Vorlage AWM/029/2026
Beigeordnete Zuschke
Anfrage der Ratsfraktion DIE LINKE zur Sitzung des Ausschusses für Wohnungswesen
und Modernisierung am 29.06.2026 zum Thema Ahndung von zweckentfremdetem
Wohnraum-Ausnahmen und Hindernisse
Die Fragen werden wie folgt beantwortet:
Frage 1:
Welche konkreten Umstände führten jeweils zur Verwaltungsentscheidung, Leerstände
in Gebäuden als nicht schützenswert bzw. nicht als Zweckentfremdung von Wohnraum
gemäß Wohnraumschutzsatzung einzuordnen? (Bitte ohne Adressnennung nach
Begründung der Entscheidung und Fläche aufgliedern)
Antwort:
Die angefragten Daten werden durch das Amtscontrolling nicht erfasst und können deshalb
nicht zur Verfügung gestellt werden. Der Fachbereich Wohnungsaufsicht prüft weiterhin jeden
der gemeldeten Fälle individuell und leitet die erforderlichen rechtlichen Schritte ein.
Frage 2:
In welchen Fällen erteilt die Verwaltung aufgrund von Verwaltungsvorschriften bzw.
Dienstanweisungen und Datenschutzbestimmungen keine oder zeitlich verzögerte
Auskunft über den Sachstand zu gemeldeten Zweckentfremdungen/Leerstand von
Wohnraum? (Bitte konkrete Verwaltungsvorschriften bzw. Dienstanweisungen und
Datenschutzbestimmungen nennen.)
Antwort:
Der Leerstand von Wohnraum stellt erst dann eine genehmigungsbedürftige
Zweckentfremdung von Wohnraum dar, wenn dieser fortdauernd ist, d.h. länger als sechs
Monate besteht. Der Leitfaden zum Wohnraumstärkungsgesetz NRW gibt hierzu vor, dass in
der Praxis zugunsten der Verfügungsberechtigten als Beginn des Leerstands der Zeitpunkt
der Feststellung durch die Gemeinde bestimmt wird. Entsprechend können anfragenden
Personen vor Ablauf dieser Frist auch noch keine weiteren Auskünfte zum Fortgang des
Verfahrens erteilt werden. Die Entscheidung, keine detaillierten Auskünfte über den Stand
laufender Ermittlungen an Privatpersonen herauszugeben, beruht auf einer strikten Bindung
an geltendes Recht. Im Wesentlichen sind hierfür drei Säulen maßgeblich:
1. Fehlende Beteiligtenstellung gemäß § 13 VwVfG NRW
Nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG NRW) ist nur derjenige am Verfahren
beteiligt, gegen den sich die Maßnahme richtet (der Eigentümer) oder dessen Rechte durch
das Verfahren unmittelbar betroffen sind. Ein Bürger, der einen Leerstand meldet, handelt als
„Informant" im öffentlichen Interesse. Er erlangt dadurch jedoch keine Rechtsstellung als
Verfahrensbeteiligter. Ein Anspruch auf Akteneinsicht oder detaillierte
Sachstandsinformationen besteht daher kraft Gesetzes nicht.
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2. Schutz personenbezogener Daten gemäß Art. 6 Abs. 1 DSGVO
Ermittlungen wegen Leerstands betreffen hochsensible Informationen über die persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnisse der Immobilieneigentümer. Gründe für einen Leerstand, z.
B. laufende Erbstreitigkeiten, schwere Krankheit, Insolvenz oder Sanierungsstau, sind
personenbezogene Daten, die unter dem Schutz der Datenschutz-Grundverordnung
(DSGVO) stehen. Diese Daten werden von der Behörde ausschließlich zur Durchsetzung des
Wohnraumschutzes erhoben. Eine Weitergabe an unbeteiligte Dritte, die Anzeigenerstatter,
würde gegen das Gebot der Datenminimierung und die Zweckbindung verstoßen und wäre
rechtswidrig.
3. Wahrung des Eigentumsschutzes (Art. 14 GG)
Das Handeln der Wohnungsaufsicht stellt bereits einen Eingriff in das durch Artikel 14
Grundgesetz geschützte Eigentumsrecht dar. Die Behörde ist verpflichtet, diesen Eingriff so
schonend wie möglich zu gestalten. Eine zusätzliche „öffentliche Exponierung" des
Eigentümers durch die Weitergabe von Verfahrensdetails an Nachbarn oder Dritte würde die
Verhältnismäßigkeit der Maßnahme gefährden und die Behörde angreifbar machen.
4. Informationsrecht nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG)
Der Antragsteller hat auf Grundlage des IFG keinen Anspruch auf detaillierte Informationen
(wie Ermittlungsergebnisse, Beteiligte oder Verfahrensdetails). Aus rechtlichen Gründen darf
ihm gegenüber lediglich eine abstrakte Eingangs- und Sachstandsbestätigung gegeben
werden. Zur Erfüllung von Bürgerfreundlichkeit und Transparenz erschöpft sich die
Auskunftspflicht der Behörde i.S.d. IFG bereits damit, dem Bürger eine schlichte, formlose
Sachstandsmitteilung zukommen zu lassen. Diese sollte sich in der Regel auf das Nötigste
beschränken. Das Auskunftsrecht nach dem IFG besteht nicht uneingeschränkt, sondern
unterliegt rechtlichen Grenzen:
Schutz personenbezogener Daten Dritter: Die Preisgabe von Namen, Adressen oder
konkreten Tatbeiträgen von Beschuldigten, Zeugen oder Dritten ist durch die DSGVO und die
Informationsfreiheitsgesetze (z. B. § 5 IFG) strikt geschützt. Das öffentliche oder private
Interesse des Anzeigenerstatters an diesen Daten überwiegt das Schutzinteresse der
Betroffenen im Regelfall nicht, da der Anzeigenerstatter meist keine eigenen rechtlichen
Interessen (z. B. Schadensersatzansprüche) geltend machen kann. Eine Offenlegung ohne
Einwilligung der Betroffenen wäre ein Datenschutzverstoß.
Schutz des laufenden Verfahrens (Ermittlungsgeheimnis):
Nach dem Informationsfreiheitsgesetz (z. B. § 3 Nr. 1 Buchst. g IFG) ist der
Informationszugang ausgeschlossen, solange durch die Preisgabe der Zweck eines laufenden
Verfahrens (z. B. ein Bußgeld-, Straf- oder Ordnungsverfahren) gefährdet werden könnte.
Details zu Ermittlungsschritten müssen daher geheim bleiben.
Vorrang von Spezialgesetzen:
Handelt es sich bei dem Verfahren um ein Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren, sind die
Regelungen der StPO bzw. des OWiG bezüglich der Akteneinsicht für Dritte abschließend und
sperren den allgemeinen Auskunftsanspruch nach dem IFG.
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