Antrag Aktenzeichen BV8/014/2024

Publikation zu Orten der NS-Zeit im Stadtbezirk 8 (Antrag CDU-Fraktion, SPD-Fraktion, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Herr Schadrack-FDP)

Ein Vorschlag an das zuständige Gremium, etwas Bestimmtes zu beschließen.

Termine abgeschlossen Die eingetragenen Termine sind vergangen; ein eindeutiges abschließendes Ergebnis ist nicht veröffentlicht.
Königsberger Straße 87 · Stadtbezirk 8 (Eller, Lierenfeld)örtlicher Bezug 2Dokumente 12. Januar 2024veröffentlicht

Worum es geht

Dies ist der Wortlaut der beantragten Maßnahme beziehungsweise ihrer Begründung. Auch „beschließt“ im Antrag ist noch kein Nachweis eines gefassten Beschlusses.

Im Original formuliert

Die Verwaltung wird gebeten, mit der Mahn - und Gedenkstätte eine Publikation mit einem Rundgang zu Orten im Stadtbezirk 8 aus der NS -Zeit (Lager und Haftstätten, Wohn -, Unterbringungs - und Einsatzorte von Verfolgten, Zwangsarbeiter/ -innen und von Widerstandskämpfer/ -innen, Stolpersteine, heutige Spuren , Bunker, NS -Behörden) nach dem Vorbild der Stadtbezirke 1 und 6 nach Abschluss des aktuellen Projekts im Stadtbezirk 4 zu entwickeln und durch die Mahn - und Gedenkstätte im Auftrag der Bezirksvertretung 8 herausgeben zu lassen.

Weitere Einordnung im Original: Aus „Begründung“

Die Geschich te des Stadtbezirks 8 in der Zeit der NS -Diktatur ist bislang nicht in einer für die Bürgerinnen und Bürger zugänglichen Form einer Broschüre und eines Rundgangs dargestellt. Um die Erinnerung an die Verbrechen wachzuhalten und diese zu verörtlichen, ist e ine Broschüre mit Rundgang, wie sie bereits für die Stadtbezirke 1 und 6 vorliegt (Anlage: Publikation aus dem Stadtbezirk 6) und für den Stadtbezirk 4 in Vorbereitung ist, ein wichtiges Anliegen der Bezirksvertretung.

Ausgewählte Originalpassagen, keine neue KI-Zusammenfassung. Stand der Vorlage: 12. Januar 2024. Vollständiges Original mit weiteren Angaben

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Title: 00508901.pdf URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00508901.pdf Published Time: Fri, 12 Jan 2024 07:03:15 GMT Number of Pages: 2 Markdown Content: BV8/014/2024 CDU -Fraktion SPD -Fraktion Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Herr Schadrack -FDP in der Bezirksvertretung 8 X öffentlich nicht öffentlich Düsseldorf, 11.01.2024 Frau Bezirksbürgermeisterin des Stadtbezirks 8 Dagmar von Dahlen Rathaus Eller Gertrudisplatz 8 40229 Düsseldorf Betrifft: Publikation zu Orten der NS -Zeit im Stadtbezirk 8 (Antrag CDU -Fraktion, SPD - Fraktion, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Herr Schadrack -FDP) Sehr geehrte Frau Bezirksbürgermeisterin, die Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP bitten Sie, in der Sitzung der Bezirksvertretung 8 beschließen zu lassen: Die Verwaltung wird gebeten, mit der Mahn - und Gedenkstätte eine Publikation mit einem Rundgang zu Orten im Stadtbezirk 8 aus der NS -Zeit (Lager und Haftstätten, Wohn -, Unterbringungs - und Einsatzorte von Verfolgten, Zwangsarbeiter/ -innen und von Widerstandskämpfer/ -innen, Stolpersteine, heutige Spuren , Bunker, NS -Behörden) nach dem Vorbild der Stadtbezirke 1 und 6 nach Abschluss des aktuellen Projekts im Stadtbezirk 4 zu entwickeln und durch die Mahn - und Gedenkstätte im Auftrag der Bezirksvertretung 8 herausgeben zu lassen. Begründung: Die Geschich te des Stadtbezirks 8 in der Zeit der NS -Diktatur ist bislang nicht in einer für die Bürgerinnen und Bürger zugänglichen Form einer Broschüre und eines Rundgangs dargestellt. Um die Erinnerung an die Verbrechen wachzuhalten und diese zu verörtlichen, ist e ine Broschüre mit Rundgang, wie sie bereits für die Stadtbezirke 1 und 6 vorliegt (Anlage: Publikation aus dem Stadtbezirk 6) und für den Stadtbezirk 4 in Vorbereitung ist, ein wichtiges Anliegen der Bezirksvertretung. Seite 2 gez. Dagmar von Dahlen, Christi an Rütz und Christoph Wolongiewicz gez. Dr. Markus Dreist und Claudia Albes gez. Susanne Ott und Holger -Michael Arndt gez. Bodo Schadrack Anlagen: Publikation aus dem Stadtbezirk 6
Publikation aus dem Stadtbezirk 6 als Text anzeigen
Title: Layout 1 URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00508909.pdf Published Time: Thu, 11 Jan 2024 13:26:01 GMT Number of Pages: 18 Markdown Content: Spurensuche(n) > Die NS-Zeit > im Stadtbezirk 6 Der Düsseldorfer Stadtbezirk 6 umfasst heute die nordöstlichen Stadtteile Lichtenbroich und Unter - rath, Rath und Mörsenbroich. Auch hier hat die Zeit des National - sozialismus und des Zweiten Welt - krieges Spuren hinterlassen. Dieser Stadtführer bietet eine Route an, um solche Spuren kennenzulernen: Vom Heinefeldplatz im Osten am Flughafen vorbei bis zur ehe- maligen Reitzenstein-Kaserne im Westen führt der Weg vorbei an historischen Orten, an Straßen, die nach wichtigen Personen benannt wurden, oder an den zum Gedenken verlegten „Stolpersteinen“ im Bür - gersteig. Die 11 Stationen erinnern an die Opfer der NS-Verfolgung, die zwischen 1933 und 1945 verhaftet, deportiert oder ermordet wurden, aber auch an den mutigen Wider - stand von Männern und Frauen, die sich weigerten, dem National- sozialismus zu folgen. Empfohlen werden kleine Gruppen mit Fahrrädern. Wenn man die Strecke zu Fuß ablaufen will, emp - fiehlt sich eine Aufteilung der Route in zwei Hälften. Gesellschaftliche Außenseiter auf dem „wilden Heinefeld“ Nachdem die französischen Truppen, die das Rhein - land besetzt hatten, im Sommer 1925 abzogen, ließen sich die ersten Menschen auf dem so genannten „wilden Heinefeld“ nieder. Sie nutzten die ehemaligen Pulverschuppen und leeren Munitionsbaracken als Zuhause. Zu diesen Siedlern zählten nicht nur Erwerbs- und Obdachlose, sondern auch Sinti-Familien. Eine Person, die sich für die arme Bevölkerung des Heine - felds einsetzte, war Pfarrer Matthias Beckers . Er lebte ebenfalls seit 1934 auf dem Heinefeld. Im selben Jahr wurde er zum Rektor der Siedlung in der Pfarrei St. Bruno . Außerdem setzte er den Grundstein für eine Hallen- kirche, deren Bau im Mai 1935 abgeschlossen wurde. 1935 wurden die Bewohnerinnen und Bewohner des Heinefelds aufgefordert, die Siedlung zu verlassen. Die Siedlung wurde brutal geräumt. Die Nationalsozia - listen richteten für die dort vertriebenen Sinti auf dem Höherweg ein bewachtes kommunales „Zigeunerlager“ ein. Dort wurden die Sinti ab 1937 interniert. Die übri gen Bewohner der Siedlung wurden in Kleinsiedlerstellen, Volkswohnungen und Obdachlosenasylen unterge - bracht. Die Rassenideologie der Nationalsozialisten stufte die Sinti als „rassisch minderwertig“ und „erblich asozial“ ein. Bereits ab 1938 wurden die ersten Düssel - dorfer Sinti in das Konzentrationslager Dachau ver - schleppt. 1940 und 1943 gab es weitere Deportationen in Konzentrationslager. Die meisten Düsseldorfer Sinti überlebten den Völkermord nicht. Heinefeldplatz 40468 Unterrath (ehemaliges Heinefeld) > 01 Pfarrer Matthias Beckers um > 1935 (Archiv Brzosa) > 02 Blick auf die „wilde Siedlung“ > Heinefeld (1929/1930) > 03 Sinti im Heinefeld > (Otto-Pankok-Museum/ > Mahn- und Gedenkstätte, > GED-32-001-200.027-3) > 01 > 02 03 # 01 Pfarrer Beckers reagierte nach der Räumung der Sied - lung mit einer Predigt: Er sprach über die Sinti vom Heinefeld und appellierte an die Moral der Gemeinde. Wiederholt wurde die Gestapo auf ihn aufmerksam, bis 1940 einem Aufenthaltsverbot stattgegeben wurde, das für die Provinzen Rheinland und Westfalen galt. Nach Kriegsende kehrte Pfarrer Beckers nach Düssel - dorf zurück und wurde 1951 zum ersten Pfarrer der Gemeinde Heilige Familie. Eine weitere Person, die sich stark für die Düsseldorfer Sinti einsetzte, war der Künstler Otto Pankok . Er arbei - tete ab 1931 in einem kleinen Atelier auf dem Heinefeld. Die Sinti standen ihm dort häufig Modell. Die National - sozialisten erteilten Pankok 1936 ein Arbeitsverbot und seine Kunst wurde in der NS-Ausstellung „Entarte te Kunst“ ausgestellt. Er entschied sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Hulda Pankok, die Journalistin war, und der gemeinsamen Tochter Eva für die Flucht aus Düsseldorf. Sie kehrten erst nach Kriegsende aus dem „inneren Exil“ zurück. Von 1947 bis 1958 war Otto Pan kok Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. > 01 Sinti auf dem Heinefeld > um 1930 (Otto-Pankok- > Museum/Mahn- und Gedenk - > stätte, GED-32-001-200.025-1) > 02 Der Maler Otto Pankok mit > den Sintizzas Ringela (links) > und Dinili (Otto-Pankok-Mu - > seum/Mahn- und Gedenk - > stätte, GED-32-015-300.001-1) > 01 02 Heinefeldplatz 40468 Unterrath (ehemaliges Heinefeld) 01 Ein sozialdemokratischer Multifunktionär: Paul Gerlach Paul Gerlach wurde am 19. April 1888 in Berlin gebo ren. Nach seiner Lehre arbeitete er bis 1910 als Schriftsetzer. Von 1910 bis 1912 war er in Iserlohn als Redakteur der „Volksstimme“ tätig. Er zog nach Düsseldorf und arbei - tete bis 1915 als Redakteur der sozialdemokratischen „Volkszeitung“. Dann wurde er während des Ersten Weltkriegs als Soldat eingezogen. Er kehrte 1918 schwer verwundet zurück. Danach arbeitete er von 1918 bis 1922 für die „Freie Presse“ in Düsseldorf. Paul Gerlach gründete 1922 mit anderen den Düsseldorfer Zweig der Arbeiter - wohlfahrt (AWO). Seine Ehefrau Hedwig Gerlach war als erste Vorsitzende des Ortsausschusses tätig. Im selben Jahr begann Paul Gerlachs Tätigkeit als Landrat bei der Rheinischen Provinzialverwaltung in Düssel - dorf. Mit der Kindergesundheitsfürsorge und Kriegs - fürsorge beschäftigte er sich intensiv. Er war von 1928 bis 1933 Reichstagsabgeordneter und war in der SPD der Vorsitzende des Bezirksvorstands Niederrhein. Zudem wurde er 1932 der Redakteur der Zeitschrift „Die Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz“. Der uner - müdliche Einsatz Gerlachs beweist, dass er ein sozial - demokratischer Multifunktionär war. 1932 fand ein Versuch der Nationalsozialisten statt, Paul Gerlach anzuzeigen. Damit hatten sie allerdings keinen Erfolg. 1933 wurden alle Parteien, die neben der NSDAP existierten, verboten. Außerdem wurden viele politische Gegner verhaftet. Im selben Jahr wurde Paul Gerlach beurlaubt und von seiner Tätigkeit als Landrat entlassen. Von Juni 1933 bis März 1934 war er in den Konzentrationslagern Papenburg und Lichtenburg inhaftiert. Als Grund der Verhaftung nutzten die Natio - nalsozialisten Äußerungen, die sich gegen die NS- Ideologie gerichtet hatten. Auch in den Folgejahren wurde er mehrfach kurzzeitig inhaftiert. Zudem wurde seine private Bibliothek beschlagnahmt. Am 22. August 1944 erfolgte aufgrund der „Aktion Gitter“ seine letzte Verhaftung. Das missglückte Attentat auf Hitler wurde als Vorwand genutzt, um eine Verhaftungswelle durch - zuführen. Sie richtete sich auch ge gen frühere Funktio - näre der KPD und SPD. Nach seinen Aufenthalten in den drei Gefängnisse Düsseldorf-Derendorf, Berlin-Ale x - anderplatz und Magdeburg wurde er in das Konzentra - tionslager Sachsenhausen gebracht. Dort verstarb er am 10. Oktober 1944. Vor seinem letzten Wohnsitz in Düsseldorf an der Unterrather Straße 185 erinnert seit 2016 ein Stolperstein an ihn. Unterrather Straße 185 40468 Unterrath (Stolperstein Paul Gerlach) 02 > 01 Paul Gerlach im Reichstags - > handbuch (1928) > 02 Tod in Sachsenhausen: > Paul Gerlach > (Mahn- und Gedenkstätte) > 01 02 1944 wurden Karl-Heinz und sein 1921 geborener Bru der Heinrich Aron laut Akten verhaftet. In beiden Akten wurde als Grund „Grober Unfug“ vermerkt. Beide wur - den noch im selben Jahr in die Konzentrationslager Buchenwald und Neuengamme gebracht. Sie überleb - ten ihren Aufenthalt in den Lagern. Auch für den dritten Sohn der Familie, den 1913 geborenen Josef, wurde eine Akte angelegt. Dort wurde vermerkt, dass er 1939 heiraten wollte. Seine Verlobte Elsa Lorenz war „deutschblütig“. Die Heirat zwischen einem „jüdischen Mischling ersten Grades“ und einer „Deutschblütigen“ war nur durch eine Sondergenehmigung möglich. In diesem Fall wur de sie nicht erteilt. Laut Akte fiel er der Gestapo bereits 1934 auf. Er soll kommunistische Lieder gesungen und staatsfeindliche Äußerungen von sich gegeben haben. Schließlich wurde er festgenommen in das Konzentra- tionslager Auschwitz deportiert, wo er 1942 ermordet wurde. Das Ehepaar Aron zog 1944 nach Neuss. Dort verstarb Gertrud 1967 und ihr Mann Josef 1977. Am Rande: die „Mischehe“ der Arons und das Schicksal ihrer Söhne Am Kieshecker Weg 234 lebten die Eheleute Josef und Gertrud Aron, geb. Bayer. Da Josef im Gegensatz zu seiner Frau als jüdisch kategorisiert wurde, galt ihre Beziehung ab 1935 als „Mischehe“. Häufig entkamen jüdische Bürgerinnen und Bürger, die Teil einer „Misch - ehe“ waren, einer Deportation. Allerdings erlebten sie trotzdem Demütigungen und Einschränkungen. Ihre Kinder wurde rassistisch als „Mischlinge“ oder „Halb - juden“ eingestuft. Dies galt auch für die Kinder der Eheleute Aron. Vom 9. auf den 10. November 1938 fanden im Deut schen Reich antisemitische Ausschreitungen statt. Auch die Familie Aron blieb von den Überfällen des November - pogroms nicht verschont: Der Sohn der Familie, der 1919 geborene Karl-Heinz, wurde während des Po groms verhaftet und bis zum 11. November im Polizeigefäng - nis festgehalten. Nach dem Pogrom erhielten viele jüdische Familien die Kündigung ihrer Wohnung. Auch gegen die Familie Aron lag laut Gestapo-Akte 1939 eine Räumungsklage vor. Den Akten ist zudem zu entnehmen, dass die Fami - lie auch danach diskriminiert wurde. Der Familienvater war in einer Firma als Elektrotechniker angestellt. Sein Arbeitgeber erhielt im Februar 1940 eine Aufforderung, Josef Aron zu entlassen. Er verlor noch im selben Monat seine Anstellung. Zudem wurde in den Akten vermerkt, dass die Familie 1935 eine Pflegetochter namens Helene bei sich aufgenommen hatte. Das Kind wurde ihnen aus rassistischen Motiven heraus weg - genommen. Kieshecker Weg 234 40468 Unterrath (ehemaliger Wohnort der Familie Aron) 03 > 01 > 02 03 > 01 Karl-Heinz Aron Häftlings - > unterlagen aus dem KZ Neu - > engamme (Arolsen Archives, > Sig. 01013002 os) > 02 Armbanduhr von Karl-Heinz > Aron Bestand KZ Neuen - > gamme (Arolsen Archives, > Sig. 129300054) > 03 Aus der Häftlingskartei > des Karl-Heinz Aron. 1944 > (Arolsen Archives, > Sig. 01010503 os) Innerhalb des Konzentrationslagers nahm sie Kontakt zu Gleichgesinnten auf, die sich gegenseitig unterstütz - ten. Allerdings erkrankte Tilde Klose wegen der Bedin - gungen, denen die Inhaftierten ausgesetzt waren, an Tuberkulose. Sie wurde am 18. Februar 1942 im Rah men der Sonderaktion „14 f 13“ in die „Heil- und Pflegean - stalt“ Bernburg gebracht und dort vergast. Diese Akti on richtete sich gegen KZ-Häftlinge, die nicht arbeitsfähig waren und daher als „nutzlos“ galten. Im Jahre 1988 entschied der Stadtrat, einen Weg in Unterrath nach der Widerstandskämpferin zu benennen. Zuchthaus – KZ – Tötungsanstalt: Erinnerung an Tilde Klose Mathilde „Tilde“ Klose wurde am 22. Dezember 1892 in Solingen geboren. Sie entdeckte früh ihr Interesse an anderen Ländern und Fremdsprachen. Mit 17 Jahren zog sie nach Frankreich und reiste danach nach Eng - land und in die Niederlande. Insgesamt lernte Tilde Klose Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch. Von 1930 bis 1934 arbeitete sie als Auslands- korrespondentin bei den Mannesmannröhren-Werken und lebte in Düsseldorf- Pempelfort. Sie war ein aktives Mitglied der SPD. Das änderte sich, als sie Anfang der 1930er Jahre in die Sowjetunion reiste. Was sie dort sah und erlebte, beeindruckte sie und sie wurde 1931 Mitglied der KPD. Besonders inten - siv kümmerte sie sich um die finanzielle Unterstützung von politisch Inhaftierten. Die KPD erlebte in Düssel - dorf bis 1933 einen starken Zulauf. Auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der ein - setzenden Verfolgung waren viele Kommunisten im Widerstand. Tilde Klose wendete sich nach 1933 nicht von der Partei ab. Sie verteilte laut späterer Anklage Propagandamaterial und Flugblätter. Am 4. Oktober 1934 wurde Tilde Klose mit 60 weiteren Regimegegne - rinnen und -gegnern von der Gestapo verhaftet. Sie wurde mehreren „verschärften Verhören“ – also Miss - handlungen – ausgesetzt. Obwohl man ihr keine direk - ten Taten nachweisen konnte, wurde sie wegen „Vor - bereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach ihrer Haftzeit wurde sie 1938 ins Frau en- Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Als Vor - wand nutzten die Nationalsozialisten die sogenannte „Schutzhaft“. Die „Schutzhaft“ war ein Mittel, um Per - sonen ohne eigentlichen Anklagepunkt festzunehmen und in Konzentrationslagern zu inhaftieren. Tilde-Klose-Weg 40468 Unterrath (Straßenname →Tilde Klose) 04 > 01 02 > 01 Tilde Klose 1913 (Sammlung > Mahn- und Gedenkstätte) > 02 Tilde Klose (Sammlung > Mahn- und Gedenkstätte/ > GED 23-001-200.647) Die katholische Kirche lehnte Maßnahmen wie die Sterilisation ab. Dennoch ist belegt, dass die katho - lischen Einrichtungen bei der Zwangssterilisation von Patientinnen und Patienten mitwirkten: Dr. Deiters meldete die vom Gesetz betroffenen Patientinnen der St. Josefs-Anstalt beim Gesundheitsamt, was zu deren Zwangssterilisation führte. Außerdem versuchte Dr. Deiters nicht, die Patientinnen durch günstige Vermer - ke vor der Zwangssterilisation zu schützen. Die Aktion „T4“ fand von 1939 bis 1941 statt und bezeichnet die Ermordung von Menschen mit Behinderungen. Ins - gesamt wurden ungefähr 80.000 Patientinnen und Patienten ermordet. Im Sommer 1940 wurden Mel de- bögen in die Anstalten des Rheinlands verschickt. Sie dienten zur Vorbereitung der Aktion. Auch aus der St. Josefs- Heil- und Pflegeanstalt wurden einige Patien - tinnen „verlegt“. Zusätzlich wurden bis Kriegsende viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen um - gebracht. Die Verwaltung des Rheinischen Provinzial - verbandes schrieb 1943 an die St. Josefs-Anstalt, dass die Kleinkinder Erika L. und Berta J. in die Abteilung Waldniel der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johan - nistal verlegt werden sollen. Dort starben sie nach wenigen Wochen. Um Bettenplätze zu beschaffen, fanden weitere Verlegungen von Kranken statt. Aus der St. Josefs-Anstalt wurden 1943 isgesamt 215 Per - sonen verlegt. Die meisten von ihnen wurden ermor det. Im November 1944 wurde die Anstalt durch einen Bombenangriff stark beschädigt. Deshalb mussten die Patientinnen sechs Wochen in den Kellerräumen über - stehen, bevor sie in ihre Räume zurückziehen konnten. Heute befindet sich hier eine moderne Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in anderer Trägerschaft . „Erbkrank“ und „lebensunwert“? Die Patientinnen der St. Josefs-Heil- und Pflegeanstalt“ Die katholische St. Josefs-Heil- und Pflegeanstalt

Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.

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Quelle: Ratsinformationssystem Düsseldorf · Aktenzeichen BV8/014/2024