Informationsvorlage als Text anzeigen
AGS/084/2026
X öffentlich nicht öffentlich
Informationsvorlage
Betrifft:
Kurzbericht Suchthilfe Düsseldorf: Aktuelle Herausforderungen, Schwerpunkte und Ausblick
2027
Fachbereich:
53 - Gesundheitsamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordnete Miriam Koch
Beratungsfolge:
Gremium SitzungsdatumBeratungsqualität
Ausschuss für Gesundheit und
13.10.2026Kenntnisnahme
Soziales
Sachdarstellung:
Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales der Landeshauptstadt Düsseldorf nimmt
den ‚Kurzbericht Suchthilfe Düsseldorf - Aktuelle Herausforderungen, Schwerpunkte
und Ausblick 2027' zur Kenntnis.
Beschlusslage:
GremiumDatumVorlagennummerBeschlussart
mit Titel
Ausschuss für19.05.2026 AGS/037/2026Kenntnisnahme
Gesundheit und
Berichtswesen der
Soziales
kommunal
geförderten
Suchthilfe in der
Landeshauptstadt
Düsseldorf:
Weiterentwicklung
des Berichtswesens
der kommunal
geförderte
Suchthilfe und
Jahresbericht 2025
| Kommunal
geförderte
Suchthilfe in der
Landeshauptstadt
Düsseldorf
Ausschuss für18.03.2015AGS 50/12/2015Entscheidung
Gesundheit und
Gesamtkonzept
Soziales
Suchtprävention
und Suchthilfe
Sachdarstellung:
1. Kurzdarstellung
Mit der Informationsvorlage AGS/037/2026 wurde dem Ausschuss für Gesundheit
und Soziales am 19.05.2026 die Weiterentwicklung des Berichtswesens der
kommunal geförderten Suchthilfe vorgestellt. Ein wesentliches Element ist eine
zweiphasige Berichterstattung: Neben der Darstellung zentraler Kennzahlen im
Frühjahr sollen im Herbst ausgewählte Entwicklungen vertieft, fachlich eingeordnet
und daraus Perspektiven für die weitere Entwicklung der Düsseldorfer Suchthilfe
abgeleitet werden.
2. Ausgangslage
Die Düsseldorfer Suchthilfe steht vor unterschiedlichen und sich verändernden
Herausforderungen. Hierzu gehören insbesondere die Entwicklungen im Bereich der
offenen Drogenszene und der niedrigschwelligen Hilfen, neue Anforderungen an die
Suchtprävention sowie Fragen der langfristigen Stabilisierung und gesellschaftlichen
Teilhabe suchtkranker Menschen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele dieser Herausforderungen nicht innerhalb einzelner
Angebote oder Arbeitsfelder gelöst werden können. Zunehmend relevant sind die
Übergänge zwischen Sucht- und Wohnungslosenhilfe, medizinischer und
psychiatrischer Versorgung, Prävention, Selbsthilfe und weiteren
Unterstützungssystemen sowie das abgestimmte Zusammenwirken der beteiligten
Akteur*innen.
Vor diesem Hintergrund soll die jährliche Berichterstattung neben der Darstellung
von Kennzahlen auch eine fachliche Einordnung aktueller Entwicklungen ermöglichen
und Perspektiven für die Weiterentwicklung des Düsseldorfer Suchthilfesystems
aufzeigen.
3. Geplante Maßnahmen
Der für das Jahr 2026 vorgesehene Kurzbericht greift ausgewählte Entwicklungen
und Herausforderungen auf und ordnet diese mit Blick auf das Jahr 2027 ein. Im
Mittelpunkt stehen dabei nicht die vollständige Darstellung aller Leistungen und
Angebote, sondern Entwicklungen, die für die fachpolitische Bewertung und
Weiterentwicklung des Düsseldorfer Suchthilfesystems von besonderer Bedeutung
sind.
Der Bericht wird so aufbereitet, dass die wesentlichen Entwicklungen auch ohne
suchtfachliche Vorkenntnisse nachvollziehbar sind. Ergänzende fachliche
Hintergrundinformationen erläutern ausgewählte Zusammenhänge.
Die jeweiligen Abschnitte „Einordnung und Ausblick" bündeln die fachliche Bewertung
der Suchtkoordination und benennen daraus resultierende Entwicklungsperspektiven.
Seite 2
4. Finanzielle Auswirkungen: (personell und finanziell)
Ja ☒Nein
Finanzielle Auswirkungen sind hier nicht zu verzeichnen.
4. Weiteres Vorgehen:
Nach Kenntnisnahme durch den Ausschuss für Gesundheit und Soziales wird der
Kurzbericht für die Veröffentlichung aufbereitet und über die digitalen Kanäle der
Landeshauptstadt Düsseldorf zur Verfügung gestellt.
Anlagen:
Kurzbericht Suchthilfe Düsseldorf 2026
Seite 3
Kurzbericht Suchthilfe Düsseldorf 2026 als Text anzeigen
Kurzbericht
Suchthilfe Düsseldorf
Aktuelle Herausforderungen, Schwerpunkte und Ausblick 2027
Über diesen Bericht
Die Düsseldorfer Suchthilfe umfasst ein breites Spektrum: von Prävention und Beratung über
niedrigschwellige Hilfen bis hin zu Behandlung, Selbsthilfe und Angeboten zur sozialen
Stabilisierung. Gleichzeitig verändern sich Konsummuster, gesellschaftliche
Rahmenbedingungen und damit auch die Anforderungen an die Hilfen.
Dieser Kurzbericht greift ausgewählte Entwicklungen und Herausforderungen auf, die für die
Weiterentwicklung der Düsseldorfer Suchthilfe von besonderer Bedeutung sind. Er richtet sich
insbesondere an politische und administrative Entscheidungsträgerinnen und -träger, aber
auch an die interessierte Öffentlichkeit. Ziel ist es, verständlich darzustellen, was sich
verändert, warum dies für Düsseldorf relevant ist und welche Anforderungen sich daraus
ergeben.
Der Bericht erhebt nicht den Anspruch, sämtliche Angebote und Leistungen der Suchthilfe
abzubilden. Vertiefende Zusammenhänge werden an ausgewählten Stellen in fachlichen
Hintergrundinformationen erläutert. Die jeweilige „Einordnung und Ausblick" fasst zusammen,
wie die Suchtkoordination die Entwicklung bewertet und welche Anforderungen sich daraus
für die weitere Entwicklung des Hilfesystems ergeben.
1
Arbeitsfeld I
Prävention - früh handeln statt später reagieren
Während die offene Drogenszene im öffentlichen Raum eine hohe Aufmerksamkeit erfährt,
bleiben andere Suchtprobleme häufig weniger sichtbar. Alkoholabhängigkeit,
Medienabhängigkeit, Essstörungen oder Glücksspielsucht spielen sich vielfach außerhalb des
öffentlichen Raums und der öffentlichen Wahrnehmung ab. Gleichzeitig verändern sich
Konsumformen und neue Risiken entwickeln sich teilweise sehr schnell.
Hier setzt die Suchtprävention an. Sie soll möglichst früh
erreichen, dass sich riskantes Verhalten nicht verfestigt
Fachlicher Hintergrund:
und Abhängigkeit möglichst vermieden wird. Dabei geht
Was kann
es nicht allein darum, vor Suchtmitteln zu warnen.
Suchtprävention
Insbesondere junge Menschen sollen darin gestärkt
leisten?
werden, Risiken einzuschätzen, verantwortliche
Entscheidungen zu treffen und bei Problemen frühzeitig
Moderne Suchtprävention
Unterstützung zu suchen. Das betrifft stoffgebundene
setzt nicht erst beim
Abhängigkeiten (Substanzen) und stoffungebundene Konsum einer bestimmten
(Verhalten) gleichermaßen. Substanz an. Sie stärkt
grundlegend Gesundheits-,
Lebens- und
Risikokompetenzen und
Hohe Nachfrage bei CROSSPOINT
bezieht die Lebenswelten
Wie groß der Bedarf ist, zeigt sich bei CROSSPOINT, junger Menschen ein. Eine
der Düsseldorfer Fachstelle für Suchtprävention. Das wichtige Rolle spielen
Angebot reicht von Information und Fachberatung über deshalb sogenannte
Angebote für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene Multiplikatorinnen und
und Eltern bis zur Unterstützung von Schulen, Multiplikatoren -
Jugendhilfeeinrichtungen, Vereinen und Betrieben.
beispielsweise Lehrkräfte
oder Fachkräfte der
Mit fünfeinhalb Personalstellen kann die hohe Nachfrage
Jugendhilfe. Werden sie
bereits heute nicht vollständig bedient werden. Mit einem
qualifiziert, können Risiken
neuen Schulkonzept sollen deshalb Fachkräfte in den
früher erkannt und
Schulen stärker qualifiziert werden, selbst
präventive Ansätze
suchtpräventiv tätig zu werden. So können vorhandene
dauerhaft in bestehenden
Ressourcen zielgerichteter eingesetzt und Prävention
Strukturen verankert
stärker im Alltag der Schulen verankert werden. Eine
werden.
weitere Herausforderung entsteht durch das Internet und
soziale Medien. Neue Trends können sich innerhalb
kurzer Zeit verbreiten. Gleichzeitig gewinnen
onlinebezogene Verhaltenssüchte wie Online-
Glücksspiel oder problematische Social-Media-Nutzung
an Bedeutung. Prävention muss deshalb zunehmend
auch dort stattfinden, wo junge Menschen Informationen
suchen und ihren Alltag verbringen.
Die hohe Nachfrage kann aufgrund der begrenzten Ressourcen schon seit Jahren nicht
zeitnah bedient werden. Oft müssen Schulen bis zu einem Jahr warten, bis eine Veranstaltung
2
möglich gemacht werden kann. Für eine bedarfsgerechte Umsetzung der Suchtprävention in
Düsseldorf bedarf es deswegen dringend eines personellen Ausbaus von CROSSPOINT. Es
ist wichtig, Prävention dort nachhaltig zu verankern, wo Kinder und Jugendliche einen
wesentlichen Teil ihres Alltags verbringen.
Genau hier setzt das Schulkonzept von CROSSPOINT an. Schule wird dabei nicht nur als Ort
für einzelne Präventionsveranstaltungen verstanden,
sondern als Lebensraum, der Kinder und Jugendliche
Die besondere Herausforderung:
in ihrer Entwicklung stärken und vor problematischen
Die Erfolge von Prävention sind
Konsum- und Verhaltensweisen schützen kann.
häufig weniger sichtbar. Während
Gemeinsam mit den Schulen sollen deshalb
niedrigschwellige Hilfen auf
Strukturen entwickelt und Fachkräfte qualifiziert
bereits bestehende Problemlagen
werden, damit Prävention dauerhaft im Schulalltag
reagieren, kann der Erfolg von
verankert wird. Das vorhandene Fachwissen der
Prävention gerade darin
Suchtprävention kann so eine größere Wirkung
bestehen, dass eine
entfalten, ohne dass CROSSPOINT jede
problematische Entwicklung gar
Präventionsmaßnahme selbst durchführen muss.
nicht erst entsteht.
Diess entspricht auch dem im Bericht beschriebenen
Ansatz, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den
Lebenswelten junger Menschen zu qualifizieren. Das Schulkonzept wird ausdrücklich vom
Oberbürgermeister unterstützt; teilnehmende Schulen können sich im Rahmen des Konzeptes
zertifizieren lassen.
Für 2027 gilt es deshalb, das Schulkonzept weiter umzusetzen und die
lebensweltorientierte Prävention zu stärken. Gleichzeitig bleibt zu prüfen, ob die
vorhandenen personellen Ressourcen angesichts der hohen Nachfrage und neuer
Herausforderungen - insbesondere durch digitale Entwicklungen - ausreichen.
3
Arbeitsfeld II
Überlebenshilfen im Fokus - das neue Suchthilfezentrum
in der Eisenstraße 49
Fachlicher
Hintergrund: Warum
Das Jahr 2026 stand bislang stark im Zeichen der Planungen
reicht ein neues
für das neue Suchthilfezentrum in der Eisenstraße 49. Der
Hilfezentrum allein
Aufbau der Angebote erfolgt schrittweise in einzelnen Modulen
nicht aus?
und durch unterschiedliche Träger. Noch in diesem Jahr soll mit
dem Tagesaufenthalt das erste Modul seinen Betrieb
Düsseldorf verfügt
aufnehmen. Weitere Bausteine wie der Drogenkonsumraum
bereits über ein breit
und medizinische Hilfen sollen folgen.
aufgestelltes
Suchthilfesystem. Die
Das Projekt reagiert auf Veränderungen, die insbesondere im
aktuellen Problemlagen
Umfeld des Hauptbahnhofs sichtbar werden. Crackkonsum,
entstehen jedoch häufig
psychische Erkrankungen, Wohnungslosigkeit und
dort, wo mehrere
gesundheitliche Probleme treffen hier aufeinander. Dies führt zu
Hilfebedarfe
medizinischen Notfällen und Konflikten im öffentlichen Raum
zusammentreffen:
und stellt zugleich die bestehenden Hilfsangebote vor neue
Suchterkrankung,
Anforderungen. Ein Teil der Betroffenen wird von bestehenden
psychische Erkrankung,
Angeboten nur noch eingeschränkt erreicht. Sie benötigen
Wohnungslosigkeit,
zunächst Stabilität, einen geschützten Rahmen und
gesundheitliche
niedrigschwellige Unterstützung. Genau hier setzt das neue
Probleme und soziale
Suchthilfezentrum an. Medizinische, psychiatrische, soziale
Ausgrenzung.
und existenzsichernde Hilfen sollen enger miteinander verzahnt
werden. Ziel ist es, gesundheitliche und soziale Risiken zu
Die Herausforderung
reduzieren, akute Notlagen aufzufangen und gleichzeitig
besteht deshalb nicht
Übergänge in weiterführende Hilfen zu ermöglichen. Das nur darin, zusätzliche
Vorhaben hat zugleich erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit Angebote zu schaffen.
Ebenso wichtig ist es,
erfahren. Die Diskussionen zeigen, dass unterschiedliche
vorhandene Hilfen
Interessen berücksichtigt werden müssen: die Bedarfe
besser miteinander zu
suchtkranker und wohnungsloser Menschen ebenso wie die
verzahnen und
Interessen der Nachbarschaft, Gewerbetreibender und anderer
Versorgungslücken an
Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Raums.
den Schnittstellen zu
schließen. Dazu
müssen insbesondere
Sucht- und
Wohnungslosenhilfe,
Das neue Suchthilfezentrum an der Eisenstraße ist ein
medizinische und
wichtiger Baustein, kann die komplexen Problemlagen aber
psychiatrische
nicht alleine lösen. Ziel ist deshalb die Weiterentwicklung eines
Versorgung sowie
stadtverträglichen Hilfenetzes, in dem sowohl die Eisenstraße,
Maßnahmen im
als auch bestehende Standorte wie die Flurstraße 45 und die
öffentlichen Raum
Erkrather Straße 18 sowie weitere niedrigschwellige Angebote
zusammenwirken. Die
der Sucht- und Obdachlosenhilfe aufeinander abgestimmt
kommunale Steuerung
zusammenwirken.
übernimmt dabei eine
Dabei müssen zwei Perspektiven miteinander verbunden
wichtige koordinierende
werden: Menschen in schwierigen Lebenslagen benötigen
Funktion
bedarfsgerechte und leicht zugängliche Unterstützung.
Gleichzeitig sollen öffentliche Räume möglichst für alle
4
Bevölkerungsgruppen nutzbar bleiben. Niedrigschwellige Einrichtungen und eine wirksame
Intervention im öffentlichen Raum müssen deshalb als zwei aufeinander angewiesene
Bestandteile derselben Strategie verstanden werden.
Die Naloxon-Schulungen des Gesundheitsamtes sind ein Beispiel für eine gelungene
Kooperation: 2026 wurden erstmalig Streetworkerinnen und Streetworker sowie Mitarbeitende
der Drogenhilfe, des Ordnungsamtes und von Obdachlosenunterkünften zu einer
Drogennotfallschulung eingeladen. Abgestimmte übergreifende Aktivitäten dieser Art sollten
zukünftig intensiviert werden.
Für 2027 kommt es deshalb darauf an, die vorgesehenen Module der Eisenstraße und
die niedrigschwelligen Angebote der weiteren Standorte weiterzuentwickeln und
zugleich die Intervention im öffentlichen Raum zu stärken. Dazu sollen Streetwork und
aufsuchende Hilfen, einrichtungsbezogene Umfeldarbeit sowie das Handeln von
Verwaltung, Ordnungsbehörden und Polizei verbindlicher aufeinander abgestimmt
werden. Ziel ist es, Menschen frühzeitig in geeignete Hilfen zu vermitteln, Konflikte im
Umfeld der Einrichtungen zu reduzieren und reine Verlagerungseffekte zu vermeiden.
5
Arbeitsfeld III
Ausstiegsorientierte Hilfen - die öffentlich weniger sichtbare Seite der Sucht - aber
eine zentrale Aufgabe für die Suchthilfe
Nicht alle Suchterkrankungen sind sichtbar - doch ihre
Folgen belasten uns alle. Während offene Drogenszenen
Aufmerksamkeit erregen, spielen sich Alkoholabhängigkeit,
Glücksspiel- oder Medienabhängigkeit oft im Verborgenen
ab. Doch ihre gesellschaftlichen Kosten sind enorm:
chronische Krankheiten, Arbeitsausfälle, zerbrochene
Familien und steigende Sozialausgaben belasten
Kommunen, Wirtschaft und Gesundheitssysteme über
Jahre.
Die Kosten hierfür trägt am Ende die Gesamtgesellschaft:
Teure Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder
psychische (Folge-) Erkrankungen füllen Kliniken, während
Arbeitsunfähigkeit und frühzeitige Renteneintritte die
Produktivität mindern und die Sozialkassen belasten.
Familien zerbrechen an der Sucht und Kinder suchtkranker
Eltern entwickeln mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit
ebenfalls Suchterkrankungen, psychische Erkrankungen
oder weitere Probleme.
Auch die verschiedenen Formen von Essstörungen sind im
öffentlichen Raum kaum sichtbar und entwickeln sich
häufig über einen längeren Zeitraum im Verborgenen.
Betroffen sind insbesondere Mädchen und junge Frauen,
weshalb geschlechtsspezifische und auf die jeweilige
Lebenssituation zugeschnittene Angebote eine wichtige
Rolle spielen. Gesellschaftliche Entwicklungen, sich
wandelnde Schönheitsideale und Trends in sozialen
Medien können den Umgang mit dem eigenen Körper
beeinflussen und problematische Verhaltensweisen
verstärken.
Umso wichtiger sind niedrigschwellige Zugänge zu
Beratung und frühzeitiger professioneller Unterstützung.
Sie können dazu beitragen, problematische Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und einer
Verfestigung oder Chronifizierung entgegenzuwirken. Gerade die Beratung kann dabei eine
wichtige Brückenfunktion übernehmen: Sie bietet einen ersten geschützten Zugang zum
Hilfesystem, kann Vertrauen in professionelle Unterstützung schaffen und gemeinsam mit den
Betroffenen klären, welche weiteren Hilfen notwendig sind. Bei entsprechendem Bedarf kann
von dort in weiterführende Angebote wie Psychotherapie oder klinische Behandlung vermittelt
werden.
Ausstiegsorientierte Hilfen richten sich an Menschen, die ihren Konsum verändern oder eine
bereits erreichte Stabilisierung sichern wollen. Sie unterstützen dabei, genesungsorientierte
Veränderungen zu erreichen, Rückfälle zu vermeiden, sowie gesellschaftliche und berufliche
6
Teilhabe wiederzugewinnen. Sie wirken sich überdies heilend auf die gesamten Familien- und
Beziehungssysteme aus. Zu den Angeboten der ausstiegsorientierten Hilfen gehören neben
Beratung und Behandlung auch Angebote zur sozialen Stabilisierung, Tagesstruktur und
Beschäftigung. Gleichzeitig entlasten sie die Gesellschaft, denn wer früh Hilfe erhält,
verursacht weniger Folgekosten.
Die hohe öffentliche Aufmerksamkeit für die offene Drogenszene ist berechtigt und wird nicht
in Frage gestellt. Sie darf aber nicht dazu führen, dass weniger sichtbare Suchterkrankungen
und die ausstiegsorientierten Hilfen aus dem Blickfeld geraten.
Zur Einordnung: Die volkswirtschaftlichen Folgekosten von Alkoholabhängigkeit in
Deutschland belaufen sich auf rund 57 Milliarden Euro pro Jahr. Für illegale Drogen werden
die jährlichen Folgekosten auf etwa 12 bis 15 Milliarden Euro geschätzt, da insbesondere
auch deutlich weniger Menschen betroffen sind: In Deutschland stehen 3,4 Millionen
Alkoholabhängigen ca. 350.000 Menschen mit einer Drogenabhängigkeit gegenüber.
Ausstiegsorientierte Hilfen sollten stärker gefördert und strukturell abgesichert werden. Eine
ganzheitliche Suchthilfe darf sich nicht auf Überlebenshilfen und die Stabilisierung des Status
quo beschränken.
Ein leistungsfähiges Suchthilfesystem muss beides gewährleisten: schnelle Hilfe bei
akuten Problemlagen und langfristige Unterstützung für Menschen, die ihre
Suchterkrankung überwinden oder dauerhaft stabilisieren wollen.
7
Arbeitsfelder II und III:
Arbeit und Beschäftigung - Stabilisierung
Fachlicher Hintergrund:
braucht Perspektiven
Die Lücke zwischen
Maßnahme und
Eine geregelte Tagesstruktur, soziale Anerkennung
Arbeitsmarkt
und die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können,
können wichtige Bausteine auf dem Weg zu mehr
Für einen Teil der
Stabilität und gesellschaftlicher Teilhabe sein.
Betroffenen greifen die
Beschäftigungsangebote müssen dabei zu den
bestehenden
individuellen Möglichkeiten der Betroffenen passen.
Anschluss
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.