Title: Microsoft Word - Duesseldorf_Gasbeleuchtung_nationale Bedeutung_2019-11-15_ADR_Stellungnahme_INV+BKD_K-J_AP_RR-EU-K-J.docx
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Published Time: Thu, 06 Feb 2020 12:23:34 GMT
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Düsseldorf, historische Gasbeleuchtung
Förderantrag für das Programm National wertvolle Kulturdenkmäler der
Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR)
gemäß Fördergrundsätze Punkt 1.2 b) und 1.4
Bezugsmaßnahme: Sanierung und Modernisierung der gasbetriebenen
öffentlichen Straßenbeleuchtung gemäß Förderantrag der Stadt Düsseldorf
vom 30.10.2019
Sehr geehrte Damen und Herren,
für Maßnahmen an der Düsseldorfer Gasbeleuchtung wurde ein Antrag auf Förde-
rung gestellt. Das LVR-ADR hat den Denkmalwert gemäß § 2 Abs. 1 DSchG NRW
festgestellt und wurde gebeten, zur nationalen Bedeutung des Denkmals sowie zu
der zu fördernden Maßnahme Stellung zu nehmen.
Zur nationalen Bedeutung
In keiner anderen deutschen Stadt lässt sich die Quantität und Qualität der erhalte-
nen öffentlichen Straßenbeleuchtung mit Gaslicht so anschaulich und vielschichtig
rezipieren wie in der Stadt Düsseldorf, die in industriegeschichtlicher Hinsicht als
Stadt des Gaslichts schlechthin angesehen werden darf.
Die Stadt Düsseldorf nutzt für die öffentliche Straßenbeleuchtung bis heute neben
dem vorherrschenden elektrischen Licht noch ca. 14.000 historische gasbetriebene
Straßenlaternen (Stand: Mai 2019), die sich in charakteristischen Ensembles be-Seite 2
merkenswerter Größe, Qualität und Dichte erhalten haben. In ihrer Gesamtheit bil-
den sie ein herausragendes Zeugnis für die traditionsreiche, bis in das Jahr 1846
zurückreichende Geschichte der Düsseldorfer Gasbeleuchtung, die technische Evolu-
tion und besondere Lichtqualität des Gaslichts, die typologische Vielfalt der Gasla-
ternen und ihrer Hersteller sowie für die charakteristische Entwicklung des Gasver-
sorgungsnetzes. Dieses erstreckt sich über das gesamte heutige Düsseldorfer
Stadtgebiet und ist in dieser Ausdehnung und vielfältigen Ausgestaltung in Deutsch-
land – aber auch im europäischen Ausland – heute als Besonderheit anzusehen.
In etwa 40 deutschen Städten waren im Jahr 2011 noch Gaslaternen in Betrieb, die
meisten in Berlin (2011: ca. 40.000 Stk., Anfang 2019 noch ca. 30.000 Stk.), Düs-
seldorf (2011: ca. 17.000 Stk., Anfang 2019 noch ca. 14.000), Frankfurt am Main
(2011: ca. 5.500 Stk., heute ca. 12 Stk.) und Dresden (2011: ca. 2.000 Stk., 2016
ca. 1200 Stk.). Die große Mehrheit dieser Gaslaternenbestände genießt keinen
Denkmalschutz und reduziert sich stetig, da die städtischen Beleuchtungssysteme
konsequent auf alternative (elektrisch betriebene) Beleuchtungskörper umgestellt
werden. Damit ist in der Regel ein Verlust der historischen Laternen bzw. deren Er-
satz durch elektrisch gerüstete Imitate verbunden. So sollen bei der 2014 durch die
Stadt Frankfurt am Main beschlossenen Umrüstung des drittgrößten deutschen Be-
standes lediglich noch ca. 6 Laternen im Dichterviertel als exemplarisches Kultur-
denkmal weiterhin mit Gas betrieben und ca. 1.400 historische Laternen elektrifi-
ziert werden. Vergleichbare Beschlüsse zur Erhaltung ausgesuchter Gaslaternen in
besonders „intakten“ historischen Gebäudeensembles wurden z.B. in den Städten
Würzburg, Mainz oder Mannheim gefasst. In den Städten Berlin, Chemnitz und
Dresden hingegen sollen kleine Bestände in Betrieb befindlicher historischer Gasla-
ternen als technische Denkmale erhalten bleiben. In Dresden werden noch ca. 1.200
Gaslaternen in drei Quartieren betrieben; die Stadt Berlin plant, den noch ca.
30.000 Gaslaternen umfassenden Bestand bis auf ca. 3.300 gasbetriebene Leuchten
zu reduzieren, die als städtebaulich relevante Flächendenkmäler in insgesamt neun
Bezirken erhalten werden sollen.
Im Vergleich mit den Gaslaternenbeständen anderer deutscher Städte weist die
Düsseldorfer Gasbeleuchtung aus folgenden Gründen eine herausragende nationale
Bedeutung auf:
Anzahl und Verteilung der Gaslaternen im Düsseldorfer Stadtgebiet
haben heute bundesweit Seltenheitswert.
Der Düsseldorfer Bestand von 14.000 Gaslaternen ist – nach Berlin – gegenwär-
tig der zweitgrößte erhaltene Bestand in der Bundesrepublik. Mit dem beschlos-
senen Rückbau der Berliner Gasbeleuchtung auf ca. 3.300 Laternen bildet die
Düsseldorfer Gasbeleuchtung zukünftig das mit Abstand größte noch in Betrieb
befindliche Netz seiner Art in Deutschland. Das Gasbeleuchtungsnetz der Stadt
Düsseldorf umfasst 49 Quartiere im ganzen Stadtgebiet. Gaslaternen und Gas-
licht prägen sowohl die historischen Kernbereiche Düsseldorfs als auch die Areale Seite 3
späterer Stadterweiterungen bei Tag wie bei Nacht. Im Zuge der Eingemeindun-
gen nach Düsseldorf wurde die über 170 Jahre gewachsene städtische Gasbe-
leuchtung vereinheitlicht, zentralisiert und optimiert, ohne ihre vielschichtige his-
torische Zeugniskraft zu verlieren. Die netzartige Struktur und die räumliche
Ausdehnung der Gasbeleuchtung im Stadtgebiet erlauben es bis heute, die histo-
rische Entwicklung der Gasbeleuchtung der Stadt Düsseldorf im Verlauf des 19.
und 20. Jahrhunderts anschaulich nachzuvollziehen.
Die Düsseldorfer Gasbeleuchtung belegt die Bedeutung des Gaslichtes
für die Industrialisierung und die Entwicklung der öffentlichen Straßen-
beleuchtung als treibende Kräfte der Urbanisierung im Zuge des 19.
Jahrhunderts.
Die Industrialisierung hatte mit der Erfindung der Dampfmaschine, die eine von
den Naturkräften unabhängige Krafterzeugung erlaubte, ihren Anfang genom-
men. Ihre volle Entfaltung erreichte sie mit dem um 1800 in England entwickel-
ten Gaslicht. Die Gasbeleuchtung ermöglichte es erstmals, eine qualitativ hoch-
wertige künstliche Beleuchtung von Fabrikräumen zu schaffen, die tageslichtun-
abhängige Arbeit und damit verlängerte Maschinenlaufzeiten gestattete. Die
Nutzung des Gaslichtes zur Beleuchtung des öffentlichen Straßenraumes („de-
mokratisches Licht“) revolutionierte in der Folge das öffentliche städtische Leben
in gleichem Maße wie zuvor die industrielle Produktion und bildete den Grund-
stein moderner Stadttechnik. Vor allem die Entwicklung leistungsfähiger Lei-
tungsnetze trug maßgeblich dazu bei, dass die Städte großflächig und zuverläs-
sig beleuchtet werden konnten.
Das um 1800 vom britischen Ingenieur William Murdoch entwickelte System der
Gasversorgung, das von der Gaserzeugung bis hin zu den Gasleuchten reichte,
fand rasch weite Verbreitung. In London wurde die Gasbeleuchtung bereits
1814, in Paris 1815 eingeführt. Vorreiter in Deutschland waren die Städte Han-
nover (1825), Berlin (1826), Dresden und Frankfurt am Main (beide 1828). Der
Aufbau städtischer Gasversorgungen erfolgte zunächst durch private Unterneh-
men auf Grundlage exklusiver Versorgungsverträge mit den Kommunen, denen
das Knowhow und oft auch die finanziellen Mittel für den Aufbau einer eigenen
Gasversorgung fehlten. Gaswerke, Speicher und Versorgungsnetze gingen häufig
nach Vertragsende in den Besitz der Städte über, welche die kommunale Gas-
versorgung dann weiter ausbauten.
Das Beispiel der Düsseldorfer Gasbeleuchtung belegt diese charakteristische
technikgeschichtliche Entwicklung in exemplarischer Weise und führt vor Augen,
dass die städtische Gasbeleuchtung Teil eines Systems war, das von der Herstel-
lung des Gases über die Gasverteilung (Rohrnetz) bis zum Betrieb bzw. der War-
tung und Reparatur der Laternen reichte. In der relativ jungen Stadt Düsseldorf
führte die um 1830 einsetzende Industrialisierung zu raschem urbanem Wachs-
tum und zum Bau von zwei privaten Gasfabriken. 1846 schloss die Stadt mit ei-
nem der Unternehmen, der Firma Sinzig & Co., einen exklusiven Versorgungs-
vertrag mit 20-jähriger Laufzeit. Damit verpflichtete sich die Firma zur Lieferung Seite 4
von sogenanntem Patentgas – einer Mischung aus Steinkohlen- und Harzgas –,
welches die Stadt zu einem vereinbarten Festpreis abnahm. Am 17.09.1848
wurden in Düsseldorf die ersten Gaslaternen in Betrieb genommen.
Bereits 1863 kam es nach einem Streit über die Gasqualität zum Beschluss der
Stadt, ein eigenes Gaswerk zu errichten, das 1866 den Betrieb aufnahm. Schon
1873 reichten dessen Kapazitäten nicht mehr aus, so dass der Bau eines zweiten
städtischen Gaswerkes am Höherweg in Düsseldorf-Flingern beschlossen wurde,
welches sich bis heute erhalten hat und unter Denkmalschutz steht. Hier stellte
die Stadt Düsseldorf das Stadtgas her, sorgte für die Gasverteilung und speiste
daraus die öffentliche Straßenbeleuchtung mit Gaslaternen. Heute ist es Sitz der
Stadtwerke Düsseldorf und repräsentiert als Standort der Gaswerkstatt und des
Ersatzteildepots in höchst anschaulicher Weise zugleich den historischen Kontext
wie auch die betrieblichen Einrichtungen der Gegenwart zur Nutzung und Erhal-
tung der historischen Gasbeleuchtung.
Die Düsseldorfer Stahlrohrindustrie war von herausragender Bedeutung
für die technische Entwicklung der Gasbeleuchtung.
Im Jahr 1860 baute die aus der Eifel nach Düsseldorf gezogene Firma Poensgen
die erste Gasrohrproduktion auf dem kontinentalen Festland auf, die das zuvor
herrschende englische Monopol auflöste und die Verbreitung der Gasbeleuch-
tungstechnologie maßgeblich beförderte. Düsseldorf entwickelte sich in der Folge
zur „Röhrenstadt“ mit einer Massierung von Röhrenwerken und Zulieferern, wie
es sie weltweit kein zweites Mal gegeben hat. Zu den bedeutenden dieser Betrie-
be zählte das 1893 nach Düsseldorf umgesiedelte Unternehmen der Familie
Mannesmann, das durch technische Innovationen maßgeblich zur erfolgreichen
Verbreitung der Gasbeleuchtung beigetragen hat. Bahnbrechend war sein 1891
patentiertes Walzverfahren zur wirtschaftlichen Fertigung nahtloser Rohre aus
einem massiven Stahlblock, mit dessen Hilfe ein preiswertes, vor allem aber si-
cheres Leitungsmaterial auf den Markt kam, welches weltweit Verwendung fand.
Es verringerte die üblichen Gasverluste, die bei den Guss- und längsnaht-
geschweißten Rohren bis zu 10 % ausmachen konnten, nahezu vollständig und
bewirkte eine signifikante Abnahme von Gasunfällen.
Gasrohre bildeten über viele Jahre den mit Abstand größten Teil der Düsseldorfer
Röhrenproduktion. Sie waren als Bauteile für Rohrnetze und Laternenmasten von
Bedeutung für den nationalen und internationalen Markt. Bis heute werden in
den noch bestehenden drei Röhrenwerken mehr Stahlrohre hergestellt, als ir-
gendwo sonst auf der Erde. Die Röhrenverbände für Deutschland, Europa und
die Welt hatten ihren Sitz in Düsseldorf. Als Zeugnisse dieser bedeutenden Röh-
renindustrie haben sich als Bestandteil der Düsseldorfer Gasbeleuchtung zahlrei-
che Masten der Firma Mannesmann erhalten, die ab 1925 mit den Gasaufsatz-
leuchten des Modells „Düsseldorf“ und ab 1956 mit den Gasreihenleuchten des
Modells „L 56“ aufgestellt wurden. Die Bedeutung der Firma Mannesmann ist in
der Stadt Düsseldorf darüber hinaus durch mehrere unter Denkmalschutz ste-
hende Gebäude der Mannesmann-Röhrenwerke AG im Werk Rath, das 1911/12 Seite 5
von Peter Behrens errichtete Verwaltungsgebäude des Unternehmens sowie das
1954 von Paul Schneider-Esleben erbaute Mannesmann-Hochhaus dokumentiert.
Die Düsseldorfer Gasbeleuchtung ist ein bedeutendes technikgeschicht-
liches Zeugnis für den nationalen und internationalen Erfolg des hier er-
fundenen hängenden Gasglühlichts.
Max und Carl Mannesmann entwickelten nicht nur das wegweisende, nach ihnen
benannte Walzverfahren für nahtlose Rohre, sondern erfanden 1899 auch das
hängende Gasglühlicht. Dies geschah im Konkurrenzkampf mit dem von Thomas
A. Edison entwickelten elektrischen Licht, das seit dem Ende des 19. Jahrhun-
derts Verbreitung fand. Charakteristisch für die Gasbeleuchtung war seit 1885
der durch Carl Auer von Welsbach erfundene Glühstrumpf, ein mit den Oxiden
seltener Erden getränktes Textilgewebe, das bei Erhitzung durch eine Gasflam-
me ein helles, warmes Licht abstrahlt. Durch seine aufrechte Anordnung ver-
brauchte er relativ viel Gas. Erst das nach unten brennende Mannesmann-
Glühlicht schaffte eine ruhige Flammenbildung, eine größere Helligkeit und vor
allem eine enorme Gasersparnis von bis zu 60 %, die der Firma Mannesmann zu
einem weiteren großen internationalen Erfolg und dem Gaslicht zu einer zweiten
Blütezeit verhalf, da das Gaslicht nun heller und durch den reduzierten Ver-
brauch auch wesentlich billiger war als das harte elektrische Licht. Für mehr als
zehn Jahre, bis zur Einführung von Glühlampen mit Metallfaden, war das hän-
gende Gasglühlicht konkurrenzlos. Gerade diese Erfindung hat wesentlich dazu
beigetragen, dass sich das Gaslicht gegenüber dem elektrischen Glühlicht be-
haupten konnte - letztlich bis heute, wie an den hängenden Glühstrümpfen
sämtlicher Leuchtenköpfe der Düsseldorfer Gaslaternen anschaulich zu sehen ist.
Die Düsseldorfer Gasbeleuchtung besitzt eine bemerkenswerte Typen-
vielfalt bedeutender Gaslaternenhersteller.
Der Gaslaternenbestand in der Stadt Düsseldorf umfasst mehrere Laternentypen
aus verschiedenen Phasen der 170-jährigen Entwicklungsgeschichte. Sie sind in
unterschiedlichem Umfang erhalten. Im Wesentlichen lassen sich fünf Laternen-
modelle unterscheiden:
o Modellleuchte „Alt-Düsseldorf“, Ursprung im 19. Jahrhundert, verschiedene
Hersteller, älteste erhaltene Leuchtenköpfe aus den 1930er Jahren, montiert
auf verzierten Kandelabern mit variierender Zahl von Armen und gasführen-
dem Innenrohr, aber auch an Au
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