Garath – ein geplanter Stadtteil mit vier Quartieren
Garath unterscheidet sich von fast allen älteren Düsseldorfer Stadtteilen: Sein heutiger Aufbau entstand nicht durch jahrhundertelanges Wachstum, sondern als zusammenhängendes städtebauliches Projekt. Vier Wohnquartiere liegen beiderseits der Bahn und gruppieren sich um ein gemeinsames Zentrum. Grünzüge, Schulen, soziale Einrichtungen und Verkehrsanbindungen wurden von Anfang an mitgedacht. Dadurch besitzt Garath eine klar lesbare Struktur, die zugleich Chancen und typische Aufgaben einer großen Nachkriegssiedlung zeigt.
Vom Schlossgut zum neuen Wohnort
Vor dem Bau des modernen Stadtteils bestand Garath im Wesentlichen aus einer kleinen Siedlungslandschaft rund um Schloss Garath. Ende der 1950er-Jahre suchte Düsseldorf wegen des starken Bevölkerungswachstums große Flächen für neue Wohnungen. Die Lage im Süden bot eine Bahnverbindung, Nähe zu Autobahnen und viel umgebende Landschaft. In einem Wettbewerb setzte sich das Konzept des Städtebauers Max Guther durch.
Ab 1962 zogen die ersten Familien ein. In mehreren Bauabschnitten entstanden öffentlich geförderte Wohnungen, Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser. Das Konzept verband jeweils zwei Quartiere westlich und östlich der Bahn mit einem zentralen Versorgungsbereich. Unterführungen und Grünwege waren als sichere Verbindungen abseits des Autoverkehrs angelegt.
Zentren, Kirchen und Kultur
Das Hauptzentrum am S-Bahnhof bündelt Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, Verwaltung und soziale Angebote. Ergänzt wird es durch kleinere Quartierszentren. Diese dezentrale Ordnung war auf kurze Alltagswege auch für Familien ohne Auto ausgerichtet. Schulen, Spielplätze und Freizeiteinrichtungen liegen eingebettet in Grünzüge.
Zu den markanten Bauten gehört die von Gottfried Böhm entworfene Kirche St. Matthäus. Ihre burgartige Form ist ein bedeutendes Beispiel der Nachkriegsarchitektur. Mit dem heutigen Kulturhaus Süd besitzt Garath außerdem ein großes Bürger- und Veranstaltungszentrum. Stadtteilbücherei, Bühnenangebote, Kinder- und Jugendkultur sowie lokale Initiativen machen es zu einem wichtigen sozialen Mittelpunkt.
Viel Grün, aber auch räumliche Trennungen
Garath liegt zwischen Urdenbacher Kämpe und ausgedehnten Waldgebieten. Innerhalb des Stadtteils verbinden Grünzüge die Wohnquartiere. Gleichzeitig bilden Bahn, Hauptstraßen und die Aufteilung in vier Bereiche deutliche Grenzen. Zustand und Gestaltung von Unterführungen und Brücken beeinflussen deshalb, ob Wege als sicher und angenehm empfunden werden.
Die Bausubstanz stammt zu großen Teilen aus einer ähnlichen Zeit. Sanierung von Fassaden, Wohnungen und öffentlichen Räumen betrifft daher nicht nur einzelne Gebäude, sondern ganze Straßenzüge. Auch Barrierefreiheit, Hitzevorsorge und attraktive Zentren gewinnen mit dem Alter des Stadtteils an Bedeutung.
Garath 2.0 und die Weiterentwicklung
Mit dem Stadterneuerungsprogramm Garath 2.0 wurden öffentliche Plätze, Grünräume, Bildungsorte und soziale Angebote weiterentwickelt. Dabei geht es nicht darum, den Stadtteil neu zu erfinden, sondern die Qualitäten des ursprünglichen Plans an heutige Bedürfnisse anzupassen. Bewohnerinnen und Bewohner werden über Quartiersmanagement und Beteiligungsformate einbezogen.
Garath ist damit weder bloße „Schlafstadt“ noch abgeschlossenes Planungsdenkmal. Der Stadtteil besitzt eine eigene Vereinskultur, gewachsene Nachbarschaften und ein klares Zentrum. Erneuerungen betreffen den Wohnungsbestand, öffentliche Räume und soziale Infrastruktur häufig gleichzeitig.