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Title: Informationsvorlage
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00589490.pdf
Published Time: 2026-06-16T13:24:00.000Z
Number of Pages: 4
Markdown Content:
AGS/055/2026
X öffentlich nicht öffentlich
# Informationsvorlage
Betrifft:
Verfahrenslotsinnen und -lotsen in Düsseldorf – Erfolgsmodell für Teilhabe, Inklusion und
Umsetzung der SGB VIII-Reform
Fachbereich:
51 - Amt für Soziales und Jugend
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ausschuss für Gesundheit und
Soziales 30.06.2026 Kenntnisnahme
Jugendhilfeausschuss 02.09.2026 Kenntnisnahme
Behindertenrat 14.09.2026 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) hat der Bundesgesetzgeber die
schrittweise Entwicklung einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe eingeleitet. Ziel ist es, die
Unterstützung von jungen Menschen mit und ohne Behinderungen perspektivisch in einem
gemeinsamen Leistungssystem zusammenzuführen, Zugangsbarrieren abzubauen und
Teilhabechancen nachhaltig zu verbessern.
Zur Unterstützung dieses Transformationsprozesses wurden bundesweit
Verfahrenslotsinnen und -lotsen nach § 10b SGB VIII eingeführt. Die Landeshauptstadt
Düsseldorf hat diese Aufgabe frühzeitig aufgegriffen und die Verfahrenslotsinnen und -lotsen
als festen Bestandteil der Abteilung Teilhabe und Inklusion im Amt für Soziales und Jugend
etabliert.
Die bisherigen Erfahrungen in Düsseldorf zeigen, dass sich die Verfahrenslotsinnen und -
lotsen innerhalb kurzer Zeit zu einem wichtigen Baustein der kommunalen
Unterstützungsstruktur entwickelt haben. Sie leisten sowohl einen unmittelbaren Beitrag zur
Unterstützung von Familien als auch zur Weiterentwicklung inklusiver Verwaltungs- und
Hilfestrukturen. Seite 2
Verfahrenslotsinnen und -lotsen als zentraler Baustein der inklusiven Kinder- und
Jugendhilfe
Familien von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen oder drohenden Behinderungen
sehen sich häufig mit komplexen Zuständigkeiten, unterschiedlichen Rechtsgrundlagen und
einer Vielzahl beteiligter Institutionen konfrontiert. In vielen Fällen bestehen notwendige
Leistungsansprüche bereits, können jedoch aufgrund fehlender Transparenz, hoher
Verfahrenskomplexität oder unklarer Zuständigkeiten nur schwer wahrgenommen werden.
Die Verfahrenslotsinnen und -lotsen unterstützen Familien dabei, sich im Hilfesystem zu
orientieren, individuelle Bedarfe einzuordnen und notwendige Leistungen rechtzeitig in
Anspruch zu nehmen. Sie begleiten Familien durch oftmals komplexe Antrags- und
Klärungsprozesse und tragen dazu bei, dass bestehende Ansprüche tatsächlich realisiert
werden können.
Seit dem Start der Verfahrenslotsinnen und -lotsen wurden insgesamt 1.713 Familien in
Verfahrensprozessen begleitet. Die Unterstützungsanliegen reichten dabei von der Klärung
von Leistungsansprüchen der Eingliederungshilfe über Fragestellungen im Kontext von
Schule und Teilhabe bis hin zur Koordination komplexer Unterstützungsbedarfe mit
mehreren beteiligten Leistungsträgern. Die hohe Nachfrage verdeutlicht den Bedarf an einer
unabhängigen Orientierung und Begleitung innerhalb des Hilfesystems.
Verfahrenslotsinnen und -lotsen schaffen Mehrwert für Familien und Strukturen
Die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre zeigen, dass insbesondere Familien mit hohen
Unterstützungsbedarfen von dieser unabhängigen und kontinuierlichen Begleitung
profitieren. Die Verfahrenslotsinnen und -lotsen schaffen Orientierung, stärken die
Selbstbestimmung der Familien und helfen dabei, bestehende Unterstützungsangebote
passgenau miteinander zu verbinden.
Gleichzeitig leisten die Verfahrenslotsinnen einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung
inklusiver Strukturen in Düsseldorf. Die Einführung der Verfahrenslotsinnen und -lotsen fiel in
eine Phase grundlegender fachlicher und organisatorischer Weiterentwicklungen im Bereich
der Eingliederungshilfe für junge Menschen. Durch ihre unmittelbare Nähe zur Lebensrealität
von Familien konnten sie frühzeitig Schnittstellenprobleme, Zugangsbarrieren und
strukturelle Herausforderungen sichtbar machen und wichtige Impulse für die
Weiterentwicklung bestehender Unterstützungsangebote geben.
Besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit dem neu aufgebauten
Falleingangsmanagement der Eingliederungshilfe. Die Erkenntnisse aus den Beratungs- und
Begleitungsprozessen der Verfahrenslotsinnen und -lotsen sind unmittelbar in die
Weiterentwicklung von Verfahren und Zugangswegen eingeflossen. Dadurch konnten
Abläufe transparenter gestaltet, Bedarfe früher erkannt und die Orientierung für Familien
verbessert werden.
Darüber hinaus haben die Verfahrenslotsinnen und -lotsen mit ihren Erfahrungen aus der
Beratungspraxis Impulse für die Entwicklung einer Inklusionscheckliste gegeben. Ziel ist es,
Verwaltungsabläufe systematisch aus der Perspektive von Teilhabe, Barrierefreiheit und
Zugänglichkeit zu betrachten und weiterzuentwickeln. Die geplante Pilotierung in der
Abteilung Teilhabe und Inklusion bietet die Chance, inklusive Standards schrittweise auch
über den Bereich der Eingliederungshilfe hinaus zu verankern und damit die Umsetzung
einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe in Düsseldorf weiter zu unterstützen. Seite 3
Die Verfahrenslotsinnen und -lotsen leisten damit nicht nur einen unmittelbaren Beitrag zur
Unterstützung einzelner Familien, sondern wirken zugleich als Impulsgeberinnen und -geber
für die Weiterentwicklung einer inklusiven und lebensweltorientierten Unterstützungsstruktur
in Düsseldorf.
Von der Strukturentwicklung zur systemübergreifenden Lotsenfunktion
Die vergangenen zwei Jahre waren wesentlich durch den Aufbau und die Weiterentwicklung
inklusiver Strukturen innerhalb der kommunalen Eingliederungshilfe geprägt. Die
Verfahrenslotsinnen und -lotsen haben diesen Prozess in Düsseldorf aktiv begleitet und mit
ihren Erfahrungen aus der Beratungspraxis wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von
Angeboten, Verfahren und Schnittstellen geliefert.
Mit dem weiteren Fortschreiten der SGB-VIII-Reform verschiebt sich jedoch zunehmend der
Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Während zunächst insbesondere die Zusammenführung von
Leistungen und die Weiterentwicklung interner Strukturen im Vordergrund standen, gewinnt
künftig die systemübergreifende Lotsenfunktion weiter an Bedeutung.
Düsseldorf hat mit dem Aufbau eines integrierten Falleingangsmanagements und der engen
Verzahnung der Leistungen im Bereich der Eingliederungshilfe bereits wichtige
Voraussetzungen für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe geschaffen. Die zukünftige
Herausforderung liegt daher verstärkt darin, Familien und junge Menschen an den
Schnittstellen zu weiteren Unterstützungssystemen zu begleiten und Orientierung zu bieten.
Hierzu zählen insbesondere die Bereiche Schule, Frühförderung, medizinische
Rehabilitation, Krankenkassen sowie weitere Leistungen zur sozialen Teilhabe. Gerade an
diesen Übergängen und Zuständigkeitsgrenzen entstehen für Familien häufig komplexe
Fragestellungen, die eine koordinierende und unabhängige Unterstützung erforderlich
machen.
Fazit
Die Verfahrenslotsinnen und -lotsen haben sich in Düsseldorf innerhalb kurzer Zeit als
wichtiger Bestandteil einer inklusiven Unterstützungsstruktur etabliert. Sie tragen dazu bei,
dass Familien ihre Ansprüche wirksam wahrnehmen können, stärken die Teilhabe junger
Menschen mit Behinderungen und unterstützen die Zusammenarbeit unterschiedlicher
Leistungssysteme.
Gleichzeitig haben sie wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe
und den Aufbau inklusiver Strukturen innerhalb der Verwaltung gegeben. Nachdem
wesentliche Grundlagen für eine integrierte Aufgabenwahrnehmung geschaffen wurden, wird
ihre zukünftige Bedeutung insbesondere in der systemübergreifenden Begleitung von
Familien sowie in der weiteren Umsetzung der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe liegen.
Die bisherigen Erfahrungen sprechen daher nicht nur für die dauerhafte Sicherung dieser
Funktion, sondern auch für ihre bedarfsgerechte Weiterentwicklung als zentralen Baustein
einer modernen, inklusiven und lebensweltorientierten Unterstützungsstruktur in Düsseldorf.
Verfahrenslotsinnen und -lotsen machen aus formalen Leistungsansprüchen konkrete
Unterstützung. Sie sorgen dafür, dass Teilhabe nicht vom Verständnis komplexer
Zuständigkeiten abhängt, sondern junge Menschen und ihre Familien die Leistungen
erhalten können, die sie für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben benötigen. Seite 4