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An
Herrn Wolfgang Janetzki
Vorsitzender des
Ausschusses für Gesundheit und Soziales
Antrag zur Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 22.06.2004
Änderungsantrag der Ratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen zum Antrag der SPD-Ratsfraktion Für
eine moderne Seniorenpolitik
Sehr geehrter Herr Janetzki,
ältere Menschen benötigen nicht nur Unterstützung, sie stellen der Gesellschaft auch Ressourcen
(z.B. Unterstützung erwachsener Kinder materiell oder bei der Kinderbetreuung) zur Verfügung,
und sie sind ein (mittlerweile) erkannter Wirtschaftsfaktor. Viele Seniorinnen und Senioren sind in
familiäre und/oder sonstige soziale Netzwerke eingebunden, und viele beugen einer vorzeitigen
Alterung durch eine gesunde Lebensweise, geistige und körperliche Aktivität sowie soziale
Kontakte vor. Vor allem bis etwa zum 75. Lebensjahr handelt es sich in der Regel um eine
äußerst aktive Lebensphase, in der die Menschen soziale Beziehungen pflegen, verreisen, sich
weiterbilden oder sich ehrenamtlich engagieren. Erst ab ca. 80 Jahren wird der Beginn der so
genannten "Hochaltrigkeit" definiert, da ab diesem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit für
vermehrte Erkrankungen, Demenz und Pflegebedürftigkeit deutlich ansteigt. Und, so lehren uns
die demografische Studien, der Anteil der älteren Menschen und vor allem der so genannten
"Hochaltrigen" wird stetig steigen.
Die Altenhilfeplanung hat die Lebenslagen und Bedürfnisse von sehr unterschiedlichen Menschen
zu berücksichtigen, denn es handelt sich schließlich um normal aktive Menschen zwischen
Mitte/Ende 50 bis zu Menschen, die 80, 90 oder immer mehr auch 100 Jahre und älter werden.
Die Lebenslage von älteren Menschen mit Migrationshintergrund oder auch von älteren
Behinderten bedürfen der besonderen Beachtung. Darüber hinaus muss in der Altenhilfe die
Finanzierung öffentlicher Angebote an einheitliche Standards und möglichst überprüfbare
Erfolgskriterien gebunden sein.
Aus bündnisgrüner Sicht sollte im Hinblick auf das Thema "alternde Gesellschaft" nicht nur eine
problemorientierte Sichtweise vorherrschen.
Auch vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, zum vorliegenden Antrag der SPD-Fraktion
nachfolgenden Änderungsantrag (es handelt sich um Einfügungen, Streichungen, und
Ergänzungen, die jeweils fett gedruckt sind, die jeweilige Begründung ist eingerückt) mit
auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu nehmen:
Zu 3. Wohnungswirtschaft
3.1 Im ersten Satz ist das im folgenden unterstrichene Wort einzufügen, so dass der Satz lautet:
RSD AllVorlg.WPT
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"Konferenz mit der Wohnungswirtschaft und der örtlichen Wohlfahrtspflege zur
Verbesserung der Wohnraumversorgung von Personen, die Serviceleistungen, Pflege und
Betreuung benötigen.
Viele Seniorinnen und Senioren wollen unabhängig wohnen und nur bei Bedarf
bestimmte Dienste abrufen, wie z.B. zum Einkaufen, zur Kleiderpflege oder für die
Wohnungsreinigung. Bei den zu erarbeitenden Vorschlägen ist der Bereich der
Servicedienste zum Alltagsmanagement älterer Menschen mit einzubeziehen und
zunächst eine möglichst kleinräumige Bestandsaufnahme zu erstellen.
3.2 Am Ende des Punktes ist anzufügen:
Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Neue Wohnformen für ältere Menschen" unter Beteiligung
von Verwaltung, Seniorenbeirat und Trägern der Freien Wohlfahrtspflege, sowie bereits
bestehender Initiativen.
Wie in Teil 3 des Altenplanes ausgeführt, besteht ein starkes Interesse an neuen
Wohnformen, wie z.B. gemeinsamem Wohnen von 'Jung und Alt',
Seniorenwohngemeinschaften etc., und es gab und gibt in Düsseldorf hierzu auch
verschiedene Initiativen und Ansätze. Eine AG sollte die entsprechenden Vorstellungen
und - nach geeigneter Öffentlichkeitsarbeit - interessierte Personen zusammenbringen,
die vorhandenen Erfahrungen aufarbeiten und Lösungen zur Umsetzung der
Anregungen entwickeln.
3.3 Weiterhin ist anzufügen:
Von der Verwaltung soll geprüft werden, ob der Aufbau eines Umzugsmanagements sinnvoll
ist.
Aus persönlichen, gesundheitlichen und/oder finanziellen Gründen würden Seniorinnen
und Senioren oft gerne auch noch im hohen Alter umziehen und sich zum Beispiel eine
kleinere Wohnung oder eine Wohnung mit Service oder Betreuung suchen. Dem
stehen aber oft scheinbar unüberbrückbare organisatorische und technische
Hindernisse entgegen, gerade wenn nicht auf familiäre Hilfestellung zurückgegriffen
werden kann. Ein Umzugsmanagement k önnte hier unterstützend wirken. Im
Nebeneffekt könnte sich dadurch sich die Verfügbarkeit großer und bezahlbarer
Wohnungen für Familien, an denen es in Düsseldorf mangelt, erhöhen.
Zu 4. Pflege
Vor den Text zu 4. Ist einzufügen:
Verbesserung der stationären und der häuslichen Pflege durch
! ausreichende Heimaufsicht und genügend qualifiziertes Personal in den
Einrichtungen
! Intensivierung der Aus- und Fortbildung des Pflegepersonals, wo erforderlich neue
Konzepte für stationäre Einrichtungen und ambulante Pflege wie z.B. Nachtangebote
! qualitativ und quantitativ ausreichende Kurzzeitpflegeangebote
! Einrichtung einer gerontopsychiatrischen Fachberatung.
Angesichts der sich verändernden Bewohnerstruktur in den stationären Einrichtungen
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lassen sich aktivierende, betreuerische und rehabilitative Pflegekonzepte zunehmend
schwerer realisieren. Mit der Erhöhung des Heimeintrittsalters auf mittlerweile ca. 85
Jahre, der Kürze der Verweildauer und der Zunahme schwerstpflegebedürftiger,
psychisch erkrankter und sterbender Bewohnerinnen und Bewohner verlagert sich der
Schwerpunkt der zu leistenden Arbeiten auf eine medizinisch und gerontopsychiatrisch
orientierte Pflege. (Pflegebedarfsplan, S. 33)
Die Sicherstellung einer umfassenden pflegerischen Versorgung dieser schwerstkranken
Menschen sowie einer qualitativen Sterbebegleitung (auch Angehörigenbegleitung) stellt
neue Anforderungen an die Aus- und Fortbildung sowie den Personalschlüssel im
Pflegedienst.
Psychische Störungen im Alter nehmen stark zu, und es fehlt in Düsseldorf im
ambulanten Bereich an Beratung und Koordination. Laut Gesundheitsbericht zur
gerontopsychiatrischen Versorgung in Düsseldorf besteht dringender Bedarf an der
Einrichtung einer gerontopsychiatrischen Fachberatungsstelle, die als Anlaufstelle für
Betroffene und Angehörige sowie als Koordinationsstelle der ehrenamtlichen und
professionellen sozialen und medizinischen Dienste fungiert. An Hilfen für psychiatrisch
erkrankte alte Menschen ist im ambulanten Bereich bisher als Modell das Nachtcafé der
Diakonie bezuschusst worden. Wir brauchen mehr solche Angebote und sie müssen
finanziell gesichert werden. Der ausreichenden Kurzzeitpflege kommt auch im
Zusammenhang mit der Einführung der Pauschalen (DRG's) in den Krankenhäusern
besondere Bedeutung zu.
Zu 5. Seniorenwirtschaft
Bei der Begründung ist anzufügen:
Darüber hinaus sind die für die Gesellschaft wertvollen Ressourcen älterer Menschen für
den Arbeitsmarkt oder z.B. durch das Angebot des mentoring von jugendlichen und
heranwachsenden Arbeitslosen in das Konzept einzubeziehen.
Denn viele ältere Menschen suchen nach Beendigung ihrer Erwerbsphase oder auch nach
einer Phase intensiver Familienarbeit ein neues gesellschaftliches Handlungsfeld oder
möchten sich weiterbilden. Ihre Qualifikationen und Kontakte (berufliche oder aus der
Familienarbeit) nicht zu nutzen, oder ausschließlich auf das Ehrenamt zu konzentrieren,
wäre falsch.
Zu 8. Kultur-, Freizeit- und Weiterbildungsangebote
Dieser Teil ist wie folgt zu ersetzen:
Bei den städtischen Freizeit-, Kultur- und Weiterbildungsangeboten ist zu prüfen, inwieweit
sie ausreichend auf die Interessen von Seniorinnen und Senioren abgestellt sind. Dies
bezieht sich sowohl auf die Inhalte (z.B. Internetnutzung), als auch auf äußere Faktoren wie
Erreichbarkeit, Öffnungszeiten und Öffentlichkeitsarbeit, hier insbesondere auch das
Internetangebot der Stadt, sowie Barrierefreiheit für mobilitäts- wie sinnesbehinderte
Menschen.
Darüber hinaus ist die bereits beschlossene Neuorganisation der Begegnungsstätten für
ältere Menschen zügig voranzutreiben. Hierbei ist besonderes Augenmerk auf die
Gestaltung neuer Förderrichtlinien zu legen, wobei die Festschreibung einheitlicher
Standards und die Qualität der Konzeptionen einzubeziehen sind.
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Die Stadt Düsseldorf verfügt über ein breitgefächertes Kultur-, Weiterbildungs- und
Freizeitangebot. Laut der telefonischen Umfrage 2000 zum Älterwerden in Düsseldorf
monieren allerdings 50 % der Befragten, dass es in ihrem Stadtteil keine gut zu
erreichenden Freizeit- und Kulturmöglichkeiten für Senioren gibt. Weitgehende
Barrierefreiheit - auch im Internetauftritt der Stadt - würde auch der besseren Beteiligung
von behinderten Menschen am öffentlichen Leben nutzen.
Zu 9. Ausländerarbeit
Hier ist der nachfolgende Text anzufügen:
! Maßnahmen, die den Zugang zu den Hilfsangeboten verbessern: Information und
Beratung über Leistungsansprüche, Finanzierungsfragen und Leistungsangebote
durch geeignetes muttersprachliches Informationsmaterial und die Möglichkeit
muttersprachlicher, vielleicht sogar aufsuchender Beratung. Aus-, Fort- und
Weiterbildung der MitarbeiterInnen von Pflegediensten und -einrichtungen sollte
durch Schulungen und Sensibilisierungstrainings zu interkultureller Kompetenz
ergänzt werden
! In Pflegeeinrichtungen und -diensten sollte die Einstellung von MitarbeiterInnen mit
Migrationshintergrund gefördert werden (auch im Rahmen einer Werbekampagne für
den Altenpflegeberuf)
! Zielgruppenorientierte Unterstützungs- und Beratungsangebote für pflegende
Angehörige, wie Gesprächskreise oder Pflegekurse in der Muttersprache bzw. mit
Übersetzungsmöglichkeit
! Verstärkte Kooperation mit Selbsthilfestrukturen, Vereinen und Verbänden der
MigrantInnenbevölkerung, auch hinsichtlich der Gestaltung der
Ansprache/Information älterer MigrantInnen, besondere Unterstützung von Vereinen,
Initiativen etc. die mit älteren MigrantInnen arbeiten, denn diese dienen als Vermittler
zwischen Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Politik und der
MigrantInnenbevölkerung
! Initiierung eines Runden Tisches, eines Workshops oder einer Tagung zum Thema:
Ältere Migrantinnen und Migranten in Düsseldorf (z.B. im Rahmen des Projektes
"Älter werden in Düsseldorf" und in Zusammenarbeit mit der Ausländerkoordination
des Sozialdezernates) unter Beteiligung von Seniorenbeirat und Ausländerbeirat
! Beispielhaft könnte in Anlehnung an das Multikulturelle Seniorenheim "Haus am
Sandberg" des DRK in Duisburg ein ähnliches Projekt in Düsseldorf initiiert werden.
Im Bereich der Altenhilfe sind bisher kaum Aktivitäten erkennbar, auf die zunehmende
Zahl älterer Migrantinnen und Migranten adäquat zu reagieren. Speziell ausländische
Seniorinnen leben nach dem Tod des E hegatten häufig am R ande des
Existenzminimums, haben selbst nicht oder nur ohne Steuerkarte gearbeitet und wenn
überhaupt nur geringe Rentenansprüche, u.a. auch wegen der unverhältnismäßig hohen
Arbeitslosigkeit unter ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Eine Übersicht über
die Sozialhilfequoten der Bevölkerung insgesamt weist die Älteren zwar eindeutig als die
am wenigsten bedürftige Gruppe aus (2,8% über 75jährige, 4,4% von 60-74 Jahren),
allerdings zeigt sich im Vergleich dazu bei ausländischen Senioren und Seniorinnen ein
anderes Bild, denn: jeder Fünfte ab 60 Jahre und jeder Dritte ab 75 Jahre erhält
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Unterstützung (S.9, Altenplan 4.2). Bei der Altenhilfe, speziell auch bei der
angemessenen Unterbringung im Pflegefall, ergeben sich neben finanziellen auch
kulturelle und ethnische und sprachliche Probleme. Die Zahl der pflegebedürftigen
Migrantinnen und Migranten wird in Deutschland in den nächsten Jahren steigen wegen
der sich verändernden demografischen Struktur, der zunehmenden Etablierung in
Deutschland und der abnehmenden Tendenz zur Rückkehr in das Herkunftsland, sowie
der auch in dieser Bevölkerungsgruppe abnehmenden Möglichkeit, den steigenden
Hilfebedarf durch informelle Unterstützung in der Familie abzudecken.
Die ambulanten und stationären Pflegeinrichtungen sind kaum auf die speziellen
Bedürfnisse dieser Zielgruppe vorbereitet, obwohl deren Zahl stetig steigt.
Die Voraussetzung für interkulturelle Pflege ist nicht das schablonenhafte Erlernen von
kulturellem Wissen nach dem Motto "Wie pflege ich einen Muslim?" Nötig sind schlicht
Sensibilität und die Fähigkeit zur Kommunikation unter Beachtung der besonderen
gegenseitigen Beziehung zwischen Pflegenden und Patientinnen und Patienten. Die
Klienten sollten stärker nach ihren eigenen Vorstellungen und Lösungsideen befragt
werden. Kulturelle Gemeinsamkeiten, nicht Unterschiede sollen im Vordergrund stehen.
Im Zuge einer interkulturellen Öffnung ist daher zunächst die Kooperation und
Vernetzung der meist unstrukturierten und unkoordiniert nebeneinander existierenden
Angebote anzustreben. Weitere Ziele sind der Abbau von Zugangsbarrieren, die
Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Altenhilfeeinrichtungen, die Förderung der
interkulturellen Kompetenz der MitarbeiterInnen der Altenhilfe, die Qualifizierung
muttersprachlichen Personals, die Schaffung bedarfsgerechter Dienste und Angebote für
ältere Migrantinnen und Migranten. Ergänzend sind zielgr uppenorientierte
Unterstützungs- und Beratungsangebote für pflegende Angehörige aufzubauen.
Die weitere Begründung erfolgt mündlich.
Mit freundlichen Grüßen
Antonia Frey
Beratungsfolge:
Gremium
Sitzungsdat
um
Ergebnis
Ausschuss für Gesundheit und Soziales -/-
1
-/-
2
1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant.
2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht
erfasst.
RSD AllVorlg.WPT
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