Originale durchsuchen
Dokumenttexte
Vorlage als Text anzeigen
1
Die Schulstatistik erfasst nur Schüler/innen mit ausländischem Pass. Somit findet die Gruppe der
Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (laut Definition des deutschen PISA-Konsortiums: Kinder
mit mindestens einem Elternteil anderer Herkunftssprache als Deutsch) insgesamt statistisch keine Berück-
sichtigung. Da auf Grund der Änderungen im Staatsbürgerschaftsrecht die Zahl der Eingebürgerten stetig
zunimmt, lassen sich keine Aussagen hinsichtlich der schulischen Situation der gesamten Gruppe machen.
Seite 1 von 6
Hauptschule (27,32%)Gymnasium (29,60%)
Realschule (24,19%)Gesamtschule (18,88%)
Schüler/innen mit ausländischem Pass
Hauptschule (15,35%)
Gymnasium (48,57%)
Realschule (23,72%)
Gesamtschule (12,36%)
Deutsche Schüler/innen
Informationsvorlage
Betrifft:
Sprachförderung im vorschulischen und schulischen Bereich
Beschlussdarstellung:
Der Ausschuss für regionale und europäische Zusammenarbeit sowie Integration nimmt den
Bericht über Sprachförderung im vorschulischen und schulischen Bereich zur Kenntnis.
Sachdarstellung:
1. Ausgangslage
Im Schuljahr 2004/2005 besuchen insgesamt 52.016 Schüler/innen die öffentlichen allgemein-
bildenden Schulen in Düsseldorf. Davon besaßen 11.936 einen ausländischen Pass
1
. Obwohl
diese Schüler/innen in den vergangenen Jahren Verbesserungen hinsichtlich ihres Schulerfolges
verzeichnen konnten, schneiden sie vergleichsweise immer noch schlechter ab als Schüler/innen
deutscher Muttersprache. Dies zeigt sich sowohl in der Verteilung der Schüler/innen mit auslän-
dischem Pass auf die einzelnen allgemeinbildenden Schulformen der Sekundarstufe I und II als
auch im Hinblick auf ihre formalen Abschlussqualifikationen:
Verteilung auf die allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen I und II 2004/2005
RSD AllVorlg.WPT
2
Die im Folgenden beschriebenen Problemaspekte und Maßnahmen beziehen sich auf die
gesamte Gruppe im Sinne der in Fußnote 1 genannten Definition von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund
.
Seite 2 von 6
HSA Jg 10 (12,48%)
HSA Jg 9 (4,67%)
AHR (34,37%)
o.Abschl. (5,93%)
FOR (37,64%)
FHR (4,91%)
Deutsche Abgänger/innen
HSA Jg 10 (19,78%)
HSA Jg 9 (5,34%)
AHR (19,07%)
o.Abschl. (12,01%)
FOR (38,07%)
FHR (5,73%)
Abgänger/innen mit ausländischem Pass
Verteilung nach Schulabschlüssen im Jahr 2004
(Quelle: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW)
Vor dem Hintergrund der Verknappung auf dem Ausbildungsmarkt mindert die schulische
Benachteiligung der Schüler/innen mit ausländischem Pass auch ihre beruflichen Chancen.
2. Praxis
Durch die gesamte Schullaufbahn vieler Kinder und Jugendlicher mit Migrationshintergrund
2
zieht
sich die Feststellung, dass ihre Sprachkenntnisse in Deutsch unzureichend sind. Mangelnde
Kompetenzen in der deutschen Sprache sind eine zentrale Barriere für den schulischen Erfolg in
allen Fächern. Somit muss der Schwerpunkt für die Verbesserung der Bildungschan-cen von
jungen Menschen mit Migrationshintergrund in speziellen Angeboten der Sprachförderung liegen.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass beim Erwerb der Zweitsprache der Erstsprache
eine große Bedeutung zukommt. Verfügt ein Kind in seiner Muttersprache über ausgebildete
Sprachstrukturen, so kann es auch eine Zweitsprache erfolgreich erlernen. Entscheidend ist, dass
Seite 3 von 6
die Förderung frühzeitig einsetzt und einen koordinierten Spracherwerb vorsieht.
Die frühzeitige Vermittlung von Mehrsprachigkeit ist nicht nur eine optimale Voraussetzung für
den erfolgreichen Erwerb der Zweitsprache, sondern stellt darüber hinaus eine ökonomische,
soziale und kulturelle Ressource dar, die es sowohl individuell als auch gesellschaftlich zu nutzen
gilt.
Deshalb zielt die Arbeit der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen
aus Zuwandererfamilien (40/RAA) darauf ab, im Rahmen der organisatorischen, finanziellen und
personellen Möglichkeiten Sprachförderangebote im Sinne eines koordinierten Deutsch-/Mutter-
sprachenerwerbs zu gestalten. Wenn es der Wunsch der Eltern ist, sollen nach Möglichkeit alle
Kinder, d.h. auch Kinder deutscher Muttersprache an solchen Modellen partizipieren.
Modelle einer solchen koordinierten zweisprachigen Erziehung erfordern
'ein teamorientiertes Arbeiten, d.h die Koordinations- und Kooperationsbereitschaft zwischen
den beteiligten Fachkräften
'ein intensive Einbeziehung der Eltern
'ein interkulturelles Lernen in fachlichen und überfachlichen Zusammenhängen.
Entsprechende Maßnahmen lassen sich in Einrichtungen durchführen, in denen eine ausreichen-
de Zahl von Kindern mit einer gemeinsamen Muttersprache gefördert werden. Sofern diese
Einrichtungen Fachkräfte mit Migrationshintergrund beschäftigen, können die Angebote mit den
vorhandenen personellen Ressourcen umgesetzt werden; anderenfalls müssen zusätzlich
muttersprachliche Fachkräfte eingesetzt werden.
3. Maßnahmen
In der auf Seite 4 folgenden Übersicht sind die Sprachfördermaßnahmen aufgelistet, die von der
RAA entweder in Eigenregie durchgeführt oder als Kooperationspartner begleitet werden.
Zielgruppen sind sowohl Kinder und Jugendliche, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse
einreisen, als auch solche, die hier geboren und aufgewachsen sind.
Im Rahmen der dargestellten Sprachfördermaßnahmen erbringt die RAA jeweils unterschiedliche
Leistungen:
'eigene pädagogische Angebote
'Material- und Konzeptentwicklung
'Angebote zur Fortbildung und Qualifizierungserweiterung von Fachkräften
'pädagogische Beratung von Seiteneinsteigern
'Beteiligung an der Einrichtung von Förderklassen und -gruppen.
Alle Angebote erfolgen in enger Abstimmung mit den jeweiligen Partnern, v.a. mit dem Jugend-
amt und der Schulaufsicht; im Übergangsbereich Schule/Beruf sind auch die Kammern in die
Planung einbezogen.
Seite 4 von 6
Bereich Angebot Zielgruppe
Deutsch-Sprachkurse an Grundschulen
im Halbjahr vor der Einschulung
Kinder mit erheblichen Sprachdefi-
ziten, insbesondere aus Familien
mit Migrationshintergrund
Elementar-
bereich
RUCKSACK - ganzheitliche, koordinierte
Förderung Deutsch / Mutterspra-che in
Müttergruppen
Mütter von Kindern im Alter von 4 -
7 Jahren
GRIFFBEREIT - ganzheitliche, mutter-
sprachliche Förderung in Mutter-Kind-
Gruppen
Mütter und deren Kinder im Alter
von 1 bis max. 4 Jahren
Primar-
bereich
Deutsch-Förderklassen/-gruppen an
Grundschulen
Grundschüler/innen, die ohne aus-
reichende Deutschkenntnisse ein-
reisen
Deutsch-Förderklasse zur gezielten Vor-
bereitung auf den Übergang in die Se-
kundarstufe an der GGS Sonnenstraße
Viertklässler, die ohne ausreichen-
de Deutschkenntnisse einreisen
Bilingualer Zweig Deutsch / Italienisch
an der KGS Blumenthalstraße
Grundschüler/innen aller Mutter-
sprachen
KOALA - Koordinierte Alphabetisierung
Deutsch / Muttersprache im Anfangs-
unterricht der Grundschule
Migrantenkinder mit einer gemein-
samen Muttersprache
Sekundar-
bereich
Deutsch-Förderklassen/-gruppen an
Haupt-, Real-, Gesamt-, Berufsschulen
Schüler/innen, die ohne ausrei-
chende Deutschkenntnisse ein-
reisen
Zentrale Deutsch-Intensivkurse am
Lessing-Gymnasium
Schüler/innen mit gymnasialer Eig-
nung, die ohne ausreichende
Deutschkenntnisse einreisen
Deutsch-Förderklassen für besondere
Zielgruppen an Haupt- und Gesamt-
schulen
Schüler/innen im Übergang Schule
/ Beruf, Analphabeten, russisch-
sprachige Schüler, die ohne aus-
reichende Deutschkenntnisse ein-
reisen
Seite 5 von 6
100
200
300
400
500
600
gemeldeter Bedarf geförderte Kinder
Sprachkurse im Halbjahr
vor der Einschulung
Übergang
Schu-
le/Beruf
Entwicklung modellhafter Förderkonzep-
te, Fortbildung von Lehrkräften und
Netzwerkbildung im Rahmen des BLK-
Projektes "Förderung von Kindern und
Jugendlichen mit Migrationshintergrund
(FörMig) NRW"
Jugendliche mit Migrationshinter-
grund im Übergangsbereich Schu-
le/Beruf
Aus der Übersicht wird deutlich, dass sich die Sprachförderung von Seiteneinsteigern auf alle
Schulformen erstreckt. Die übrigen Angebote konzentrierten sich bislang auf den Elementar-
bereich und auf die Primarstufe. Seit September 2004 wird mit der Beteiligung am Programm der
Bund-Länder-Kommission (BLK) auch die Sprachförderung im Übergang Schule/Beruf in den
Blick genommen.
4. Entwicklungslinien und Perspektiven
Zur detaillierteren Beschreibung der einzelnen Maßnahmen sei auf den Jahresbericht 2004 der
RAA verwiesen, der unter der Vorlagennummer 03/09/2005 vorliegt. Im Folgenden werden,
ergänzend zu diesem Bericht, beispielhaft einige spezifische Entwicklungslinien aufgezeigt.
Sprachkurse im Halbjahr vor der Einschulung
Die Sprachkurse nach Ziffer 2.2.2 der „Richtlinien über die Gewährung von Zuwendungen für
Angebote zur Sprachförderung im Elementarbereich" des Landes NRW können seit dem
Jahre 2003 von der RAA bedarfsdeckend angeboten werden, da seitdem sämtliche be-
antragten Maßnahmen bewilligt werden.
Bei der Einschulungsanmeldung stellt die Schule fest, ob die Kinder die deutsche Sprache
hinreichend beherrschen, um im Unterricht mitarbeiten zu können. Die Schule kann Kinder
ohne die erforderlichen Sprachkenntnisse zum Besuch eines vorschulischen Sprachförder-
kurse verpflichten, soweit sie nicht bereits in einer Tageseinrichtung für Kinder entsprechend
gefördert werden.
Im Jahr 2004 wurden für 55 Kurse mit 564 Kindern Landesmittel in Höhe von insgesamt
73.088,82 Euro zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des Schulanmeldeverfahrens für das
Schuljahr 2005/2006 wurde von den Grundschulen Sprachförderbedarf für 536 Kinder
gemeldet. Dies sind 11,5% der bis März 2005 angemeldeten Kinder. Seit Februar 2005
Seite 6 von 6
werden an Grundschulstandorten in 50 Kursen 413 Kinder gefördert; bei den übrigen 113
erfolgt die Förderung in Tageseinrichtungen für Kinder.
Rucksack/Griffbereit-Gruppen
Die Anzahl der Rucksack-Gruppen ist im zweiten Halbjahr 2004 von neun auf fünf reduziert
worden, da das Programm zukünftig ausschließlich in Tageseinrichtungen für Kinder angebo-
ten werden soll. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Spracherwerb koordiniert erfolgt
und die Erzieherinnen im Rahmen ihrer Förderarbeit in Deutsch parallel die Themen auf-
greifen können, welche die Mütter mit ihren Kindern zu Hause in der Muttersprache be-
handeln. Zudem erhalten die Mütter einen konkreten Einblick in die Erziehungs- und Bildungs-
arbeit der Tageseinrichtungen. Dies stärkt die Kooperation zwischen ihnen und den Erzie-
herinnen. Die zum Abschluss des Kindergartenjahrs 2003/04 durchgeführte Befragung
bestätigt diesen Zusammenhang (s. Jahresbericht RAA 2004).
Die Rucksack/Griffbereit-Gruppen werden durch das Jugendamt jährlich mit Mitteln bis zu
9500,- Euro finanziert. Im kommenden Kindergartenjahr sollen weitere Gruppen eingerichtet
werden. Hierfür wird zur Zeit der Bedarf bei den Fachberater/innen der Stadt und der Wohl-
fahrtsverbände abgefragt.
KOALA - Koordinierte Alphabetisierung Deutsch / Muttersprache im Anfangsunterricht
der Grundschule
Bei KOALA arbeiten Regelklassenlehrer/innen und Muttersprachenlehrer/innen im Sinne einer
Methoden- und Themenangleichung zusammen. Das Programm wurde in Düsseldorf im
Schuljahr 2000/2001 eingeführt. Seit dem Schuljahr 2001/2002 waren stets drei Düsseldorfer
Grundschulen an der Umsetzung von KOALA Deutsch/Türkisch beteiligt; seit dem Schuljahr
2004/2005 wird es an allen Standorten für die erste und zweite Jahrgangsstufe angeboten
werden.
Die Hauptstelle RAA hat die Erfahrungen wie folgt zusammengefasst: Alle KOALA-Schulen
in NRW beurteilen das Konzept als durchweg effektiv und förderlich. Insbesondere ver-
bessere sich die Sprachkompetenz der Kinder in beiden Sprachen, ihre aktive Beteiligung am
Unterricht nehme zu und durch die Teamarbeit der Lehrkräfte würden alle Kinder der be-
teiligten Klassen, also nicht nur die zweisprachig alphabetisierten, besser gefördert. Bei den
Lehrer/innen führe die Koordination und Kooperation zu mehr Verständnis, mehr Sprach-
analyse und mehr Anerkennung der Qualifikationen der Muttersprachenlehrer/innen.
In der Vorlage zur Integration im Elementarbereich (03/672005)) wurde bereits auf die Zusam-
menarbeit am Runden Tisches "Interkulturelle Erziehung und Sprachförderung" und die Erstellung
eines Entwurfes des "Gesamtkonzeptes zur interkulturellen Erziehung und Sprachförderung in
Tageseinrichtungen für Kinder für die Landeshauptstadt Düsseldorf" hingewiesen. Auch das
Gesamtstädtische Integrationskonzept hebt die besondere Relevanz von Sprachförderung als
unverzichtbarem Bestandteil einer erfolgreichen Integrationsarbeit hervor. Mit der Kommunalen
Integrationskonferenz und ihren Fachkonferenzen sind Arbeitszusammenhänge geschaffen, die
geeignet sind, die im Integrationskonzept für den Bereich Sprachförderung entwickelten Hand-
lungsansätze gemeinsam mit allen an der Förderung beteiligten Akteuren zu konkretisieren und
vernetzt umzusetzen.
Beratungsfolge:
Seite 7 von 6
Gremium Sitzungsdatum Ergebnis
Ausschuss f. regionale und europäische Zusammenarbeit
sowie Integration
20.04.2005
einstimmige Kenntnisnahme
2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst.
Amt:
Schulverwaltungsamt
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Grosse-Brockhoff