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Ö Vorlagen - Nr. 50/ 43/2004
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An
Ratsherr Wolfgang Janetzki
Vorsitzender des
Ausschusses für Gesundheit und Soziales
Antrag
Antrag der SPD-Ratsfraktion vom 03.05.2004
hier: Für eine moderne Seniorenpolitik
(Neufassung der Vorlage 01/ 63/2004)
Sehr geehrter Herr Janetzki
namens der SPD-Ratsfraktion bitte ich Sie, nachfolgenden Antrag auf die Tagesordnung
der AGS-Sitzung am 25. Mai 2004 zu setzen und zur Abstimmung zu bringen:
Im Zuge des demographischen Wandels ist die kommunale Seniorenpolitik vor neue
Herausforderungen gestellt. Moderne Seniorenpolitik versteht sich grundsätzlich als
Querschnittsaufgabe und darf sich nicht nur auf die Sozial- und Gesundheitspolitik
beschränken. Sie hat u.a. Bezüge zur Arbeitsmarkt-, Ausländer-, Bildungs-, oder
Wohnungspolitik und auch in der Stadtplanung muss zukünftig der Gesichtspunkt der
"Seniorenfreundlichkeit" eine immer wichtigere Rolle spielen.
Darüber hinaus bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit der freien Wohlfahrtspflege,
damit die bestehende und zukünftig zu entwickelnde Infrastruktur von Dienstleistungen für
die Senioren zielgruppengenau genutzt und weiterentwickelt werden kann.
Die Verwaltung wird beauftragt, die nachfolgend genannten 10 Punkte einer
modernen Seniorenpolitik zu entwickeln bzw. umzusetzen und in eine
Gesamtkonzeption einzubinden:
1. Erstellung einer Einwohnerprognose auf Stadtbezirks- oder Stadtteilebene.
2. Entwicklung eines Masterplans "Pflegeeinrichtungen" zur Modernisierung
und Sanierung der Düsseldorfer Pflegeeinrichtungen. Die Pflegekonferenz
wird gebeten, in einem ersten Schritt hierzu eine Bestandsaufnahme über
den Modernisierungsbedarf zu erstellen.
3. Konferenz mit der Wohnungswirtschaft und der örtlichen Wohlfahrtspflege
zur Verbesserung der Wohnraumversorgung von Personen, die Pflege und
Betreuung benötigen sowie zur Umsetzung der neuen
Förderungsmöglichkeiten des Landes. Im Anschluss an diese soll die
Verwaltung über das Ergebnis berichten und dem Rat Vorschläge
unterbreiten, was die Stadt in diesem Versorgungsbereich unternehmen kann
und wie die neuen Förderrichtlinien aktiv mit Leben gefüllt werden können.
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4. Info-Tag und Kampagne zur Unterstützung häuslicher Pflege und pflegender
Angehöriger.
5. Durchführung eines Forum "Seniorenwirtschaft".
6. Weiterentwicklung des Pflegebüros in eine Seniorenagentur. Die Verwaltung
wird gebeten, dem Ausschuss für Gesundheit und Soziales hierzu ein
Konzept vorzulegen und im Haushalt 2005 finanzielle und personelle
Ressourcen für die Umsetzung bereit zu stellen.
7. Ausbau der Netzwerke in den Stadteilen sowie eine verstärkte
Zusammenarbeit der Netzwerke untereinander.
8. Ausbau seniorengerechter Kultur- und Weiterbildungsangebote sowie
Schaffung weiterer stadteilbezogener Internetzugänge. Bei der im
Ausschuss für Gesundheit und Soziales beschlossenen Neuorganisation der
Begegnungsstätten soll darauf geachtet werden, dass in jedem Stadtbezirk
mindestens ein solches Internetangebot vorhanden ist.
9. Entwicklung von Projekten, die die Ausländerarbeit mit der Altenarbeit
verzahnen, insbesondere für den Bereich der pflegerischen Versorgung.
10. Die Mitglieder des Seniorenbeirats erhalten Antrags- und Rederecht in allen
Ausschüssen und Bezirksvertretungen. Die Geschäftsstelle wird um eine
halbe Stelle aufgestockt.
Sachdarstellung:
Unsere Gesellschaft altert.
Die Soziologie spricht heute von einem dreifachen Altern. Damit gemeint ist
• die Zunahme der absoluten Zahl älterer Menschen,
• der wachsende Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung,
• sowie der starke Anstieg der sehr alten Menschen im Alter von 80 Jahren und
mehr.
In Düsseldorf sind heute schon 25,4 % der Gesamtbevölkerung 60 Jahre und älter und
4,3 % sind 80 Jahre und älter. Durch die sich gleichzeitig vollziehende höhere
Lebenserwartung der Menschen ist die sog. Seniorenphase längst zu einem
eigenständigen- dritten- Lebensabschnitt geworden. Die Gruppe der Senioren stellt heute
nicht mehr ein "einheitliches Ganzes" dar sondern ist durchaus inhomogen geworden. Sie
besteht nunmehr soziologisch aus drei Generationen, den Jungsenioren (50-64), den
Senioren (65-79) sowie den Hochaltrigen (80 Jahre und älter).
Durch das damit zusammenhängende, veränderte Verhältnis von Jung und Alt ist unsere
Gesellschaft in Zukunft verstärkt auf das Miteinander der Generationen angewiesen.
Darüber hinaus liegt das durchschnittliche Berufsaustrittsalter zur Zeit vor dem
sechzigsten Lebensjahr. Diese Jungsenioren verfügen über viel freie Zeit, die sie in der
Regel individuell zufriedenstellend und gesellschaftlich nutzen wollen. Mit den Angeboten,
die die klassische offene Altenarbeit anbietet, ist ihnen wenig geholfen. Sie suchen
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vielmehr nach Betätigungsfeldern, die soziale Kontakte herstellen und vor allem die
Möglichkeit bieten, eigene Kenntnisse und Fähigkeiten einzusetzen. Gerade im Hinblick
auf die demographische Entwicklung kann die solidarische Gesellschaft auf diese
Potentiale nicht verzichten.
Ziel sozialdemokratischer Seniorenpolitik ist es deshalb, ein Nebeneinander der
Generationen zu verhindern und ein Miteinander leben zu fördern. Wir wollen, dass die
Älteren ihre Potentiale umfassend einbringen sowie an den gesellschaftlichen und
politischen Möglichkeiten teilhaben und mitwirken können. Sie sollen selbstbestimmt und
so lange wie möglich in gewohnter Umgebung leben und auf eine gute medizinische und
pflegerische Versorgung vertrauen können. Hierzu bedarf es u. a. in Düsseldorf folgender
Maßnahmen:
Erstellung einer Einwohnerprognose auf Stadtbezirks- oder Stadtteilebene
Die Zunahme der Kleinfamilien, der Trend zum Allein leben und steigende
Scheidungsquoten haben zur Folge, dass das familiäre Hilfesystem die hilfebedürftigen
Alten zunehmend nicht mehr auffangen kann. Die Zahl von älterer Menschen, die
außerhalb von Kernfamilien leben, nimmt zu. Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung
führt dies zu einer steigenden Zahl alleinstehender älterer Frauen. Vor allem aber ist
Allein leben im Alter überdurchschnittlich häufig mit externem Hilfe- und
Unterstützungsbedarf verbunden. Um für diese Gruppe passgenaue stadtbezirks- oder
stadtteilorientierte Angebote entwickeln zu können, ist eine solche, kleinräumige
Datenerhebung durch das Amt für Wahlen und Statistik dringend erforderlich.
Qualitative Bestandsaufnahme und Entwicklung eines Masterplans zur
Modernisierung und Sanierung der Düsseldorfer Pflegeeinrichtungen
In Düsseldorf gibt es zur Zeit ca. 4800 Pflegeplätze. Mehr als 2500 davon sind jedoch
älter als 20 Jahre. Deshalb wird die Modernisierung und Sanierung bestehender
Pflegeeinrichtungen zukünftig einen Schwerpunkt in der Seniorenpolitk einnehmen
müssen.
Konferenz mit der Wohnungswirtschaft und der örtlichen Wohlfahrtspflege zur
Verbesserung der Wohnraumversorgung von Personen, die Pflege und Betreuung
benötigen
Die "Alterung" unserer Gesellschaft erfordert insbesondere neue, altersangemessene
Wohnangebote, insbesondere für Personen innerhalb der sozialen Wohnraumförderung.
Dies soll vorrangig in Wohnanlagen erfolgen, in denen das Wohnen von jungen und
älteren Bevölkerungsgruppen durch das Wohnen mit Pflegeservice und in
Wohngemeinschaften ergänzt wird. Mietwohnungen oder -anlagen sollen durch die
notwendigen Einrichtungen für ältere Menschen z.B. durch zusätzliche Räumlichkeiten für
Pflegezwecke oder Nachtwachen ergänzt werden, damit sie in ihrem vertrauten
Wohnumfeld und Stadtquartier verbleiben können. Maßnahmen im Wohnungsbestand
sind daher besonders zu begrüßen.
Das Land NRW hat im diesem Sinne die Wohnraumförderbestimm ungen und die
Modernisierungsrichtlinien novelliert. Erstmals können nun Mietwohnungen für
Wohngemeinschaften von bis zu acht Personen gefördert werden, die selbstbestimmt
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wohnen und ihre Pflege oder Betreuung individuell mit Hilfe ambulanter Dienste ihrer
Wahl organisieren. Im Zusammenhang mit der Förderung von neuen Mietwohnungen
werden ergänzend auch Wohnräume und Gemeinschaftsräume gefördert, die für das
gemeinschaftliche Wohnen einer Gruppe von pflegebedürftigen bestimmt sind.
Diese neuen Fördermöglichkeiten des Landes sollten von der Landeshauptstadt positiv
aufgegriffen und mit den Akteuren der Wohnungswirtschaft und den Trägern der
Wohlfahrtspflege diskutiert werden.
Info-Tag und Kampagne zur Unterstützung häuslicher Pflege und pflegender
Angehöriger
Im Bereich der ambulanten Pflegedienste stellen die privat-gewerblichen mittlerweile über
50 Prozent der Anbieter, andererseits ist die Solidarität der Familien, dort wo sie
bestehen, ungebrochen. Dies hat zur Folge, dass helfende und/oder pflegende
Familienangehörige zu einer immer wichtigeren "zweiten Zielgruppe" von Altenpolitik und
-arbeit geworden sind. Da die häusliche Pflege traditionell zumeist Frauenpflege ist, stellt
sich darüber hinaus die "Vereinbarkeitsproblematik" der Gleichzeitigkeit von
Erwerbsarbeit und häuslicher Pflegeverpflichtungen. Die Beseitigung von
Benachteiligungen sowie die Unterstützung der davon betroffenen Frauen stellt eine
wichtige Zukunftsaufgabe für die Pflege-, Familien-, Gleichstellung- und Betriebspolitik
dar.
Neben einem weiteren Ausbau von Tages- und Kurzzeitpflege-Einrichtungen regt die
SPD-Ratsfraktion deshalb an, einen Info-Tag zum Thema "Pflegende Angehörige", bei
dem sich die Betroffenen über alle mit diesem Thema zusammenhängenden Fragen
informieren können. Dieser Tag sollte von einer öffentlichen Kampagne, die auf die
Bedeutung häuslicher Pflege hinweist und Unterstützungsangebote kommuniziert,
begleitet werden.
Durchführung eines Forum "Seniorenwirtschaft"
Insbesondere im Bereich der sozialen Dienste für ältere Menschen liegt ein wichtiger
Wachstumsmarkt mit ganz erheblichen Arbeitsplatzimpulsen. Er könnte einen Beitrag zur
Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen leisten als auch Chancen für mehr
Beschäftigung für die Jüngeren schaffen. Nach einer Bestandsaufnahme der Düsseldorfer
Situation sollte ein solches Forum in Kooperation zwischen Senioren und Wirtschaft die
Entwicklung seniorenorientierter Dienstleistungen und Waren im Sinne von
Wirtschaftsförderung unterstützen und öffentliche Dienstleistungen passgenau entwickeln.
Ziel sollte hierbei sein, den Beschäftigungsstand in Unternehmen, die Produkte und
Dienstleistungen für ältere Menschen liefern, deutlich auszuweiten und Düsseldorf zu
einem Kompetenzstandort für Fragestellungen zu profilieren, die die Zukunft des Alterns
und das Altern der Gesellschaft betreffen.
Weiterentwicklung des Pflegebüros in eine Seniorenagentur
Die Förderung und der Ausbau bürgerschaftlichen Engagements wird vor dem
Hintergrund des demographischen Wandels und der Erosion traditioneller Lebenswelten
zunehmend wichtiger. Hier gilt es, junge Alte zu mobilisieren und für gesellschaftliche
Aufgaben zu gewinnen. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn dieses bürgerschaftliche
Engagement professionell begleitet wird. Deshalb sollte das seit Jahren hervorragend
trägerübergreifende arbeitende Pflegebüro zu einer Seniorenagentur weiterentwickelt
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werden.
Mit einer solchen Seniorenagentur würde ein weiteres, modernes Mosaik in der
Düsseldorfer offenen Altenhilfe hinzugefügt werden. Sie sollte u.a. folgende Aufgaben
wahrnehmen:
• Potentiale älterer Menschen für die Gesellschaft nutzbar machen
• generationsverbindende und interkulturelle Maßnahmen entwickeln und fördern
Ideenreiche Projekte bürgerschaftlichen Engagements entwickeln
• Bürgerschaftliches Engagement fördern und in die bestehenden Düsseldorfer
Netzwerke vermitteln
• Fortbildungen entwickeln und organisieren
• in Tätigkeiten vermitteln, (Besuchs-, Einkaufs-, oder Handwerkerdienste)
• Öffentlichkeitsarbeit für freiwilliges Engagement leisten
• über die Angebote der offenen Altenarbeit und der Altenhilfe informieren und
beraten
Ausbau der Netzwerke in den Stadteilen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit der
Netzwerke untereinander
Im Rahmen sozialer Netzwerkarbeit ist die Entwicklung, Förderung und Stärkung des
bürgerschaftlichen Engagements in Form von Nachbarschaftshilfe vor allem zwischen
Jung und Alt eine elementare kommunalpolitische Aufgabe. Nachbarschaftshilfe initiiert
und eröffnet eine Vielzahl von Möglichkeiten für soziales, kulturelles und politisches
Handeln in Stadtteilen und Wohngebieten. Gerade weil heute immer mehr ältere
Menschen als Single leben oder getrennt von ihren Kindern alt werden, ist es wichtig,
Kontakte zu anderen Menschen aufzubauen: zu den Nachbarn im Haus, in der Straße und
im Stadteil.
Ausbau von Kultur- und Weiterbildungsangeboten
sowie Schaffung
stadteilbezogener Internetzugänge
Senioren sind in hohem Maße an Kultur- und Weiterbildungsangeboten interessiert.
Deshalb sollten die Bildung- und Weiterbildungsfelder ausgebaut und an ihren jeweiligen
Bedürfnissen ausgerichtet werden. Kulturangebote- und Veranstaltungen sollten gut
erreichbar und auch zu "seniorenfreundlichen" Zeiten angeboten werden.
Darüber hinaus ist es wichtig, ältere Menschen an der Informationsgesellschaft zu
beteiligen und ihre Medienkompetenz zu stärken. Das Internet bietet hier enorme
Chancen zu einer besseren gesellschaftlichen Partizipation. Es kann dazu beitragen, die
Alltagesbewältigung zu verbessern und Informationen über Weiterbildung- und
Aktivitätsangebote können abgerufen werden.
Entwicklung von Projekten, die die Ausländerarbeit mit der Altenarbeit verzahnen
In Düsseldorf leben zur Zeit ca. 10 560 Migranten, die 60 Jahre und älter sind. Aufgrund
häufig vorhandener geringer deutscher Sprachkenntnisse, Vorbehalte gegenüber
staatlichen Einrichtungen und der Tatsache, dass ihre Rentenansprüche aufgrund
geringerer Einkünfte oft unter dem Durchschnitt liegen, besteht die Gefahr, dass sich ein
großer Teil der auf Dauer hier lebenden älterern Ausländerinnen/Ausländer sowie
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Spätaussiedlerinnen/-aussiedler zu einer sozialen Randgruppe entwickeln. Erschwerend
kommt hinzu, dass es sich hierbei keineswegs um eine homogene Bevölkerungsgruppe
handelt, sondern erhebliche kulturelle, religiöse und andere Unterschiede zwischen ihnen
bestehen.
Stärkung des Seniorenbeirats
Die ältere Generation ist zwar im Rat vertreten, nimmt aber dort wenig spezifisch eigene
Interessen wahr. Politische Partizipation findet deshalb heute in erster Linie in den
Betroffenenorganisationen (Seniorenbeirat, Verbänden, etc.) statt. Damit der
Seniorenbeirat stärker in politische Willensbildung- und Entscheidungsprozesse
eingebunden ist und seine Interessen und Bedürfnisse besser politisch geltend machen
kann, hat der Rat im Januar beschlossen, den Seniorenbeirat in die Hauptsatzung der
Landeshauptstadt aufzunehmen.
Um die Mitglieder des Seniorenbeirats bei der damit verbundenen weitergehenden
Kompetenz und Arbeit adäquat zu unterstützen, soll die Geschäftstelle besser
ausgestattet werden.
Mit
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.