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Title: 00561110.pdf
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00561110.pdf
Published Time: Mon, 03 Nov 2025 17:50:30 GMT
Number of Pages: 5
Markdown Content:
AUS/034/2025
X öffentlich nicht öffentlich
# Informationsvorlage
Betrifft:
Bericht zum Auftrag "Vorgärten ohne Versiegelung"
Fachbereich:
19 - Amt für Umwelt - und Verbraucherschutz
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordneter Jochen Kral
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ausschuss für Umwelt -,
Klima - und Verbraucherschutz 20.11.2025 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Der Antrag AUS/025/2024 „Vorgärten ohne Versiegelung“ beinhaltet zwei einzelne
Arbeitsaufträge, deren Ergebnisse gemeinsam in den entsprechenden Gremien
vorgelegt werden sollen. Dabei geht es zum einen um die Durchführung eines
Pilotprojekts und zum anderen um die Konzeption eine s Förderprogramms. Im
Folgenden werden die Ergebnisse zu den beiden Arbeitsaufträgen dargestellt.
Vorangestellt sei, dass die im Antrag genannten „versiegelten Vorgärten“ bei der
Bearbeitung des Antrages als Schottergärten übersetzt wurden. Dabei wurde die
Definition nach der Novelle der Landesbauordnung NRW genutzt, die seit 1. Janaur
2024 gilt: „Mit dem Begriff „Schottergarten“ sind Grünflächen, zumeist Vorgärten,
gemeint, die größtenteils mit Folie oder Vlies und anschließend Schotter, Splitt, Kies
oder Mulchmaterialien wie Rindenmulch oder Holzhackschnitzel bedeckt werden und
keine oder spärliche Bepflanzung aufweisen.“ Die Verwaltung geht davon aus, dass
alle Schottergärten (größtenteils versiegelt aber auch unversiegelt) mit dem Antrag
gemeint sind. Ab er auch Gärten, die durch Pflastersteine versiegelt sind. Daher ist im
Folgenden nur von Schottergärten die Rede, zumal im Rahmen der Untersuchungen
keine Unterscheidung möglich war.
AUS/025/2024 Teil 1: Pilotprojekt
Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahm en eines Pilotprojektes
ein räumlich abgegrenztes Gebiet in der Stadt Düsseldorf zu benennen,
welches besonders gut geeignet ist, die Problemlage versiegelter Vorgärten zu
beschreiben und zu erfassen. Seite 2
in diesem Gebiet im Rahmen von Beratungsgesprächen, pos talischen
Informationen und stichprobenartigen Sichtungen durch das Umweltamt
unterschiedliche Dialog - und Handlungsansätze zu erproben.
die Ergebnisse im AUS, im AÖE, im APS und in der zuständigen
Bezirksvertretung vorzustellen.
Ergebnisse zu Teil 1: Pilotprojekt
Als Pilotgebiet wurde ein ca. 12,8 ha großes Wohngebiet (Gartenstadt Reitzenstein)
ausgewählt, das im Jahr 2017 fertigstellt wurde und in dem – dem ersten
Augenschein nach - relativ viele Schottergärten sichtbar sind. Hier wurden folgende
Unte rsuchungen durchgeführt:
Drohnenbefliegung mit Wärmebildkamera
Das Pilotgebiet wurde am 5. September 2024 zwischen 14 und 15 Uhr mittels
einer Drohne mit Wärmebildkamera überflogen, um Orte mit hoher
Wärmeabstrahlung zu identifizieren. Es lagen dabei ideal e Bedingungen für den
Drohnenflug vor wie wolkenloser Himmel, trockenes Wetter und hohe
Tagestemperaturen. Die Drohne flog auf einer Route in einer Höhe unter
30 Metern. Dabei wurden nur öffentliche Flächen und Verkehrswege sowie die
Bereiche vor den Häuse rn thermografisch erfasst. Der Drohnenflug wurde in der
Presse angekündigt, außerdem standen Mitarbeitende der Verwaltung vor Ort als
Ansprechpartner zur Verfügung.
Im Ergebnis wurde ein Film erstellt, der die Wärmeabstrahlung als
Oberflächentemperaturen d er im Rahmen des Drohnenflugs erfassten Flächen
zeigt. Die Skala der Oberflächentemperaturen reichte dabei von 10 °C bis 50 °C.
Die niedrigsten Oberflächentemperaturen wiesen dabei begrünte, schattige
Bereiche auf. Die höchsten Temperaturen wurden von schw arzen Kraftfahrzeugen
erreicht. Die Oberflächentemperaturen der Schottergärten lagen dazwischen.
Zu beachten ist, dass die gemessene Oberflächentemperatur nicht mit der
Lufttemperatur verwechselt werden darf, die sich bei meteorologischen
Messungen auf ein e einheitliche Höhe von zwei Metern über Grund bezieht. Es
besteht keine lineare Korrelation zwischen den beiden Größen. Vor allem
korrelieren tagsüber die räumlichen Unterschiede der Oberflächentemperatur
nicht mit denen der Lufttemperatur. Der Vorteil de r Oberflächentemperatur ist
jedoch, dass sie - im Gegensatz zur Lufttemperatur - flächendeckend über eine
Wärmebildkamera ermittelt werden kann. Damit können Hotspots oder
Wärmequellen hochaufgelöst erfasst werden.
Bachelorarbeit der RWTH Aachen
Im Oktober 2024 wurde eine wissenschaftliche Bachelorarbeit seitens der RWTH
Aachen, Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie, vergeben. Im
Rahmen dieser Arbeit mit dem Titel „Mikroklimatische Betrachtung urbaner
Vorgärten – Eine qualitative Datenanaly se von Wärmebildern in Düsseldorf“
wurden die Wärmebilder des Drohnenfluges analysiert und bewertet. Die
Bachelorarbeit liegt der Verwaltung seit Mai 2025 vor.
Konkret wurden acht Wärmebilder des Drohnenflugs untersucht. Innerhalb jedes
dieser Wärmebilder wurden Ausschnitte abgegrenzt (z.B. begrünte Vorgärten
oder Schottergärten). Jeder dieser Ausschnitte enthielt eine große Bandbreite von
Temperaturwerten. So konnten zum Beispiel in einem Ausschnitt eines
Schottergartens mit leichter Bepflanzung sowohl Ob erflächentemperaturen von
weiter unter 20 °C rund um die Bepflanzung gemessen werden, als auch Werte
über 40 °C im Schotterbereich. Es wurden alle Temperaturwerte eines
Ausschnittes analysiert und unter anderem die Bandbreite und der Mittelwert Seite 3
erfasst (si ehe Tabelle). Das Hauptmerk lag hier in der Vergleichbarkeit von
Oberflächentemperaturen verschiedener urbaner Oberflächen im Pilotgebiet.
Grundsätzlich zeigten begrünte Flächen signifikant niedrigere
Oberflächentemperaturen als versiegelte Flächen. Ebenso waren in der Regel
Vorgärten mit Vegetation kühler als Schottergärten. Allerdings konnten innerhalb
vergleichbarer urbaner Oberflächen (begrünte Vorgärten, Schottergärten) je nach
Ausgestaltung große Unterschiede festgestellt werden. So zeigte im Pilotgeb iet
ein Vorgarten mit trockener Wiese etwas höhere Temperaturen als ein
Schottergarten mit gemischtem Bewuchs (siehe Tabelle).
Auffallend bei der Analyse waren aber auch die signifikant höheren
Temperaturwerte der Autooberflächen gegenüber den Vorgärten.
> Analyse der Oberflächentemperaturen
> in °C für ausgewählte Flächen
> Mittelwert Minimalwert Maximalwert
> Schottergarten mit leicher Bepflanzung 20,4 °C 11,4 °C 44,4 °C
> Schottergarten mit Hecke 23,7 °C 12,8 °C 40,6 °C
> Schottergarten ohne Bepflanzung 25,9 °C 10,8 °C 33,1 °C
> Schottergarten mit gemischtem Bewuchs 13,6 °C 10,2 °C 29,5 °C
> Vorgarten mit Wiese und Busch 13,7 °C 10,9 °C 26,6 °C
> Vorgarten mit verschiedenen Böden 17,1 °C 11,6 °C 29,6 °C
> Vorgarten mit Wiese und Topfpflanzen 16,1 °C 12,2 °C 25,1 °C
> Vorgarten 1 mit Hecke und Baum 15,1 °C 11,7 °C 23,5 °C
> Vorgarten 2 mit Hecke und Baum 13,3 °C 10,6 °C 23,5 °C
> Vorgarten mit trockener Wiese 21,9 °C 12,0 °C 34,8 °C
> Begrüntes Dach, stärker bewachsen
21,4 °C 14,9 °C 29,1 °C
> Begrüntes Dach, weniger stark bewachsen
25,6 °C 15,7 °C 29,1 °C
> Auto, schwarz 32,0 °C 10,5°C 48,6 °C
> Tabelle 1: Analyse der Oberflächentemperaturen für ausgewählte Flächen (Quelle:
> Bachelorarbeit RWTH Aachen, „Mikroklimatische Betrachtung urbaner Vorgärten –Eine
> qualitative Datenanalyse von Wärmebildern in Düsseldorf“ 2025
Analyse des Anteils der Schottergärten auf Grundlage von Luftbildern und
Vorortbegehungen
Der Anteil der Schottergärten wurden auf Grundlage von Luftbildern und einer
anschließenden Vorortbegehung im Pilotgebiet ermittelt. Hier konnten 76
Schottergärten festgestellt werden, das entspricht einem Anteil von rund 23 %
aller Vorgärten im Pilotgebiet. Bei einer durchschnittlichen Größe von ca. 10 m²
ergibt sich eine Gesamtfl äche von 760 m² (ca. 1/10 Fußballfeld) bzw. ein
Flächenanteil von 0,6 % an Schotterfläche bezogen auf die Gesamtfläche des
Pilotgebiets von 128.000 m².
Seit vielen Jahren erprobt die Verwaltung unterschiedliche Dialog - und
Handlungsansätze im Umgang mit Sc hottergärten. So wird zur Sensibilisierung der Seite 4
Menschen das Problem versiegelter Vorgärten seit 2020 in der Öffentlichkeitsarbeit
aufgegriffen. Im Rahmen der Kampagne „Mach‘s Bunt“ wählte die Verwaltung den
positiven Ansatz, Alternativen zum Schottergarte n, nämlich die naturnahe
Begrünung, zu bewerben. Ein Faltblatt und ein Internetauftritt
(www.duesseldorf.de/vorgaerten ) wurden erstellt, kostenlose Seminaren zur
naturnahen Gestaltung von Vorgärten im Ök otop durchgeführt sowie 2022 und 2023
Wettbewerbe für klimafreundliche und artenreiche Vorgärten ausgeschrieben. In den
beiden Jahren gingen insgesamt 78 Bewerbungen ein. Die Gewinner auf den Plätzen
eins bis drei wurden jeweils im Rahmen der Umweltpreisve rleihung im Rathaus
geehrt, verbunden mit Prämien in Höhe von bis zu 1.000 Euro.
Der Flyer "Mach's bunt" hat bisher eine Gesamtauflage von 105.000 Exemplaren
erfahren. Das Faltblatt wurde unter anderem mit den Abfallgebührenbescheiden
(60.000 Exemplare), ü ber das Umweltmagazin Grünstift (5.500 Exemplare), die
Mitgliederzeitschrift von Haus und Grund Düsseldorf (18.500 Exemplare) und an
Gartencenter (1.000 Exemplare) verteilt. Das Klimamobil führt die Faltblätter zum
Verteilen mit. Kostenlos abgegeben werden zudem Tüten mit Wildblumensaatgut.
Immer wieder macht die Verwaltung mit Pressemitteilungen und Social -Media -Posts
auf „Mach’s bunt“ aufmerksam. Die Homepage www.duesseldorf.de/vorgaerten
wurde seit 20 20 rund 4.800 Mal aufgerufen.
Fazit zu Teil 1 - Pilotprojekt
Die Untersuchung eines Pilotgebiets von 12,8 ha - mit dem Augenschein nach vielen
Schottergärten - ergibt einen Schotterflächenanteil von 0,6 % des untersuchten
Gebiets. bzw. einen Schottergartenanteil von 23 % der untersuchten Vorgärten. Die
Auswertung der Wärmebilder eines Drohnenflugs zeigt im Pilotgebiet - wie zu
erwarten - grundsätzlich höhere Oberflächentemperaturen der Schottergärten im
Vergleich zu begrünten Vorgärten an. Das Mikroklima in der Umgebung von
Schottergärten wird dementsprechend durch höhere Temperaturen beeinflusst. Die
Verwaltung bietet bereits seit Jahren vielfältigen Maßnahmen der Sensibilisierung an,
um Schottergärten zu vermeiden und wird diese Aktivitäten f ortsetzen.
AUS/025/2024 Teil 2 - Förderprogramm
Die Verwaltung wird beauftragt, ein dreijähriges Förderprogramm - analog zur
Handhabung anderer NRW -Städte – zu konzipieren. Dieses Programm soll
Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger bei der Entsiegelung ihrer Vorgärten künftig
finanziell unterstützen. Der Entwurf soll zeitgleich mit den vorgenannten Ergebnissen
dem AUS zur Beschlussfassung vorgelegt werden.
Ergebnisse zu Teil 2 - Förderprogramm
Die Verwaltung hat die Förderung von versiegelten Vorgärten ausfü hrlich rechtlich
prüfen lassen mit dem Ziel, diese Förderung in das bestehende Förderprogramm zur
Dach -, Fassaden - und Innenhofbegrünung (DAFIB) zu integrieren. Im Ergebnis ist
diese Integration rechtlich nur in einem begrenzten Umfang möglich. Durch ein
Förderprogramm dürfen grundsätzlich nur freiwillige Begrünungen gefördert werden.
Nach der bestehenden Rechtslage besteht allerdings eine Pflicht zur Begrünung und
Bepflanzung der Vorgärten. Förderungen wären nur möglich für die Instandsetzung
einer mindest ens 10 Jahre alten bestehenden Begrünung und alternativ für solche
Maßnahmen, durch die eine an sich zulässige andere Verwendung freiwillig aufgeben
wird. Die Wiederbegrünung rechtswidrig errichteter Schottergärten wäre nicht
förderfähig, da die Stadt sons t den Rückbau eines Rechtsverstoßes fördern würde.
Alternativ hat die Stadt kürzlich das Förderprogramm „Grau raus, Grün rein“
gestartet, das die Entsiegelung gepflasterter Flächen bezuschusst
(www.duess eldorf.de/entsiegelt ). Seite 5
Die Verwaltung hat sich mit anderen Städten ausgetauscht und unterschiedlich
Handlungsansätze angetroffen. Neben Förder - und Beratungsansätzen wurde z.B. in
Karlsruhe auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses ein Konzept erarbeitet, da s ein
systematisches, gebietsweises Vorgehen gegen Schottergärten konkret und in
einzelnen Arbeitsschritten festlegt.
Fazit zu Teil 2 - Förderprogramm
Ein Förderprogramm speziell für den Rückbau von Schottergärten wird nicht
empfohlen.