Originale durchsuchen
Dokumenttexte
Vorlage als Text anzeigen
Seite 1 von 12
Informationsvorlage
Betrifft:
Waldschadensbericht
Waldzustandsbericht Stadtwald Düsseldorf
2004
1. Grunddaten zum Stadtwald
2. Waldschäden
3. Waldbäume
4. Waldböden
5. Schutzkalkung
6. Waldbauliche Maßnahmen
7. Zusammenfassung
Garten-, Friedhofs- und Forstamt
RSD AllVorlg.WPT
Seite 2 von 12
1. Grunddaten zum Stadtwald
Die Forstbetriebsfläche des Stadtwaldes nach Forstinventur beträgt zur Zeit 2180 Hektar
(rd. 22 Mio m2).
Hauptbaumarten sind Eiche (25 %) und Buche (20 %) , gefolgt von Roteiche (12 %) und
Pappel (7%). Der Rest sind weitere Mischlaubhölzer wie Ahorn, Esche, Erle, Hainbuche,
Linde, Birke etc.. Der Nadelholzanteil mit Fichte und Kiefer liegt insgesamt unter 5%.
Kreisdiagramm Baumartenverteilung Stadtwald
Die Baumartenstruktur entspricht damit im Grundgerüst der natürlichen Vegetation aus
Buche, Eiche und Mischlaubhölzern. (Potentielle natürliche Waldgesellschaften sind
Buchen- und Stieleichen- Hainbuchenwälder.)
Mehr als 80% des Stadtwaldes sind Mischbestände mit meist mehrschichtigem
Bestandesaufbau. Die Altersverteilung zeigt ein Schwergewicht bei den bis 60-jährigen
Jungbeständen und ein Defizit bei den über 100-jährigen Altbeständen.
Der gesamte Holzvorrat des Stadtwaldes liegt bei 300.000 Festmetern, der jährliche
laufende Zuwachs bei 10.000 Fm. Im Rahmen der Waldpflegemaßnahmen werden davon
ca. 4.000 Fm pro Jahr entnommen, so dass ein nac hhaltiger Substanzaufbau
gewährleistet ist.
Seite 3 von 12
Oberste Priorität hat die Erhaltung und Pflege des Stadtwaldes als Erholungs- und
Naturraum für die städtische Bevölkerung. Alle Schutzfunktionen (Naturschutz,
Grundwasserschutz, Lärm- und Imissionsschutz) sind dabei zu berücksichtigen. Die
nachhaltige Erzeugung des Rohstoffes Holz ist nachrangig und liefert einen
Deckungsbeitrag zur Stadtwaldpflege.
Der Stadtwald Düsseldorf ist seit 2000 nach FSC und Naturland zertifiziert.
2. Waldschäden
Immissionsbedingte Waldschäden waren bereits lange vor ihrer Entdeckung in den
siebziger Jahren vorhanden. Die Anfänge reichen vermutlich bis in den Beginn der
Industrialisierung zurück. Dabei handelt es sich um eine chronische, langsam
fortschreitende Belastung der Waldbestände und des Waldbodens, die durch das
Zusammenwirken verschiedener Luftschadstoffe verursacht wird.
Seit den 80er Jahren ist die Belastung des Waldes mit Schadstoffen allgemein bekannt.
Durch den Eintrag von Schwefeldioxid, Stickoxiden und Ozon, die aus der Luft
ausgewaschen werden, wird das empfindliche Ökosystem Wald gestört. Es kommt zu
Verletzungen der Blattorgane und Feinwurzeln, zur Auswaschung von Nährstoffen und zur
Freisetzung giftiger Aluminiumionen im Bodenwasser.
Die Schäden lassen sich zum einen am Belaubungsbild der Bäume, zum anderen am
Zustand des Waldbodens erkennen.
3. Waldbäume
Im Gegensatz zum Waldboden reagiert die Belaubung kurzfristig sehr stark auf
Witterungsextreme. Deshalb ist der Witterungsverlauf der letzten Jahre mit zu betrachten.
Nach dem trockenen "Jahrhundertsommer" 2003 war die ausgeglichene Witterung in
2004 für den Wald eigentlich günstig. Auf den extremen Trockenheits-Stress reagieren
die Bäume aber mit einer zeitlichen Verzögerung in der nächsten Vegetationsperiode, so
dass die Belastung des vorangegangenen Trockenjahres in 2004 deutlich sichtbar wurde.
Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) führte 2004 die 20.te
jährliche Kronenzustandserhebung in NRW durch. Der Stadtwald Düsseldorf ist mit
Einzelpunkten in diese Erhebung eingebunden.
Untersucht wurden in einem Stichprobenraster von 4x4 km an 525 Aufnahmepunkten
landesweit fast 10.000 Bäume. Die Klassifizierung erfolgt vereinfacht in drei
Schadstufen:
-"ohne Schadensmerkmale"
-"schwach geschädigt" (Vorwarnstufe)
-"deutlich geschädigt"
Seite 4 von 12
Hauptergebnisse der Waldschadenserhebung 2004 :
Die deutlichen Schäden sind insgesamt um 5 % auf 29 % angestiegen.
Weitere 42 % der Bäume sind schwach geschädigt. 29 % der untersuchten Bäume sind
gesund.
Abb.
Kreisdiagr
amm
Schadstuf
en 2004
LÖBF
Speziell bei der Eiche liegen die deutlichen Schäden mit 39% auf Vorjahresniveau.
Bei der Buche stiegen die deutlichen Schäden auf 49 % an.
Seite 5 von 12
Sonstige Laubbäume zeigen 26 % deutliche Schäden
Ki
ef
er
un
d
Fi
ch
te
lie
ge
n
mit
19
%
un
d
20
%
auf Vorjahresniveau.
Die Schadensbelastung hält weiter an.
Abb. Balkendiagramm Schadensentwicklung Zeitreihe LÖBF
Der auffällig ungünstige Wert bei der Buche steht im Zusammenhang mit einer
überdurchschnittlich starken Fruchtbildung (Mastjahr), die zu Lasten der Blattausbildung ging.
Bei der Eiche traten vermehrt Schad-Insekten (Eichenwickler und Frostspannner) auf und
generell waren häufig Baum-Pilze als Schwächeparasiten zu beobachten.
Insgesamt war der Belaubungszustand 2004 stark durch die Folgen des Trockensommers 2003
geprägt.
Die oben genannten Ergebnisse spiegeln das Ergebnis und den Trend für NRW wieder.
Obwohl die Baumartenzusammensetzung und der Altersaufbau im Düsseldorfer Stadtwald
abweichend sind, sind die Ergebnisse grundsätzlich und im Trend übertragbar.
Baumartenbereinigt speziell für den Stadwald Düsseldorf ergeben sich hochgerechnet
Seite 6 von 12
deutliche Schäden von 33,5%.
Eine Waldschadenserhebung für den Stadtwald Düsseldorf wurde 1986 in Auftrag gegeben. Die
Ergebnisse entsprachen damals bis auf wenige Prozente den landesweiten Daten für NRW.
Eine erneute aktuelle Waldschadenserhebung für den Stadtwald Düsseldorf nach den
identischen Erhebungsmethoden der LÖBF wäre mac hbar. Der Kosten für eine solche
aussagefähige Stichproben-Erhebung und Auswertung durch ein Fachbüro würden rund 30.000
Euro betragen. Größere Abweichungen von den landesweiten Daten sind aber nicht zu
erwarten.
4. Waldböden
Anders als die Belaubung ist der Zustand des Waldbodens nicht so stark witterungsabhängig.
Hier wirken chemische Prozesse, wie z.B. die Veränderung des pH-Wertes, langfristig.
Die Versauerung des Bodens wird anhand des pH-Wertes gemessen, der die Menge an freien
Wasserstoff-Ionen (Säureteilchen ) in der Bodenlösung angibt. Fällt dieser pH-Wert deutlich
unter 4,2, ist eine Schutzkalkung anzuraten, unter 3,8 ist sie dringend notwendig.
Im Stadtwald werden seit 1994 regelmäßige Wiederholungsproben von 29 dauerhaften
Waldstandorten genommen. Die Proben aus Oberboden (a-Probe) und Mineralboden (b-Probe)
wurden durch das Labor der LUFA in Bonn ausgewertet.
Hauptergebnisse der Bodenuntersuchungen 2004
Die Zeitreihe mit dem durchschnittlichen pH-Wert aus allen Proben zeigt, dass der pH-Wert des
Mineralbodens in etwa konstant geblieben ist. Er liegt zur Zeit bei pH 4,4. Ein Absinken
konnte auch durch zwei durchgeführte komplette Schutzkalkungen verhindert werden.
Ein deutliches Indiz für die positive Wirkung der Schutzkalkungen ist der relativ günstige hohe
Wert im Oberboden (a-Proben). Dieser Wert würde ohne Kalkung etwa 0,2-0,5 pH-Punkte
niedriger liegen, als im Mineralboden (b-Proben). Der Oberboden ist also durch die
Kalkungen basischer als erwartet.
Abb. Zeitreihe pH-Werte Stadtwald
Seite 7 von 12
Im Forstrevier Nord (Kalkum, Überanger Mark) liegen die aktuellen pH-Werte 2004 im
Mineralboden zwischen 3,8 und 6,7. Die hohen (= basischen) Spitzenwerte sind untypisch und
betreffen ehemalige Ackeraufforstungen. Die nährstoffreichen Aueböden der Rheinebene haben
allgemein ein relativ gutes Säure-Puffervermögen.
Abb. pH-Werte Forstrevier Nord 2004
Seite 8 von 12
Im Forstrevier Mitte (Grafenberger und Aaper Wald, Gerresheim) liegen die pH-Werte zur Zeit
zwischen 3,6 und 5,1. Die sandig-kiesigen Böden der alten Rheinhauptterasse haben von
Natur aus nur ein sehr geringes Puffervermögen gegen Säureeintrag.
Seite 9 von 12
Abb. pH-Werte Forstrevier Mitte 2004
Im Forstrevier Süd (Hasseler, Benrather und Eller Forst, Urdenbacher Altrhein) liegen die pH-
Werte zwischen 3,8 und 6,5. Auch hier haben die nährstoffreichen Aueböden der Rheinebene
von Natur aus ein relativ gutes Säure-Puffervermögen.
Seite 10 von 12
Abb. pH-Werte Forstrevier Süd 2004
5. Schutzkalkungen
Der gesamte Stadtwald wurde in den letzten 20 Jahren bereits zweimal behandelt. 1985-1989
und 1996-2000 wurden schrittweise alle Forstreviere gekalkt..
Ausgebracht wurde ein kornabgestuftes Granulat aus gemahlenem, magnesiumhaltigem
Naturkalk (Dolomit, Ca(Mg)CO3). Fein- und Grobanteile sind so abgestimmt, dass die
Dosierung über mehrere Jahre wirkt. Die Ausbringung des Granulates per Hubschrauber
ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung der Dosis (3t/ha = 300g/m2), ohne dass Blätter oder
Insekten durch Kalkstaub beeinträchtigt werden.
Die Bodenversauerung hat sich durch jahrzehntelanges, langsames Einsickern der Schadstoffe
in den Bodenkörper entwickelt. Genauso können basische Kalkzugaben nur langfristig
wiederholt in vorsichtiger Dosierung aufgebracht werden , da es sonst im Oberboden zu einem
Überdüngungsschock kommt, während der Mineralboden nicht erreicht wird.
Die Bodenuntersuchungen aus den letzten 10 Jahren zeigen, dass ein weiteres Absinken der
pH-Werte unter den kritischen Bereich (4,2) verhindert werden konnte. Außerdem ist der
positive Einfluß der Kalkung an den günstigeren Werten im Oberboden deutlich erkennbar.
Die Kalkung puffert zumindest für einen Zeitraum von etwa 10 Jahren den zusätzlichen
Säureeintrag ab. Nach dieser Zeit ist eine in der Regel eine Wiederholung erforderlich, sofern
sich der Schadstoffeintrag nicht deutlich verringert.
Die Gesamtkosten für eine komplette Kalkung des Stadtwaldes betragen rund 500.000 Euro.
Bei den letzten Kalkungen beteiligte sich das Land mit Förderungsmitteln von 60% der
Seite 11 von 12
mehrwertsteuerfreien Kosten.
Eine nächste Schutzkalkung wird voraussichtlich in den Jahren 2007-2010 erforderlich.
6. Waldbauliche Maßnahmen
Neben den Schutzkalkungen können auch waldbauliche Maßnahmen den Zustand des Waldes
stabilisieren. Naturnah gepflegte Wälder können sowohl den absehbaren Folgen der
Klimaveränderung (Sturmereignisse) als auch den Schadstoffbelastungen besser wiederstehen.
Regelmäßige Pflegemaßnahmen (Durchforstungen) tragen zum Aufbau eines stabilen und
strukturreichen Mischbestandes bei.
Bodenschonende Holzerntetechniken mit Seilwinde und Rückepferd schonen Waldböden und
Wurzelraum vor Verdichtung.
Durch kontinuierliche, möglichst natürliche Verjüngung mit heimischen Baumarten ist der
Waldbestand dem Standort am besten angepasst.
Der Stadtwald wird seit mehr als 40 Jahren nach den Grundsätzen der naturnahen
Waldwirtschaft gepflegt.
7. Zusammenfassung
Der Kronenzustand der Bäume war 2004 aufgrund des vorangegangenen Trockenjahres
besonders schlecht (29 % deutliche Schäden) .
Die Buche war durch gleichzeitige starke Fruchtbildung besonders betroffen (49 %).
Es traten vermehrt Sekundärschädlinge wie Baumpilze und Insekten auf.
Die Waldböden des Düsseldorfer Stadtwaldes liegen im Durchschnitt knapp oberhalb des
kritischen pH-Wertes von 4,2. Einzelne Standorte liegen etwas darunter.
Durch die vorangegangenen Kalkungen konnte ein Absinken des pH-Wertes verhindert
werden. Die pH-Werte im Oberboden sind durch die Kalkung bereits günstiger als im
Mineralboden.
Eine nächste Schutzkalkung wird voraussichtlich in den Jahren 2007-2010 erforderlich.
Stz
Beratungsfolge:
RSD AllVorlg.WPT
Seite 12 von 12
Gremium Sitzungsdatum Ergebnis
Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 10.01.05 -/-
2
1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant.
2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst.
Amt:
Garten-, Friedhofs- und Forstamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Nieß-Mache