Verwaltungsvorlage Aktenzeichen 03/ 6/2005

Integration im Elementarbereich

Termine abgeschlossen Die eingetragenen Termine sind vergangen; ein eindeutiges abschließendes Ergebnis ist nicht veröffentlicht.
Schmiedestraße 53 · Stadtbezirk 3 (Oberbilk, Bilk)örtlicher Bezug 1Dokument 4. April 2005veröffentlicht

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Seite 1 von 6 0 500 1000 1500 2000 2500 Anzahl 12345678910 Stadtbezirke Kinder 3 bis 6 Jahre ...mit Sprachförderbedarf... ...und zugleich Migrationshintergrund Darstellung nach Stadtbezirken 3-6 jährige in Tageseinrichtungen Informationsvorlage Betrifft: Integration im Elementarbereich Auf Grund der neuen Zuständigkeit des "Ausschusses für regionale und europäische Zusammenarbeit sowie Integration" erhalten die Mitglieder durch diese Vorlage eine einführende Information über die bestehenden integrativen Maßnahmen im Elementarbereich. Integration aus Sicht des Elementarbereichs Interkulturelle Erziehung und Sprachförderung als Wegbereiter einer gelingenden Integration 1. Praxis Aktuell liegt folgende Situation in den Düsseldorfer Tageseinrichtungen für Kinder vor: In 297 Tageseinrichtungen werden insgesamt 13.662 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren betreut. Von diesen 13.662 Kindern haben 4.103 Migrationshintergrund. Von 13.662 Kindern haben 4.104 Sprachförderbedarf. Von diesen 4.104 Kindern mit Sprachförderbedarf haben 2.894 Migrationshintergrund. Das nun folgende Diagramm schlüsselt die benannten Zahlen nach Stadtbezirken auf: RSD AllVorlg.WPT Seite 2 von 6 Sprachliche und kulturelle Vielfalt stellen eine Herausforderung an die integrativen Kräfte einer Gesellschaft dar. Zugleich sind sie eine Chance, wenn es gelingt, mehrsprachige Erziehung und interkulturelles Lernen in unserem Erziehungs- und Bildungssystem so zu gestalten, dass alle Kinder davon profitieren. Der Integrationsbericht der Landeshauptstadt Düsseldorf verwies schon 1999 auf die Tatsache, dass Integration nur mit Hilfe flankierender Maßnahmen zu leisten ist. Integration ist somit als prozesshaftes Geschehen zu verstehen, das von allen Beteiligten initiiert und bewusst gestaltet werden muss. Der Spracherwerb ist dabei der wesentliche Schlüssel zur Integration. Die Tageseinrichtungen für Kinder leisten einen erheblichen Beitrag zur Integration: hier leben und erleben sich Menschen unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Religionen. Das ab 1980 entwickelte Konzept der interkulturellen Erziehung ist als pädagogische Antwort auf die durch Migration bedingte kulturelle Pluralität der Gesellschaft zu verstehen. Der Ansatz der interkulturellen Erziehung geht von der These aus, die multikulturellen Gegebenheiten unserer Gesellschaft einzubeziehen und aufzugreifen, um Kindern Handlungskompetenzen für das Leben in einem globalisierten System zu vermitteln. Das Ziel einer interkulturellen Erziehung ist ein gleichberechtigtes Miteinander der Menschen zu ermöglichen, wobei durch das Zusammenleben Situationen geschaffen werden, die Lernchancen für alle implizieren und somit zum Abbau von Diskriminierung beitragen. Bedingt durch das Anliegen, mit Hilfe von bewußten pädagogischen Handlungen Kindern Werte wie Akzeptanz und Toleranz zu vermitteln, ist das Prinzip der interkulturellen Erziehung auf jede Tageseinrichtung für Kinder übertragbar. Wesentliche Maßnahmen zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund sind: ' die Aufnahme eines Kindes in Tageseinrichtungen für Kinder unabhängig von Nationalität, sozialer Herkunft und kultureller und religiöser Zugehörigkeit, möglichst anteilmäßig auf alle Trägerschaften verteilt ' die Entwicklung der interkulturellen Erziehung und Sprachförderung als integrativen Ansatz für Kinder mit Migrationshintergrund ' die Entwicklung der deutschen Sprachkompetenz, eingebettet in der ganzheitlichen Erziehung und Bildung des Kindes als Bedingung und Voraussetzung zur Integration ' die Akzeptanz der Familiensprache, deren Förderung eine Voraussetzung für eine gelingende Zweisprachigkeit ist ' die Beratung und Unterstützung von Eltern in Erziehungsfragen und -problemen ' die Durchführung von Angeboten wie Sprachkurse für Mütter ' die Qualifizierung und fachliche Begleitung der pädagogischen Fachkräfte in den Bereichen interkultureller Erziehung und Kompetenz. Für viele Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache sind die Tageseinrichtungen fernerhin der einzige Ort für den Erwerb der Zweitsprache Deutsch, wobei Sprachförderung Seite 3 von 6 grundsätzlich in jeder Einrichtung aufgrund des gesetzlich vorgeschriebenen Auftrages Bestandteil der täglichen pädagogischen Arbeit ist. Erhebungen der Einrichtungen zeigen auf, dass eine zunehmende Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch der deutschen Kinder, im Alter von 3 bis 6 Jahren deutliche Schwierigkeiten im Bereich der Kommunikation haben. Hintergrund ist unter anderem die Tatsache, dass in den Einrichtungen der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund steigt, die große Nationalitätenvielfalt besondere Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte stellt und immer mehr Kinder und Mütter die deutsche Sprache schlecht bzw. gar nicht beherrschen. Diese Aussage wird unterstützt durch die jährliche Erhebung des Sprachförderbedarfs in allen Tageseinrichtungen für Kinder in Düsseldorf durch die Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder. Bei der Auswertung der Angaben stellte sich für das Kindergartenjahr 2004/2005 heraus, dass von insgesamt 297 Einrichtungen in Düsseldorf 138 Einrichtungen Kinder mit Förderbedarf anzeigten. In diesen Tageseinrichtungen zeigen zwischen 30 - 100 % aller Kinder sprachliche Defizite. Die sich daraus ableitende Zielsetzung ist, dass alle Kinder in Düsseldorf die deutsche Sprache so gut beherrschen, dass sie bei der Einschulung dem Unterricht aktiv und mit Gewinn folgen können. Das Erreichen dieser Zielsetzung soll dazu beitragen, dass jedes Kind eine seinem Begabungspotenzial entsprechende Schul- und Berufsausbildung absolvieren kann. Dieser veränderten Gegebenheit und den Ergebnissen der Pisa-Untersuchung folgend trug das Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW mit den 2002 erlassenen "Richtlinien über die Gewährung von Zuwendungen für Angebote zur Sprachförderung im Elementarbereich" Rechnung. Diese gewähren den Trägern der Jugendhilfe die Bewilligung von Landesmitteln zur Finanzierung von Personalkosten. Tageseinrichtungen mit einem hohen Anteil ( über 50%) an Kindern mit Sprachförderbedarf wird somit die Einstellung von zusätzlichen Kräften ermöglicht. Dieser Einsatz schafft dem pädagogischen Fachpersonal die notwendige Voraussetzung, eine gezielte Förderung in Kleingruppen von mindestens fünf bis maximal zehn Kindern auf der Grundlage der Elementarpädagogik durchzuführen. Im Hinblick auf die Umsetzung dieser Richtlinien findet jährlich eine Abfrage in allen Einrichtungen des Elementarbereichs statt. Auf dieser Basis werden in Abstimmung mit der AG nach § 78 KJHG der Bedarf bestimmt und die Maß nahmen in einem Sammelantrag beim Land beantragt. Dadurch konnte erreicht werden, dass 1. der Gesamtbedarf an Sprachförderung aller Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, die eine Tageseinrichtung besuchen, bekannt ist 2. der Gesamtbedarf an Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von 3 bis 6 Jahren, die eine Tageseinrichtung besuchen, bekannt ist 3. der Gesamtbedarf an Sprachfördermaßnahmen für Düsseldorf ermittelt wird 4. als Grundlage zur Einschätzung des Sprachförderbedarfes ein einheitlicher Seite 4 von 6 Sprachstandsbogen eingesetzt wird 5. rechtzeitig alle Kindertageseinrichtungen in Düsseldorf über die Möglichkeit der Beantragung von Zuschüssen informiert sind. 2. Entwicklungslinien In der ersten Umsetzung der "Richtlinien" im Kindergartenjahr 2002 / 2003 wurde ein Sammelantrag für 97 Sprachfördermaßnahmen gestellt und das Land bewilligte die Finanzierung von 32 Maßnahmen. Der Bedarf im Kindergartenjahr 2003 / 2004 belief sich auf insgesamt 278 Maßnahmen zur Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder, das Land bewilligte eine Finanzierung von 138 Maßnahmen. Zur Erinnerung: in der ersten Durchführung im Kindergartenjahr 2002 / 2003 waren es 32 Maßnahmen, die bewilligt worden sind, nun waren es 138, was einer Zuwachsrate von 294 % entspricht. Die Höhe der Zuwendung von Landesmitteln ermöglichte es, dass jeder Tageseinrichtung für Kinder, die einen Antrag auf Fördermittel gestellte hatte, eine Finanzierung zur Durchführung von Sprachfördermaßnahmen bewilligt werden konnte. Jedoch wich die Anzahl der Maßnahmen in den jeweiligen Häusern von der Antragsstellung ab. Nach Rücklauf der Fragebögen für das Kindergartenjahr 2004 / 2005 wurden beim Land insgesamt 279 Sprachfördermaßnahmen für Düsseldorf beantragt, das Land bewilligte eine Finanzierung von 149 Maßnahmen. Die aktuelle Beantragung beläuft sich auf 178 Sprachfördermaßnahmen für das Kindergartenjahr 2005 / 2006, die Höhe der Bewilligung von Landesmitteln wird uns im Sommer diesen Jahres mitgeteilt. Beantragung und Bewilligung von Sprachförderangeboten gemäß Landesrichtlinien 0 100 200 300 Anzahl Bew illigungen 32 138 149 Seite 5 von 6 In der Auswertung des Fragebogens zur Beantragung von Landesmitteln wird fernerhin deutlich, dass eine Verdichtung von Sprachförderbedarf in den Stadtbezirken 3, 6, 8 und 9 vorliegt. In diesen Bereichen werden zusätzlich zu dem Sprachförderprogramm für Kinder in einzelnen Einrichtungen öffentlicher und freier Trägerschaft in Kooperation mit der RAA das "Rucksack-Projekt" für Mütter angeboten. Neben der Arbeit mit dem Kind ist die Zusammenarbeit mit den Eltern ein wesentlicher Aspekt der Tageseinrichtungen für Kinder. Die unterschiedlichen Formen wie Elternnachmittage, Gesprächskreise oder Elternberatung wirken der zu beobachtenden Isolierung von Müttern mit Migrationshintergrund (insbesondere türkischer Mütter) entgegen und bauen Schwellenängste gegenüber deutschen Institutionen ab. So wurde folgerichtig der benannte Fragebogen zur B edarfssichtung von Sprachförderbedarf im Herbst 2003 in der AG nach § 78 aktualisiert und inhaltlich erweitert. Die Auswertung des Fragebogens zur Erfassung des Sprachförderbedarfes bei Kindern ermöglicht nunmehr zugleich eine Bestandsaufnahme des Sprachförderbedarfes bei Müttern / Eltern. Anliegen dabei ist es, Angebote nach sozialräumlichen Kriterien stärker zu vernetzen und zu verdichten. 3. Perspektiven Wie schon benannt wurden im Frühjahr 2002 die Bemühungen zur interkulturellen Pädagogik und Sprachförderung in Düsseldorf verstärkt. In Kooperation mit der RAA konstituierte sich der "Runde Tisch zur interkulturellen Erziehung und Sprachförderung im Elementarbereich", an dem Vertreter der freien Träger der Jugendhilfe, der / die Sprachheilbeauftragte der Stadt Düsseldorf und Dozenten der Ausbildungsstätten beteiligt sind. Anliegen war es Bedarfe zu ermitteln, Angebote stärker zu vernetzen und gemeinsame Rahmenbedingungen zu Erstellung eines "Gesamtkonzeptes zur interkulturellen Erziehung und Sprachförderung" für Düsseldorf zu definieren. Nach Erstellung des Entwurfes des "Gesamtkonzeptes zur interkulturellen Erziehung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder für die Landeshauptstadt Düsseldorf" verlagert der "Runde Tisch zur interkulturellen Erziehung und Sprachförderung im Elementarbereich" nunmehr seine Arbeitsinhalte in Richtung Steuerung und Vernetzung von Angeboten nach sozialräumlichen Aspekten. Der bestehende Teilnehmerkreis wird einerseits zielorientiert reduziert, andererseits aber um Vertreter der Grundschulen erweitert. Zielsetzung wird fernerhin die Umsetzung trägerübergreifender Fortbildungsangebote zu den Themenbereichen interkulturelle Erziehung und Sprachförderung sein, an denen auch Vertreter der Grundschulen teilnehmen werden. Zum Abschluss der Darstellung "Integration aus Sicht des Elementarbereichs" seien folgende Punkte als weitere Perspektiven benannt: 1. Das Anfang diesen Jahres verabschiedete Zuwanderungsgesetz muß in seinen Inhalten auf der Fachebene umgesetzt werden. Seite 6 von 6 2. In der Umsetzung des darin benannten Integrationskurses wären Anbindungen von Anbietern an Tageseinrichtungen für Kinder sinnvoll. Dies entspräche den besonderen Bedingungen der Zusammenarbeit mit Eltern in den Einrichtungen, trüge aber auch dem Integrationskonzept Rechnung, dass in seinen Handlungsansätzen die Durchführung von flankierenden Angeboten für Eltern benennt. Beratungsfolge: Gremium Sitzungsdatu m Ergebnis Ausschuss f. regionale und europ. Zusammenarbeit sowie Integration 20.04.2005 -/- 2 Jugendhilfeausschuss 17.05.2005 -/- 2 1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant. 2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst. Amt: Jugendamt Dezernentin / Dezernent: Beigeordneter Hintzsche RSD AllVorlg.WPT

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Quelle: Ratsinformationssystem Düsseldorf · Aktenzeichen 03/ 6/2005