Haushaltsantrag als Text anzeigen
RAT/443/2024
X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, 05.12.2024
Ratsfraktion - SPD
An
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller
Vorsitzender des Rates
der Landeshauptstadt Düsseldorf
Antrag der SPD-Ratsfraktion
Zur Sitzung des Rates der Landeshauptstadt Düsseldorf am 12.12.2024
Betrifft:
Haushaltsantrag der SPD-Ratsfraktion: Teilhabe in den Stadtteilen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die SPD-Ratsfraktion bittet Sie, diesen Haushaltsantrag auf die Tagesordnung der
Sitzung des Rates der Landeshauptstadt Düsseldorf am 12. Dezember 2024 zu
nehmen und zur Abstimmung zu bringen.
Antrag:
Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf beschließt,
mehr Teilhabe für Kinder und Jugendliche durch:
• freies Mittagessen für alle Kinder und Jugendlichen, deren
Mittagessen nicht über das Bildungs - und Teilhabepaket der
Bundesregierung oder aus dem Landesfonds „Alle Kinder essen
mit" finanziert wird. Diesen soll die Möglichkeit geboten werden,
die Kosten des Mittagsessens in der Tagespflege, Kita, OGS und
OGATA bis zu einer Höhe von 75,00 EUR pro Monat auf Antrag bei
der Stadtverwaltung erstattet zu bekommen.
Hierfür sind Mittel bis zu einer Höhe von 12 Mio . EUR im Haushalt
bereitzustellen.
• die Erweiterung der Befreiung von den Elternbeiträgen für die
Kindertagesbetreuung für U3 Kinder auf Familien mit einem
Jahreseinkommen bis zu 80.000 € brutto. Die Änderung tritt zum
Beginn des Kitajahrs 2025/2026 in Kra ft.
Seite 2
Des Weiteren entwirft die Verwaltung eine neue Beitragssatzung
für die U3-Betreuung mit den Stufen, welche Beiträge von Familien
mit einem Brutto-Jahreseinkommen ab 80.000 €, ab 125.000 € und
ab 250.000 € ab dem Kitajahr 2025/26 monatlich zu zahlen sin d
und legt sie dem JHA und dem Rat im 1. Quartal 2025 zur Beratung
und Beschlussfassung vor.
• ein Konzept für die regelmäßige Beteiligung von Kindern im
Grundschulalter durch die Einrichtung von Kinderparlamenten oder
Kinderkonferenzen in den Düsseldorfer Stadtbezirken. Dieses soll
von der Verwaltung erarbeitet werden und dem JHA und dem Rat
der Landeshauptstadt Düsseldorf spätestens im 3. Quartal 2025
vorgelegt werden. Der Jugendrat soll in die Konzepterstellung
eingebunden werden. Hierfür werden im Produ kt 3636201, Zeile
13, Konto 52910000 Mittel i.H.v. 20.000 EUR einmalig für 2025 zur
Verfügung gestellt.
• die flächendeckende und dauerhafte Einführung der bisher über
den Armutsfonds geförderten Präventionsmanager*innen als
Ansprechperson für die Familien bzw. eine Vermittlung im Rahmen
der Frühen Hilfen in allen Stadtteilen mit erhöhtem oder hohem
sozialen Handlungsbedarf und die Finanzierung dieser über den
Regelhaushalt.
• ein kostenloses niedrigschwelliges nächtliches Sportangebot in
jedem Stadtteil. Die Verwaltung wird beauftragt dieses in
Kooperation mit Stadtsportbund, Jugendamt und weiteren
Partner*innen (Sportvereinen, Jugendfreizeiteinrichtungen)
durchzuführen. Ziel ist es, insbesondere Jugendliche und jungen
Erwachsene im Alter von 16 bis 27 Jahren für den Sport zu
begeistern, die von den Sportvereinen nicht erreicht werden. Es
soll auch spezielle Sportangebote für Mädchen und junge Frauen
geben.
Der Haushaltsansatz 2025 im Produkt 4242101, Zeile 13, Konto
5291000 wird dafür um 50.000 EUR erhöht.
• kostenlose Kultur. Um dies zu ermöglichen sollen die Art:card
student und die Art:card junior für alle Kinder und Jugendlichen bis
25 Jahre kostenlos sein.
• die dauerhafte Einführung der im Rahmen des „Stärkungspakt
NRW" mit der Bürgerstiftung Düsseldorf gewährte
Einschulungshilfe. Hierfür wird eine neue Haushaltsstelle
eingerichtet und die nötigen Haushaltsmittel in den Haushalt
eingestellt.
• eine stärkere Leseförderung in den Grundschulen. Es werden
100.000 EUR im Produkt 2121101, Konto 52910000 für die
Stärkung der Leseförderung an Grundschulen zur Verfügung
gestellt.
• einen Ferienpass für in Düsseldorf wohnhafte Schüler*innen bis
zum 18. Lebensjahr mit eigener Unkostenbet eiligung bis zu 20
EUR. Dieser soll ihnen die kostenlose Nutzung des ÖPNV und den
kostenlosen Besuch von Düsseldorfer Schwimmbädern und
Kultureinrichtungen in den Sommerferien ermöglichen. Die
Verwaltung wird gebeten, den Ferienpass zu bewerben.
Seite 3
• die Abschaffung der Mindestentfernung zur besuchten Schule für
den Erhalt des städtischen Schüler*innentickets.
• die schnellstmögliche Planung zur grundlegenden Sanierung bzw.
zum Neubau/Ersatzneubau von mindestens einer
Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) von der im Ki nder- und
Jugendförderplan 2021 - 2025 aufgeführten Liste.
Hierfür werden Planungsmittel i.H.v. 73.000 EUR im Haushalt 2025
zur Verfügung gestellt.
• mindestens einen öffentlichen Aufenthaltsort im Freien ohne
Konsumzwang für Jugendliche in jedem Stadtteil. Dieser soll
witterungsgeschützt und von hoher Aufenthaltsqualität sein. Die
Jugendlichen vor Ort sollen maßgeblich in die Planung einbezogen
werden.
mehr Teilhabe für alle Bürger*innen der unterschiedlichen Stadtbezirke
durch:
• die Einführung eines Besch werde- und Konfliktmanagements in
allen Stadtbezirken, prioritär in Bereichen mit hohen Bedarfslagen
im öffentlichen Raum. Die Manager*innen sollen als
Ansprechpersonen für die Bürger*innen vor Ort fungieren und bei
der Lösung von problematischen Situation en die notwendigen
Schritte einleiten.
• die Erhöhung der Verfügungsmittel für die Bezirksvertretungen auf
0,75 EUR je Einwohner*in.
barrierefreie Zugänge in allen Stadtteilen durch:
• enge Einbindung des Behindertenrats, um eine Prioritätenliste der
notwendigsten Maßnahmen zu erstellen und Barrieren der
unterschiedlichsten Bereiche zeitnah abzubauen. Für
Sofortmaßnahmen wie Rampen o.ä. werden eigene Mittel für den
Behindertenrat in Höhe von 200.000 EUR in den Haushalt
eingestellt.
• Abbau digitaler Barrieren. Grundsätzlich müssen alle digitalisierten
Zugänge (Formulare, Anträge, Anfragen, Auskünfte, Bescheide)
auch für die Bürger*innen ohne digitale Endgeräte problemlos
uneingeschränkt zugänglich sein.
Dies ist durch Ansprechpersonen und entsprechende Endgeräte in
allen Dienststellen der Verwaltung, in Bürger*innenhäusern und
sozialen Einrichtungen, wie Schulsekretariaten, Zentren plus und
Kitas zu gewährleisten.
Übersetzungsfunktionen für fremdsprachige Menschen sind dabei
ebenfalls zu berücksichtigen.
• den Abbau von Barrieren an Sportanlagen und den dazugehörigen
Vereinshäusern bzw. Gesellschaftsräumen. Insbesondere sollen
hier Vereine bzw. Sportanlagen priorisiert werden, die aktuell
bereits inklusive Sportarten anbieten. Ob Aufzüg e oder andere
Maßnahmen erforderlich sind, soll mittels einer Bestandsaufnahme
geprüft werden. Dafür und für die Umsetzung erster kleinerer
Maßnahmen werden für das Haushaltsjahr 2025 250.000 EUR zur
Verfügung gestellt.
Seite 4
Der Haushaltsansatz im Produkt 42424 03, Zeile 13, Konto
52413000 Unterhaltung Grundstücke und bauliche Anlagen wird
somit um 250.000 EUR erhöht.
mehr Gesundheitsvorsorge für alle Düsseldorfer*innen durch:
• die Einführung eines jährlichen Düsseldorfer Gesundheitstages. Für
die Planung und D urchführung des Düsseldorfer Gesundheitstages
soll im Haushalt 2025 ein Betrag in Höhe von 5.000 Euro
bereitgestellt werden.
Die Mittel werden mit einem Sperrvermerk versehen, der erst nach
Vorlage eines detaillierten Planungskonzepts durch die zuständig e
Fachverwaltung aufgehoben wird.
• die Ausweitung der psychosozialen Krisenversorgung außerhalb
der üblichen Geschäftszeiten. So soll zukünftig die telefonische
Erreichbarkeit an 5 Werktagen auch von 18:00 bis 24:00 Uhr und
an Wochenenden und Feiertagen vo n 18:00 bis 24:00 sichergestellt
werden.
Die hierfür benötigten zusätzlichen Personal - und Sachkosten in
Höhe von 365.000 EURO werden im Etat des Gesundheitsamtes für
die Haushaltsjahre 2025 ff. zusätzlich bereitgestellt.
mehr Teilhabe für alle durch:
• die Erweiterung des Kreises der Düsselpassberechtigten. Es sollen
künftig mehr Menschen, die mit ihrem Einkommen geringfügig
über der Sozialhilfe liegen, den Pass und die damit verbundenen
Vergünstigungen in Anspruch nehmen können. Deshalb wird die
existierende Grenzfallregelung bei der Anspruchsfeststellung von
heute 10% auf zukünftig 20% erweitert. Die dafür notwendigen
Mittel werden im Haushalt 2025 ff. eingestellt.
• Erhöhung des Etats für Bürgerschaftliches Engagement um
100.000 EUR.
mehr Klimafreundlichkeit und Energieeinsparungen für alle durch:
• die Erweiterung des kommunalen Förderprogramms um die
Unterstützung für den Austausch von alten Geräten mit hohem
Energiebedarf durch Ressourcen schonende, umweltverträglichere
Spülmaschinen, Waschmaschinen, Wäschetrockner, elektronisch
geregelte Durchlauferhitzer und Fernseher (bis max. 32 Zoll).Die
bisherigen Förderrichtlinien gelten entsprechend.
Anspruchsberechtigt sind die Inhaber*innen des Düsselpasses.
Dafür werden im Produkt 5656102, Zeile 13, Konto 52 410000
Mittel i.H.v. 300.000 EUR zur Verfügung gestellt.
• ein kommunales Förderprogramm zum Austausch von vorhandenen
Geräten mit hohem Energiebedarf durch Ressourcen schonende,
umweltverträglichere Spülmaschinen, Kühlschränke und
elektronisch geregelte Durchlauferhitzer für eingetragene Vereine
in Düsseldorf. Dafür werden im Produkt 5656102, Zeile 13, Konto
52410000 Mittel i.H.v. 100.000 EUR zur Verfügung gestellt.
Begründung:
Seite 5
Wir befinden uns in einem Zeitalter nicht enden wollender Krisenlagen.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird überall gefordert, aber auch von
verschiedenen Seiten angegriffen. Die gesellschaftliche Spaltung wird
heraufbeschworen und durch Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen, seien sie
real oder gefühlt, tatsächlich vorangetrieben. Diesen Entwicklungen müssen wir
entgegentreten.
Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist in der privilegierten Situation, entscheiden zu
können, wofür Geld ausgegeben werden soll, anstatt priorisieren zu müssen, wo
gespart werden muss. Wir wollen, dass dieses Geld bei denjenigen ankommt, die es
benötigen und für Projekte genutzt wird, welche die Teilhabe aller
Düsseldorfer*innen ermöglichen und den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft
dadurch weiter stärken.
Hierbei setzen wir zuerst bei den kleinsten Bürger*innen an, denn eine gute
Versorgung in jungen Jahren stärkt das Vertrauen in die staatlichen Institutionen und
die Demokratie. Durch das kostenlose Mittagessen in allen Betreuungseinrichtungen
und Schulen sorgen wir nicht nur dafür, dass jedes Kind mindestens eine gesunde
Mahlzeit am Tag bekommt, sondern stärken auch das Gemeinschaftsgefühl in den
Einrichtungen. Die Kinder lernen, was gesunde Ernährung bedeutet und niemand ist
von diesem Erlebnis ausgeschlossen.
Wir möchten darüber hinaus den Jugendl ichen, welche mit dem Gefühl leben, dass
Politik über ihre Köpfe hinweg gemacht wird, zeigen, dass sie ein wichtiger Teil der
Stadtgesellschaft sind. Darum wollen wir ihnen mehr Angebote machen, sich im
öffentlichen Raum aufzuhalten und sich sportlich zu b etätigen. Wir wollen die
Nachtsportangebote ausweiten, welche außerhalb von Sportvereinen eine kostenfreie
und niedrigschwellige Möglichkeit der Freizeitgestaltung bieten. Außerdem sollen in
allen Stadtteilen Orte geschaffen werden, an denen sich Jugendlic he ohne
Konsumzwang aufhalten können.
Wir möchten außerdem die Düsseldorfer*innen in allen Stadtteilen dabei
unterstützen unsere Stadt noch lebenswerter zu machen. Dafür wollen wir ein
Konflikt- und Beschwerdemanagement in allen Stadtbezirken einführen. Die
Bürger*innen sollen sich bei Problemen im öffentlichen Raum direkt an die
Ansprechpartner*innen vor Ort wenden können. So sollen Probleme im öffentlichen
Raum schneller gelöst und Konflikte vermieden werden. Außerdem sollen die
Bezirksvertretungen mit mehr Mitteln ausgestattet werden, damit vor Ort mehr für
die Bürger*innen getan werden kann.
Um die Teilhabe aller Menschen am Stadtleben zu ermöglichen, wollen wir den
barrierefreien Umbau der Stadt weiter vorantreiben. Hierfür soll der Behindertenrat
noch stärker einbezogen werden und außerdem ein eigenes Budget bekommen, um
Sofortmaßnahmen wie Rampen eigenständig umsetzen zu können.
Die Gesundheitsförderung ist eine zentrale Aufgabe der kommunalen
Daseinsvorsorge. Die Möglichkeit ein gesundes Leben zu führen und der Zugang zu
notwendigen Informationen und Hilfen sollten allen Düsseldorfer*innen zur
Verfügung stehen. Der Düsseldorfer Gesundheitstag 2025 soll durch seine
bürger*innenzentrierte Ausrichtung die Möglichkeit bieten, sich aktiv mit Themen wie
Ernährung, Bewegung, Prävention und mentaler Gesundheit auseinanderzusetzen.
Psychische Gesundheit ist in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Deshalb ist
die telefonische Krisenversorgung im Falle eines psychischen Ausnahmezustandes
essentiell. Gerade an Wochenende und Feiertagen treten diese Situationen gehäuft
auf, deshalb wollen wir die telefonische Krisenversorgung in Düsseldorf ausweiten,
damit allen Menschen geholfen werden kann.
Um auch Menschen, die mit ihrem Einkommen knapp über dem Exis tenzminimum
liegen, mehr Teilhabe am städtischen und kulturellen Leben zu ermöglichen, wollen
Seite 6
wir die existierende Grenzfallregelung bei der Anspruchsfeststellung für den
Düsselpass von 10% auf 20% erweitern. Dadurch wollen wir Düsseldorfer*innen, die
sich von staatlichen Hilfestrukturen vergessen fühlen, erreichen und den
gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Diese Stärkung möchten wir auch durch weitere Förderung des vielfältigen
bürgerschaftlichen Engagements in unserer Stadt erreichen. Egal ob es um
Initiativen oder Vereine geht, um Engagement im nachbarschaftlichen Umfeld, um
Umweltschutz oder soziale Themen, Ehrenamt und freiwilliges Engagement sind
gelebte Demokratie. Engagierte Bürger*innen leisten einen unverzichtbaren Beitrag
für die Gesellschaft und unser Zusammenleben. Mit den zusätzlichen Mitteln soll eine
Erweiterung des Unterstützungsangebots für die ehrenamtlich tätigen
Düsseldorfer*innen ermöglicht werden. Die Ehrenamtler*innen sind eine wichtige
Säule unserer Stadtgesellschaft und sollen beispielsweise durch kostenlose
Fortbildungen stärker in ihrem Engagement unterstützt werden.
Wir wollen Klimafreundlichkeit und Teilhabe miteinander verbinden. Viele Menschen
stehen Klimaschutzmaßnahmen kritisch gegenüber, weil sie das Gefühl haben, das s
diese teuer sind und ihnen persönlich nichts bringen. Deshalb sollen Menschen
unterstützt werden, die sich die Anschaffung energiesparender Geräte nicht leisten
können. So entsteht ein doppelter Effekt, es wird ein positives Gefühl mit
Klimaschutz verbunden und die Haushalte sparen durch die neuen Geräte
Energiekosten. Von diesem Programm sollen aber nicht nur Privatpersonen, sondern
auch eingetragene Vereine profitieren.
Düsseldorf soll auch weiterhin eine lebenswerte Stadt für alle Bürger*innen sein.
Auszug – das vollständige Dokument ist über den Original-Link verfügbar.