RAT/144/2025
Stadtdirektor Hintzsche
Anfrage der
Ratsgruppe Tierschutz/FREIE WÄHLER:
negative Entwicklung auf dem Düsseldorfer Arbeitsmarkt
Frage 1:
Unter Berücksichtigung der aktuellen Ausgabe des Reports der Agentur für
Arbeit Düsseldorf fragen wir: Welche unterstützenden Maßnahmen hat die
Stadt Düsseldorf seit Januar 2024 konkret unternommen, um den negativen
Entwicklungen auf dem Düsseldorfer Arbeitsmarkt wirksam zu begegnen?
Antwort:
Die Stadt Düsseldorf kommt ihrer Verantwortung für den Düsseldorfer
Arbeitsmarkt und der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit konsequent nach.
Bereits 2014 wurde per Ratsbeschluss die Kommunale
Beschäftigungsförderung ins Leben gerufen, fortlaufend ausgestattet mit
jährlich 2,2 Mio. Euro.
Seitdem werden verschiedene Projekte und Maßnahmen gegen
Arbeitslosigkeit entwickelt, umgesetzt und aktualisiert.
Ein herausragendes Beispiel sind die fünf i-Punkt-Arbeit Beratungsstellen,
die über das Stadtgebiet verteilt angesiedelt sind. Dort werden kostenlose,
niedrigschwellige und sanktionsfreie Beratungsangebote für arbeitslose und
arbeitssuchende Menschen bereitgehalten. Kooperationspartner sind das
AWO Berufsbildungszentrum gGmbH für Wersten/Holhausen und Garath,
der Caritasverband Düsseldorf e. V. für Oberbilk/Flingern, die renatec
GmbH für Eller/Hassels Nord und die Zukunftswerkstatt Düsseldorf GmbH
für Rath/Mörsenbroich. Die Finanzierung der i-Punkt-Arbeit Standorte
erfolgt gemeinsam mit dem Jobcenter.
Seit Einrichtung der i-Punkte-Arbeit ist die Zahl der Ratsuchenden stetig
gestiegen. Während 2020 noch 714 Neuaufnahmen in das Beratungssetting
verzeichnet wurden, erhöhte sich die Zahl bis 2024 auf 1.721
Neuaufnahmen. Addiert man zu den abgeschlossenen Beratungen (1599
Fälle) noch die laufenden Fälle hinzu, beträgt im Jahr 2024 die Gesamtzahl
der Beratungen 2.648 Fälle.
Die Arbeit der sogenannten Arbeitsmarktlotsen und Arbeitsmarktlotsinnen
in den Standorten geht weit über die reine Vermittlung von Arbeitsplätzen
hinaus. Arbeitssuchenden wird ganz konkret über bürokratische Hürden
hinweggeholfen, sie werden unterstützt bei der persönlichen,
gegebenenfalls alternativen Perspektiventwicklung, bei der Erstellung von
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Bewerbungsunterlagen, der Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder
der Prüfung finanzieller Fördermöglichkeiten. Grundlage ist dabei ein
ganzheitlicher Ansatz, der die spezifischen Lebensumstände von
arbeitslosen Menschen mit in den Blick nimmt. Die gute Kooperation und
der regelmäßige Austausch mit dem Jobcenter Düsseldorf unterstützt das
Erreichen dieser Ziele.
Im Jahr 2024 konnten von 1599 abgeschlossenen Fällen 410 Einmündungen
in den ersten Arbeitsmarkt verzeichnet werden (Integrationen). Mit
weiteren 753 Personen konnten ganz konkrete Schritte erarbeitet werden,
mit dem Ziel ebenfalls in den ersten Arbeitsmarkt einzumünden
(Aktivierungen). Damit lag die Integrations- und Aktivierungsquote bei 73
Prozent.
Neben den Maßnahmen der Kommunalen Beschäftigungsförderung verfolgt
auch das Jobcenter Düsseldorf zur aktiven Bekämpfung eine Vielzahl
gezielter Maßnahmen, um Menschen mit Unterstützungsbedarf nachhaltig
in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Negative Entwicklungen auf dem
Arbeitsmarkt haben unterschiedliche Ursachen, für welche ein
Zusammenwirken verschiedener Akteure erforderlich ist, um diesen
wirksam entgegentreten zu können.
Die Angebote des Jobcenters Düsseldorf für den Personenkreis der SGB II
Leistungen beziehenden Menschen in Düsseldorf (rd. 37.700 erwerbsfähige
Leistungsberechtigte) lassen sich grob nach den folgenden Zielen clustern:
• (direkte) Integration in Arbeit - auch für unter 25-Jährige
• Qualifizierung / Berufsausbildung - auch für unter 25-Jährige
• Aktivierung / Heranführung - auch für unter 25-Jährige
• Öffentlich geförderte Beschäftigung - nur für über 25-Jährige
Hierfür bildet das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm (AMIP),
welches jedes Jahr bedarfsorientiert erstellt und durch die
Trägerversammlung beschlossen wird, die grundlegende Basis.
Die Angebote des Jobcenters Düsseldorf umfassten im Jahr 2024 insgesamt
rd. 8.000 Fördermöglichkeiten, die so konzipiert sind, dass sie eine
bedarfsgerechte und passgenaue Abdeckung der Kunden- wie auch der
Arbeitsmarktbedarfe sicherstellen können. Die Angebote beziehen sich auf
alle Kundengruppen von sehr marktnah bis extrem marktfern.
Im Sinne des AMIP wird eng mit lokalen Sozialverbänden, Bildungsträgern
und Unternehmen zusammengearbeitet, um zielgerichtete
Unterstützungsangebote zu realisieren. So leistete das Jobcenter einen
bedeutenden Beitrag beispielsweise im Rahmen von diversen Jobmessen
mit wechselndem Fokus der jeweiligen Zielgruppen, u. a. bei der
Handwerkskammer Düsseldorf und bei der IHK Düsseldorf sowie beim
Pflege Talk.
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Hinzu kommen noch die weiteren Angebote der Landeshauptstadt
Düsseldorf nach § 16a SGB II, wie Schuldnerberatung, Suchtberatung,
psychosoziale Unterstützung, Beratung pflegender Angehöriger und die
Unterstützung mit Betreuungsplätzen für Kinder (i-Punkt Familie). Das
Angebot ist auskömmlich, sehr kundenfreundlich mit kurzen Wartezeiten
und wirksam.
Sprach- und Berufssprachkurse werden über das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge (BAMF) angeboten und finanziert. Für Düsseldorf besteht
ein auskömmliches Angebot.
Weiterhin wirkt die Stadt im „Runden Tisch für Arbeit" mit. Hier haben sich
die Spitzenvertreter der IHK, der Handwerkskammer, der Arbeitsagentur,
des Jobcenters, des Verbands freier Berufe NRW e.V., des DGB Region
Düsseldorf-Bergisch-Land, der Unternehmerschaft Düsseldorf und
Umgebung e. V. und der Landeshauptstadt Düsseldorf
zusammengeschlossen, um ausgewählte Personengruppen durch gezielte
Aktionen in Beschäftigung zu bringen. Am Beispiel der Gruppe der
arbeitslosen Alleinerziehenden sollen die Chancen aus dem hohen Arbeits-
und Fachkräftebedarf der Wirtschaft, der guten Situation der
Kinderbetreuungsangebote durch die Landeshauptstadt Düsseldorf und der
oft guten Motivations- und Qualifikationslage der betroffenen Menschen
zusammengebracht werden.
Darüber hinaus ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wesentlich
geprägt durch makroökonomische Rahmenbedingungen, deren Ursachen
vielfach außerhalb kommunaler Steuerungshoheit liegen. Die nachfolgend
aufgeführten Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Ansatzes zur
Unterstützung des lokalen Arbeitsmarktes, der auf die Schaffung neuer
Arbeitsplätze, die Stärkung unternehmerischer Stabilität und die gezielte
Förderung wachstumsrelevanter Branchen abzielt.
Vor diesem Hintergrund wurden seit Januar 2024 seitens der
Wirtschaftsförderung folgende Maßnahmen umgesetzt bzw. fortgeführt:
Förderung von Innovation und technologieorientierten
Gründungen:
Weiterführung und Ausbau von Unterstützungsangeboten innerhalb des
Düsseldorfer Startup-Ökosystems, u. a. über die Kooperationen mit dem
digihub Düsseldorf/Rheinland, TechHub.K67, dem städtisch ausgerichteten
Wettbewerb Next Award Düsseldorf sowie dem ERGO ScaleHub. Diese
Strukturen unterstützen wachstumsstarke Gründungen, schaffen neue
Arbeitsplätze und fördern den Strukturwandel vor Ort.
Individuelle Unternehmensbetreuung:
Begleitung von Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf bei
Standortentscheidungen, Fachkräftesicherung, Transformation im Zuge von
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Digitalisierung oder Energiewende sowie Beratung bei diversen Fragen, wie
bspw. zur Beschäftigungssicherung.
Internationale Standortvermarktung und Akquise:
Der International Business Service der Wirtschaftsförderung ist regelmäßig
weltweit auf Delegationsreisen, Businessveranstaltungen und
internationalen Leitmessen präsent, um Investoren, Unternehmen und
Entscheidungsträger auf den Standort Düsseldorf aufmerksam zu machen.
Ziel ist es, Betriebsansiedlungen zu initiieren und damit neue Arbeitsplätze
zu schaffen. Darüber hinaus wird aktiv daran gearbeitet, zukunftsweisende
Messeformate nach Düsseldorf zu holen, um wirtschaftliche Impulse in
strategisch relevanten Branchen zu setzen.
Förderung von Netzwerken und Wissenstransfer:
Unterstützung des Austauschs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und
Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, Innovationsprozesse zu
beschleunigen, Kooperationen anzustoßen und neue Beschäftigungsfelder
zu erschließen.
Fachkräftesicherung - lokal und international:
Im Sinne einer integrierten Fachkräftestrategie unterstützt die
Wirtschaftsförderung sowohl Maßnahmen zur Aktivierung des lokalen
Arbeitskräftepotenzials - etwa über Beratung zur Ansprache von
potentiellen Arbeitskräften vor Ort - als auch Angebote zur gezielten
Rekrutierung internationaler Fachkräfte. In diesem Zusammenhang steht
mit dem Expat Service Desk Düsseldorf eine Anlaufstelle zur Verfügung, die
bei aufenthalts-, arbeits- und integrationsbezogenen Fragen unterstützt.
Dies stärkt den Standort insbesondere in stark spezialisierten Berufsfeldern.
Frage 2:
Welche weiteren konkreten Maßnahmen hat die Stadt Düsseldorf für die
nächsten Monate bereits beauftragt/beschlossen?
Antwort:
Auch für das Jahr 2025 wird das Angebot wie unter Frage 1 beschrieben
fortgesetzt. Geplant werden rd. 7.100 Fördermöglichkeiten zzgl. rd. 1.300
Förderungen der beruflichen Fort- und Weiterbildung in der
Kostenträgerschaft des SGB III (Agentur für Arbeit), in Summe also rd.
8.400 Fördermöglichkeiten, welche sich grob in die Überschriften
Integration, Qualifizierung, Aktivierung sowie öffentlich geförderte
Beschäftigung einteilen lassen.
Die Angebote nach § 16a der Landeshauptstadt Düsseldorf und die
Sprachförderangebote des BAMF kommen hinzu.
Für die kommenden Monate sind durch die Wirtschaftsförderung der
Landeshauptstadt Düsseldorf unter anderem folgende Aktivitäten zur
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Sicherung von Beschäftigung, Stärkung des Wirtschaftsstandortes und
gezielten Reaktion auf strukturelle Arbeitsmarktveränderungen
vorgesehen:
Durchführung internationaler Akquiseaktivitäten:
Delegationsreisen und Messeauftritte in strategisch relevanten
Auslandsmärkten durch den International Business Service, mit dem Ziel,
Unternehmensansiedlungen in Düsseldorf anzustoßen und nachhaltige
Investitionen zu generieren.
Stärkung des Innovationsökosystems:
Durchführung von Angeboten für Start-ups (bspw. Startup Week vom 8. bis
12. September 2025) und technologieorientierte Unternehmen sowie
thematische Weiterentwicklung gemeinsamer Formate mit Akteuren wie
dem digihub, dem TechHub.K67 oder dem ERGO ScaleHub.
Vertiefung der Fachkräfteaktivitäten:
Weiterführung der Unterstützungsangebote für Düsseldorfer Unternehmen
bei der Fachkräftesicherung, einschließlich Vermittlung relevanter
Netzwerkakteure sowie Stärkung der Willkommenskultur über den Expat
Service Desk Düsseldorf.
Branchenorientierte Entwicklungsperspektiven:
Fortführung von Netzwerk- und Kooperationsformaten, insbesondere in den
Bereichen LifeScience und Gesundheitswirtschaft, Künstliche Intelligenz
und ITK sowie GreenTech zur Identifikation von Wachstumschancen und
Qualifizierungsbedarfen.
Frage 3:
Unter Berücksichtigung des o.g. aktuellen Reports der Agentur für Arbeit
Düsseldorf und der Weltwirtschaftslage (z.B. Ukraine Krieg; Zölle aus USA;
Koalitionsvertrag für Deutschland; etc.) fragen wir: Welche Auswirkungen
hat dies gemäß der Fachkenntnis der Kämmerei auf die Finanzlage
(Einnahmen / Ausgaben) der Gesamtstadt Düsseldorf 2025 bis 2029?
Antwort:
Nach aktuellem Erkenntnisstand können noch keine konkreten
Auswirkungen auf den Gesamthaushalt der Stadt Düsseldorf für den
Zeitraum von 2025 bis 2029 benannt werden. Grundsätzlich können
niedrigere Besetzungsquoten zu einer verminderten Wirtschaftsleistung der
betroffenen Unternehmen beitragen, was sich zeitverzögert auch in
niedrigeren Umsätzen / Gewinnen und damit niedrigeren Steuerzahlungen
widerspiegeln kann. Gleichzeitig können die niedrigeren Besetzungsquoten
in Unternehmen dazu führen, dass Investitionen der Stadt Düsseldorf nur
verzögert umgesetzt werden, was wiederum zu Preissteigerungen führen
kann.
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Da jedoch nicht absehbar ist, welche Unternehmen konkret betroffen sind,
kann keine verlässliche Prognose für die Auswirkungen auf die Finanzlage
der Stadt Düsseldorf gegeben werden. Gleichzeitig kann eine niedrige
Einstellungsquote bei den privaten Unternehmen dazu führen, dass die
Stadt Düsseldorf selbst als Arbeitgeberin bei potenziellen Bewerbenden in
den Fokus rückt, wodurch die Rekrutierungschancen der Stadt Düsseldorf
steigen könnten.
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