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Title: Vorlage 19/ 60/2017
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00304390.pdf
Published Time: Mon, 12 Aug 2019 21:36:00 GMT
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Vorlage 19/ 60/2017
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X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, den 27.10.2017
An
Ratsherrn Philipp Tacer
Vorsitzender des Ausschusses für Umweltschutz
Anfrage der Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Kunstrasenflächen auf Sportplätzen
Sehr geehrter Herr Tacer,
wir bitten Sie, die Anfrage der Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf die Tagesord-nung des Ausschusses für Umweltschutz am 09. November 2017 zu nehmen und durch die Verwaltung beantworten zu lassen:
1. Wieviel qm Kunstrasen sind im Düsseldorfe r Stadtgebiet auf öffentlichen und
privaten Sportplätzen verlegt - bitte danach differenzieren, bei welchen Flächen
Granulate aus Altreifen verwendet wurden?
2. Wie hoch wird der CO 2-Fußabdruck durch Herstellung, Transport, Erhaltung
und Entsorgung der verwen deten Materialmengen eingeschätzt und wie wird
der Eintrag von Mikroplastikpartikeln in Abwasser und Boden verhindert?
3. Wie hoch sind die Folgekosten und der Energie - und Materialaufwand für Pflege
und Unterhaltung (Reinigung, Abschleppen, Egalisieren, Auff üllen, Befeuchten
etc.), für Rückbau und fachgerechte Entsorgung pro qm Kunstrasenfläche?
Sachdarstellung:
Die obenstehenden Fragen erweitern die zur Zeit diskutierten wirtschaftlichen und
sporttechnischen Aspekte von Kunstrasenplätzen um die umwelt - und gesundheitspolitische
Sicht. Je nachdem, welche Materialien bei Kunstrasen verwendet werden, müssen die
Folgen für das globale und das lokale Klima, die Emission en umwelt - und
gesundheitsgefährdender Schadstoffen und der Austrag von Mikroplastikpartike ln in die
Umwelt in die Bewertung von Kunstrasen einbezogen werden. Eine aktuelle Ausarbeitung
des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages aus diesem Jahr fasst das von
Kunstrasenpl ätzen ausgehende Gefährdungspotential zusammen (WD 8 -3000 -009 /17).
Kunstrasenplätze bestehen aus mehreren Schichten. In der Regel befindet sich auf einem
Drainage -Belag eine Elastikschicht, gefolgt von einer Quarzsand - und einer Granulatfüllung
und als Abschluss Kunstfasern. Das Granulat besteht aus unterschiedliche n Materialien, es
gibt Granulate aus Kautschuk, Kunststoff, Sand oder aus PKW - und LKW -Reifen. Die
Kunststoffschicht besteht aus Polymeren auf Erdölbasis (Polypropylen, Polyethylen oder
Polyamid). Vorlage 19/ 60/2017
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Klimaschutz und Ressourcen
Dort wo Kunstrasen verlegt ist, sind Flächen versiegelt, die als Naturrasen CO 2-binden
würden und zusätzlich eine kühlende Wirkung auf das Lokalklima hätten. Im Rahmen der
Diskussion zum Klimaschutzkonzept und zum Klimaanpassungskonzept der Stadt
Düsseldorf wird daher auch das Thema „Ku nstrasen“ angesprochen. Grünflächen aus
Naturrasen können im Gegensatz zum Kunstrasen negative Folgen für das Klima verhindern
und verringern.
Die Herstellung von Kunstrasen erfordert im Vergleich zu Naturrasen einen deutlich höheren
Energieaufwand. Außerd em werden für die verwendeten Kunststoff -Polymere fossile
Rohstoffe eingesetzt, deren Recyclingfähigkeit begrenzt ist . Dies schlägt sich in der
Ökobilanz für Kunstrasen nieder. Den größten Unterschied zwischen Natur - und Kunstrasen
ermittelt das Öko -Instit ut für die CO 2-Bilanz und den Treibhauseffekt, nach de ssen Studie der
Naturrasen nur ein Drittel der schädlichen Auswirkungen im Vergleich zum Kunstrasen
verursacht.
Gesundheitsgefährdende Stoffe
Für das in Kunstrasen eingesetzte Gummigranulat werden unte rschiedliche Materialien
verwendet. Granulate aus Altreifen stehen wegen der darin enthaltenen Weichmacheröle in
der Kritik. Diese beinhalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) , die als
krebserregend und erbgutverändernd eingestuft werden und die sich d urch ihre Persistenz
(schlechte Abbaubarkeit) in der Umwelt anreichern. Neben PAK können Altreifengranulate
auch gesundheitsgefährdende Schwermetalle enthalten.
Ob die o.g. Schadstoffe von den SportlerInnen aufgenommen werden, ist umstritten. Wo sich
bei SpielerInnen nach K örperkontakt mit der Kunstrasen fläche Hautverfärbungen zeigen, ist
nicht auszuschließen, dass die Schadstoffe auch in den Körper gelangen .
Mikroplastikpartikel in Gewässern
Kunstrasenplätze stehen auch im Zusammenhang mit de r Verbreitung von
Mikroplastikpartikeln in der Umwelt in der Diskussion. Berechnungen der norwegischen
Umweltbehörde haben - laut Deutschlandfunk nova - gezeigt, dass dort jährlich ca. 3000
Tonnen Mikroplastik aus Kunstrasenplätzen in den Fjorden lande n; damit wären
Kunstrasenplätze die zweitgrößte Quelle für Mikroplastik im Meer. Daher interessiert in
diesem Zusammenhang die Frage, ob es auch von Düsseldorfer Kunstrasenplätzen zu einer
Verbreitung von Mikroplastik partikel in Gewässer oder Boden kommt.
Mit freundlichen Grüßen
Iris Bellstedt Renate Böhm Günther Bunte-Esders
Antwort der Verwaltung als Text anzeigen
Title: 00309073.pdf
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00309073.pdf
Published Time: Fri, 05 Jul 2019 18:35:22 GMT
Number of Pages: 3
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1
Vorlage 19/60/2017
Beigeordnete Stulgies
Anfrage Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für die Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz am 09.11.2017 / Beantwortung in der Sitzung am 11.01.2018
hier: „Kunstrasenflächen auf Sportplätzen“
Vorbemerkung der Verwaltung:
Kunstrasenplätze zeichnen sich durch eine fast unbegrenzte Nutzbarkeit aus. Diese gilt explizit auch für die nasskalten Monate im Herbst und Winter. Durch die große Anzahl von vor allem Fußballmannschaften in den Vereinen, insbesondere auch im Kinder- und Jugendbereich, sind ausreichende Trainings- und Spielflächen notwendig, die der Belastung standhalten. Dies trifft auf andere Beläge nicht in diesem Maße zu. Gerade ein Naturrasen ist nicht ganzjährig zu nutzen. Ein Rückbau von Kunstrasenplätzen bzw. eine Stagnation von Kunstrasenprojekten würde dazu führen, dass in den kalten Jahreszeiten ein zusätzlicher Bedarf von Trainings- und Spielzeiten in Sporthallen generiert werden würde. Für diesen zusätzlichen Bedarf sind bei weitem nicht genügend Sporthallen in ausreichender Zahl und Größe vorhanden. Ein Nutzungskonflikt mit anderen typischen Hallensportarten wäre die Folge. Um den Bedarf an Sportflächen für die Schlechtwetterperioden zu decken und Nutzungskonflikten entgegenzuwirken, müssten Sporthallen gebaut werden. Diese Neubauten würden neben einem hohen Investitionsaufwand auch einen zusätzlichen Rohstoffbedarf und Energieaufwand nach sich ziehen. Außerdem ist zu bedenken, dass neue Sporthallen mit Flächenversiegelungen einhergehen. Bei einem Kunstrasen handelt es sich hingegen um eine durchlässige Fläche. Die Kunstrasenflächen ermöglichen, dass ganzjährig Freiluftsportarten wie z. B. Fußball, American Football und Lacrosse durchgeführt werden können.
Frage 1:
Wieviel qm Kunstrasen sind im Düsseldorfer Stadtgebiet auf öffentlichen und privaten Sportplätzen verlegt - bitte danach differenzieren, bei welchen Flächen Granulate aus Altreifen verwendet wurden?
Antwort:
Die Verwaltung beantwortete diese Frage wie folgt:
Im Düsseldorfer Stadtgebiet befinden sich - in der Verwaltung des Sportamtes - 56 Kunstrasenplätze mit insgesamt 340.967 qm. Davon sind 43 mit einer Fläche von 254.587 qm mit Neugranulat verfüllt, weitere 8 Plätze mit insgesamt 57.867 qm verfügen über eine Verfüllung mit zertifiziertem RCL-(Recycling-)Granulat aus Altreifen. Hier ist sichergestellt, dass das Material den gültigen Richtwerten entspricht.
Neue Kunstrasenplätze werden nur mit Sand und Neugranulat verfüllt, um die aus der Vergangenheit bekannten Verbrennungen bei den Sportlerinnen und Sportlern, die bei ausschließlich sandverfüllten Plätzen aufgetreten sind, zu vermeiden. Alternative Verfüllungen aus Kork oder anderen organischen Materialien sind in Düsseldorf noch nicht zum Einsatz gekommen. Kork ist nach Informationen der 2
Verwaltung ein nur begrenzt zur Verfügung stehender Rohstoff, das schlägt sich ggf. auch in den Kosten nieder.
Darüber hinaus bestehen 5 unverfüllte Hockeyrasenplätze mit zusammen 28.513 qm.
Zu den privaten Sportplätzen liegen der Verwaltung keine Informationen vor.
Frage 2:
Wie hoch wird der CO2-Fußabdruck durch Herstellung, Transport, Erhaltung und Entsorgung der verwendeten Materialmengen eingeschätzt und wie wird der Eintrag von Mikroplastikpartikeln in Abwasser und Boden verhindert?
Antwort:
Das Ökoinstitut Darmstadt e.V. hat eine „Ökobilanz für den Vergleich der Umwelt-auswirkungen von Natur- und Kunstrasenspielfeldern“ erstellt, die im Jahr 2008 veröffentlicht wurde.
Im Ergebnis zeigt die Studie zum CO 2-Fußabdruck, dass Naturrasenplätze in allen Nutzungsvarianten von intensiv bis extensiv einen deutlich geringeren CO 2-Fußabdruck aufweisen als Kunstrasenflächen. Allerdings können Kunstrasenflächen grundsätzlich intensiver, bis zu ca. 2500 Stunden pro Jahr, genutzt werden als Naturrasenflächen, die nur eine angenommene maximale Nutzung von 830 Stunden pro Jahr zulassen.
Ursächlich für die Freisetzung von Mikroplastik aus Kunstrasenspielfeldern sind Füllungen mit Gummigranulaten.
Relevante Eintragspfade für Mikroplastikpartikel in die Umwelt sind:
- Anhaftungen an den Sportschuhen, die zu einer diffusen Verteilung führen.
- das Waschen der Sportbekleidung, das zu einer Belastung des Abwassers führt,
- ein direkter Partikeleintrag über die Entwässerungssysteme sowie
- der Transport von kleinsten Plastikpartikeln über den Luft-Pfad.
Aufgrund dieser verschiedenen Verteilungsmechanismen sind gezielte Maßnahmen zur Verhinderung eines Eintrages von Mikropartikeln kaum möglich. Durch die regelmäßige Pflege der Sportflächen lässt sich jedoch ein Eintrag minimieren.
Vermeiden ließe sich ein Eintrag nur durch den Verzicht auf Gummigranulate. Entsprechend der Antwort der Verwaltung zu Frage 1 werden bisher alternative Füllmaterialien auf Basis von Kork oder Kokosnussschalen in Düsseldorf nicht eingesetzt. Sand als alternatives Füllmaterial wird entsprechend der obigen Antwort der Verwaltung nur gemeinsam mit Neugranulat eingesetzt.
Frage 3:
Wie hoch sind die Folgekosten und der Energie- und Materialaufwand für Pflege und Unterhaltung (Reinigung, Abschleppen, Egalisieren, Auffüllen, Befeuchten etc.), für Rückbau und fachgerechte Entsorgung pro qm Kunstrasenfläche? 3
Antwort:
Die Verwaltung beantwortete diese Frage wie folgt:
Für die Unterhaltung fallen für einen ca. 7.000 qm großen Platz jährlich Kosten von rd. 43.750 EUR an, dies entspricht einem Quadratmeterpreis von rd. 6,25 EUR brutto. Der Rückbau und die Entsorgung von Sand- und Granulat- verfüllten Kunstrasenbelägen in einer Größe von 7.000 qm werden mit 17.500 EUR veranschlagt, dies entspricht einem Quadratmeterpreis von 2,50 EUR brutto.
Bei einem alternativen Umbau in einen Rasenplatz fallen weitere Kosten für den veränderten Aufbau der unterliegenden Schichten an. Das geht ebenfalls einher mit einer deutlich reduzierten Nutzungsdauer.
Beigeordnete Stulgies