Informationsvorlage als Text anzeigen
AÖE/047/2024
X öffentlich nicht öffentlich
Informationsvorlage
Betrifft:
Baumbilanz 2024/2025
Fachbereich:
68 - Garten-, Friedhofs- und Forstamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordneter Jochen Kral
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ausschuss für öffentliche
Einrichtungen, Stadtökologie,
Abfallmanagement und
Bevölkerungsschutz
18.11.2024 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Bäume übernehmen vielfältige Aufgaben. Sie verbessern durch ihre ökologischen
Eigenschaften das Mikroklima sowie die Lufthygiene. Bäume spenden Schatten,
schützen vor Wind, kühlen und befeuchten die Luft, binden Schadstoffe und setzen
Sauerstoff frei. Hinzu wirken sie sich positiv auf das Wohlbefinden der
Stadtbevölkerung aus. Bäume bieten für viele Stadtbewohnerinnen und
Stadtbewohner ein Naturerlebnis mit Wohlfahrtswirkung. Des Weiteren übernehmen
Bäume stadtbildprägende Funktionen, sie lockern dicht bebaute Bereiche auf, stellen
markante Wegepunkte dar oder haben eine leitende Funktion entlang von Straßen.
Die Zunahme von klimabedingten Stressfaktoren mit Stürmen, Starkregen, Hitze,
erhöhter Strahlung und Trockenheit wirken sich auf den Baumbestand in d er Stadt
Düsseldorf aus. Durch die sich ändernden Umwelteinflüsse werden die Bäume
geschwächt und damit anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.
Insbesondere die insgesamt rund 61.000 Straßenbäume sind von den Folgen des
Klimawandels negativ betroffen und durch die Klimaveränderungen in ihrer Vitalität
geschwächt. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, kontrolliert die
Stadtverwaltung kontinuierlich die Bäume im öffentlichen Raum.
Seite 2
Baumbilanz
In der Pflanzsaison 2023/2024 konnten insgesamt 1.73 9 Nach- und Neupflanzungen
auf Düsseldorfer Stadtgebiet realisiert werden. Die Prognose wird dadurch um mehr
als 200 Bäume übertroffen. Der Verwaltung ist es in dieser Pflanzsaison das zweite
Jahr in Folge gelungen, das Verhältnis von Fällungen zu Nach- und Neupflanzungen
umzukehren, also mehr Bäume zu pflanzen, als zu fällen.
In der laufenden Pflanzsaison 2024/2025 wird ebenfalls eine ausgeglichene
Baumbilanz angestrebt.
Der Erhalt und die Pflege des Baumbestandes trägt neben der Zunahme der
Neupflanzungen zu einer ausgeglichenen Baumbilanz bei. Dazu zählen folgende
Maßnahmen:
Kontinuierliche Pflege des Baumbestandes
Bewässerung der Jungbäume
Bewässerung von Bäumen an Extremstandorten
Monitoring des Wasserbedarfs durch Sensorik im Boden.
Im Folgenden wird die Auswertung der Anlagen- und Straßenbäume im Zeitraum
2020 bis 2024 mit Ausblick bis ins Frühjahr 2025 dargestellt:
Abbildung 1: Positive Baumbilanz in den Jahren 2022 und 2023 und voraussichtlich in 2024
Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren die Fällungen von Bäumen
weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben. Grund hierfür sind die häufig
auftretenden Baumkrankheiten und die Sicherstellung der Verkehrssicherheit.
In der Vorlage AÖE/072/2023 mit Sitzungsdatum vom 20.11.2023 wurde ein neuer
Betrachtungszeitraum sowohl für Fällungen als auch für die Nach - und
Neupflanzungen angekündigt.
Die Bilanzierung der Fällungen als auch der Nach- und Neupflanzungen werden so im
jährlichen Turnus vom 01. Oktober bis einschließlich 30. September des
nachfolgenden Jahres ausgewertet und aufbereitet. Die Verschiebung des
Betrachtungszeitraumes hat den Vorteil, dass sich inhaltlich eine abgeschlossene
Fällsaison, einer abgeschlossenen Pflanzsaison gegenübersteht. Aus zeitlicher Sicht
wird immer eine vergangene Fällsaison einer jetzigen Pflanzsaison gegenübergestellt
- der Fällung folgt die Pflanzung. Daraus ergibt sich einmalig ein positiv verstärkter
Effekt, indem ein Fällzeitraum von neun Monaten einem Pflanz zeitraum von zwölf
Monaten gegenübergestellt wird.
Für die neue Zählweise bedeutet dies, dass einmalig in diesem Jahr eine
neunmonatige Fällsaison einer zwölfmonatigen Pflanzsaison gegenübersteht.
Abbildung 2: Schematische Darstellung des Bilanzierungszeitraums im
Übergangsjahr Pflanzsaison 2024/2025
Seite 3
Auch in der Pflanzsaison 2024/2025 hat sich die Verwaltung zum Ziel gesetzt, 1.500
Bäume zu pflanzen. Die nachfolgende Auflistung zeigt die projektierten Pflanzungen:
210 Nachpflanzung von Straßenbäumen
440 im Rahmen des „Stadtbaumkonzepts"
230 in Grünanlagen
225 im Rahmen des Projektes „Dein Baum"
150 im Rahmen von Bauprojekten
75 Schattenbäume auf Spielplätzen
70 auf Friedhöfen
100 in Sportanlagen
Vor dem Hintergrund des Klimawandels hat sich das Ende der Vegetationszeit in den
letzten Jahren um acht bis zehn Tage nach hinten verschoben, so dass mit den
Pflanzungen von Bäumen frühestens Mitte bis Ende Oktober eines jeden Jahres
begonnen werden kann. Auch im Frü hjahr beginnt die Vegetationszeit mittlerweile
früher, so dass sich im Ergebnis der Pflanzzeitraum um mindestens drei bis vier
Wochen verkürzt. Dieser Umstand hat noch größere Anstrengungen zur Folge, um
die geplante Anzahl von Bäumen in einem kürzeren Zeitfenster pflanzen zu können.
Baumbudget
Für die Bereiche Nachpflanzungen, Stadtbaumkonzept und
Hitzeschutz/Schattenbäume auf Spielplätzen steht nachfolgendes Budget zur
Verfügung:
Abbildung 3: Finanzmittel für Baumpflanzungen
Der vorhandene Baumbestand muss, wie bisher, nach Möglichkeit erhalten werden.
Ziel wird es daher weiter sein, gefällte Bäume im Verhältnis 1:1 nachzupflanzen.
Stadtbaumkonzept:
Das bereits im Ausschuss (AÖE/065/2022) vorgestellte Konzept „Düsseldorf pflanzt
Zukunft" ist als Planungskonzept zu verstehen und stellt Potenzialstandorte für
zukünftige Baumpflanzungen vor.
Neben den kontinuierlich laufenden Nachpflanzung im Straßenraum ist insbesondere
das Stadtbaumkonzept als das Konzept für die tatsächliche Umsetzung der Nach -
und Neupflanzung zu benennen.
Für die Umsetzung wurden folgende vier Handlungsfelder definiert:
1. Baumpflanzungen in neu zu schaffenden Baumscheiben
2. Sanierung vorhandener Baumstandorte unter Er halt des Baumbestandes
3. Baumnachpflanzungen in bereits vorhanden Baumscheiben mit notwendiger
Leitungsverlegung
4. Sanierung vorhandener Baumstandorte mit Erneuerung des Baumbestandes
Mittlerweile zeichnet sich ab, dass neue Potentialstandorte (Handlun gsfeld 1) im
innerstädtischen Bereich rar werden. Dies führt dazu, dass sich in den nächsten
Jahren der Fokus von Neupflanzungen auf die Außenbezirke und Ortsränder richten
wird. Ferner wird die Verwaltung die Bemühungen im Handlungsfeld 2 intensivieren.
Seite 4
Für die nächsten Jahre 2024 bis 2029 konnten diesbezüglich aus dem Förderprojekt
„Natürlicher Klimaschutz" des Bundes 6.480.000,00 Euro akquiriert werden.
Zukunftsbaumliste
Die Folgen des Klimawandels machen sich in der innerstädtischen
Artenzusammensetzung bemerkbar. Einige der häufig vorkommenden heimischen
Baumarten, wie bspw. der Bergahorn, leiden unter den andauernden
Trockenperioden sowie intensiver Hitzestrahlung. Andere Baumarten werden durch
die extremen Klimaverhältnisse physiologisch geschwächt und sind empfänglicher für
den Befall mit Schaderregern.
Um einen resilienten, vielfältigen und ökologisch wertvollen Stadtbaumbestand zu
etablieren, werden zunehmend Bäume aus trocken -warmen Klimazonen ausgewählt.
Für die Baumarten-Auswahl werden nicht nur die Widerstandsfähigkeit gegenüber
Hitze und Trockenheit herangezogen, sondern auch weitere Faktoren wie zum
Beispiel eine erhöhte Salztoleranz sowie eine erhöhte Resistenz gegenüber
Überpflasterung, Abgase und Krankheiten. Ferner ist für die Auswahl e iner
geeigneten Baumart der vorhandene Straßenquerschnitt zu berücksichtigen, die
Höhe der Bebauung sowie die Verfügbarkeit an Pflanzfläche im Abstand zum
Gebäude.
Die Zukunftsbaumliste der Stadt Düsseldorf stellt eine Vielzahl von potentiellen und
getesteten „Zukunftsbaumarten" vor und betrachtet bereits etablierte Baumarten
hinsichtlich ihrer zukünftigen Verwendung. Die Baumarten wurden hinsichtlich ihrer
Eignung, Eigenschaften und Standortsansprüchen sowie ökologischer Bedeutung
bewertet und in Kategorien von 1 bis 4 eingeordnet. Hierbei fließen auch die
langjährigen örtlichen Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Garten-,
Friedhofs- und Forstamtes mit den jeweiligen Baumarten in die Bewertung ein.
Für eine wirksame Klimaanpassung im Sinne einer zukunftsfähigen Pflanzung ist es
von Bedeutung, den Anforderungen des Klimawandels mit neuen Erkenntnissen
zeitnah zu begegnen. Aus diesem Grund wurde eine Aktualisierung der
Zukunftsbaumliste aus dem Jahr 2016 vorgenommen. Alle aufgeführten Ba umarten
wurden auf ihre Eignung hin überprüft. Im Abgleich mit Empfehlungen aus der
Wissenschaft sowie eigenen Erfahrungen wurden auch neue Bäume der Liste
hinzugefügt.
Die Zukunftsbaumliste der Stadt Düsseldorf wird fortwährend auf Aktualität überprüft
und bei Bedarf angepasst. Im vierten Quartal 2024 ist die alte Auflage aktualisiert
worden und spiegelt die fortschreitenden Erfahrungen wider
(https://www.duesseldorf.de/stadtgruen/baeume -in-der-stadt/zukunftsbaeume).
Im Vergleich zur Auflage aus dem Jahr 2016 wurden die Baumarten hinsichtlich ihrer
Kategorisierung angepasst, die KlimaArtenMatrix überarbeitet sowie die Eignung der
Baumarten als Bienenweide überprüft und die Bemerkungstexte angepasst.
Änderungen der Kategorien wurden vor allem bei heimisch en, etablierten Baumarten
vorgenommen, deren Eignung durch die veränderten Klimabedingungen und
Krankheiten eingeschränkt sind. Darunter ist die Rosskastanie zu nennen, die seit
einigen Jahren stark durch die Folgen einer Komplexkrankheit in ihrem Bestehen im
Stadtbild bedroht ist. Folglich wurde ein Baumartenwechsel auf der Düsseldorfer
Cecilienallee notwendig. Hier werden die ausfallenden Rosskastanien durch
Tulpenbäume ersetzt. Aber auch die Sorten „Fastigiata" und „Frans Fontaine" der
Hainbuche sind durch Trockenschäden und einen möglichen Verlust ihrer Säulenform
von Kategorie 1 zu 2 abgewertet worden. Aufwertungen erhielt die Schmalblättrige
Esche der Sorte „Raywood" sowie die Blumenesche und ihre Sorten. Ein Befall durch
das Eschentriebsterben konnte an den genannten Eschenarten in Düsseldorf bisher
Seite 5
nicht beobachtet werden, weshalb die Kategorie von 4 zu 3 geändert und somit zu
einer weiteren Eignungsüberprüfung in den nächsten Jahren ausgewählt wurden.
Neue Baumarten wurden in die Kategorie 3 eingeor dnet. Obwohl diese Baumarten
allgemeinhin als Zukunftsbaumarten gelten, so ist eine Erprobung im Düsseldorf
Stadtgebiet unumgänglich, um ihre Eignung im Stadtgebiet zu beobachten.
Beispielsweise haben sich bereits Pflanzungen der Tokyo-Kirsche (Prunus yedoensis)
als äußert wüchsig erwiesen. Weiterhin wurde das Sortiment der Hainbuche um die
Sorte „Lucas" erweitert und die Amerikanische Rotesche (Fraxinus pennsylvanica)
aufgenommen.
Weiterhin wurde die Eignung als Bienenweide durch den Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) vorgenommen. Hierbei wurden besonders
wildbienenfreundliche Arten mit einem „W" versehen.
Die Fortführung der Zukunftsbaumliste wird nach Veröffentlichung der aktuellen
Version weitergeführt, wodurch stetig neue Erkenntnisse aus Forschung und
Wissenschaft sowie Erfahrung aus dem Umgang mit den neuen Baumarten
einfließen.
Baumstandorte BUND
Neben der Ermittlung potentieller Baumstandorte über das Stadtbaumkonzept und
das Programm `Düsseldorf pflanzt Zukunft´ konnten durch die Kooperation mit dem
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zusätzliche
Standortvorschläge für Baumpflanzungen ermittelt und geprüft werden.
Zu den ersten eingereichten Standortvorschlägen zum Stadtteil Hamm ist die Suche
und Auswertung der Ergebnisse abgeschlossen. Weitere Standortvorschläge zu den
Stadtteilen Bilk, Unterbilk, Volmerswerth, Flehe, Stockum und Lohausen liegen der
Verwaltung vor und befinden sich in der Prüfung.
Zum Stadtteil Hamm wurden durch den BUND zwei Sammlungen an
Standortvorschlägen eingereicht, die insgesamt bis zu 236 Potentialstandorte
umfassen. Nach Prüfung der Vorschläge entsprachen 31 Standorte den allgemeinen
Vorgaben und wurden über das Umlaufverfahren weiter auf Umsetzbarkeit überprüft.
Davon wurden 7 Standorte freigegeben, 24 Standorte wurden abgelehnt. Der Grund
für die Ablehnung lag z.B. im nicht gegebenen 2. Flucht - und Rettungsweg oder
einem nicht ausreichenden Wendekreis in öffentlichen Flächen. Von den sieben
freigegebenen Standorten konnten in der Pflanzsa ison 2023/2024 bereits sechs
Bäume gepflanzt werden, ein weiterer Standort wird zur Pflanzsaison 2024/2025
realisiert.
Das nur 31 von 236 Standorten zum Stadtteil Hamm den Weg in das
Umlaufverfahren geschafft haben, ist darauf zurück zu führen, dass wesen tliche
Planungsparameter wie z.B. Eigentumsverhältnisse, Mindeststraßenquerschnitte oder
die Einhaltung von Sicherheitsabständen und Mindestabständen zu Einbauten in der
Örtlichkeit schwer zu erkennen und zu beurteilen sind und in der Auswahl zunächst
nicht berücksichtigt wurden.
Hier ist die konzeptionelle Standortsuche im Vorteil, da bei der Ermittlung
potentieller Standorte in einem ersten Schritt bereits eine digitale Auswertung z.B.
über aktuelle Straßenkarten, Baumkataster, Luftbilder, Karten zur Realnutzung oder
von Leitungsplänen erfolgt. Da jeder zusätzliche Baum einen wichtigen Beitrag zur
Klimaanpassung leistet, setzt die Verwaltung weiterhin auf die Zusammenarbeit mit
dem BUND. Zur Verbesserung der zukünftigen Suche befindet sich die Verwaltung im
Austausch, um gemeinsam mit dem BUND die Suche unter Berücksichtigung der
wesentlichen Planungsgrundsätze zur Realisierung von Straßenbaumpflanzungen zu
optimieren.
Seite 6
Fazit:
Die Nach- und Neupflanzungen von jeweils 1.500 Bäumen pro Pflanzsaison
seit 2020 stellen eine außerordentliche Leistung aller Beteiligten dar.
Die von Jahr zu Jahr gestiegene Anzahl von Nach- und Neupflanzungen trägt
wesentlich dazu bei, die Verluste aus den letzten Jahren zu kompensieren
bzw. abzufedern und zu ersetzen.
Es zeigt sich, dass neue Potenzialstandorte im innerstädtischen Bereich
schwierig in der Umsetzung sind. Dies führt dazu, dass sich in den nächsten
Jahren der Fokus von Neupflanzungen au f die Außenbezirke und Ortsränder
richten wird.
Zukünftig wird verstärkt auf die Sanierung von vorhandenen Baumstandorten
unter Erhalt des Baumbestandes (Handlungsfeld 2 des Stadtbaumkonzepts)
eingegangen.
Es konnten Fördergelder für die Jahre 2024 bis 2029 i.H.v. 6.480.000,00 Euro
aus dem Förderprojekt „Natürlicher Klimaschutz" des Bundes akquiriert
werden.
Die Pflege und der Schutz des vorhandenen Baumbestandes sind nach wie vor
ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des bestehenden älteren Baumbestandes.
Die Zukunftsbaumliste Düsseldorf bzw. „Bäume für die Zukunft" ist ein
etabliertes Instrument, um die Baumartenvielfalt zu bewerten und zu fördern.
Diese
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.