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AGS/015/2024
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Düsseldorf, 23.02.2024
Ratsfraktion - SPD
An
Ratsherrn Andreas-Paul Stieber
Vorsitzender des Ausschusses
für Gesundheit und Soziales
Anfrage der SPD-Ratsfraktion
zur Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am
05.03.2024
Betrifft:
Abwasseruntersuchungen in Düsseldorf
Sehr geehrter Herr Stieber,
im Rahmen der Coronapandemie ist die Surveillance der Coronaviruslast im
Abwasser zu einem wichtigen Instrument geworden. Auch in Düsseldorf wurden
regelmäßig Messungen durchgeführt. Berichte über die Konzentration der Viren
im Abwasser sind allerdings aufgrund der geringeren tödlich verlaufenden
Coronainfektionen aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten.
In den letzten Jahren wurden zunehmend in Ländern wie den USA und
Großbritannien in Abwasserproben Polio-Viren nachgewiesen. Im Staat New York
hatten die Behörden deshalb im Jahr 2022 sogar den Katastrophenfall
ausgerufen.
Die als Kinderlähmung bekannte, unheilbare Erkrankung bleibt oft
asymptomatisch. In einem kleinen Prozentsatz der Fälle kann das Virus
allerdings in das Nervensystem eindringen und irreversible Lähmungen
verursachen. In Deutschland gilt Polio seit flächendeckenden Impfungen in den
1960er-Jahren als ausgerottet. Allerdings kann ein erneutes Auftreten auch hier
aufgrund zunehmender Skepsis gegenüber Impfungen nicht ausgeschlossen
werden.
Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung
der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 05. März 2024 zu
setzen und von der Verwaltung beantworten zu lassen.
1. Wird das Abwasser in Düsseldorf regelmäßig auf
krankheitserregende Viren und Bakterien getestet, wenn ja,
auf welche?
2. Wie haben sich die Messwerte der Krankheitserreger, hier
insbesondere die Coronaviruslast, seit Oktober 2023
entwickelt?
3. Welche Schlussfolgerungen und Maßnahmen leitet die
Verwaltung aus diesen Messwerten ab?
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Sabrina Proschmann
Seite 2
AGS 015 2024 Antwort der Verwaltung als Text anzeigen
AGS/015/2024
Beigeordneter Zaum
Anfrage der SPD-Ratsfraktion
zur Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 05.03.2024,
Abwasseruntersuchungen in Düsseldorf
Frage 1
Wird das Abwasser in Düsseldorf regelmäßig auf krankheitserregende Viren und Bak-
terien getestet, wenn ja, auf welche?
Antwort
Das Abwasser der Landeshauptstadt Düsseldorf wird seit März 2022 regelmäßig auf
SARS-CoV-2 untersucht. Im Zuge des von der Europäischen Union geförderten ESI-
CorA-Projekts wurde das Abwassermonitoring in einer Kooperation aus Gesundheits-
amt, Stadtentwässerungsbetrieb und der Virologie der Universitätskliniken Düsseldorf
eingeführt. Mittlerweile wird das Monitoring im Rahmen des vom Robert Koch-Institut
koordinierten AMELAG-Projekts weiter betrieben.
Aktuell ist das Erregerspektrum auf SARS-CoV-2 begrenzt. In den nächsten Monaten
wird das Universitätsklinikum das Spektrum der Testung um das RS-Virus sowie In-
fluenza ausdehnen. Diese Daten werden dann auch retrospektiv für Anfang 2024 vor-
handen sein. Im Zuge der UEFA Euro 2024 wird das Panel um Polio- und Mpox-Viren
(früher "Affenpocken") erweitert, um etwaige Einträge dieser Viren frühzeitig erkennen
zu können.
Frage 2
Wie haben sich die Messwerte der Krankheitserreger, hier insbesondere die Corona-
viruslast, seit Oktober 2023 entwickelt?
Antwort
Die Ergebnisse des SARS-CoV-2-Monitorings werden wöchentlich unter
https://www.lzg.nrw.de/inf_schutz/surveillance/abwasser/index.html publiziert. Es
zeigt sich eine Divergenz der Virenlast im Abwasser und den offiziellen Meldezahlen.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Virenlast im Abwasser ansteigt, bevor die be-
troffenen Personen symptomatisch werden. Dadurch entsteht ein zeitlicher Vorsprung
gegenüber den Meldedaten, die auf der Testung symptomatischer Patientinnen und
Patienten basieren.
Frage 3
Welche Schlussfolgerungen und Maßnahmen leitet die Verwaltung aus diesen Mess-
werten ab?
Antwort
Die Abwasserdaten liefern einen validen und von externen Störfaktoren unabhängigen
Trend der aktuellen SARS-CoV-2-Infektionslast in der Düsseldorfer Bevölkerung, wäh-
rend die offiziellen SARS-CoV-2-Meldezahlen gemäß Infektionsschutzgesetz zum ak-
tuellen Zeitpunkt aufgrund der geringen Testbereitschaft Betroffener und Testender
nicht mehr belastbar sind.
Grundsätzlich bietet das Abwassermonitoring eine nicht-invasive, kostengünstige und
personalressourcensparende Alternative zur aktuell durch das Infektionsschutzgesetz
AGS/015/2024
Beigeordneter Zaum
vorgegebenen Gesamterhebung aller SARS-CoV-2-Fälle, bei der in Spitzenzeiten tag-
täglich hunderte Personen abgestrichen, getestet, und die positiven Fälle von Arzt/Ärz-
tin und Labor gemeldet, dokumentiert und an die oberen Gesundheitsbehörden wei-
tergeleitet werden müssen.
Auf Basis des SARS-CoV-2-Abwassermonitorings ist sowohl eine valide Information
der Bevölkerung in Bezug auf das aktuelle Infektionsgeschehen möglich als auch eine
frühzeitige Vorbereitung der medizinischen und pflegerischen Einrichtungen auf stark
steigende Fallzahlen.