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KUA/140/2026
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Beschlussvorlage
Betrifft:
Sammlungsleitlinie „Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft„
Fachbereich:
41 - Kulturamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Miriam Koch
Beratungsfolge:
Gremium SitzungsdatumBeratungsqualität
Kulturausschuss15.10.2026Entscheidung
Beschlussdarstellung:
Der Kulturausschuss der Landeshauptstadt Düsseldorf beschließt die Sammlungsleitlinie
„Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft - Leitlinie der Museen und Stiftungen der
Landeshauptstadt Düsseldorf 2026-2031".
Beschlusslage:
GremiumDatumVorlagennummer mit TitelBeschlussart
Kulturausschuss02.07.2026KUA/118/2026mehrheitlich
Antrag Ratsfraktionen CDU beschlossen
und BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Museum und
Sammlung der Zukunft
Sachdarstellung:
1. Kurzdarstellung
Die Sammlungsleitlinie „Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft" wurde 2026 von den
Museen und Stiftungen der Landeshauptstadt Düsseldorf gemeinsam erarbeitet. Sie
formuliert erstmals sammlungsübergreifende Grundsätze für die Entwicklung, Bewahrung,
Erforschung und Zugänglichmachung der mehr als vier Millionen Objekte umfassenden
Sammlung. Durch den Beschluss des Kulturausschusses wird die Leitlinie zur verbindlichen
Grundlage für die weitere Umsetzung der Transformationsprozesse „Sammlung der Zukunft"
und „Museum der Zukunft" und die aus ihnen hervorgehenden Konzepte und
Maßnahmenpakete.
2. Ausgangslage
Der Kulturausschuss der Landeshauptstadt Düsseldorf hat die Kulturverwaltung in seiner
Sitzung am 02.07.2026 mit den Transformationsprozessen „Sammlung der Zukunft" und
„Museum der Zukunft" beauftragt.
Die Prozesse wurden bereits vorher durch die Verwaltung im Rahmen der Gesamtstrategie
„Zukunft Kultur" als Teilprojekte erarbeitet und auch gestartet. Ziel dieser beiden Teilprojekte
ist die Entwicklung einer neuen, Synergien schöpfende und ressourcenschonende
Organisationsform für die städtischen Spezialmuseen und das Etablieren von gemeinsamen
Standards für Sammlungs- und Museumsarbeit.
So wird die Resilienz gegenüber aktuellen und zukünftigen Herausforderungen erhöht und
eine stärkere Wirkkraft im Sinne der Gemeinwohlorientierung gewonnen.
Die Transformationsprozesse werden vom Projektbeirat „Gemeinsam Kultur gestalten"
begleitet.
Als erster Meilenstein liegt nun die Leitlinie „Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft" vor.
3. Entwicklung der Leitlinie, wesentliche Inhalte und weitere Maßnahmen
Entwicklung der Leitlinie:
Die Erarbeitung der Sammlungsleitlinie erfolgte in den vergangenen Monaten als
gemeinsamer Prozess der beteiligten Museen und Stiftungen. Ziel war es, einen
gemeinsamen fachlichen Rahmen zu entwickeln, der die unterschiedlichen
Sammlungsprofile und institutionellen Voraussetzungen berücksichtigt und zugleich eine
übergreifende Perspektive auf die Sammlung der Landeshauptstadt Düsseldorf ermöglicht.
Beteiligt waren Filmmuseum, Heine-Institut und Schumann-Haus, Hetjens - Deutsches
Keramikmuseum, Schifffahrtmuseum, Stadtmuseum und Theatermuseum Düsseldorf.
Als assoziierte Partner haben zudem Aquazoo - Löbbecke Museum, Kunstpalast, Mahn-
und Gedenkstätte Düsseldorf, Goethe-Museum mit Stiftung Kippenberg und Stiftung Schloss
und Park Benrath am Entstehen der Leitlinie mitgewirkt.
Die Stabstelle Provenienzforschung, das Stadtarchiv und das RED - Restaurierungszentrum
Düsseldorf waren als interne Fachexpert*innen, die Museumsberatung des
Landschaftsverbands Rheinland als externe Fachberatung beteiligt.
Gegenstand der Leitlinie:
Die Leitlinie nimmt gezielt eine übergeordnete Perspektive ein und betrachtet die Sammlung
als Gesamtheit über die Grenzen einzelner Institutionen, Sammlungsbereiche und
Objektgattungen hinweg. Ihre Grundsätze beziehen sich dabei ausdrücklich sowohl auf
Sammlungsbestände im Eigentum der Landeshauptstadt Düsseldorf als auch auf Bestände
in ihrem Besitz, beispielsweise Dauerleihgaben.
Sie ist das erste, sammlungsübergreifende Dokument dieser Art für die Landeshauptstadt
Düsseldorf und definiert grundlegende Standards für den gesamten Sammlungsbestand.
Die Sammlungsleitlinie beschreibt das gemeinsame Selbstverständnis der Museen und
Stiftungen als eine städtische Sammlung und formuliert die Vision der „Sammlung der
Zukunft". Sie schafft damit einen übergreifenden Orientierungsrahmen für die Entwicklung,
Bewahrung, Erforschung und Zugänglichmachung der Bestände.
Im Zentrum stehen Gemeinwohlorientierung, gesellschaftliche Verantwortung, Offenheit und
Teilhabe. Die Sammlung soll als vernetztes Gesamtgefüge weiterentwickelt und stärker mit
den Lebenswelten der Menschen verbunden werden. Dabei sollen unterschiedliche
Perspektiven einbezogen und bislang unterrepräsentierte Lebenswelten stärker
berücksichtigt werden.
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Die Leitlinie benennt zudem das Ziel, in einem gemeinsamen Sammlungszentrum die
Bewahrung der heute dezentral gelagerten Bestände langfristig und nachhaltig zu sichern.
Es soll nicht nur der sachgemäßen Konservierung der Sammlung und der Arbeit mit dem
Sammlungsbestand dienen, sondern sich als Ort der Begegnung mit der Sammlung als Ort
des Wissens und Erfahrungsraum fungieren.
In fünf prägnanten Leitsätzen formuliert die Leitlinie gemeinsame Grundsätze für
Sammlungsentwicklung und -bewertung, Partizipation und Kooperation, nachhaltiges und
ethisch verantwortliches Sammeln und Entsammeln sowie die physische und digitale
Zugänglichkeit der Sammlung mit dem erklärten Ziel der digitalen Öffnung der Sammlung.
Weitere Maßnahmen:
Mit der Verabschiedung der Sammlungsleitlinie wird der gemeinsame strategische und
fachliche Rahmen für die weitere Transformation zur Sammlung und dem Museum der
Zukunft gesteckt.
Auf dieser Grundlage werden im nächsten Schritt die für die Umsetzung erforderlichen
Konzepte und konkreten Maßnahmen entwickelt.
Dazu gehören Konzepte für die zukünftige Organisationsstruktur von Sammlung und
Museen, für Prozesse des Sammelns und Entsammelns, des Sammlungsmanagements, der
Vermittlungs- und Programmarbeit sowie für Museumsstandorte und Sammlungszentrum.
4. Finanzielle Auswirkungen
Ja X Nein
Der Beschluss hat keine finanziellen Auswirkungen.
Anlagen:
Anlage 1_Sammlungsleitlinie_Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft
Seite 3
Anlage 1_Sammlungsleitlinie_Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft als Text anzeigen
Gemeinsam für eine Sammlung der Zukunft
Leitlinie der Museen und Stiftungen der Landeshauptstadt Düsseldorf
2026-2031
Präambel
Die Landeshauptstadt Düsseldorf verfügt über ein reiches kulturelles, kunsthistorisches,
naturkundliches und historisches Erbe, das unterschiedliche Sammlungsbereiche abdeckt und
über Generationen hinweg von sich wandelnden Institutionen bewahrt und entwickelt wurde. Der
Sammlungsbestand umfasst heute mehr als 4 Millionen Objekte verschiedenster Gattungen,
Herkunft, Materialien und Epochen. Dazu gehören Einzelobjekte und Konvolute, darunter
umfangreiche Archivbestände und eine wachsende Zahl an digitalen Objekten. Trotz seines
großen Umfangs und der thematischen Vielfalt, weist er auch Lücken auf: So haben z. B. neuere
Zuwanderungsgeschichte und diverse Lebenswelten bisher nur wenig Eingang in den
Sammlungsbestand gefunden.
Diese Sammlungsleitlinie beschreibt unser gemeinsames Selbstverständnis als eine Sammlung.
Sie definiert Entwicklungsziele, die wir gemeinschaftlich verfolgen und handlungsleitende
Prinzipien, die wir unserer Arbeit mit der Sammlung zugrunde legen. Kurz, sie beschreibt unsere
Vision der Sammlung als Sammlung der Zukunft.
Unsere Sammlungsleitlinie schafft Orientierung für die künftige Entwicklung, Bewahrung,
Erforschung und Zugänglichmachung der Sammlung. Auf ihr aufbauend entstehen Konzepte und
konkrete Maßnahmen zur Umsetzung.
Dabei nehmen wir gezielt eine übergeordnete Perspektive ein und betrachten die Sammlung in
ihrer Gesamtheit - über die Grenzen von Institutionen, Sammlungsbereichen und Objektgattungen
hinweg. Wir wenden die in unserer Leitlinie formulierten Grundsätze nicht nur auf
Sammlungsbestand im Eigentum der Landeshauptstadt, sondern auch in unserem Besitz an. Sie
gilt also ausdrücklich auch z.B. für Dauerleihgaben an uns.
Unsere Leitlinie entstand im ersten Halbjahr 2026. Sie wurde im Auftrag der Beigeordneten für
Kultur, Integration und Gesundheit gemeinsam von den Museen und Stiftungen der
Landeshauptstadt erarbeitet und von internen sowie externen Expert*innen begleitet. Sie ist das
erste, sammlungsübergreifende Dokument dieser Art für die Landeshauptstadt Düsseldorf.
Gleichzeitig soll sie entwicklungsfähig bleiben: Wir überprüfen sie regelmäßig, schreiben sie fort
und tragen dabei veränderten fachlichen, gesellschaftlichen und institutionellen
Rahmenbedingungen Rechnung.
Unsere Sammlung und ihre Geschichte
Die Sammlung der Landeshauptstadt Düsseldorf besteht aus historisch gewachsenen und
institutionell unterschiedlich verankerten Beständen. Ihre Entwicklung lässt sich als langfristiger
Prozess beschreiben, in dem Bestände zu Kunst, Kultur, Natur, Literatur, Musik, Darstellenden
Künsten, Film, Geschichte, Technik und Alltagskultur über Jahrhunderte hinweg aufgebaut,
erweitert und geschärft wurden. Ausgangspunkt waren zunächst kurfürstliche und später vor allem
bürgerschaftliche Initiativen, private Schenkungen, wissenschaftliche Sammlungen, kommunale
Erwerbungen und kulturpolitische Entscheidungen, die zu individuellen Profilen der verschiedenen
Bestände geführt haben.
Unsere Sammlung geht in ihrem Ursprung auf die kurfürstlichen Sammlungen (Gemäldegalerie,
sog. Galérie Électorale, ab 1709 und Bibliothek) zurück. Kunstmuseum und Historisches Museum
entstanden im 19. Jahrhundert, weitere Bestände kamen im 20. und 21. Jahrhundert dazu,
Institutionszuschnitte und Betriebsformen haben sich im Lauf der Zeit verändert.
Die wechselvolle Sammlungsgeschichte und die fortwährende dynamische Entwicklung unserer
Institutionen spiegelt sich im Sammlungsbestand wider. An ihm lässt sich die Entwicklung
Düsseldorfs als Residenzstadt, Bürgerstadt, Kunst- und Kulturstadt, Wirtschaftsstandort, Messe-
und Ausstellungsstadt ablesen. Zugleich beleuchtet die Sammlung in vielen Bereichen nicht allein
Aspekte der Stadt-, sondern auch der regionalen, der Landes-, der west- und bundesdeutschen,
der europäischen und globalen Geschichte. In ihr sind nicht nur herausragende Objekte und
Überlieferungen dokumentiert, sondern auch Alltagskultur, soziale und politische Veränderungen,
technische Entwicklungen, Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge,
Wissenschaftsgeschichte, kulturelle Transfers und internationale Verflechtungen. So ist eine
Sammlung entstanden, die unsere Stadt schon jetzt aus verschiedenen Perspektiven erzählt und
sich durch ihre Vielschichtigkeit und weitreichende Vernetztheit auszeichnet.
Die Sammlung bildet den Kern unserer Arbeit. Unsere Sammlungsleitlinie bildet daher nicht nur die
Grundlage für die Weiterentwicklung der Sammlung zur Sammlung der Zukunft. Sie ist auch der
Ausgangspunkt für einen programmatischen und institutionellen Entwicklungsprozess, den wir
gemeinsam mutig gestalten werden - die Transformation zum Museum der Zukunft.
Unsere Mission
Unsere Sammlung verstehen wir als Wissens- und Erfahrungsspeicher. Ihre Bestände gehören
zum gemeinsamen kulturellen, naturkundlichen und historischen Gedächtnis der
Landeshauptstadt, das in seiner Vielfalt erhalten und weiterentwickelt werden soll. Wir verpflichten
uns dazu, physische und digitale Sammlungsobjekte dauerhaft und sicher zu bewahren, nachhaltig
zu pflegen und im Sinne unseres öffentlichen Auftrags treuhänderisch zu verwalten.
Wir tragen zur Erweiterung dieses Wissensschatzes bei, indem wir Wissen über Bestände
sammeln und aktiv erweitern. Unsere wichtigste Aufgabe besteht in der Kontextualisierung, der
Vermittlung und Zugänglichmachung der Bestände und somit darin, die Interaktion und Resonanz
zwischen der Sammlung und den Menschen möglich zu machen. Wir schaffen so die
Voraussetzungen für einzigartige Begegnungen mit der Sammlung und bieten Orte und
Gelegenheiten für vielfältige Erfahrungen. Als Sammlung öffentlicher, hier: kommunaler
Trägerschaft nehmen wir diese Verantwortung besonders ernst.
Gesellschaftliche Verantwortung und Gemeinwohlorientierung stehen daher im Zentrum unserer
Arbeit. Die enge Beziehung der Sammlung zur Stadt und den Menschen ist ein prägender
Bestandteil unserer Sammlungsgeschichte und bietet das größte Potential für die Entwicklung von
Sammlung und Museum der Zukunft. Vielfalt und Multidimensionalität zeichnen unsere Sammlung
aus. Die Offenheit für neue Perspektiven ist Teil unserer Tradition. Mit Sammlung und Museum der
Zukunft knüpfen wir daran an, in der festen Absicht, neue Dimensionen von Partizipation und
Teilhabe zuzulassen und die Sammlung so zu entwickeln, dass sie auch bisher unterrepräsentierte
Perspektiven und Lebenswelten abbildet. Wir suchen dafür den konstanten Dialog mit der
Stadtgesellschaft und ihren Communities, entwickeln neue Formate der Beteiligung und
Kooperation mit Institutionen und Akteur*innen aus Kultur, Forschung und Bildung, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft.
Unsere Standards
Bei unserer Arbeit folgen wir nationalen und internationalen Standards von insbesondere
International Council of Museums (ICOM) und Deutschem Museumsbund, International Council on
Archives (ICA) und Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare (VDA), sowie European
Confederation of Conservator-Restorers' Organisations (E.C.C.O.) und Verband der
Restaurator:innen (VDR). Wir handeln im Einklang mit den einschlägigen rechtlichen
Bestimmungen auf kommunaler, landes- und bundesrechtlicher sowie internationaler Ebene.
Wir gründen unser Handeln zudem ausdrücklich auf das gemeinsam entwickelte Mission
Statement Diversitätsentwicklung in der Düsseldorfer Kulturlandschaft und die Düsseldorfer
Handlungsfelder Nachhaltigkeit zur Umsetzung der Sustainable Development Goals der Vereinten
Nationen.
Unsere Vision
Unsere Vision von der Sammlung der Zukunft ist die einer multidimensional vernetzten Sammlung
mit konsequentem Bezug zu den Lebenswelten der Menschen. Als Sammlung von digitalen und
physischen Beständen schlägt die Sammlung der Zukunft eine Brücke zwischen Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft.
Gemeinwohlorientierung wird maßgebliches Prinzip der Sammlung der Zukunft und bestimmt
unsere Handlungen im Umgang mit der Sammlung. Weitreichende Kooperation (intern wie extern),
intensiver Dialog, maximale Offenheit und Transparenz machen wir zu unserer Grundhaltung.
Partizipation ist daher für uns nicht nur Experiment, sondern Auftrag: Partizipations- und
Dialogformate begleiten alle unterschiedlichen Aspekte des Sammelns und unserer Arbeit mit der
Sammlung. Die Sammlung selbst und unser Sammeln und Bewahren werden fester Bestandteil
unserer Vermittlungskonzepte.
Dabei binden wir alle Menschen in Düsseldorf ein - unabhängig von Alter, sozialer Herkunft,
Migrationsgeschichte und Nationalität, sexueller Orientierung, Geschlecht und geschlechtlicher
Identität, Religion und Weltanschauung sowie körperlichen und geistigen Fähigkeiten.
Das gilt auch für die Weiterentwicklung unserer Sammlung: Wir etablieren Beteiligungsformate und
ermöglichen es so den Menschen - Individuen wie Communities - (Sammlungs-)Geschichte
mitzuschreiben. Unser Verständnis der Sammlung als vernetzte Einheit setzen wir um, indem wir
Sammlungsentscheidungen zielgerichtet und auf der gemeinsamen strategischen und
organisatorischen Basis treffen, die im Zuge der Transformation zu Sammlung und Museum der
Zukunft entsteht. Maßgeblich dafür ist die Sicht auf die Sammlung als gewachsenes
Gesamtgefüge, das in Bewegung bleibt. Diese Perspektive hilft uns, Schwerpunktbereiche zu
bilden, Bestandsgruppen auf ihre Bedeutung hin zu prüfen, fehlende Aspekte zu identifizieren und
Sammlungslücken gezielt zu schließen.
Unsere Vision von der Sammlung der Zukunft als Wissensspeicher und Erfahrungsraum beinhaltet
außerdem maximale Zugänglichkeit des Sammlungsbestands selbst und der zugehörigen
Kontextinformationen. Unsere Prinzipien von Offenheit und Transparenz und gelebter Teilhabe
wenden wir sowohl im physischen wie auch im digitalen Raum an. Wir zeigen die Sammlung in
Ausstellungen und online. Die vollständige digitale Erfassung, die Digitalisierung und möglichst
umfassende digitale Bereitstellung des gesamten Sammlungsbestands sind Ziel unserer
Sammlung der Zukunft. Mit der offenen Bereitstellung (Open Access) und transparenten
Rechtekennzeichnung verleihen wir der Sammlung Sichtbarkeit und Reichweite und legen so den
Grundstein für weitere Vernetzung und vielfältige Nachnutzung unserer Sammlung.
Zugänglichkeit prägt auch unsere Vision für die Bewahrung der Sammlung der Zukunft: Ein
zeitgemäßen Nachhaltigkeitsstandards entsprechendes Sammlungszentrum führt die heute
dezentral und oft unter unzureichenden Bedingungen gelagerten Sammlungsbestände an einem
Ort zusammen. Dieser dient nicht nur als Ort ihrer dauerhaften, sachgemäßen Konservierung und
als Ort für unsere Arbeit mit der Sammlung: Das Sammlungszentrum ist auch ein Ort für die
Begegnung mit der Sammlung, der sich allen Menschen öffnet, vielfältige Angebote bereithält und
so selbst als Ort des Wissens und Erfahrungsraum fungiert.
Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, orientieren wir unser Handeln an gemeinsamen
Prinzipien. Die folgenden Leitsätze beschreiben die Grundsätze, die unsere Entscheidungen
prägen und die Transformation zur Sammlung der Zukunft in ihren zentralen Handlungsfeldern
leiten.
Leitsätze für eine Sammlung der Zukunft
Wir reflektieren kontinuierlich Wert und Relevanz unserer Sammlung
Der Wert eines Objekts oder Bestands für unsere Sammlung ergibt sich aus verschiedenen
Dimensionen, nicht allein aus seiner Materialität oder Unikalität, sondern auch aus ideellen
Faktoren. Es sind vor allem seine künstlerischen, historischen, naturkundlichen, gesellschaftlichen
oder identitätsstiftenden Bezüge, die ihm Relevanz für unsere Sammlung verleihen. Diese lassen
sich im Dialog zwischen Fachexpertise und Öffentlichkeit erkennen.
Die kontinuierliche Prüfung der Relevanz unserer Bestände verstehen wir als fortlaufende Aufgabe.
Dabei berücksichtigen wir auch, dass Relevanz und Wert sich im Lauf der Zeit wandeln. Unser Ziel
ist eine Sammlung von hoher fachlicher und gesellschaftlicher Relevanz. Daher sind wir auch
bereit, auf dieser Basis Neubewertungen von Objekten und Beständen vorzunehmen und diese im
Wissen um unsere Verantwortung für kommende Generationen umzusetzen. Zugleich sind wir
aktiv auf der Suche nach relevanten Aspekten im Rahmen unseres Profils, die von unserer
Sammlung nicht oder nicht ausreichend behandelt werden.
Wir leben Partizipation und pflegen langfristige Kooperationen
Wir entwickeln die Sammlung im Dialog zwischen Fachexpertise und Öffentlichkeit,
Herkunftsgemeinschaften und Communities. Dabei übernehmen wir bewusst auch eine
Moderationsfunktion. Partizipation und langfristige, vertrauensvolle Allianzen erweitern die
Perspektiven auf die Sammlung. Deutungskompetenzen verteilen wir auf mehrere Schultern.
Unterschiedliche Wissensformen führen wir zusammen und erweitern damit den Kontext unserer
Sammlung. Damit schaffen wir auch eine zusätzliche Wissensgrundlage für Entscheidungen, die
in unserer fachlichen Verantwortung getroffen werden. Dies gilt für das Sammeln ebenso wie für
das Entsammeln, für die wir gemeinsame Standards und partizipative Formate entwickeln.
Sammeln heißt für uns, Verantwortung zu übernehmen
Die Weiterentwicklung der Sammlung gehört zu unseren Aufgaben. Sie ist verbunden mit der
Verpflichtung zur langfristigen Bewahrung, Erforschung und Zugänglichmachung der Bestände
gemäß der jeweils geltenden Standards. Wir fokussieren deshalb beim Sammeln nicht
ausschließlich auf Relevanz, sondern machen es zusätzlich zur Bedingung, Objekte und Bestände
nur dann in unsere Sammlung aufzunehmen, wenn wir dieser Verpflichtung auch nachkommen
können.
Nachhaltigkeit ist aus diesem Grund ein verbindliches Prinzip für die Sammlung der Zukunft: Sie
umfasst für uns den verantwortungsvollen und langfristig tragfähigen Umgang mit Ressourcen in
ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Dieser Anspruch gilt für uns bei der Aufnahme
neuer Objekte und Bestände ebenso wie in Infrastruktur, Depotmanagement, Konservierung und
Restaurierung, Leihverkehr, Personal, Finanzierung und allen weiteren Bereichen der Sammlungs-
und Museumsarbeit. Unsere Sammlungstätigkeit richten wir kontinuierlich ressourcenbewusst,
klimaverträglich und generationengerecht aus.
Unser Sammeln und die Arbeit mit der Sammlung folgen ethischen Grundsätzen. Besondere
Sorgfalt gilt dabei unter anderem Sammlungsgütern, die ehemaligen Besitzer*innen im Kontext des
Nationalsozialismus oder anderer Unrechtszusammenhänge entzogen wurden oder in kolonialen
Kontexten stehen. Wir erforschen und dokumentieren die Herkunft von Sammlungsobjekten
kontinuierlich und systematisch. Erkenntnisse aus der Provenienzforschung fließen in unsere
Sammlungsentscheidungen ein und können zu Neubewertungen, Rückgaben oder anderen fairen
Lösungen führen. Dabei folgen wir den einschlägigen nationalen und
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.