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Title: Informationsvorlage
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00584373.pdf
Published Time: 2026-04-22T16:17:00.000Z
Number of Pages: 3
Markdown Content:
JHA/043/2026
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# Informationsvorlage
Betrifft:
Projekt: „Düsseldorf fragt nach – mehr Beteiligung wagen''
„Beteiligung von Armutsbetroffenen, Expertise zur Armutsbekämpfung sowie Sozialplanung
in Nordrhein-Westfalen'' (Förderaufruf des MAGS)
Fachbereich:
51 - Amt für Soziales und Jugend
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Jugendhilfeausschuss 13.05.2026 Kenntnisnahme
Ausschuss für Gesundheit und
Soziales 19.05.2026 Kenntnisnahme
Hintergrund
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat im Jahr 2025 finanzielle Mittel zur
Umsetzung von „Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und für den sozialen Zusammenhalt“
bereitgestellt. Als zuständiges Amt für das Handlungsfeld „Bekämpfung von Armutsfolgen“
im Rahmen des Düsseldorfer Nachhaltigkeitsprozesses ist das Amt für Soziales und Jugend
dem Förderaufruf des Ministeriums gefolgt und hat einen Antrag für den Baustein 1
„Stärkung der politischen Beteiligung von Menschen mit Armutserfahrung“ eingereicht.
Dieser Antrag wurde positiv beschieden.
Sachdarstellung
In Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität und der Hochschule Düsseldorf wurde im
Zeitraum 01.08.2025 bis 31.12.2025 das Projekt „Düsseldorf fragt nach - mehr Beteiligung
wagen“ durchgeführt.
Im Mittelpunkt stand die Fragestellung, wie eine politische Beteiligung von Menschen mit
Armutserfahrung gestaltet werden kann. In diesem Zusammenhang wurden partizipative
Grundlagen für die Entwicklung eines Konzepts zur Einbindung armutsbetroffener Menschen
in lokale Verwaltungs- und politische Entscheidungsprozesse in Düsseldorf erarbeitet. Seite 2
In fünf sozialen Einrichtungen, die von unterschiedlichen Zielgruppen armutsbetroffener
Menschen besucht werden, wurden Workshops durchgeführt. Im Rahmen dieser Workshops
wurden folgende drei unterschiedliche Beteiligungsformate als mögliche Modelle für eine
eigene Beteiligung vorgestellt und gemeinsam diskutiert:
1. der Beirat , 2. die Stadtteilkonferenz sowie 3. das Vorbereitungstreffen als Austausch-
und Schulungsformat.
Drei Leitfragen standen im Mittelpunkt:
Wie sollte das jeweilige Format ausgestaltet sein?
Welche Themen sollten behandelt werden?
Aus welchen Gründen beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen würden
Bürger*innen an einem solchen Format teilnehmen?
Als Ergebnis der Workshops lässt sich festhalten, dass keine eindeutige Empfehlung für ein
bestimmtes Beteiligungsformat abgeleitet werden kann, da alle diskutierten Formate Vor-
und Nachteile aufweisen.
Dabei konnten sowohl formatübergreifende Gelingensfaktoren in Form von Anreizen als
auch Hemmnissen für eine erfolgreiche Partizipation identifiziert werden.
Hemmnisse der Beteiligung armutsbetroffener Menschen
>
Viele Betroffene empfinden Scham oder Unsicherheit, ihre Lebenssituation öffentlich zu
thematisieren. Ohne einen sensibel gestalteten, geschützten Raum wird dies zur
Teilnahmebarriere.
>
Sprachbarrieren und die Annahme, gute Deutschkenntnisse seien Voraussetzung,
können abschreckend wirken. Übersetzungsangebote, einfache Sprache und
unterstützende Begleitung sind notwendig.
>
Fehlende zielgruppenspezifische Formate und unzureichend zugängliche bestehende
Gremien erschweren die Beteiligung.
>
Unterschiedliche Bedürfnisse der Zielgruppen erfordern flexible Formate.
>
Beteiligung ist erschwert, wenn keine langfristige strukturelle Verankerung und stabile
Rahmenbedingungen bestehen.
Anreize, die zur Beteiligung motivieren
>
Das Erleben von Gemeinschaft und Austausch motiviert zur Teilnahme: Menschen
möchten Gleichgesinnte treffen, sich vernetzen und Unterstützung erfahren.
>
Materielle Anerkennung wie Carepakete, Gutscheine oder gemeinsames, kulturell
sensibles Essen wird als Wertschätzung wahrgenommen und schafft Zugehörigkeit.
>
Die Teilnahme wird erleichtert, wenn zeitliche Freistellungen von Arbeit oder anderen
Verpflichtungen möglich sind.
Fazit
Die nächsten Schritte bestehen darin, folgende Fragestellungen weiter zu behandeln:
Wie können armutsbetroffene Menschen durch bestehende Angebote der sozialen
Infrastruktur besser erreicht und einbezogen werden?
Wie können bestehende Beteiligungsformate so ausgestaltet und beworben werden,
dass auch armutsbetroffene Menschen eine Chance zur aktiven Mitwirkung erhalten
– beispielsweise durch eine Kandidatur in Gremien wie Jugend-, Senioren- oder
Behindertenrat sowie in Schulpflegschaften oder Elternbeiräten?
Wie kann das Thema Beteiligung mit den öffentlichen, niedrigschwelligen
Begegnungsräumen, den „Sozialen Orten“, verknüpft werden, um Zugänge zur
Mitwirkung zu erleichtern? Seite 3
Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die am Projekt beteiligten armutsbetroffenen
Menschen Interesse an einem weiteren Austausch haben. Für einen großen Teil der
Workshop-Teilnehmenden wäre eine eigene Beteiligung sehr viel einfacher, wenn dafür ein
geschützter Raum („Safe Space“) zur Verfügung stünde. Ein Beteiligungsformat, das sich
ausschließlich an armutsbetroffene Menschen richtet, ähnlich dem „Vorbereitungstreffen“,
könnte einen solchen geschützten Raum bieten und zugleich einen wichtigen Beitrag zur
Stärkung von Teilhabe und politischer Handlungsfähigkeit leisten.
Sofern seitens des MAGS ein erneuter Förderaufruf erfolgt, bestünde die Möglichkeit, ein
entsprechendes Anschlussprojekt zu beantragen und die begonnenen Ansätze systematisch
weiterzuentwickeln.
Anlagen:
Abschlussbericht „Düsseldorf fragt nach – mehr Beteiligung wagen'' inklusive Anhänge