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OVA/062/2025
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Informationsvorlage
Betrifft:
Bericht verkehrstechnische Systeme (VinDUS, KoKoSDUS, OEVII)
Fachbereich:
66 - Amt für Verkehrsmanagement
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordneter Jochen Kral
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Ordnungs- und
18.06.2025 Kenntnisnahme
Verkehrsausschuss
Sachdarstellung:
Die Verkehrstechnik ist eine wichtige Komponente zur nachhaltigen und effizienten
Nutzung der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur und zur situationsabhängigen und
strategischen Verkehrssteuerung in Düsseldorf. Das Verkehrssystemmanagement
(VSM) umfasst eine Vielzahl an Subsystemen zur Detektion, Prognose und Steuerung
des Verkehrs und zur Bereitstellung von Verkehrsinformationen. In den vergangenen
Jahren wurden verschiedenste Maßnahmen ergriffen, um die verkehrstechnischen
Systeme kontinuierlich zu verbessern und zukunftsorientiert zu gestalten. Einige
wichtige Bausteine in diesem Prozess sind die im Folgenden beschriebenen
Modellvorhaben „VinDUS" und „KoKoSDUS" sowie das Programm zur Beschleunigung
des ÖPNV.
VinDUS - „Verkehrsinformation und Dynamische Umweltsensitive Steuerung"
Um einen Beitrag zur Einhaltung der Luftqualitätsgrenzwerte zu leisten, wurde im
Rahmen des Modellvorhabens VinDUS (Verkehrsinformation und Dynamische
Umweltsensitive Steuerung) das bestehende Verkehrssystemmanagement um eine
umweltsensitive Komponente erweitert. Diese ermöglicht eine dynamische Steuerung
des Verkehrs abhängig von der prognostizierten Luftqualität sowie die Schaltung von
Umweltinformationen an die Verkehrsteilnehmer. Über das Förderprojekt VinDUS hat
die Verwaltung den Ordnungs- und Verkehrsausschuss mit den Vorlagen
OVA/124/2020 und OVA/086/2023 informiert.
Die Prognose der Luftqualität erfolgt mit Hilfe des Umweltmodells IMMISmt auf
Grundlage der aktuellen Schadstoffbelastung sowie von prognostizierten Verkehrs-
und Wetterdaten. Das Umweltmodell erstellt eine Kurzfristprognose (Zeithorizont: 1
Stunde) und eine Mittelfristprognose (Zeithorizont: 24 Stunden) der NOx-, NO2- und
PM10-Konzentration. Die Kurzfristprognose für NO2 dient als Grundlage für die
umweltsensitive Verkehrssteuerung, während die Mittelfristprognose für die
Umweltinformation genutzt wird. Außerdem berechnet das Umweltmodell die
Schadstoffkonzentrationen an insgesamt 66 Hotspots im Düsseldorfer Stadtgebiet,
von denen die meisten nicht über eigene Messstationen verfügen. So kann die
Luftqualität an allen Hotspots kontinuierlich überwacht werden, um drohende
Grenzwertüberschreitungen frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf eine Erweiterung
der umweltsensitiven Verkehrssteuerung zu planen und umzusetzen.
Um das Umweltmodell besser validieren zu können und die Wirksamkeit der
umweltsensitiven Verkehrssteuerung zu optimieren, wird in Zusammenarbeit mit
dem Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz die Anwendung von
Sensormesstechnik (sog. Umweltsensoren) als Ergänzung zum bestehenden
Messnetz getestet. Im Rahmen von VinDUS wurden drei Umweltsensoren beschafft.
Diese messen Feinstaub (PM10 und PM2,5), Stickoxide (NO und NO2) sowie Ozon
(O3).
Die Luftqualität an den Hotspots hängt maßgeblich von der Verkehrsstärke und der
Verkehrsqualität („Level of Service") ab. Zur Berechnung und Prognose dieser
Verkehrskenngrößen wurde das Verkehrssystemmanagement um das Online-
Verkehrslagemodell DRIVERS erweitert. Dieses Modell gleicht aktuelle Verkehrsdaten
mit historischen Verkehrsdaten ab, um Muster zu erkennen und daraus eine
Prognose zu erstellen. So werden sowohl typische Schwankungen der Verkehrslage
im Tages- und Wochenverlauf als auch außergewöhnliche Schwankungen z.B. durch
Veranstaltungen, Unfälle oder Baustellen berücksichtigt. Analog zum Umweltmodell
erstellt das Verkehrslagemodell eine Kurzfrist- und eine Mittelfristprognose der
Verkehrsstärke und -qualität, die als Eingangsgrößen für das Umweltmodell dienen.
Um eine gute Datengrundlage für das Verkehrslagemodell sicherzustellen, wurde im
Rahmen des Projekts VinDUS die strategische Verkehrsdetektion erneuert und um
weitere Standorte erweitert. Bei den neuen Detektoren handelt es sich um Passiv-
Infrarot-Detektoren, die über der jeweiligen Fahrspur montiert sind. Die ca. 60
Detektionsstandorte sind im gesamten strategischen Straßennetz im Düsseldorfer
Stadtgebiet verteilt. Bei einigen neuen Standorten laufen derzeit noch Restarbeiten.
An den beiden Luftqualitäts-Hotspots Merowingerstraße und Corneliusstraße ist die
dynamische, umweltsensitive Verkehrssteuerung seit 2023 täglich im Einsatz.
Abhängig von der prognostizierten Schadstoffbelastung (Kurzfristprognose) wird die
Lichtsignalsteuerung an den vorherigen Knotenpunkten dynamisch angepasst. Bei
hoher Schadstoffbelastung wird so die Kapazität an den Hotspots reduziert, und
umgekehrt wird bei geringer Schadstoffbelastung die Kapazität erhöht. Für den
Hotspot Merowingerstraße erfolgt die Anpassung der Steuerung am Knotenpunkt
Münchener Straße/Südring und für den Hotspot Corneliusstraße an den
Knotenpunkten Werstener Straße/Universitätsstraße und Mecumstraße/Auf'm
Hennekamp.
Um die Verkehrsteilnehmer bei hoher prognostizierter Schadstoffbelastung
(Mittelfristprognose) zu informieren, wurden im Rahmen von VinDUS 7 LED-
Anzeigetafeln erneuert und 19 neue LED-Anzeigetafeln beschafft. Auf diesen Tafeln
werden neben den Umweltinformationen auch Verkehrsinformationen (Staus,
Sperrungen, Veranstaltungen etc.) angezeigt. Ein Teil der Anzeigetafeln ist außerdem
Bestandteil des Parkleitsystems. Mit Hilfe der Umweltinformationen soll das
Mobilitätsverhalten der Pendler beeinflusst werden, sodass sie bei hoher
prognostizierter Schadstoffbelastung nach Möglichkeit Home-Office machen oder den
ÖPNV nutzen. Da derzeit die Schadstoffgrenzwerte an allen Messstellen in Düsseldorf
eingehalten werden, werden die Umweltinformationen zurzeit nicht geschaltet.
Die oben beschriebenen Komponenten des Verkehrsmanagementsystems wurden
nach Abschluss des Modellvorhabens VinDUS in den Regelbetrieb überführt. Die
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umweltsensitiven Lichtsignalsteuerungen werden kontinuierlich überwacht und
evaluiert und bei Bedarf an veränderte verkehrliche oder umweltrechtliche
Randbedingungen angepasst.
Im Hinblick auf die neue EU-Luftqualitätsrichtlinie (2024/2881) ist schon jetzt
absehbar, dass die ab 2030 geltenden strengeren Schadstoffgrenzwerte mit den
derzeitigen Maßnahmen voraussichtlich nicht an allen Messstellen einzuhalten sind.
Die Bezirksregierung Düsseldorf wird daher federführend unter Beteiligung der
Landeshauptstadt Düsseldorf bis 2028 einen Luftqualitätsfahrplan erarbeiten. Vor
dem Hintergrund von Verursacheranalysen gilt es, verhältnismäßige und zugleich
breit konsensfähige Maßnahmen zu entwickeln, um bis 2030 die Einhaltung der
Grenzwerte sicherzustellen. Eine Erweiterung des umweltsensitiven
Verkehrsmanagements auf weitere Hotspots ist ein wichtiger Baustein zur weiteren
Verbesserung der Luftqualität. Mit dem Projekt VinDUS wurden die dafür
erforderlichen Voraussetzungen geschaffen.
Das Vorhaben mit einer Laufzeit vom 15.12.2020 - 31.12.2024 wurde im Rahmen
des Sofortprogramms „Saubere Luft 2017 - 2020" über die Förderrichtlinie
„Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme" vom Bundesministerium für Verkehr
und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert. Die bewilligten Gesamtmittel betrugen
ca. 4,7 Mio. € bei einer 65%-igen Förderung.
KoKoSDUS - „Konzeption und Umsetzung kooperativer Systeme in Düsseldorf"
Um den städtischen Verkehr nachhaltiger, effizienter und sicherer zu gestalten,
spielen Cooperative Intelligent Transport Systems (C-ITS) eine zentrale Rolle. Diese
intelligenten, vernetzten Verkehrssysteme ermöglichen eine direkte Kommunikation
zwischen Fahrzeugen und Infrastrukturelementen (Vehicle-to-Infrastructure - V2I).
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt „Konzeption und Umsetzung
kooperativer Systeme in Düsseldorf (KokoSDUS)" das Ziel, C-ITS-Dienste zur
Förderung des Umweltverbundes in der Landeshauptstadt Düsseldorf einzuführen
und weiterzuentwickeln. Dank der V2I-Kommunikation können verkehrsabhängige
Eingriffe in die Lichtsignalsteuerung zugunsten des Umweltverbundes auf das
notwendige Maß reduziert werden. So soll der Verkehrsablauf für alle Verkehrsarten
verbessert werden und gleichzeitig die Attraktivität umweltfreundlicher
Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bus und Straßenbahn erhöht werden.
Die technische Grundlage bildet die seit 2020 flächendeckend in Düsseldorf
verfügbare App „TrafficPilot". Dabei handelt es sich um einen sogenannten
Ampelphasenassistenten, der für den Rad- und Kfz-Verkehr Grünzeitprognosen an
einem Großteil der Lichtsignalanlagen (LSA) in Düsseldorf anzeigt. Die App bietet
unter anderem die C-ITS-Dienste GLOSA (Green Light Optimal Speed Advisory) und
TTG (Time To Green). Mit Hilfe von GPS-Position, Geschwindigkeit und Fahrzeugtyp
kann die App individuelle Empfehlungen für eine optimierte Fahrweise geben - etwa,
mit welcher Geschwindigkeit eine grüne Welle erreicht werden kann.
Darüber hinaus ermöglicht die TrafficPilot-App auch die Anmeldung von
Radfahrenden an LSA. Auf Basis anonymisierter historischer Bewegungsdaten sowie
aktueller Verkehrsinformationen wird dabei die Ankunftszeit an der LSA geschätzt.
So können Grünphasen bedarfsgerecht verteilt werden, um die Wartezeiten für den
Radverkehr zu reduzieren und im Idealfall ein Anhalten vor der LSA zu vermeiden.
Nutzerinnen und Nutzer erhalten über die App eine Rückmeldung, ob die Anmeldung
erfolgreich war, sowie Hinweise zur optimalen Geschwindigkeit, um ohne Halt die
nächste Grünphase zu erreichen. Falls ein Halt aufgrund der verkehrlichen
Randbedingungen nicht vermeidbar ist, wird die verbleibende Wartezeit bis zur
nächsten Freigabe angezeigt.
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Die hierfür notwendigen Systeme - das Backend der App sowie die V2I-Plattform -
sind vollständig in das bestehende Verkehrssystemmanagement der
Landeshauptstadt Düsseldorf integriert und ermöglichen eine direkte Kommunikation
in Echtzeit.
Ein erster erfolgreicher Pilotversuch zur Radfahrer-Anmeldung wurde im Rahmen des
Projekts KoMoDnext durchgeführt. Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurde der
Dienst nun im Rahmen von KokoSDUS weiterentwickelt und flächendeckend
implementiert. Im Rahmen des Projekts wurde der Anmeldedienst über die
TrafficPilot-App an den folgenden 9 LSA implementiert:
Prinz-Georg-Straße/Ehrenstraße
Prinz-Georg-Straße/Stockkampstraße
Prinz-Georg-Straße/Eulerstraße
Jülicher Straße/Eulerstraße
Münsterstraße/Ulmenstraße
Ulmenstraße/Weißenburgstraße
Spichernplatz
Vautierstraße/Geibelstraße
Grafenberger Allee/Altenbergstraße
Die ausgewählten LSA befinden sich sowohl auf zusammenhängenden
Streckenabschnitten als auch auf zentralen Routen des vorrangigen Radhauptnetzes
bzw. auf neu geplanten Radrouten. Bei der Auswahl der Standorte wurde besonders
auf das Zusammenwirken der verschiedenen Verkehrsarten geachtet, sodass es
keine Auswirkungen auf den ÖPNV und nur geringen Einfluss auf den MIV gibt.
Die Signalsteuerung der ausgewählten Anlagen wurde so angepasst, dass die
Freigabezeiten für den Radverkehr verkehrsabhängig gestaltet werden können. Das
bedeutet, dass Radfahrende ihre Grünphase aktiv anfordern oder verlängern lassen
können. Der Vorteil des C-ITS-Dienstes gegenüber herkömmlichen
Detektionssystemen besteht darin, dass Radfahrende frühzeitiger und zuverlässiger
erkannt werden können und ihre Ankunftszeit - insbesondere bei größeren
Abständen zur Haltelinie - genauer vorhergesagt werden kann. Dadurch werden die
Auswirkungen verkehrsabhängiger Eingriffe in die Signalsteuerung auf das
notwendige Maß reduziert und somit der Verkehrsfluss insgesamt verbessert.
Mit der Weiterentwicklung der C-ITS-Dienste wird die Attraktivität des Radverkehrs
deutlich gesteigert und ein konkreter Beitrag zur Digitalisierung und Vernetzung des
Verkehrssystems geleistet. Perspektivisch lassen sich die im Projekt entwickelten C-
ITS-Dienste auch auf den ÖPNV übertragen.
Das Projekt hatte eine Laufzeit von 24 Monaten und wurde zum 31. Dezember 2024
erfolgreich abgeschlossen. Derzeit erfolgen noch abschließende technische
Anpassungen an den Lichtsignalanlagen sowie Evaluationsfahrten, um die Wirkung
der Maßnahmen im Realbetrieb zu bewerten.
Das Vorhaben wurde im Rahmen des Sofortprogramms „Saubere Luft 2017 - 2020"
über die Förderrichtlinie „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme" vom
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert. Die
bewilligten Gesamtmittel betrugen ca. 180.000 €, bei einer 65%-igen Förderung.
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ÖPNV-Beschleunigung
Im Rahmen des Förderprogramms "Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme"
des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat die Stadt
Düsseldorf positive Förderbescheide für die Beschleunigung des ÖPNV erhalten.
Die Förderung verteilt sich auf drei Teilprojekte mit unterschiedlichen Laufzeiten. Die
beiden Projekte „Datenbereitstellung" und „ÖV-Beschleunigung I" starteten im
Herbst 2018 und wurden im Herbst 2022 abgeschlossen. Sie umfassen die
Anpassung von 140 Lichtsignalanlagen mit einem Gesamtkostenvolumen von 11,8
Mio. €, das zu 50% vom Fördergeber getragen wurde. Der verbleibende Anteil wurde
zu 20% von der Landeshauptstadt Düsseldorf und zu 80% von der Rheinbahn AG
getragen.
Das dritte und größte der Förderprojekte war das Projekt „ÖV-Beschleunigung II
(OEVII)", es umfasste 241 LSA bei einem Finanzvolumen von insgesamt ca. 14,7
Mio. €, bei derselben Kostenverteilung wie bei den beiden vorgenannten
Förderprojekten. Die Laufzeit des Projekts OEVII startete im Sommer 2020 und
endete zum 31.12.2024.
Im Rahmen dieses Förderprojekts konnten bis zum 31.12.2024 124 LSA umgesetzt
werden.
Die vom Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)
geförderten Projekte der Stadt Düsseldorf wurden von zwei ebenso geförderten
Projekten der Rheinbahn AG komplementiert. Diese dienten der Ertüchtigung von ca.
1.020 Funkbaken, die zur Kommunikation der ÖPNV-Fahrzeuge mit den
Lichtsignalanlagen erforderlich sind.
Das erste dieser Projekte wurde bereits zum Ende des Kalenderjahres 2022
abgeschlossen. Die Laufzeit des zweiten Projekts endete zum 31.12.2024.
Die Förderprojekte der Rheinbahn AG haben ein gemeinsames Volumen von ca. 1,3
Mio. €, bei einer 50%-gien Förderung durch den Bund.
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