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ADIG/029/2024
X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, 30.08.2024
An den Vorsitzenden
des Ausschusses für Digitalisierung und allgemeine Verwaltungsorganisation
Herrn Peter Rasp
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE. Düsseldorf zur Sitzung des ADIG
am 31.10.2024
Betrifft:
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE: Auswirkungen des Postgesetzes auf
Düsseldorf
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
zur Sitzung des ADIG am 31.Oktober 2024 stellt DIE LINKE. Ratsfraktion
Düsseldorf folgende Anfrage:
Seit der Privatisierung der Bundespost in den Neunzigerjahren hat sich die
Zuverlässigkeit des Dienstes entscheidend verschlechtert. Die gleichzeitige
Öffnung für private Postdienstleister sollte für Wettbewerb und günstige Preise
sorgen, so die Argumentation der Privatisierungsbefürworter. Tatsächlich ist aus
Sicht nicht nur der LINKEN das Gegenteil eingetreten.
1
Anfang 2025 will die Bundesregierung nun über eine Novelle des Postgesetzes
die Briefversorgung der Bevölkerung verschlechtern, indem die Deutsche Post
als "Universaldienstleister" Briefe nicht mehr am nächsten Werktag, sondern erst
nach drei Tagen zustellen muss.
2
Für eine Zustellung eiliger Post am nächsten
Werktag (also wie bisher) sollen Kund:innen künftig extra zahlen ("Prio"-Brief).
Die Gewerkschaft ver.di ist sich sicher, dass die Aufweichung der Zustellgarantie
sogar als Argument herhalten wird, um weitere Arbeitsplätze zu streichen und
sich also die Zuverlässigkeit nicht verbessern wird. Jürgen Knoll von der
Gewerkschaft ver.di Ludwigshafen sagte der Tagesschau: "Wenn ich nur alle drei
Tage zustelle, brauche ich weniger Leute. Das ist reine Profitmaximierung."
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1
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/post -beschwerden-briefe-
pakete-spaet-verloren-100.html
2
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/brief-zustellung-verspaetung-
postgesetz-100.html
3
ebd.
Seite 2
Es ist klar, dass eine längere Laufzeit von Briefen und ein Kostenaufschlag für
eine Beförderung in der bisher "normalen" Geschwindigkeit einen weiteren
Anreiz auch für Behörden darstellt, auf elektronischen Versand auszuweichen.
Insbesondere die finanzschwachen Kommunen werden sich gut überlegen
müssen, ob der teurere "Prio"-Brief für Amtsschreiben die Standardoption
werden kann.
Potentiell Leidtragende sind Menschen, die auf digitalem Wege nicht erreichbar
sind; laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes von 2023 waren
3,4 Millionen Deutsche zwischen 16 und 74 Jahren noch nie online. Besonders
ältere Menschen sind (aus verschiedenen Gründen) nicht online; bei den 65- bis
74-Jährigen sind es 17 Prozent; viele davon Frauen.
DIE LINKE Ratsfraktion Düsseldorf fragt an:
1. Welche Änderungen wird die Verwaltung vorau ssichtlich beim
postalischen Versand von amtlichen Schreiben vornehmen
müssen, damit aus der längeren Beförderungsdauer keine
Nachteile für die Empfänger:innen entstehen, insbesondere bei
Fristsachen?
2. In welchem Umfang wird die Verwaltung voraussichtlich den
Versand von Post per "Prio -Brief" nutzen? (Bitte nach Möglichkeit
in absoluten Schätzzahlen und Anteilen am gesamten
Briefvolumen.)
3. Wird die Verwaltung die besondere Situation von Menschen ohne
Internetzugang bei der Entscheidung über digitale
Versandformen von Beginn an berücksichtigen; insbesondere bei
Fristsachen?
Mit freundlichen Grüßen
Chris Demmer Helmut Born
f.d.R. Sönke Voigt