Antrag als Text anzeigen
Title: 00508901.pdf
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00508901.pdf
Published Time: Fri, 12 Jan 2024 07:03:15 GMT
Number of Pages: 2
Markdown Content:
BV8/014/2024
CDU -Fraktion
SPD -Fraktion
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Herr Schadrack -FDP
in der Bezirksvertretung 8
X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, 11.01.2024
Frau Bezirksbürgermeisterin
des Stadtbezirks 8
Dagmar von Dahlen
Rathaus Eller
Gertrudisplatz 8
40229 Düsseldorf
Betrifft:
Publikation zu Orten der NS -Zeit im Stadtbezirk 8 (Antrag CDU -Fraktion, SPD -
Fraktion, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Herr Schadrack -FDP)
Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin,
die Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP bitten Sie, in der
Sitzung der Bezirksvertretung 8 beschließen zu lassen:
Die Verwaltung wird gebeten, mit der Mahn - und Gedenkstätte eine Publikation
mit einem Rundgang zu Orten im Stadtbezirk 8 aus der NS -Zeit (Lager und
Haftstätten, Wohn -, Unterbringungs - und Einsatzorte von Verfolgten,
Zwangsarbeiter/ -innen und von Widerstandskämpfer/ -innen, Stolpersteine,
heutige Spuren , Bunker, NS -Behörden) nach dem Vorbild der Stadtbezirke 1
und 6 nach Abschluss des aktuellen Projekts im Stadtbezirk 4 zu entwickeln und
durch die Mahn - und Gedenkstätte im Auftrag der Bezirksvertretung 8
herausgeben zu lassen.
Begründung: Die Geschich te des Stadtbezirks 8 in der Zeit der NS -Diktatur ist
bislang nicht in einer für die Bürgerinnen und Bürger zugänglichen Form einer
Broschüre und eines Rundgangs dargestellt. Um die Erinnerung an die Verbrechen
wachzuhalten und diese zu verörtlichen, ist e ine Broschüre mit Rundgang, wie sie
bereits für die Stadtbezirke 1 und 6 vorliegt (Anlage: Publikation aus dem
Stadtbezirk 6) und für den Stadtbezirk 4 in Vorbereitung ist, ein wichtiges Anliegen
der Bezirksvertretung. Seite 2
gez. Dagmar von Dahlen, Christi an Rütz und Christoph Wolongiewicz
gez. Dr. Markus Dreist und Claudia Albes
gez. Susanne Ott und Holger -Michael Arndt
gez. Bodo Schadrack
Anlagen:
Publikation aus dem Stadtbezirk 6
Publikation aus dem Stadtbezirk 6 als Text anzeigen
Title: Layout 1
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00508909.pdf
Published Time: Thu, 11 Jan 2024 13:26:01 GMT
Number of Pages: 18
Markdown Content:
Spurensuche(n)
> Die NS-Zeit
> im Stadtbezirk 6
Der Düsseldorfer Stadtbezirk 6
umfasst heute die nordöstlichen
Stadtteile Lichtenbroich und Unter -
rath, Rath und Mörsenbroich.
Auch hier hat die Zeit des National -
sozialismus und des Zweiten Welt -
krieges Spuren hinterlassen. Dieser
Stadtführer bietet eine Route an,
um solche Spuren kennenzulernen:
Vom Heinefeldplatz im Osten
am Flughafen vorbei bis zur ehe-
maligen Reitzenstein-Kaserne im
Westen führt der Weg vorbei an
historischen Orten, an Straßen, die
nach wichtigen Personen benannt
wurden, oder an den zum Gedenken
verlegten „Stolpersteinen“ im Bür -
gersteig.
Die 11 Stationen erinnern an die
Opfer der NS-Verfolgung, die
zwischen 1933 und 1945 verhaftet,
deportiert oder ermordet wurden,
aber auch an den mutigen Wider -
stand von Männern und Frauen,
die sich weigerten, dem National-
sozialismus zu folgen.
Empfohlen werden kleine Gruppen
mit Fahrrädern. Wenn man die
Strecke zu Fuß ablaufen will, emp -
fiehlt sich eine Aufteilung der Route
in zwei Hälften. Gesellschaftliche Außenseiter
auf dem „wilden Heinefeld“
Nachdem die französischen Truppen, die das Rhein -
land besetzt hatten, im Sommer 1925 abzogen, ließen
sich die ersten Menschen auf dem so genannten
„wilden Heinefeld“ nieder. Sie nutzten die ehemaligen
Pulverschuppen und leeren Munitionsbaracken als
Zuhause. Zu diesen Siedlern zählten nicht nur Erwerbs-
und Obdachlose, sondern auch Sinti-Familien. Eine
Person, die sich für die arme Bevölkerung des Heine -
felds einsetzte, war Pfarrer Matthias Beckers . Er lebte
ebenfalls seit 1934 auf dem Heinefeld. Im selben Jahr
wurde er zum Rektor der Siedlung in der Pfarrei St. Bruno .
Außerdem setzte er den Grundstein für eine Hallen-
kirche, deren Bau im Mai 1935 abgeschlossen wurde.
1935 wurden die Bewohnerinnen und Bewohner des
Heinefelds aufgefordert, die Siedlung zu verlassen.
Die Siedlung wurde brutal geräumt. Die Nationalsozia -
listen richteten für die dort vertriebenen Sinti auf dem
Höherweg ein bewachtes kommunales „Zigeunerlager“
ein. Dort wurden die Sinti ab 1937 interniert. Die übri gen
Bewohner der Siedlung wurden in Kleinsiedlerstellen,
Volkswohnungen und Obdachlosenasylen unterge -
bracht. Die Rassenideologie der Nationalsozialisten
stufte die Sinti als „rassisch minderwertig“ und „erblich
asozial“ ein. Bereits ab 1938 wurden die ersten Düssel -
dorfer Sinti in das Konzentrationslager Dachau ver -
schleppt. 1940 und 1943 gab es weitere Deportationen
in Konzentrationslager. Die meisten Düsseldorfer Sinti
überlebten den Völkermord nicht.
Heinefeldplatz
40468 Unterrath
(ehemaliges Heinefeld)
> 01 Pfarrer Matthias Beckers um
> 1935 (Archiv Brzosa)
> 02 Blick auf die „wilde Siedlung“
> Heinefeld (1929/1930)
> 03 Sinti im Heinefeld
> (Otto-Pankok-Museum/
> Mahn- und Gedenkstätte,
> GED-32-001-200.027-3)
> 01
> 02 03
# 01 Pfarrer Beckers reagierte nach der Räumung der Sied -
lung mit einer Predigt: Er sprach über die Sinti vom
Heinefeld und appellierte an die Moral der Gemeinde.
Wiederholt wurde die Gestapo auf ihn aufmerksam,
bis 1940 einem Aufenthaltsverbot stattgegeben wurde,
das für die Provinzen Rheinland und Westfalen galt.
Nach Kriegsende kehrte Pfarrer Beckers nach Düssel -
dorf zurück und wurde 1951 zum ersten Pfarrer der
Gemeinde Heilige Familie.
Eine weitere Person, die sich stark für die Düsseldorfer
Sinti einsetzte, war der Künstler Otto Pankok . Er arbei -
tete ab 1931 in einem kleinen Atelier auf dem Heinefeld.
Die Sinti standen ihm dort häufig Modell. Die National -
sozialisten erteilten Pankok 1936 ein Arbeitsverbot
und seine Kunst wurde in der NS-Ausstellung „Entarte te
Kunst“ ausgestellt. Er entschied sich gemeinsam mit
seiner Ehefrau Hulda Pankok, die Journalistin war,
und der gemeinsamen Tochter Eva für die Flucht aus
Düsseldorf. Sie kehrten erst nach Kriegsende aus dem
„inneren Exil“ zurück. Von 1947 bis 1958 war Otto Pan kok
Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf.
> 01 Sinti auf dem Heinefeld
> um 1930 (Otto-Pankok-
> Museum/Mahn- und Gedenk -
> stätte, GED-32-001-200.025-1)
> 02 Der Maler Otto Pankok mit
> den Sintizzas Ringela (links)
> und Dinili (Otto-Pankok-Mu -
> seum/Mahn- und Gedenk -
> stätte, GED-32-015-300.001-1)
> 01 02
Heinefeldplatz
40468 Unterrath
(ehemaliges Heinefeld) 01 Ein sozialdemokratischer
Multifunktionär: Paul Gerlach
Paul Gerlach wurde am 19. April 1888 in Berlin gebo ren.
Nach seiner Lehre arbeitete er bis 1910 als Schriftsetzer.
Von 1910 bis 1912 war er in Iserlohn als Redakteur der
„Volksstimme“ tätig. Er zog nach Düsseldorf und arbei -
tete bis 1915 als Redakteur der sozialdemokratischen
„Volkszeitung“.
Dann wurde er während des Ersten Weltkriegs als
Soldat eingezogen. Er kehrte 1918 schwer verwundet
zurück. Danach arbeitete er von 1918 bis 1922 für die
„Freie Presse“ in Düsseldorf. Paul Gerlach gründete
1922 mit anderen den Düsseldorfer Zweig der Arbeiter -
wohlfahrt (AWO). Seine Ehefrau Hedwig Gerlach war
als erste Vorsitzende des Ortsausschusses tätig. Im
selben Jahr begann Paul Gerlachs Tätigkeit als Landrat
bei der Rheinischen Provinzialverwaltung in Düssel -
dorf. Mit der Kindergesundheitsfürsorge und Kriegs -
fürsorge beschäftigte er sich intensiv. Er war von 1928
bis 1933 Reichstagsabgeordneter und war in der SPD
der Vorsitzende des Bezirksvorstands Niederrhein.
Zudem wurde er 1932 der Redakteur der Zeitschrift
„Die Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz“. Der uner -
müdliche Einsatz Gerlachs beweist, dass er ein sozial -
demokratischer Multifunktionär war.
1932 fand ein Versuch der Nationalsozialisten statt,
Paul Gerlach anzuzeigen. Damit hatten sie allerdings
keinen Erfolg. 1933 wurden alle Parteien, die neben der
NSDAP existierten, verboten. Außerdem wurden viele
politische Gegner verhaftet. Im selben Jahr wurde Paul
Gerlach beurlaubt und von seiner Tätigkeit als Landrat
entlassen. Von Juni 1933 bis März 1934 war er in den
Konzentrationslagern Papenburg und Lichtenburg
inhaftiert. Als Grund der Verhaftung nutzten die Natio -
nalsozialisten Äußerungen, die sich gegen die NS-
Ideologie gerichtet hatten. Auch in den Folgejahren
wurde er mehrfach kurzzeitig inhaftiert. Zudem wurde
seine private Bibliothek beschlagnahmt. Am 22. August
1944 erfolgte aufgrund der „Aktion Gitter“ seine letzte
Verhaftung. Das missglückte Attentat auf Hitler wurde
als Vorwand genutzt, um eine Verhaftungswelle durch -
zuführen. Sie richtete sich auch ge gen frühere Funktio -
näre der KPD und SPD. Nach seinen Aufenthalten in
den drei Gefängnisse Düsseldorf-Derendorf, Berlin-Ale x -
anderplatz und Magdeburg wurde er in das Konzentra -
tionslager Sachsenhausen gebracht. Dort verstarb er
am 10. Oktober 1944. Vor seinem letzten Wohnsitz in
Düsseldorf an der Unterrather Straße 185 erinnert seit
2016 ein Stolperstein an ihn.
Unterrather Straße 185
40468 Unterrath
(Stolperstein Paul Gerlach) 02
> 01 Paul Gerlach im Reichstags -
> handbuch (1928)
> 02 Tod in Sachsenhausen:
> Paul Gerlach
> (Mahn- und Gedenkstätte)
> 01 02
1944 wurden Karl-Heinz und sein 1921 geborener Bru der
Heinrich Aron laut Akten verhaftet. In beiden Akten
wurde als Grund „Grober Unfug“ vermerkt. Beide wur -
den noch im selben Jahr in die Konzentrationslager
Buchenwald und Neuengamme gebracht. Sie überleb -
ten ihren Aufenthalt in den Lagern. Auch für den dritten
Sohn der Familie, den 1913 geborenen Josef, wurde
eine Akte angelegt. Dort wurde vermerkt, dass er 1939
heiraten wollte. Seine Verlobte Elsa Lorenz war
„deutschblütig“.
Die Heirat zwischen einem „jüdischen Mischling ersten
Grades“ und einer „Deutschblütigen“ war nur durch eine
Sondergenehmigung möglich. In diesem Fall wur de sie
nicht erteilt. Laut Akte fiel er der Gestapo bereits 1934
auf. Er soll kommunistische Lieder gesungen und
staatsfeindliche Äußerungen von sich gegeben haben.
Schließlich wurde er festgenommen in das Konzentra-
tionslager Auschwitz deportiert, wo er 1942 ermordet
wurde. Das Ehepaar Aron zog 1944 nach Neuss. Dort
verstarb Gertrud 1967 und ihr Mann Josef 1977.
Am Rande: die „Mischehe“ der Arons
und das Schicksal ihrer Söhne
Am Kieshecker Weg 234 lebten die Eheleute Josef und
Gertrud Aron, geb. Bayer. Da Josef im Gegensatz zu
seiner Frau als jüdisch kategorisiert wurde, galt ihre
Beziehung ab 1935 als „Mischehe“. Häufig entkamen
jüdische Bürgerinnen und Bürger, die Teil einer „Misch -
ehe“ waren, einer Deportation. Allerdings erlebten sie
trotzdem Demütigungen und Einschränkungen. Ihre
Kinder wurde rassistisch als „Mischlinge“ oder „Halb -
juden“ eingestuft. Dies galt auch für die Kinder der
Eheleute Aron.
Vom 9. auf den 10. November 1938 fanden im Deut schen
Reich antisemitische Ausschreitungen statt. Auch die
Familie Aron blieb von den Überfällen des November -
pogroms nicht verschont: Der Sohn der Familie, der
1919 geborene Karl-Heinz, wurde während des Po groms
verhaftet und bis zum 11. November im Polizeigefäng -
nis festgehalten.
Nach dem Pogrom erhielten viele jüdische Familien die
Kündigung ihrer Wohnung. Auch gegen die Familie
Aron lag laut Gestapo-Akte 1939 eine Räumungsklage
vor. Den Akten ist zudem zu entnehmen, dass die Fami -
lie auch danach diskriminiert wurde. Der Familienvater
war in einer Firma als Elektrotechniker angestellt. Sein
Arbeitgeber erhielt im Februar 1940 eine Aufforderung,
Josef Aron zu entlassen. Er verlor noch im selben
Monat seine Anstellung. Zudem wurde in den Akten
vermerkt, dass die Familie 1935 eine Pflegetochter
namens Helene bei sich aufgenommen hatte. Das Kind
wurde ihnen aus rassistischen Motiven heraus weg -
genommen.
Kieshecker Weg 234
40468 Unterrath
(ehemaliger Wohnort der Familie Aron) 03
> 01
> 02 03
> 01 Karl-Heinz Aron Häftlings -
> unterlagen aus dem KZ Neu -
> engamme (Arolsen Archives,
> Sig. 01013002 os)
> 02 Armbanduhr von Karl-Heinz
> Aron Bestand KZ Neuen -
> gamme (Arolsen Archives,
> Sig. 129300054)
> 03 Aus der Häftlingskartei
> des Karl-Heinz Aron. 1944
> (Arolsen Archives,
> Sig. 01010503 os)
Innerhalb des Konzentrationslagers nahm sie Kontakt
zu Gleichgesinnten auf, die sich gegenseitig unterstütz -
ten. Allerdings erkrankte Tilde Klose wegen der Bedin -
gungen, denen die Inhaftierten ausgesetzt waren, an
Tuberkulose. Sie wurde am 18. Februar 1942 im Rah men
der Sonderaktion „14 f 13“ in die „Heil- und Pflegean -
stalt“ Bernburg gebracht und dort vergast. Diese Akti on
richtete sich gegen KZ-Häftlinge, die nicht arbeitsfähig
waren und daher als „nutzlos“ galten. Im Jahre 1988
entschied der Stadtrat, einen Weg in Unterrath nach
der Widerstandskämpferin zu benennen.
Zuchthaus – KZ – Tötungsanstalt:
Erinnerung an Tilde Klose
Mathilde „Tilde“ Klose wurde am 22. Dezember 1892 in
Solingen geboren. Sie entdeckte früh ihr Interesse an
anderen Ländern und Fremdsprachen. Mit 17 Jahren
zog sie nach Frankreich und reiste danach nach Eng -
land und in die Niederlande. Insgesamt lernte Tilde
Klose Englisch, Französisch, Niederländisch und
Spanisch. Von 1930 bis 1934 arbeitete sie als Auslands-
korrespondentin bei den Mannesmannröhren-Werken
und lebte in Düsseldorf- Pempelfort.
Sie war ein aktives Mitglied der SPD. Das änderte sich,
als sie Anfang der 1930er Jahre in die Sowjetunion
reiste. Was sie dort sah und erlebte, beeindruckte sie
und sie wurde 1931 Mitglied der KPD. Besonders inten -
siv kümmerte sie sich um die finanzielle Unterstützung
von politisch Inhaftierten. Die KPD erlebte in Düssel -
dorf bis 1933 einen starken Zulauf. Auch nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten und der ein -
setzenden Verfolgung waren viele Kommunisten im
Widerstand. Tilde Klose wendete sich nach 1933 nicht
von der Partei ab. Sie verteilte laut späterer Anklage
Propagandamaterial und Flugblätter. Am 4. Oktober
1934 wurde Tilde Klose mit 60 weiteren Regimegegne -
rinnen und -gegnern von der Gestapo verhaftet. Sie
wurde mehreren „verschärften Verhören“ – also Miss -
handlungen – ausgesetzt. Obwohl man ihr keine direk -
ten Taten nachweisen konnte, wurde sie wegen „Vor -
bereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus
verurteilt. Nach ihrer Haftzeit wurde sie 1938 ins Frau en-
Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Als Vor -
wand nutzten die Nationalsozialisten die sogenannte
„Schutzhaft“. Die „Schutzhaft“ war ein Mittel, um Per -
sonen ohne eigentlichen Anklagepunkt festzunehmen
und in Konzentrationslagern zu inhaftieren.
Tilde-Klose-Weg
40468 Unterrath
(Straßenname →Tilde Klose) 04
> 01 02
> 01 Tilde Klose 1913 (Sammlung
> Mahn- und Gedenkstätte)
> 02 Tilde Klose (Sammlung
> Mahn- und Gedenkstätte/
> GED 23-001-200.647)
Die katholische Kirche lehnte Maßnahmen wie die
Sterilisation ab. Dennoch ist belegt, dass die katho -
lischen Einrichtungen bei der Zwangssterilisation von
Patientinnen und Patienten mitwirkten: Dr. Deiters
meldete die vom Gesetz betroffenen Patientinnen der
St. Josefs-Anstalt beim Gesundheitsamt, was zu deren
Zwangssterilisation führte. Außerdem versuchte Dr.
Deiters nicht, die Patientinnen durch günstige Vermer -
ke vor der Zwangssterilisation zu schützen. Die Aktion
„T4“ fand von 1939 bis 1941 statt und bezeichnet die
Ermordung von Menschen mit Behinderungen. Ins -
gesamt wurden ungefähr 80.000 Patientinnen und
Patienten ermordet. Im Sommer 1940 wurden Mel de-
bögen in die Anstalten des Rheinlands verschickt. Sie
dienten zur Vorbereitung der Aktion. Auch aus der St.
Josefs- Heil- und Pflegeanstalt wurden einige Patien -
tinnen „verlegt“. Zusätzlich wurden bis Kriegsende
viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen um -
gebracht. Die Verwaltung des Rheinischen Provinzial -
verbandes schrieb 1943 an die St. Josefs-Anstalt, dass
die Kleinkinder Erika L. und Berta J. in die Abteilung
Waldniel der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johan -
nistal verlegt werden sollen. Dort starben sie nach
wenigen Wochen. Um Bettenplätze zu beschaffen,
fanden weitere Verlegungen von Kranken statt. Aus
der St. Josefs-Anstalt wurden 1943 isgesamt 215 Per -
sonen verlegt. Die meisten von ihnen wurden ermor det.
Im November 1944 wurde die Anstalt durch einen
Bombenangriff stark beschädigt. Deshalb mussten die
Patientinnen sechs Wochen in den Kellerräumen über -
stehen, bevor sie in ihre Räume zurückziehen konnten.
Heute befindet sich hier eine moderne Einrichtung für
Menschen mit Behinderungen in anderer Trägerschaft .
„Erbkrank“ und „lebensunwert“?
Die Patientinnen der St. Josefs-Heil-
und Pflegeanstalt“
Die katholische St. Josefs-Heil- und Pflegeanstalt
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.