Verwaltungsvorlage Aktenzeichen 61/ 80/2004

Stellungnahme der Landeshauptstadt Düsseldorf

Termine abgeschlossen Die eingetragenen Termine sind vergangen; ein eindeutiges abschließendes Ergebnis ist nicht veröffentlicht.
Weizenmühlenstraße 4 · Stadtbezirk 3 (Oberbilk, Bilk)örtlicher Bezug 1Dokument 27. April 2004veröffentlicht

Aus der amtlichen Vorlage

Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung nimmt Kenntnis von den Bedenken der Landeshauptstadt Düsseldorf gegen das vorgelegte Projekt MultiCasa und stimmt der in der Anlage beigefügten Stellungnahme zu den oben genannten Bauleitplänen der Stadt Duisburg zu.

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Ö Vorlagen - Nr. 61/ 80/2004 Seite 1 von 6 Beschlussvorlage Betrifft: Stellungnahme der Landeshauptstadt Düsseldorf zur Bauleitplanung der Stadt Duisburg betreffend das Projekt MultiCasa: FNP-Änderung (Duisburg) Nr. 5.30 I - Innenstadt und B-Plan (Duisburg) Nr. 1009 - Dellviertel Beschlussdarstellung: Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung nimmt Kenntnis von den Bedenken der Landeshauptstadt Düsseldorf gegen das vorgelegte Projekt MultiCasa und stimmt der in der Anlage beigefügten Stellungnahme zu den oben genannten Bauleitplänen der Stadt Duisburg zu. Beratungsfolge: Gremium Sitzungsdatum Ergebnis Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung 26.05.04 -/- 2 1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant. 2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst. Anlagen: Nr. Ort Anlage 1 beigefügt Stellungnahme Alternative: Keine Amt: Dezernentin / Dezernent: Oberbürgermeister Erwin RSD AllVorlg.WPT RSD AllVorlg.WPT Landeshauptstadt Düsseldorf Seite 2/6 Telefonzentrale 0211.89-91 www.duesseldorf.de Sprechzeiten Dienstag und Donnerstag 9.00 bis 13.00 Uhr Bus Feuerbachstraße oder Uni-Kliniken Bahn Auf'm Hennekamp S-Bahn S 6, S 7, D-Volksgarten S 8, S 11, D-Bilk Stadtsparkasse Düsseldorf 10 000 495 Postbank Essen 32 69-431 Briefpostanschrift: Stadtverwaltung Amt 61, 40200 Düsseldorf Landeshauptstadt Düsseldorf Der Oberbürgermeister Brinckmannstraße 5 40225 Düsseldorf Kontakt Jan Rüthschilling Zimmer Raum 4050 Telefon Telefax E-Mail jan.ruethschilling@ stadt.duesseldorf.de Datum 13.04.2004 AZ 61/22rue1.red Stadtverwaltung Duisburg Amt 61 Postfach 47049 Duisburg Flächennutzungsplan-Änderung Nr. 5.30 I - Innenstadt - Bebauungsplan Nr. 1009 - Dellviertel - Beteiligung der Träger öffentlicher Belange gem. § 4 BauGB Sehr geehrte Damen und Herren, das Bestreben der Stadt Duisburg in ihrer oberfunktionalen Funktion abfließende Kaufkraft wieder zurück zu holen, wird grundsätzlich anerkannt. Dennoch äußert die Landeshauptstadt Düsseldorf schon vorab schwerwiegende Bedenken gegen dieses Projekt wegen seiner Dimensionierung und der daraus resultierenden Auswirkungen auf die Düsseldorfer Stadtentwicklung, insbesondere auf den Einzelhandel in der City sowie den nördlichen Nebenzentren. Wegen der Größe und der Bedeutung des Projektes bedarf eine abschließende Stellungnahme noch einer Behandlung durch den Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung. 1. Städtebauliche Gründe Das Projekt Multi Casa wird am Ostrand der Duisburger Innenstadt als städtebauli- che Großstruktur geplant und als Weiterentwicklung der Innenstadt geplant. Daher sollen die Funktionen Einzelhandel und Dienstleistungen eine zentrale Rolle bekommen. Es soll ein hinsichtlich seiner Dimensionierung als auch be- züglich Konzeption, Architektur und Besatz spektakuläres Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 70.000 qm auf 4 Geschossen (Basement, Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss) sowie mit 4.200 Stellplätzen (3. und 4. Obergeschoss) entstehen. Das geplante Einkaufszentrum stellt in der Duisburger Innenstadt eine abge- schlossene amerikanische Indoor-Lösung dar, die als ein Systembruch zu der auf Straßen und Plätzen als öffentlicher Bewegungsraum ausgerichteten Innenstadt der Europäischen Stadt anzusehen ist. Die beabsichtigte Erweiterung der Innens- tadt kann durch einen räumlich abgeschlossenen privatisierten "öffentlichen Raum" nicht erreicht werden, weil eine solche auf sich selbst bezogene Einrich- tung in dieser massiven Größenordnung nicht integrierbar ist. Die Dynamik, die von dem Einkaufszentrum bezogen auf den Einzelhandel ausgehen wird, führt zu einer übermäßigen Bindung der Kaufkraft an den Standort des Multi Casa und schafft keine Synergieeffekte für die benachbarten zentralen Einzelhandelslagen Landeshauptstadt Düsseldorf Seite 3/6 der Kernstadt. - 4 - Seite 4/6 Die gesamte Kaufkraft der mit dem PKW anreisenden "Innenstadtbesucher" wird an diesem Standort mit seiner exzellenten PKW-Erreichbarkeit und den 4.200 dort vorgehaltenen Stellplätzen konzentriert. Es ist, wie das Beispiel Oberhausen Centro/ altes Oberhausener Zentrum zeigt, mit einer Erosion und Abwanderung des Einzelhandels in das neue Zentrum zu rechnen. Eine solche planerische Entwicklung trifft letztlich auch den Nerv der Düsseldorfer Zentrenentwicklung, weil die Hinwendung zu derartigen Mega-Strukturen den Maßstab der europäischen Stadt sprengt und mit vereinfachten (d.h. in Endeffekt billigeren) Mitteln die Existenz und Fortentwicklung der historisch gewachsenen Stadt mit ihren Nutzungsstrukturen in Frage stellt. Dies stellt sich nicht nur als spezifisches Problem für die Landeshauptstadt Düs- seldorf dar, sondern hat in seiner grundsätzlichen Wirkung eine Dimension, der mit landesplanerischen Mitteln begegnet werden muß. 2. Auswirkung auf den Einzelhandel Auch im nachgereichten Gutachten der GFK Prisma werden nicht die vollen Auswirkungen des Projektes dargestellt. Die Auswirkungen auf die Neben- zentren werden bewusst in der Darstellung ausgespart. Siehe Seite 147 des Gutachtens: " Für städtische Nebenzentren und zentrale Lagen von Orten geringerer Zen- tralitätsstufe sind jeweils ganz erhebliche niedrigere Umsatzumlenkungen zu erwarten, da diese jeweils stark von Angeboten der periodischen Versorgung und weniger stark von aperiodischen Angebote geprägt sind. Für Angebote der periodischen Versorgung sind merkliche Umsatzumlenkungen nur innerhalb eines gegenüber aperiodischen Angeboten relativ engen Wirkungsreises, d.h. in erster Linie bei Duisburger Stadtteilzentren, zu erwarten." Dies betrifft auch die nördlichen Düsseldorfer Stadtteile. Diese sind bisher auf die Düsseldorfer Nebenzentren Kaiserswerth, Rath und Nordstraße, aber auch auf Duisburg und Duisburger Nebenzentren ausgerichtet. Auf Grund ihrer Lage nahe der Duisburger Stadtgrenze und der günstigen Verkehrsverbindungen nach Duis- burg ist hier mit einem ähnlichen Kaufkraftabfluss zum Projektvorhaben wie bei den Duisburger Nebenzentren auszugehen. Bei einem konzentrierten Angebot allein im periodischen Bedarf in einer Größen- ordnung von 10.000 bis 12.000m² Verkaufsfläche kann dort nicht mehr nur von einem "relativ engem Wirkungskreis" ausgegangen werden. Dieses Angebot stellt schon für sich allein genommen eine Attraktion dar, die auch beim Wocheneinkauf weitere Wege in Kauf nehmen läßt. Die hieraus gegebene Attraktivität verstär- kend, kommen hier eine optimale Erschließung mit einem sehr großen Parkplatz- angebot hinzu. Zusätzlich muss auch das geänderte Verbraucherverhalten beim Lebensmitteleinkauf berücksichtigt werden. Ähnliches gilt auch für alle anderen Branchen; die Konzentration des Angebotes unter einem Dach - fast in der bisherigen Größenordnung der Innenstadt Duis- burgs - in Verbindung mit der Erschließung und den Parkplätzen stellt eine be- sondere Attraktivität dar. - 5 - 1 Die Städte werden als Folge mit dem Problem konfrontiert, einerseits für die weni- ger mobile Bevölkerung und den täglichen "kleinen Einkauf" eine Versorgung be- reithalten zu müssen und dass andererseits wichtige Ankerläden die für das Überle- ben der Nebenzentren wichtig sind, wegen Kaufkraftverlust schließen. Seite 5/6 Bezogen auf die zu erwartenden Auswirkungen wird gemäß dem Einzelhandels- erlass eine klare Gliederung in nahversorgungsrelevante, zentrenrelevante und nicht zentrenrelevante Sortimente erwartet. Dem gegenüber enthält das Gut- achten nur eine Gliederung in periodischen Bedarf (etwa analog dem nahversor- gungsrelevanten Bedarf) und aperiodischen Bedarf. Dieser wird zwar in die groben Bereiche Bekleidung... und Hartwaren gesamt gegliedert. Gerade im Bereich Hartwaren sind aber in der Darstellung Warengruppen zusammengefasst, die eine sehr unterschiedliche Zentrenrelevanz aufweisen und daher eine Beur- teilung schwer machen. Gegen die Abgrenzung der Zone 3 im Gutachten bestehen weiterhin Bedenken: Sie faßt Bereiche mit sehr unterschiedlicher Zeit-Wege-Distanz zusammen. Die Auswirkungen des Vorhabens in den nördlichen Düsseldorfer Stadtteilen, die unmittelbar an Duisburger Stadtgebiet (Zone 1 des Gutachtens) grenzen, sind sicher weitaus größer als die Auswirkungen auf die Städte Neuss oder Wuppertal. Die Auswirkungen werden nicht durch die Stadtgrenzen begrenzt, sondern durch das geänderte Kundenverhalten breiter Schichten, das durch eine erhöhte Mobili- tät und die Bereitschaft gekennzeichnet ist, auch für den "Wocheneinkauf" größe- re Wege zu attraktiven Einkaufsmöglichkeiten zurückzulegen 1 . Die Tabellen 54 und 56 zeigen, dass von außerhalb der dargestellten Zentren bei der Variante I zusätzlich 20% des erwarteten Umsatzes und bei der Variante II zusätzlich 32 % aus dem Einzugsbereich und von außerhalb des Einzugsberei- ches rekrutiert werden müssen. Daher muss unabhängig von den Stadtgrenzen und einer möglichen mehrfachen Ausrichtung der Kunden auf verschiedene Oberzentren eine Wirkungsanalyse auch für die Stadtteile und Stadtteilzenteren Düsseldorfs, die der Zone II ver- gleichbar nah am Projekt Multi Casa liegen, durchgeführt und dargestellt werden, um den Grad der Betroffenheit und die möglichen Folgen erkennen zu können. Das überdimensionierte Vorhaben wird in seinen Auswirkungen nicht auf die dargestellte Größenordnung beschränkt bleiben. Durch die Errichtung des Projek- tes Multi Casa wird eine Reaktivierung der Duisburger Innenstadt erforderlich werden, die einen weiteren Kaufkraftabfluss aus den Nachbarstädten zur Folge haben kann. Damit ist nicht nur mit einer Verschiebung der Kaufkraft innerhalb Duisburgs zu rechnen, sondern mit über einer die in der Variante II weit hinausge- henden Auswirkung. Diese Darstellung beschränkt sich nämlich nur auf das Projekt und dessen unmittelbares Umfeld, und läßt die weiteren städtebaulichen Maßnahmen, die zumindest in der gemeinsamen Gesamtsicht ebenfalls regionale Auswirkungen haben, wie Forum und Urbanum, vollkommen außer Betracht. Rechnet man alle Projekte zusammen wird eine Größenordnung erreicht, die etwa der heutigen Duisburger Innenstadt entspricht. Daher müssen die Auswirkungen aller Projekte gemeinsam dargestellt werden (Ggf. als Variante III / IV). - 6 - Seite 6/6 Während die Projekte "Forum" und "Urbanum" lagemäßig als der Innenstadt zugeordnet werden und als größenmäßig für sich betrachtet als Ergänzung gelten könnten, müssen die Auswirkungen des Projektes Multi Casa als außerordentlich kritisch auch in Bezug auf die Situation des Einzelhandels auch in Düsseldorf angesehen werden. Dieses Projekt Multi Casa steht im Gegensatz zu den Zielen des in Aufstellung befindlichen Einzelhandelskonzeptes für das westliche Ruhrgebiet und Düssel- dorf, indem hiermit ein ruinöser Wettbewerb unter den Zentren eingeleitet und die vorhandene Zentrenstruktur - auch in Duisburg - gefährdet wird. Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat daher schwerste Bedenken gegen dieses Projekt und fordert die Stadt Duisburg auf, dieses Vorhaben auf ein städtebaulich und regional verträgliches Maß zu reduzieren, so dass die Auswirkungen sowohl für städtische Nebenzentren als auch für zentrale Lagen von Orten geringerer Zentralitätsstufe verträglich bleiben. Ein entsprechender gutachterlicher Nachweis wird erwartet. Bezogen auf die städtebauliche Struktur könnte auch eine architektonisch kleine- re, ggf. räumlich stärker verteilte Lösung, die an der europäischen Stadt orientiert ist, positiver beurteilt werden. Mit freundlichen Grüßen Joachim Erwin

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Quelle: Ratsinformationssystem Düsseldorf · Aktenzeichen 61/ 80/2004