Verwaltungsvorlage Aktenzeichen 70/ 2/2005

Waldschadensbericht

Termine abgeschlossen Die eingetragenen Termine sind vergangen; ein eindeutiges abschließendes Ergebnis ist nicht veröffentlicht.
Überanger · Stadtbezirk 5 (Stockum, Lohausen)örtlicher Bezug 1Dokument 21. Februar 2005veröffentlicht

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Seite 1 von 12 Informationsvorlage Betrifft: Waldschadensbericht Waldzustandsbericht Stadtwald Düsseldorf 2004 1. Grunddaten zum Stadtwald 2. Waldschäden 3. Waldbäume 4. Waldböden 5. Schutzkalkung 6. Waldbauliche Maßnahmen 7. Zusammenfassung Garten-, Friedhofs- und Forstamt RSD AllVorlg.WPT Seite 2 von 12 1. Grunddaten zum Stadtwald Die Forstbetriebsfläche des Stadtwaldes nach Forstinventur beträgt zur Zeit 2180 Hektar (rd. 22 Mio m2). Hauptbaumarten sind Eiche (25 %) und Buche (20 %) , gefolgt von Roteiche (12 %) und Pappel (7%). Der Rest sind weitere Mischlaubhölzer wie Ahorn, Esche, Erle, Hainbuche, Linde, Birke etc.. Der Nadelholzanteil mit Fichte und Kiefer liegt insgesamt unter 5%. Kreisdiagramm Baumartenverteilung Stadtwald Die Baumartenstruktur entspricht damit im Grundgerüst der natürlichen Vegetation aus Buche, Eiche und Mischlaubhölzern. (Potentielle natürliche Waldgesellschaften sind Buchen- und Stieleichen- Hainbuchenwälder.) Mehr als 80% des Stadtwaldes sind Mischbestände mit meist mehrschichtigem Bestandesaufbau. Die Altersverteilung zeigt ein Schwergewicht bei den bis 60-jährigen Jungbeständen und ein Defizit bei den über 100-jährigen Altbeständen. Der gesamte Holzvorrat des Stadtwaldes liegt bei 300.000 Festmetern, der jährliche laufende Zuwachs bei 10.000 Fm. Im Rahmen der Waldpflegemaßnahmen werden davon ca. 4.000 Fm pro Jahr entnommen, so dass ein nac hhaltiger Substanzaufbau gewährleistet ist. Seite 3 von 12 Oberste Priorität hat die Erhaltung und Pflege des Stadtwaldes als Erholungs- und Naturraum für die städtische Bevölkerung. Alle Schutzfunktionen (Naturschutz, Grundwasserschutz, Lärm- und Imissionsschutz) sind dabei zu berücksichtigen. Die nachhaltige Erzeugung des Rohstoffes Holz ist nachrangig und liefert einen Deckungsbeitrag zur Stadtwaldpflege. Der Stadtwald Düsseldorf ist seit 2000 nach FSC und Naturland zertifiziert. 2. Waldschäden Immissionsbedingte Waldschäden waren bereits lange vor ihrer Entdeckung in den siebziger Jahren vorhanden. Die Anfänge reichen vermutlich bis in den Beginn der Industrialisierung zurück. Dabei handelt es sich um eine chronische, langsam fortschreitende Belastung der Waldbestände und des Waldbodens, die durch das Zusammenwirken verschiedener Luftschadstoffe verursacht wird. Seit den 80er Jahren ist die Belastung des Waldes mit Schadstoffen allgemein bekannt. Durch den Eintrag von Schwefeldioxid, Stickoxiden und Ozon, die aus der Luft ausgewaschen werden, wird das empfindliche Ökosystem Wald gestört. Es kommt zu Verletzungen der Blattorgane und Feinwurzeln, zur Auswaschung von Nährstoffen und zur Freisetzung giftiger Aluminiumionen im Bodenwasser. Die Schäden lassen sich zum einen am Belaubungsbild der Bäume, zum anderen am Zustand des Waldbodens erkennen. 3. Waldbäume Im Gegensatz zum Waldboden reagiert die Belaubung kurzfristig sehr stark auf Witterungsextreme. Deshalb ist der Witterungsverlauf der letzten Jahre mit zu betrachten. Nach dem trockenen "Jahrhundertsommer" 2003 war die ausgeglichene Witterung in 2004 für den Wald eigentlich günstig. Auf den extremen Trockenheits-Stress reagieren die Bäume aber mit einer zeitlichen Verzögerung in der nächsten Vegetationsperiode, so dass die Belastung des vorangegangenen Trockenjahres in 2004 deutlich sichtbar wurde. Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) führte 2004 die 20.te jährliche Kronenzustandserhebung in NRW durch. Der Stadtwald Düsseldorf ist mit Einzelpunkten in diese Erhebung eingebunden. Untersucht wurden in einem Stichprobenraster von 4x4 km an 525 Aufnahmepunkten landesweit fast 10.000 Bäume. Die Klassifizierung erfolgt vereinfacht in drei Schadstufen: -"ohne Schadensmerkmale" -"schwach geschädigt" (Vorwarnstufe) -"deutlich geschädigt" Seite 4 von 12 Hauptergebnisse der Waldschadenserhebung 2004 : Die deutlichen Schäden sind insgesamt um 5 % auf 29 % angestiegen. Weitere 42 % der Bäume sind schwach geschädigt. 29 % der untersuchten Bäume sind gesund. Abb. Kreisdiagr amm Schadstuf en 2004 LÖBF Speziell bei der Eiche liegen die deutlichen Schäden mit 39% auf Vorjahresniveau. Bei der Buche stiegen die deutlichen Schäden auf 49 % an. Seite 5 von 12 Sonstige Laubbäume zeigen 26 % deutliche Schäden Ki ef er un d Fi ch te lie ge n mit 19 % un d 20 % auf Vorjahresniveau. Die Schadensbelastung hält weiter an. Abb. Balkendiagramm Schadensentwicklung Zeitreihe LÖBF Der auffällig ungünstige Wert bei der Buche steht im Zusammenhang mit einer überdurchschnittlich starken Fruchtbildung (Mastjahr), die zu Lasten der Blattausbildung ging. Bei der Eiche traten vermehrt Schad-Insekten (Eichenwickler und Frostspannner) auf und generell waren häufig Baum-Pilze als Schwächeparasiten zu beobachten. Insgesamt war der Belaubungszustand 2004 stark durch die Folgen des Trockensommers 2003 geprägt. Die oben genannten Ergebnisse spiegeln das Ergebnis und den Trend für NRW wieder. Obwohl die Baumartenzusammensetzung und der Altersaufbau im Düsseldorfer Stadtwald abweichend sind, sind die Ergebnisse grundsätzlich und im Trend übertragbar. Baumartenbereinigt speziell für den Stadwald Düsseldorf ergeben sich hochgerechnet Seite 6 von 12 deutliche Schäden von 33,5%. Eine Waldschadenserhebung für den Stadtwald Düsseldorf wurde 1986 in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse entsprachen damals bis auf wenige Prozente den landesweiten Daten für NRW. Eine erneute aktuelle Waldschadenserhebung für den Stadtwald Düsseldorf nach den identischen Erhebungsmethoden der LÖBF wäre mac hbar. Der Kosten für eine solche aussagefähige Stichproben-Erhebung und Auswertung durch ein Fachbüro würden rund 30.000 Euro betragen. Größere Abweichungen von den landesweiten Daten sind aber nicht zu erwarten. 4. Waldböden Anders als die Belaubung ist der Zustand des Waldbodens nicht so stark witterungsabhängig. Hier wirken chemische Prozesse, wie z.B. die Veränderung des pH-Wertes, langfristig. Die Versauerung des Bodens wird anhand des pH-Wertes gemessen, der die Menge an freien Wasserstoff-Ionen (Säureteilchen ) in der Bodenlösung angibt. Fällt dieser pH-Wert deutlich unter 4,2, ist eine Schutzkalkung anzuraten, unter 3,8 ist sie dringend notwendig. Im Stadtwald werden seit 1994 regelmäßige Wiederholungsproben von 29 dauerhaften Waldstandorten genommen. Die Proben aus Oberboden (a-Probe) und Mineralboden (b-Probe) wurden durch das Labor der LUFA in Bonn ausgewertet. Hauptergebnisse der Bodenuntersuchungen 2004 Die Zeitreihe mit dem durchschnittlichen pH-Wert aus allen Proben zeigt, dass der pH-Wert des Mineralbodens in etwa konstant geblieben ist. Er liegt zur Zeit bei pH 4,4. Ein Absinken konnte auch durch zwei durchgeführte komplette Schutzkalkungen verhindert werden. Ein deutliches Indiz für die positive Wirkung der Schutzkalkungen ist der relativ günstige hohe Wert im Oberboden (a-Proben). Dieser Wert würde ohne Kalkung etwa 0,2-0,5 pH-Punkte niedriger liegen, als im Mineralboden (b-Proben). Der Oberboden ist also durch die Kalkungen basischer als erwartet. Abb. Zeitreihe pH-Werte Stadtwald Seite 7 von 12 Im Forstrevier Nord (Kalkum, Überanger Mark) liegen die aktuellen pH-Werte 2004 im Mineralboden zwischen 3,8 und 6,7. Die hohen (= basischen) Spitzenwerte sind untypisch und betreffen ehemalige Ackeraufforstungen. Die nährstoffreichen Aueböden der Rheinebene haben allgemein ein relativ gutes Säure-Puffervermögen. Abb. pH-Werte Forstrevier Nord 2004 Seite 8 von 12 Im Forstrevier Mitte (Grafenberger und Aaper Wald, Gerresheim) liegen die pH-Werte zur Zeit zwischen 3,6 und 5,1. Die sandig-kiesigen Böden der alten Rheinhauptterasse haben von Natur aus nur ein sehr geringes Puffervermögen gegen Säureeintrag. Seite 9 von 12 Abb. pH-Werte Forstrevier Mitte 2004 Im Forstrevier Süd (Hasseler, Benrather und Eller Forst, Urdenbacher Altrhein) liegen die pH- Werte zwischen 3,8 und 6,5. Auch hier haben die nährstoffreichen Aueböden der Rheinebene von Natur aus ein relativ gutes Säure-Puffervermögen. Seite 10 von 12 Abb. pH-Werte Forstrevier Süd 2004 5. Schutzkalkungen Der gesamte Stadtwald wurde in den letzten 20 Jahren bereits zweimal behandelt. 1985-1989 und 1996-2000 wurden schrittweise alle Forstreviere gekalkt.. Ausgebracht wurde ein kornabgestuftes Granulat aus gemahlenem, magnesiumhaltigem Naturkalk (Dolomit, Ca(Mg)CO3). Fein- und Grobanteile sind so abgestimmt, dass die Dosierung über mehrere Jahre wirkt. Die Ausbringung des Granulates per Hubschrauber ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung der Dosis (3t/ha = 300g/m2), ohne dass Blätter oder Insekten durch Kalkstaub beeinträchtigt werden. Die Bodenversauerung hat sich durch jahrzehntelanges, langsames Einsickern der Schadstoffe in den Bodenkörper entwickelt. Genauso können basische Kalkzugaben nur langfristig wiederholt in vorsichtiger Dosierung aufgebracht werden , da es sonst im Oberboden zu einem Überdüngungsschock kommt, während der Mineralboden nicht erreicht wird. Die Bodenuntersuchungen aus den letzten 10 Jahren zeigen, dass ein weiteres Absinken der pH-Werte unter den kritischen Bereich (4,2) verhindert werden konnte. Außerdem ist der positive Einfluß der Kalkung an den günstigeren Werten im Oberboden deutlich erkennbar. Die Kalkung puffert zumindest für einen Zeitraum von etwa 10 Jahren den zusätzlichen Säureeintrag ab. Nach dieser Zeit ist eine in der Regel eine Wiederholung erforderlich, sofern sich der Schadstoffeintrag nicht deutlich verringert. Die Gesamtkosten für eine komplette Kalkung des Stadtwaldes betragen rund 500.000 Euro. Bei den letzten Kalkungen beteiligte sich das Land mit Förderungsmitteln von 60% der Seite 11 von 12 mehrwertsteuerfreien Kosten. Eine nächste Schutzkalkung wird voraussichtlich in den Jahren 2007-2010 erforderlich. 6. Waldbauliche Maßnahmen Neben den Schutzkalkungen können auch waldbauliche Maßnahmen den Zustand des Waldes stabilisieren. Naturnah gepflegte Wälder können sowohl den absehbaren Folgen der Klimaveränderung (Sturmereignisse) als auch den Schadstoffbelastungen besser wiederstehen. Regelmäßige Pflegemaßnahmen (Durchforstungen) tragen zum Aufbau eines stabilen und strukturreichen Mischbestandes bei. Bodenschonende Holzerntetechniken mit Seilwinde und Rückepferd schonen Waldböden und Wurzelraum vor Verdichtung. Durch kontinuierliche, möglichst natürliche Verjüngung mit heimischen Baumarten ist der Waldbestand dem Standort am besten angepasst. Der Stadtwald wird seit mehr als 40 Jahren nach den Grundsätzen der naturnahen Waldwirtschaft gepflegt. 7. Zusammenfassung Der Kronenzustand der Bäume war 2004 aufgrund des vorangegangenen Trockenjahres besonders schlecht (29 % deutliche Schäden) . Die Buche war durch gleichzeitige starke Fruchtbildung besonders betroffen (49 %). Es traten vermehrt Sekundärschädlinge wie Baumpilze und Insekten auf. Die Waldböden des Düsseldorfer Stadtwaldes liegen im Durchschnitt knapp oberhalb des kritischen pH-Wertes von 4,2. Einzelne Standorte liegen etwas darunter. Durch die vorangegangenen Kalkungen konnte ein Absinken des pH-Wertes verhindert werden. Die pH-Werte im Oberboden sind durch die Kalkung bereits günstiger als im Mineralboden. Eine nächste Schutzkalkung wird voraussichtlich in den Jahren 2007-2010 erforderlich. Stz Beratungsfolge: RSD AllVorlg.WPT Seite 12 von 12 Gremium Sitzungsdatum Ergebnis Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 10.01.05 -/- 2 1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant. 2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst. Amt: Garten-, Friedhofs- und Forstamt Dezernentin / Dezernent: Beigeordnete Nieß-Mache

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Quelle: Ratsinformationssystem Düsseldorf · Aktenzeichen 70/ 2/2005