetriebe und verwenden den Erlös für ihre gemeinnützigen Projekte.
Der Export von Altkleidern in Entwicklungsländer wird seit längerem kontrovers diskutiert.
In diesem Zusammenhang vertritt aber selbst der Dachverband FairWertung e.V., der
unter Transparenzkriterien und Aspekten der Gemeinnützigkeit ein Label an caritative
Organisationen für Altkleidersammlungen vergibt, die Auffassung, dass es zur
kommerziellen Vermarktung von Alttextilien keine Alternative gibt, wenn gebrauchsfähige
Kleidung nicht im Reisswolf oder in der Müllverbrennung landen soll. Allerdings sollten
Importbeschränkungen und Zollbestimmungen eingehalten werden. Dies hat im
gewerblichen Bereich auch der Fachverband Textil-Recycling für seine Mitglieder
festgelegt.
Bei der derzeitigen Beauftragungs- und Vertragslage hat die Stadt nur einen sehr
eingeschränkten Einfluss auf den Verbleib der Alttextilien. Die Stadt hat die AWISTA mit
der Durchführung der Entsorgung von Abfällen aus Privathaushalten - dazu gehören auch
Altkleider - beauftragt. Die Beauftragung erfolgte unter der Maßgabe, dass AWISTA die
"ordnungsgemäße und wirtschaftliche Erledigung ihrer Aufgaben entsprechend den
jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen und den behördlichen Auflagen" sicherstellt.
Weiterhin wird die Verantwortlichkeit der AWISTA gegenüber der Stadt durch die
Beauftragung von Subunternehmen nicht berührt.
Die Verträge mit ihren Subunternehmern für die Altkleidersammlung enthalten nach
Angaben der AWISTA keine Vorgaben zum Verbleib der Alttextilien. Dies ließe sich auf
Betreiben der Stadt natürlich ändern. Je nach Vorgaben wäre dies aber u.U. nicht
gebührenneutral.
3. Ist es wegen der Weiterverwendung der eingesammelten Textilien notwendig, die
Sammlung auf "tragbare" Altkleider zu beschränken?
Ö Vorlagen - Nr. 70/ 33/2005
Seite 3 von 3
Antwort zu Frage 3.
Die vorgenannten Kriterien auf den Sammelcontainern sind sinnvoll. Der Erlös für den
Anteil an gut erhaltener tragfähiger Kleidung finanziert Sammlung, Sortierung und
Recycling von Alttextilien. Derzeit bringt die Altkleidersammlung insgesamt jährlich ein
Plus von gut 350.000 Euro in den Gebührenhaushalt ein. Die Beseitigung eines größeren
Teils der Alttextilien in der MVA würde hingegen größenordnungsmäßig 200.000 Euro an
Zusatzkosten verursachen.
Bürgerinnen und Bürger können gut erhaltene Altkleider separat bei den Fairhäusern
abgeben (www.fairhaus-duesseldorf.de) oder über deren Spenden-Hotline (Tel. 0211-
2209040) einen Abholtermin vereinbaren. Die Fairhäuser wurden von der Lokalen Agenda
Düsseldorf initiiert, sie sind Second-Hand-Kaufhäuser für sozial bedürftige und
einkommensschwache Bürgerinnen und Bürger.
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Ergebnis
Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 04.04.2005 -/-
2
1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant.
2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst.
Amt:
Umweltamt i.V.m. AWISTA GmbH
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Nieß-Mache
RSD AllVorlg.WPT