Informationsvorlage als Text anzeigen
AGS/082/2026
X öffentlich nicht öffentlich
Informationsvorlage
Betrifft:
"Queer im Alter"
Fachbereich:
51 - Amt für Soziales und Jugend
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium SitzungsdatumBeratungsqualität
Ausschuss für Gesundheit und
13.10.2026Kenntnisnahme
Soziales
Ausschuss für Gleichstellung und
03.11.2026Kenntnisnahme
Antidiskriminierung
Seniorenrat27.11.2026Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
1.Sensibilisierung von städtischen Beratungsstellen
Mit Beschluss vom 12.12.2024 hat der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf 50.000 Euro
zur Verfügung gestellt und die Verwaltung beauftragt, den Beschäftigten in Beratungsstellen
für Seniorinnen und Senioren Fortbildungen anzubieten, um vorhandene Kompetenzen für
die Beratung von queeren Seniorinnen und Senioren zu erweitern.
Im Amt für Soziales und Jugend wurde daraufhin ein Fortbildungsangebot in Form eines
webbasierten Trainings (WBT) geschaffen. Die Umsetzung erfolgt mit der E-Learning-
Software Articulate 360, welche verwaltungsweit als Standardlösung für die Entwicklung
webbasierter Trainings eingesetzt wird.
Die praxisorientierte Fortbildung richtet sich an Beschäftigte, die im Rahmen ihrer Tätigkeit
mit älteren Menschen in Kontakt stehen und hierbei ältere LSBTIQ+ Menschen kompetent
und diskriminierungssensibel beraten möchten.
Die Produktion des WBT wurde im August 2026 abgeschlossen. Seitdem befindet sich das
Training in der fachlichen Testphase. Diese erfolgt durch die zuständigen Mitarbeitenden des
Amtes 51 sowie durch Beteiligte aus Düsseldorfer Beratungsstellen für die queere
Community.
Ergänzend ist vorgesehen, Videointerviews mit queeren älteren Menschen aus Düsseldorf in
das WBT aufzunehmen, sofern entsprechende Interviewpartner*innen gewonnen werden
können.
Weiteres Vorgehen
Die Bereitstellung des WBT für die Beschäftigten erfolgt über die Lernstadt der
Personalakademie (Amt 10) als zentrale Lernplattform und ist für das 4. Quartal 2026
vorgesehen. Der konkrete Bereitstellungstermin ist abhängig von der Durchführung und
Verfügbarkeit der vorgesehenen Videointerviews.
Kosten
Durch den Verzicht auf Präsenzschulungen konnte ein Großteil der vom Rat zur Verfügung
gestellten Summe eingespart werden. Allerdings werden in den nächsten Jahren weitere
Lizenzkosten entstehen. Gleichzeitig ist durch das Onlineformat die Schwelle zur Teilnahme
insbesondere aufgrund der Zeitersparnis niedriger.
Für die Entwicklung des WBT wurden drei Schulungspakete für die Software Articulate 360
zu jeweils 1.367,31 EUR erworben. Die hierfür entstandenen Gesamtkosten betragen
einmalig 4.101,93 EUR.
Darüber hinaus wurden in den Jahren 2025 und 2026 zur Erstellung und Aktualisierung des
WBT jeweils drei Softwarelizenzen Articulate zu einem Preis von 1.870,68 EUR je Lizenz
und Jahr beschafft.
Die bisherigen Lizenzkosten belaufen sich somit auf 11.224,08 EUR.
Für den weiteren Betrieb sowie die Pflege des WBT entstehen ab dem Jahr 2027 ebenfalls
jährliche Lizenzkosten in Höhe von 5.612,04 EUR. Eine entsprechende finanzielle Deckung
für diese laufenden Kosten ist derzeit noch offen.
2.Projektmittel für Sensibilisierungsmaßnahmen
Nach Wegfall der Angebote der Anlaufstelle „Queer im Alter" konnte durch die o.g. Projekte
lediglich ein Bruchteil der bislang erbrachten Leistungen aufgefangen werden, da lediglich
Sachkosten und keine Personalkosten mehr bereitgestellt wurden. Es konnten bisher
folgende Projekte gefördert werden:
Aidshilfe CSD 2026 1.000 €
Diakonie CSD 2026 1.700,02 €
Diakonie Workshop Queere Tages Pflege Vielfalt 1.000 €
Aidshilfe Infoflyer Runder Tisch 1.200 €
Aidshilfe Infoveranstaltung queere Bestattungskosten 450 €
Aidshilfe Koordination Runder Tisch 1.600 €
Summe 6.950,02 €
Beratungsangebote durch für die Zielgruppe wichtige Vertrauenspersonen waren hingegen
nicht möglich. Hier entsteht eine erhebliche Lücke im Beratungskontext.
Derzeit ist ein Fachtag geplant, der aus den Projektmitteln gefördert werden sollte. Da sich
die Durchführung verzögert, müssten die restlichen Mittel in das Jahr 2027 übertragen
werden, ansonsten würde der Fachtag nicht stattfinden können.
3.Abschlussbericht der Anlaufstelle „Queer im Alter"
Aufgabe und Ziel der Anlaufstelle war es, einen diskriminierungsfreien Umgang mit älteren
LSBTIQ+ in den Düsseldorfer Strukturen der offenen Seniorenarbeit sowie der Einrichtungen
im vorpflegerischen und pflegerischen Bereich zu erreichen.
Die Anlaufstelle „Queer im Alter" verstand sich dabei als Interessenvertretung für die
Belange von älteren LSBTIQ+ ab 55 Jahren, mit und ohne Behinderung, unabhängig von
Seite 2
Nationalität, Hautfarbe, Kultur- oder Religionszugehörigkeit oder sozialer Herkunft.
Grundlegendes Ziel der Anlaufstelle war es, Selbstbestimmung, Teilhabe, Zugehörigkeit und
Mitbestimmung älterer LSBTIQ+ zu fördern. Aufgrund fehlender Weiterfinanzierung stellte
die Anlaufstelle ihre Arbeit zum 31.03.2026 ein.
Die Anlaufstelle stellt ihren Abschlussbericht für die Laufzeit vom 01.01.2025 bis 31.03.2026
vor
Anlagen:
Abschlußbericht QiA 2025-2026
Seite 3
Abschlußbericht QiA 2025-2026 als Text anzeigen
Abschlussbericht 2025-2026
Projekt: Queer im Alter - Anlauf- und Beratungsstelle für LSBTIAQ+ ab 55 und
Fachkräfte in der Pflege
Projektträger: AWO Kreisverband Düsseldorf e.V. und Aidshilfe Düsseldorf e.V.
Förderzeitraum: 01.01.2025 - 31.03.2026
1. Sachbericht
1.1 Zielsetzung des Projekts
Ziel des Projekts „Queer im Alter" ist die Verbesserung der psychosozialen
Versorgung, Beratung und gesellschaftlichen Teilhabe von LSBTIAQ+ Personen ab 55
Jahren in Düsseldorf sowie die Sensibilisierung von Fachkräften in Pflege,
Gesundheit und offener Senior*innenarbeit. Das Projekt wirkt Diskriminierung,
Vereinsamung und Versorgungsbarrieren entgegen und fördert eine
diskriminierungsfreie, queersensible Pflege- und Beratungslandschaft.
1.2 Zielgruppen
• LSBTIAQ+ Personen ab 55 Jahren
• Fachkräfte aus Pflege, Gesundheit und offener Senior*innenarbeit
• Ehrenamtlich Engagierte im sozialen Bereich
1.3 Durchgeführte Maßnahmen
Anlauf- und Beratungsstelle
Im Förderzeitraum wurde die Anlauf- und Beratungsstelle „Queer im Alter"
erfolgreich betrieben. Es wurden 3.057 Personen der queeren Community und
692 Pflege- und Gesundheitsfachkräfte (und weitere 85 Personen) erreicht.
Überwiegend an den Standorten der beteiligten Trägerinnen wurden 429
Beratungen niedrigschwellig durchgeführt.
Entsprechend der Entwicklung von einer Fachstelle zu einer Anlauf- und
Beratungsstelle sind die Zahlen gestiegen, die Beratungsinhalte sind aber auch
komplexer geworden. Inhalte waren: Pflege- und Sozialberatung und Psychosoziale
Beratung.
Eine enge Kooperation mit der frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. (queer-
lesbische Beratung) und anderen Beratungsstellen wurde erfolgreich umgesetzt, um
Doppelstrukturen auszuschließen und bedarfsgerecht weiterzuvermitteln.
Netzwerk- und Kooperationsarbeit
Ein tragfähiges Netzwerk aus Initiativen, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und
Träger*innen wurde weiter auf- und ausgebaut. Ziel war die Bündelung vorhandener
Ressourcen sowie die Verbesserung der Zugangswege zu Regelangeboten der
Mehrheitsgesellschaft.
1
Community-Arbeit und Veranstaltungen
Zur direkten Ansprache der Zielgruppe wurden öffentliche Veranstaltungen
durchgeführt. Thematische Schwerpunkte lagen u. a. auf:
• Patient*innenverfügung, Vorsorge und Vertretungsvollmachten
• Testamentsgestaltung
• Zugang zu Pflege- und Betreuungsdiensten
• queeren Lebensrealitäten im Alter
• queere Bestattungsvorsorge
• Freizeitangebote
• Gruppenarbeit
Diese Angebote dienten sowohl der Information als auch der Vertrauensbildung
gegenüber Unterstützungsstrukturen.
Fortbildungen und Sensibilisierung
Im Jahr 2025 wurden Fortbildungsangebote für Fachkräfte realisiert. Thematische
Schwerpunkte waren u. a.:
• Diversitysensible Pflege
• Demenz und Queerness
• HIV in der Pflege
• Queere Menschen in der palliativen Versorgung
Intersektionale Diskriminierungserfahrungen (z. B. Queerness und Behinderung oder
Rassismus) wurden dabei ausdrücklich berücksichtigt.
Öffentlichkeitsarbeit
Zur Steigerung der Sichtbarkeit des Projekts wurde kontinuierliche
Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Ein monatlich erscheinender Newsletter richtete
sich gezielt an 350 Personen aus den queeren Communities sowie Fachkräfte.
Ziel war es, auch schwer erreichbare Personen anzusprechen und über bestehende
Angebote zu informieren. Weiterhin gab es Interviews in Podcasts und in der
Rheinischen Post, Neuen Rhein Zeitung und der Lokalzeit Düsseldorf über die Arbeit
von Queer im Alter.
1.4 Ergebnisse und Wirkungen
• Verbesserung des Zugangs queerer Senior*innen zu Beratungs- und
Unterstützungsangeboten
• Stärkung des Vertrauens in Pflege- und Versorgungsstrukturen
• Erhöhte Sensibilität und Fachkompetenz bei Pflege- und
Gesundheitsfachkräften
• Reduktion von Isolation und Vereinsamung durch Vernetzung und
Teilhabeangebote
Die Projektziele wurden im Förderzeitraum weitgehend erreicht, bleiben aber
dauerhaft bestehen.
2
2. Ausblick
Die geschaffenen Strukturen und Angebote in der offenen queeren
Senior*innenarbeit und den Fortbildungen für Einrichtungen der Pflege werden mit
dem Wegfall von „Queer im Alter" nicht aufrechtzuerhalten sein.
Das aufgebaute Vertrauen der queeren Communities in Hilfe- und
Unterstützungssysteme wird zerstört. Die Komplexität der Beratungen hat in den
letzten Jahren extrem zugenommen, dieser Bedarf kann nun nicht mehr gedeckt
werden. Queere Menschen werden in Zukunft wieder stärker von Alterseinsamkeit
betroffen sein, ihre Resilienzsysteme werden nachhaltig geschwächt.
Der intensive Kontakt mit Pflegeschulen, -einrichtungen und anderen Systemen in
der Versorgung pflegebedürftiger queerer Menschen wird unterbrochen.
Fortbildungen uns Sensibilisierungen werden in der Form nicht weitergeführt
werden.
Im Projekt „Queere Wahlgroßeltern", eine Kooperation von Queeres Netzwerk NRW,
AWO Regenbogenfamilien und „Queer im Alter" wurde die Zusammenarbeit beendet.
Auf Basis der in den Projekten „Altern unterm Regenbogen" und „Queer im Alter"
gewonnenen Erkenntnisse wurde die Konzeption eines queersensiblen Begleit- und
Besuchsdienstes erstellt. Hierbei sollten die Initiative Ehrenamt der AWO Düsseldorf
sowie die Ehrenamtskoordination der Aidshilfe Düsseldorf in die Überlegungen
einbezogen werden. Ziel war eine nachhaltige Struktur zur Prävention von
Vereinsamung und zur würdevollen Unterstützung queerer Senior*innen. Dieses
Projekt wird nun nicht realisiert werden können.
3