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Title: Informationsvorlage
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00589375.pdf
Published Time: 2026-06-16T13:27:00.000Z
Number of Pages: 6
Markdown Content:
SPOA/049/2026
X öffentlich nicht öffentlich
# Informationsvorlage
Betrifft:
Konzeptentwicklung Sportangebote für Kinder und Jugendliche aus Stadtteilen mit
besonderen Herausforderungen
Fachbereich:
52 - Sportamt
51 – Amt für Soziales und Jugend
40 – Amt für Schule und Bildung
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Sportausschuss 01.07.2026 -
Sachdarstellung:
Konzeptentwicklung
Sportangebote für Kinder und Jugendliche aus Stadtteilen mit besonderen
Herausforderungen
Inhaltsverzeichnis
1.) Auftrag
2.) Lösungsvorschlag
2.1.) Lebenswelten (Sozialkontexte) von Kindern und Jugendlichen
2.2.) Netz der Bewegungs- und Sportförderung
2.3.) Handlungsbedarfe, Maßnahmen und Angebote
3.) Zusammenfassung
1.) Auftrag:
Die Verwaltung wurde mit folgendem Antrag von den Ratsfraktionen CDU und Bündnis
90/Die Grünen im Sportausschuss vom 06.11.2024 beauftragt ein Konzept zur Entwicklung
von niedrigschwelligen Sportangeboten zu entwickeln.
Antrag:
Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Entwicklung von niedrigschwelligen
Sportangeboten für Kinder und Jugendliche in Stadtteilen mit besonderen
Herausforderungen zu entwickeln, mit dem Ziel einer erhöhten Teilhabe dieser Gruppe an
einer Sportausübung.
Auf bestehende Strukturen wie „Fortuna bewegt“ oder die SportActionBusse soll
zurückgegriffen werden. In die Konzepterstellung werden neben dem Sportamt das Seite 2
Jugendamt, das Amt für Schule und Bildung sowie außerschulische Bildungsträger, der
Stadtsportbund, lokale Sportvereine und weitere sinnvolle Akteure eingebunden.
Für die Erstellung des Konzepts werden in den Haushalt 2025 30.000 EURO eingestellt.
Begründung:
Kinder und Jugendliche in Stadtvierteln mit besonderen Herausforderungen werden
unterdurchschnittlich durch das bestehende Sportangebot erreicht. Hierdurch
profitieren sie weniger von den Vorzügen einer Sportausübung für die Gesundheit,
die körperliche und psychische Entwicklung sowie die soziale Einbindung. Daher ist
es das Ziel der Ratsfraktionen von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN den Zugang
zu regelmäßigen Sportangeboten von Kindern und Jugendlichen in benachteiligten
Stadtvierteln zu erhöhen und ihnen damit gleiche Teilhabechancen zu eröffnen. Das
Angebot reiht sich damit in die Düsseldorfer Präventionskette ein.
Hierfür wird das Sportamt beauftragt, ggf. unter Heranziehung einer externen
Beratung, ein Konzept zu entwickeln, was auf bestehenden Strukturen und
beteiligten Akteuren aufbaut.
2.) Lösungsvorschlag:
Konzept „Lücken identifizieren – Lücken schließen“
Für die Konzeptentwicklung stellt sich folgende Kernfrage:
Fallen Kinder und Jugendliche in Düsseldorf überhaupt durch das gute und engmaschige
Netz der Bewegungs- und Sportförderung und wenn ja, wie werden die Kinder und
Jugendlichen erreicht und wie können diese in der Folge unterstützt werden?
Um die Frage zu beantworten, werden zunächst die Lebenswelten (Sozialkontexte) der
Kinder und Jugendlichen sowie deren Versorgung mit Bewegungs- und
Sportförderangeboten innerhalb der Lebenswelten in Düsseldorf betrachtet (2.1.).
Danach wird geprüft, ob Kinder und Jugendliche durch das Netz der Bewegungs- und
Sportförderung fallen, wo es „Versorgungslücken“ (2.2.) gibt und welche Handlungsbedarfe
(2.3.1.) sich daraus ableiten lassen. In der Folge werden Ideen für Maßnahmen und
Angebote (2.3.2.) aufgezeigt, die noch nicht konkret benannt werden können, weil diese
passgenau sein sollen und sich an den individuellen Bedarfs- und Bedürfnissituationen
orientieren sollen.
2.1.) Lebenswelten (Sozialkontexte) von Kindern und Jugendlichen
Kinder und Jugendliche wachsen nicht in nur einem Umfeld, sondern in mehreren
sogenannten Lebenswelten bzw. „Sozialisationskontexten“ auf.
Wesentliche Lebenswelten sind die Familie, die Kita bzw. Schule, der Freundeskreis und
Vereine. Dazu zählen primär Sportvereine, aber auch andere Vereine, kirchliche
Jugendgruppen oder auch Musikgruppen/Orchester o.ä., das Wohnumfeld/das Quartier, die
digitale Lebenswelt (Medienwelt), Jugendfreizeiteinrichtungen und offene Treffs (OT) sowie
andere offene und niedrigschwellige Angebote, wie mobile Sportangebote.
Im 24-Stunden-Tagesverlauf verbringen Kinder und Jugendliche den größten Teil ihrer Zeit
in der privaten Lebenswelt, also vor allem in der Familie bzw. ihrem Zuhause. Einen großen
Teil verbringen sie dabei mit Schlafen, Essen, Familieninteraktionen, Freizeit und
Mediennutzung.
Einen weiteren großen Zeitblock nimmt je nach Betreuungsform die Kita bzw. die Schule,
inklusive Hausaufgaben und Ganztagsangeboten ein.
Oft ist der verbleibende Zeitraum für Freizeit in Vereinen, Jugendfreizeiteinrichtungen oder
offen gestaltet, mit oder ohne Freunden dann gar nicht mehr so umfangreich.
Zu den Lebenswelten Kita, Schule, Sportvereine und Freizeiteinrichtungen lassen sich gute
Angaben machen.
2.1.1.) Lebenswelt Kita
In Düsseldorf gibt es (Stand März 2026) 391 Kitas, von denen 248 im Kita-Navigator für sich
den Schwerpunkt Bewegung (63%) angeben. Der Schwerpunkt Bewegung ist damit der
deutlich am häufigsten benannte Schwerpunkt in den Kitas. Bewegung ist in allen Kitas ein
integraler Bestandteil und als Bildungsbereich gemäß der Bildungsgrundsätze NRW fest
verankert. Acht Häuser des Kindes (HdK) sind GGW-zertifiziert Seite 3
(Gemeinsam.Gesund.Wachsen. (GGW) - Gesundheitsorientierte Qualifizierung und
Zertifizierung für Familienzentren und Kindertagesstätten). Sechsundzwanzig Einrichtungen
haben das Qualitätssiegel „Anerkannter Bewegungskindergarten der Sportjugend NRW“.
Weiterhin erwähnenswert sind zum Beispiel Programme wie das Kita Bewegungscamp
(KBC), Fortuna Bewegt und Wasserspaß in der Kita.
2.1.2.) Lebenswelt Schule
Im Schuljahr 2025/26 gibt es in Düsseldorf 87 städtische Grundschulen, darunter 33
Startchancen-Schulen. Drei Grundschulen sind Familiengrundschulzentren mit zusätzlichen
Familien- und Gesundheitsangeboten.
Alle Düsseldorfer Grundschulen haben Ganztagsangebote. Ab dem Schuljahr 2026/27 steht
zudem jedem Düsseldorfer Grundschulkind ein Ganztagsplatz zur Verfügung. Zahlreiche
Ganztagsangebote sind Bewegungsangebote. Seit der Einführung des schulischen
Ganztags koordiniert der Stadtsportbund Düsseldorf alle Sport- und Bewegungsangebote im
Ganztag der Grundschulen. Im Schuljahr 2025/2026 werden insgesamt 625 verschiedene
sportliche Bildungsangebote mit ca. 60.000 Unterrichtseinheiten in den Grundschulen
durchgeführt.
Es gibt sieben Förderschulen in städtischer Trägerschaft, von denen sechs auch die
Sekundarstufe I beinhalten.
Bei den weiterführenden Schulen gibt es in städtischer Trägerschaft, sieben Hauptschulen,
14 Realschulen, sieben Gesamtschulen und 19 Gymnasien. Von diesen Schulen sind alle
Hauptschulen, vier Gesamtschulen und zwei Realschulen Startchancen-Schulen. Fünf
weiterführende Schulen haben einen sportorientierten Schwerpunkt. Alle Gesamtschulen,
vier Hauptschulen, vier Förderschulen, vier Realschulen und acht Gymnasien werden im
gebundenen Ganztag geführt. Einige kooperieren in der Sekundarstufe I im Rahmen von
Ganztagsangeboten mit dem Stadtsportbund zur Förderung von Bewegung, Sport und
Gesundheit.
In Düsseldorf gibt es zehn Berufskollegs in städtischer Trägerschaft. Zwei Berufskollegs sind
mit den sogenannten Ausbildungsvorbereitungsklassen Startchancen-Schulen. Zwei
Berufskollegs in städtischer Trägerschaft bieten Sport und Bewegung als Schwerpunkte in
ihren Bildungsgängen an.
Mit dem Programm „Startchance Bewegung“ werden zusätzliche Bewegungs-, Spiel- und
Sportangebote an Startchancen-Schulen gefördert. Die Angebote finden ergänzend zum
regulären Unterricht statt und können so Schüler*innen erreichen, die solche Angebote in
ihrer Freizeit nicht in Anspruch nehmen.
2.1.3.) Lebenswelt Sportverein
Düsseldorf verfügt über breit aufgestellte und vielfältige Düsseldorfer Sportvereine, die ein
attraktives und hochwertiges Angebot an Sport- und Bewegungsaktivitäten für alle
Altersgruppen und Leistungsklassen anbieten. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in den
Sportvereinen ist von 47.617 im Jahr 2020 auf 56.060 im Jahr 2025 angestiegen (+17,7%).
Der Organisationsgrad der Kinder und Jugendlichen (Verhältnis von Vereinsmitgliedschaften
zur Gesamteinwohnerzahl) stieg im gleichen Zeitraum von 46,9% auf 55,2%.
Einunddreißig Sportvereine sind als Kooperationspartner mit Sport- und
Bewegungsangeboten im Ganztag der Grundschulen aktiv und ermöglichen einfache
Übergänge in den klassischen Vereinssport. An mittlerweile neun Standorten im Stadtgebiet
bieten Sportvereine eine sportbetonte Ganztagsbetreuung im Anschluss an den Unterricht
für Grundschulkinder im Rahmen der „Bewegten Schulkindbetreuung“ (BSKB) an. Die BSKB
wird auch im neu entwickelten Ganztagskonzept fortgeführt und weiterentwickelt.
2.1.4.) Lebenswelt Freizeiteinrichtungen
In Düsseldorf gibt es 75 Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE), davon 39 in freier
und 36 in städtischer Trägerschaft. Sie bieten Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs
bis 27 Jahren vielfältige Angebote im handwerklichen, sportlichen, kulturellen und kreativen
Bereich. Von den 75 Einrichtungen haben 31 Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen den
Schwerpunkt Sport und Gesundheit, was rund 41% entspricht. Unabhängig vom
ausgewiesenen Schwerpunkt gehören Sport und Bewegung zum festen Bestandteil der
offenen Kinder- und Jugendarbeit. Seite 4
In allen Stadtbezirken werden regelmäßig offene Angebote organisiert, die von der
Zielgruppe breit genutzt werden. Dazu zählen unter anderem offene Fußball- und
Basketballangebote, Calisthenics- und Fitnessformate sowie Tanz- und erlebnisorientierte
Bewegungsangebote. Ergänzt wird dies durch mobile JFE (zum Beispiel Sportactionbus) und
Spielmobile, die zusätzliche Zugänge im Sozialraum schaffen.
An mittlerweile neun Standorten im Stadtgebiet bieten Sportvereine eine sportbetonte
Ganztagsbetreuung an. Hervorzuheben sind zudem fünf offene Nachtsportangebote, die
insbesondere für ältere Jugendliche attraktive Bewegungsräume in den Abendstunden
bieten.
Übersicht der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen in Düsseldorf:
https://www.duesseldorf.de/kiju/freizeiteinrichtungen
Übersicht der Einsatzorte der mobilen Einrichtungen:
https://umap.openstreetmap.fr/de/map/mobile-angebote-dusseldorf_1190341#16/51.222274/6.813347
2.2.) Netz der Bewegungs- und Sportförderung
Fallen Kinder und Jugendliche durch das Netz der Bewegungs- und Sportförderung,
gibt es „Versorgungslücken“?
Trotz der guten Versorgung an Sport- und Bewegungsförderung gilt es zu prüfen, ob es
„Versorgungslücken“ gibt und ob Kinder und Jugendliche durch das Netz fallen. Dann muss
untersucht werden, welche Kinder und Jugendliche aus welchen Gründen durch dieses Netz
fallen.
2.2.1.) Wie werden Kinder und Jugendliche identifiziert, die durch das Netz fallen?
CHECK`D untersucht seit 2003 flächendeckend alle Kinder in verschiedenen Altersstufen
und hat zumindest bundesweit die beste Datenlage zur motorischen Fitness von Kindern.
Pro Jahr werden Daten von über 15.000 sportmotorisch getesteten Kindern (Vorschulalter, 2.
Klasse, 5. Klasse) im Rahmen von CHECK`D erhoben und ausgewertet. Seit über 20 Jahren
zeigt sich eine gleichbleibend ausreichend gute bis sehr gute Fitness bei 90% der Kinder.
Seit Einführung des CHECK`D ist ein Rückgang von Übergewicht und Adipositas von ca.
19% auf unter 12% zu verzeichnen. Die Schwimmfähigkeit ist in Düsseldorf ebenfalls sehr
gut.
In allen Bereichen zeigt sich aber der klare Zusammenhang zur sozialen Belastung.
Dennoch fallen Kinder durch das Raster. Aus dem Kreis der teilnehmenden Kinder an den
sportmotorischen Untersuchungen können die Kinder mit einem entsprechenden
Handlungsbedarf identifiziert werden. Bei Kindern ohne Einverständnis zur Auswertung
können aber keine Aussagen zum Handlungsbedarf getroffen werden und bei Kindern ohne
Angaben im ergänzenden Fragebogen können nur bedingte Aussagen getroffen werden. Die
Einverständnisquote ist bei sportaffinen und bildungsnahen Familien höher. Die
sportmotorische Leistung ist nicht mit einem aktiven Sporttreiben gleichzusetzen.
Sporttreiben wird im Fragebogen nicht abgefragt, sondern nur die Vereinszugehörigkeit. Aus
diesen Gründen ist es schwierig, genau die Kinder zu identifizieren, bei denen ein
Handlungsbedarf besteht.
Testunabhängig kann es daher erforderlich sein, bei den Fachkräften der Schulen, Kitas und
Freizeiteinrichtungen Bedarfe für Förderangebote datenschutzkonform abzufragen.
Benennen die Institutionen Förderbedarfe, macht es Sinn genau dort passgenaue Angebote
zu installieren. Wobei auch hier zu beachten ist, dass eine quantitative Bedarfssituation nicht
gleichzusetzen ist mit einer qualitativ-inhaltlichen. Es ist durchaus denkbar, dass sich sehr
heterogene Förderbedarfe und Bedürfnisse zeigen werden.
Perspektivisch könnte geprüft werden, ob die Schüler*innen-Datenreporte vom Regionalen
Bildungsbüro dabei helfen können, Schulen mit besonderen Bedarfen zu identifizieren.
2.2.2.) Wie können alle Kinder und Jugendliche erreicht werden?
Um die identifizierten Kinder und Jugendlichen mit Angeboten erreichen zu können, kann es
erforderlich sein, neu zu denken. Im einfachsten Fall kann es ausreichen, die Anzahl an
bestehenden Angeboten auszubauen. Weiterhin kann es notwendig sein, externe best
practice Beispiele zu recherchieren und in Düsseldorf zu installieren. Trotz aller Vielfalt und Seite 5
Menge an Angeboten, wird es aber auch Kinder und Jugendliche geben, die hierdurch nicht
zu erreichen sind. In diesem Fall muss man neu und kreativ denken.
Prof. Dr. Tim Bindel bringt dies sehr passend auf den Punkt: „Veganer*innen lockt man nicht
an den Tisch, indem man den Zugang zum Fleisch verbessert“ und erklärt dies anschaulich:
„Die Ungleichheit wird zwar erkannt, aber eine vermehrte und besondere Hinwendung zur
benachteiligten Klientel wird nur selten bedingungslos argumentiert. Der erste Impuls ist in
den meisten Fällen: Wir belassen alles so, wie es ist, sorgen aber dafür, dass wir alle dazu
etwas deutlicher einladen. Das Buffet des Sports bleibt also inhaltlich gleich, wir vergrößern
es nur und machen mehr Werbung dafür. Wir sprechen in Kitas und Schulen mehr Kinder
an, investieren in Projekte, mit denen zum Beispiel Fußball in den herausfordernden
Sozialraum kommt, helfen mit dem Aufbau von Netzwerken und bauen mehr Sportplätze.
Das kann zu mehr Zulauf führen. Das kann neue Kinder in den Kin
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.