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Title: Informationsvorlage
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00585218.pdf
Published Time: 2026-06-08T10:05:00.000Z
Number of Pages: 4
Markdown Content:
AGS/035/2026
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# Informationsvorlage
Betrifft:
Sachstand zum Projekt „Telekonsultation„ im Gesundheitsamt
Fachbereich:
53 - Gesundheitsamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Miriam Koch
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ausschuss für Gesundheit und
Soziales 30.06.2026 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales der Landeshauptstadt Düsseldorf nimmt den
Sachstand zum Projekt „Telekonsultation“ im Gesundheitsamt zur Kenntnis.
1. Kurzdarstellung
Das Projekt „Telekonsultation“ ist ein durch das Bundesministerium für Gesundheit im
Rahmen des „Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)“ gefördertes
Modellprojekt zur Steigerung des digitalen Reifegrades des Gesundheitsamtes Düsseldorf.
Ziel des Projektes ist die Integration notfallmedizinischer Telekonsultationen in verschiedene
Versorgungsbereiche des ÖGD sowie kooperierender Einrichtungen. Hierdurch sollen
medizinische Einschätzungen frühzeitig ermöglicht, Versorgungspfade optimiert sowie
Rettungsdienst und Notaufnahmen entlastet werden.
Zentrale Teilprojekte wurden bereits umgesetzt und erste praktische Anwendungen
erfolgreich durchgeführt. Das Projekt befindet sich im Zeitplan und endet am 31.08.2026.
Perspektivisch wird eine Verstetigung und Ausweitung des Angebots angestrebt.
2. Ausgangslage
Die notfallmedizinische Versorgung in Düsseldorf steht insbesondere bei nicht
lebensbedrohlichen Akutfällen vor Herausforderungen. Derzeit ist die Disposition eines
Notarzteinsatzfahrzeuges gemeinsam mit einem Rettungswagen häufig die einzige
Möglichkeit, kurzfristig notärztliche Expertise bereitzustellen. Für medizinische Akutfälle
unterhalb dieser Schwelle sind grundsätzlich Hausärzt*innen beziehungsweise der
kassenärztliche Bereitschaftsdienst zuständig, welche jedoch oftmals nicht zeitgerecht
verfügbar sind. Seite 2
Dies führt zu einer hohen Anzahl an Alarmierungen des Rettungsdienstes bei nicht
lebensbedrohlichen Akutfällen und infolgedessen zu vermeidbaren Transporten in
Notaufnahmen.
Betroffen sind insbesondere vulnerable Personengruppen, darunter Bewohner*innen von
Pflegeeinrichtungen, Klient*innen des Sozialpsychiatrischen Dienstes und der Drogenhilfe
sowie obdachlose Menschen.
Auch im Bereich des Infektionsschutzes bestehen Herausforderungen in der
Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur*innen. Der Flughafen Düsseldorf zählt zu den
deutschen Flughäfen, an die Luftfahrzeuge bei Verdacht auf hochansteckende Erkrankungen
umgeleitet werden können. In diesen Fällen obliegt dem Gesundheitsamt die medizinische
Koordination im Rahmen der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV).
Hierbei bestehen Schnittstellen unter anderem zur Feuerwehr, zur Sonderisolierstation der
Universitätsklinik Düsseldorf, zur Werkfeuerwehr des Flughafens, zu Landesbehörden sowie
zu externen Fachberater*innen. Die Abstimmung erfolgt bislang überwiegend telefonisch.
Insbesondere bei komplexen infektiologischen Lagen kann dies zu Informationsverlusten und
erhöhtem Abstimmungsaufwand führen.
Ziel des Projektes ist daher auch die Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit
durch strukturierte videobasierte Lagebesprechungen und Telekonsultationen.
Pilotprojekte und Testphase:
Zur Verbesserung der dargestellten Versorgungssituation wurde im Rahmen des Projektes
der Einsatz videobasierter notärztlicher Telekonsultationen entwickelt und erprobt. Ziel ist
insbesondere,
medizinische Einschätzungen frühzeitig vor Ort zu ermöglichen,
die geeignete Versorgungsebene festzulegen,
unnötige Transporte und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden sowie
die Zusammenarbeit zwischen beteiligten Akteur*innen zu verbessern.
Das Projekt gliedert sich in mehrere Teilbereiche, die unterschiedliche Versorgungs-
situationen adressieren:
Telekonsultationen und Videokonferenzen bei hochinfektiösen Erkrankungen (HCID /
IGV),
Telekonsultationen im Bereich der Drogenhilfe,
Telekonsultationen im Sozialpsychiatrischen Dienst,
Telekonsultationen bei psychosozialen Notfällen,
Telekonsultationen in Pflegeeinrichtungen,
Telekonsultationen im Zusammenhang mit der Unterbringung obdachloser Personen.
Den Projektpartner*innen wurde hierfür die erforderliche technische Ausstattung bestehend
aus iPads und medizinischen Messgeräten (Pulsoxymeter, elektronisches
Blutdruckmessgerät, Ohrthermometer und Blutzuckermessgerät) zur Verfügung gestellt.
Die vorgesehenen Projektmeilensteine konnten bislang planmäßig erreicht werden. Im
Rahmen einer gemeinsamen Übung von Gesundheitsamt, Feuerwehr und
Sonderisolierstation der Universitätsklinik Düsseldorf wurde die Anwendung des Systems bei
einem simulierten Verdachtsfall auf Lassafieber erfolgreich getestet. Darüber hinaus wurden
bislang zehn reale Telekonsultationen im Bereich der Drogenhilfe durchgeführt. Dabei zeigte
sich, dass durch die telemedizinische Einbindung notärztlicher Expertise
Versorgungssituationen zielgerichteter gesteuert und hochwertige Rettungsmittel gezielter
eingesetzt werden können. Sowohl die beteiligten Projektpartner*innen als auch die
Patient*innen bewerteten die Anwendung positiv.
Die Testphase wurde am 31.03.2026 abgeschlossen. Eine abschließende Evaluation der
Projektergebnisse erfolgt derzeit. Seite 3
3. Geplante Maßnahmen
Auf Grundlage der bisherigen Projekterfahrungen soll die notfallmedizinische
Telekonsultation über die Projektlaufzeit hinaus verstetigt und schrittweise erweitert werden.
Ziel ist es, telemedizinische Unterstützungsangebote dauerhaft in bestehende
Versorgungsstrukturen des Gesundheitsamtes sowie kooperierender Einrichtungen zu
integrieren.
Ein Fokus liegt hierbei auf der dauerhaften Etablierung videobasierter Telekonsultationen
und Lagebesprechungen im Bereich hochinfektiöser Erkrankungen (HCID / IGV).
Insbesondere bei komplexen infektiologischen Lagen hat sich gezeigt, dass strukturierte
videobasierte Abstimmungen zwischen Gesundheitsamt, Feuerwehr, Sonderisolierstation,
Flughafen und weiteren Beteiligten die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessern und
Entscheidungsprozesse unterstützen können.
Darüber hinaus ist vorgesehen, die notfallmedizinische Telekonsultation perspektivisch auch
im Bereich der Drogenhilfe sowie des Sozialpsychiatrischen Dienstes dauerhaft fortzuführen.
Voraussetzung hierfür ist die geplante Einführung des Telenotarzt-Systems, mit dessen
Implementierung derzeit noch im Jahr 2026 gerechnet wird.
Hierfür sind insbesondere folgende Maßnahmen vorgesehen:
Verstetigung der videobasierten Telekonsultationen und Lagebesprechungen im
Bereich HCID / IGV,
Integration der notfallmedizinischen Telekonsultation in das geplante Telenotarzt-
System,
Fortführung der Telekonsultationsangebote im Bereich der Drogenhilfe und des
Sozialpsychiatrischen Dienstes nach Einführung des Telenotarztes,
schrittweise Ausweitung des Angebots auf weitere Einrichtungen, insbesondere
Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste sowie Einrichtungen der
Wohnungslosenhilfe,
Aufbau standardisierter Abläufe für Implementierung, Anwendung und technische
Betreuung,
Prüfung weiterer Finanzierungs- und Kooperationsmodelle, beispielsweise im
Rahmen von Modellvorhaben gemäß §§ 63 ff. SGB V.
4. Finanzielle Auswirkungen
Das Projekt ist Bestandteil des Vorhabens „Bürgernähe und Gesundheitskompetenz durch
neukonzipierte Internetpräsenz und Ausweitung der notfallmedizinischen Telekonsultation
vom Rettungsdienst auf mobile Dienste des Öffentlichen Gesundheitsdienstes“ und wird
vollständig aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen des Paktes für
den Öffentlichen Gesundheitsdienst finanziert.
Für das Gesamtvorhaben stehen Fördermittel in Höhe von insgesamt 467.700 EUR zur
Verfügung. Nach aktuellem Stand konnten sämtliche Projektmeilensteine fristgerecht erreicht
werden, sodass davon auszugehen ist, dass die Fördermittel vollständig anerkannt werden
und keine finanziellen Auswirkungen für die Landeshauptstadt Düsseldorf entstehen.
Nicht in Anspruch genommene Fördermittel verbleiben beim Projektträger beziehungsweise
werden an diesen zurückgeführt.
Bei der technischen Umsetzung wurde bewusst auf kostengünstige und zugleich
leistungsfähige Standardlösungen gesetzt. Die eingesetzte Software „Sprechstunde Online“
wird bereits in weiteren Bereichen des Gesundheitsamtes genutzt, sodass bei einer
Fortführung des Projektes keine zusätzlichen Softwarekosten entstehen. Laufende Lizenz-
oder Systemkosten fallen derzeit nicht an. Die Investitionskosten für einen vollständigen
Gerätesatz liegen derzeit bei rund 2.000 EUR je Einrichtung. Perspektivisch ist vorgesehen, Seite 4
dass Einrichtungen nach erfolgreicher Erprobungsphase die notwendige technische
Ausstattung eigenständig beschaffen.
5. Weiteres Vorgehen
Die Projektförderung endet am 31.08.2026. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass
notärztliche Telekonsultationen sinnvoll in bestehende Versorgungsstrukturen integriert
werden können und sowohl zur Verbesserung der Versorgung als auch zur Entlastung von
Rettungsdienst und Notaufnahmen beitragen.
Vor diesem Hintergrund wird angestrebt, die im Projekt aufgebauten Strukturen über das
Projektende hinaus fortzuführen und schrittweise auszuweiten.
Mit der geplanten Einführung des Telenotarzt-Systems, voraussichtlich im Jahr 2026, sollen
zudem die Voraussetzungen geschaffen werden, die Telekonsultationsangebote im Bereich
hochinfektiöser Erkrankungen (HCID / IGV), in der Drogenhilfe sowie im
Sozialpsychiatrischen Dienst dauerhaft weiterzuführen.
Perspektivisch soll darüber hinaus geprüft werden, ob das Angebot auf weitere
Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe
ausgeweitet werden kann. Voraussetzung hierfür ist eine Refinanzierung der entstehenden
Aufwendungen. Als nächster Schritt ist vorgesehen, Gespräche mit den zuständigen
Kostenträgern zur Etablierung geeigneter Gebühren- beziehungsweise
Refinanzierungsmodelle aufzunehmen.
Für die Landeshauptstadt Düsseldorf verbliebe damit im Wesentlichen ein begrenzter
Personalaufwand für Implementierung und Systempflege.
Ein weiterer Ausbau telemedizinischer Versorgungsstrukturen bietet das Potenzial, die
medizinische Versorgung vulnerabler Gruppen nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig
Ressourcen im Rettungsdienst und in Notaufnahmen gezielter einzusetzen.