Vorlage aus der Politik Aktenzeichen 50/ 58/2004

Änderungsantrag Grüne zu SeniorenpolitikSPD

Termine abgeschlossen Die eingetragenen Termine sind vergangen; ein eindeutiges abschließendes Ergebnis ist nicht veröffentlicht.
Harkortstraße · Stadtbezirk 1 (Altstadt, Stadtmitte)örtlicher Bezug 1Dokument 7. Juni 2004veröffentlicht

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Seite 1 von 6 An Herrn Wolfgang Janetzki Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales Antrag zur Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 22.06.2004 Änderungsantrag der Ratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen zum Antrag der SPD-Ratsfraktion Für eine moderne Seniorenpolitik Sehr geehrter Herr Janetzki, ältere Menschen benötigen nicht nur Unterstützung, sie stellen der Gesellschaft auch Ressourcen (z.B. Unterstützung erwachsener Kinder materiell oder bei der Kinderbetreuung) zur Verfügung, und sie sind ein (mittlerweile) erkannter Wirtschaftsfaktor. Viele Seniorinnen und Senioren sind in familiäre und/oder sonstige soziale Netzwerke eingebunden, und viele beugen einer vorzeitigen Alterung durch eine gesunde Lebensweise, geistige und körperliche Aktivität sowie soziale Kontakte vor. Vor allem bis etwa zum 75. Lebensjahr handelt es sich in der Regel um eine äußerst aktive Lebensphase, in der die Menschen soziale Beziehungen pflegen, verreisen, sich weiterbilden oder sich ehrenamtlich engagieren. Erst ab ca. 80 Jahren wird der Beginn der so genannten "Hochaltrigkeit" definiert, da ab diesem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit für vermehrte Erkrankungen, Demenz und Pflegebedürftigkeit deutlich ansteigt. Und, so lehren uns die demografische Studien, der Anteil der älteren Menschen und vor allem der so genannten "Hochaltrigen" wird stetig steigen. Die Altenhilfeplanung hat die Lebenslagen und Bedürfnisse von sehr unterschiedlichen Menschen zu berücksichtigen, denn es handelt sich schließlich um normal aktive Menschen zwischen Mitte/Ende 50 bis zu Menschen, die 80, 90 oder immer mehr auch 100 Jahre und älter werden. Die Lebenslage von älteren Menschen mit Migrationshintergrund oder auch von älteren Behinderten bedürfen der besonderen Beachtung. Darüber hinaus muss in der Altenhilfe die Finanzierung öffentlicher Angebote an einheitliche Standards und möglichst überprüfbare Erfolgskriterien gebunden sein. Aus bündnisgrüner Sicht sollte im Hinblick auf das Thema "alternde Gesellschaft" nicht nur eine problemorientierte Sichtweise vorherrschen. Auch vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, zum vorliegenden Antrag der SPD-Fraktion nachfolgenden Änderungsantrag (es handelt sich um Einfügungen, Streichungen, und Ergänzungen, die jeweils fett gedruckt sind, die jeweilige Begründung ist eingerückt) mit auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu nehmen: Zu 3. Wohnungswirtschaft 3.1 Im ersten Satz ist das im folgenden unterstrichene Wort einzufügen, so dass der Satz lautet: RSD AllVorlg.WPT Seite 2 von 6 "Konferenz mit der Wohnungswirtschaft und der örtlichen Wohlfahrtspflege zur Verbesserung der Wohnraumversorgung von Personen, die Serviceleistungen, Pflege und Betreuung benötigen. Viele Seniorinnen und Senioren wollen unabhängig wohnen und nur bei Bedarf bestimmte Dienste abrufen, wie z.B. zum Einkaufen, zur Kleiderpflege oder für die Wohnungsreinigung. Bei den zu erarbeitenden Vorschlägen ist der Bereich der Servicedienste zum Alltagsmanagement älterer Menschen mit einzubeziehen und zunächst eine möglichst kleinräumige Bestandsaufnahme zu erstellen. 3.2 Am Ende des Punktes ist anzufügen: Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Neue Wohnformen für ältere Menschen" unter Beteiligung von Verwaltung, Seniorenbeirat und Trägern der Freien Wohlfahrtspflege, sowie bereits bestehender Initiativen. Wie in Teil 3 des Altenplanes ausgeführt, besteht ein starkes Interesse an neuen Wohnformen, wie z.B. gemeinsamem Wohnen von 'Jung und Alt', Seniorenwohngemeinschaften etc., und es gab und gibt in Düsseldorf hierzu auch verschiedene Initiativen und Ansätze. Eine AG sollte die entsprechenden Vorstellungen und - nach geeigneter Öffentlichkeitsarbeit - interessierte Personen zusammenbringen, die vorhandenen Erfahrungen aufarbeiten und Lösungen zur Umsetzung der Anregungen entwickeln. 3.3 Weiterhin ist anzufügen: Von der Verwaltung soll geprüft werden, ob der Aufbau eines Umzugsmanagements sinnvoll ist. Aus persönlichen, gesundheitlichen und/oder finanziellen Gründen würden Seniorinnen und Senioren oft gerne auch noch im hohen Alter umziehen und sich zum Beispiel eine kleinere Wohnung oder eine Wohnung mit Service oder Betreuung suchen. Dem stehen aber oft scheinbar unüberbrückbare organisatorische und technische Hindernisse entgegen, gerade wenn nicht auf familiäre Hilfestellung zurückgegriffen werden kann. Ein Umzugsmanagement k önnte hier unterstützend wirken. Im Nebeneffekt könnte sich dadurch sich die Verfügbarkeit großer und bezahlbarer Wohnungen für Familien, an denen es in Düsseldorf mangelt, erhöhen. Zu 4. Pflege Vor den Text zu 4. Ist einzufügen: Verbesserung der stationären und der häuslichen Pflege durch ! ausreichende Heimaufsicht und genügend qualifiziertes Personal in den Einrichtungen ! Intensivierung der Aus- und Fortbildung des Pflegepersonals, wo erforderlich neue Konzepte für stationäre Einrichtungen und ambulante Pflege wie z.B. Nachtangebote ! qualitativ und quantitativ ausreichende Kurzzeitpflegeangebote ! Einrichtung einer gerontopsychiatrischen Fachberatung. Angesichts der sich verändernden Bewohnerstruktur in den stationären Einrichtungen Seite 3 von 6 lassen sich aktivierende, betreuerische und rehabilitative Pflegekonzepte zunehmend schwerer realisieren. Mit der Erhöhung des Heimeintrittsalters auf mittlerweile ca. 85 Jahre, der Kürze der Verweildauer und der Zunahme schwerstpflegebedürftiger, psychisch erkrankter und sterbender Bewohnerinnen und Bewohner verlagert sich der Schwerpunkt der zu leistenden Arbeiten auf eine medizinisch und gerontopsychiatrisch orientierte Pflege. (Pflegebedarfsplan, S. 33) Die Sicherstellung einer umfassenden pflegerischen Versorgung dieser schwerstkranken Menschen sowie einer qualitativen Sterbebegleitung (auch Angehörigenbegleitung) stellt neue Anforderungen an die Aus- und Fortbildung sowie den Personalschlüssel im Pflegedienst. Psychische Störungen im Alter nehmen stark zu, und es fehlt in Düsseldorf im ambulanten Bereich an Beratung und Koordination. Laut Gesundheitsbericht zur gerontopsychiatrischen Versorgung in Düsseldorf besteht dringender Bedarf an der Einrichtung einer gerontopsychiatrischen Fachberatungsstelle, die als Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige sowie als Koordinationsstelle der ehrenamtlichen und professionellen sozialen und medizinischen Dienste fungiert. An Hilfen für psychiatrisch erkrankte alte Menschen ist im ambulanten Bereich bisher als Modell das Nachtcafé der Diakonie bezuschusst worden. Wir brauchen mehr solche Angebote und sie müssen finanziell gesichert werden. Der ausreichenden Kurzzeitpflege kommt auch im Zusammenhang mit der Einführung der Pauschalen (DRG's) in den Krankenhäusern besondere Bedeutung zu. Zu 5. Seniorenwirtschaft Bei der Begründung ist anzufügen: Darüber hinaus sind die für die Gesellschaft wertvollen Ressourcen älterer Menschen für den Arbeitsmarkt oder z.B. durch das Angebot des mentoring von jugendlichen und heranwachsenden Arbeitslosen in das Konzept einzubeziehen. Denn viele ältere Menschen suchen nach Beendigung ihrer Erwerbsphase oder auch nach einer Phase intensiver Familienarbeit ein neues gesellschaftliches Handlungsfeld oder möchten sich weiterbilden. Ihre Qualifikationen und Kontakte (berufliche oder aus der Familienarbeit) nicht zu nutzen, oder ausschließlich auf das Ehrenamt zu konzentrieren, wäre falsch. Zu 8. Kultur-, Freizeit- und Weiterbildungsangebote Dieser Teil ist wie folgt zu ersetzen: Bei den städtischen Freizeit-, Kultur- und Weiterbildungsangeboten ist zu prüfen, inwieweit sie ausreichend auf die Interessen von Seniorinnen und Senioren abgestellt sind. Dies bezieht sich sowohl auf die Inhalte (z.B. Internetnutzung), als auch auf äußere Faktoren wie Erreichbarkeit, Öffnungszeiten und Öffentlichkeitsarbeit, hier insbesondere auch das Internetangebot der Stadt, sowie Barrierefreiheit für mobilitäts- wie sinnesbehinderte Menschen. Darüber hinaus ist die bereits beschlossene Neuorganisation der Begegnungsstätten für ältere Menschen zügig voranzutreiben. Hierbei ist besonderes Augenmerk auf die Gestaltung neuer Förderrichtlinien zu legen, wobei die Festschreibung einheitlicher Standards und die Qualität der Konzeptionen einzubeziehen sind. Seite 4 von 6 Die Stadt Düsseldorf verfügt über ein breitgefächertes Kultur-, Weiterbildungs- und Freizeitangebot. Laut der telefonischen Umfrage 2000 zum Älterwerden in Düsseldorf monieren allerdings 50 % der Befragten, dass es in ihrem Stadtteil keine gut zu erreichenden Freizeit- und Kulturmöglichkeiten für Senioren gibt. Weitgehende Barrierefreiheit - auch im Internetauftritt der Stadt - würde auch der besseren Beteiligung von behinderten Menschen am öffentlichen Leben nutzen. Zu 9. Ausländerarbeit Hier ist der nachfolgende Text anzufügen: ! Maßnahmen, die den Zugang zu den Hilfsangeboten verbessern: Information und Beratung über Leistungsansprüche, Finanzierungsfragen und Leistungsangebote durch geeignetes muttersprachliches Informationsmaterial und die Möglichkeit muttersprachlicher, vielleicht sogar aufsuchender Beratung. Aus-, Fort- und Weiterbildung der MitarbeiterInnen von Pflegediensten und -einrichtungen sollte durch Schulungen und Sensibilisierungstrainings zu interkultureller Kompetenz ergänzt werden ! In Pflegeeinrichtungen und -diensten sollte die Einstellung von MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund gefördert werden (auch im Rahmen einer Werbekampagne für den Altenpflegeberuf) ! Zielgruppenorientierte Unterstützungs- und Beratungsangebote für pflegende Angehörige, wie Gesprächskreise oder Pflegekurse in der Muttersprache bzw. mit Übersetzungsmöglichkeit ! Verstärkte Kooperation mit Selbsthilfestrukturen, Vereinen und Verbänden der MigrantInnenbevölkerung, auch hinsichtlich der Gestaltung der Ansprache/Information älterer MigrantInnen, besondere Unterstützung von Vereinen, Initiativen etc. die mit älteren MigrantInnen arbeiten, denn diese dienen als Vermittler zwischen Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Politik und der MigrantInnenbevölkerung ! Initiierung eines Runden Tisches, eines Workshops oder einer Tagung zum Thema: Ältere Migrantinnen und Migranten in Düsseldorf (z.B. im Rahmen des Projektes "Älter werden in Düsseldorf" und in Zusammenarbeit mit der Ausländerkoordination des Sozialdezernates) unter Beteiligung von Seniorenbeirat und Ausländerbeirat ! Beispielhaft könnte in Anlehnung an das Multikulturelle Seniorenheim "Haus am Sandberg" des DRK in Duisburg ein ähnliches Projekt in Düsseldorf initiiert werden. Im Bereich der Altenhilfe sind bisher kaum Aktivitäten erkennbar, auf die zunehmende Zahl älterer Migrantinnen und Migranten adäquat zu reagieren. Speziell ausländische Seniorinnen leben nach dem Tod des E hegatten häufig am R ande des Existenzminimums, haben selbst nicht oder nur ohne Steuerkarte gearbeitet und wenn überhaupt nur geringe Rentenansprüche, u.a. auch wegen der unverhältnismäßig hohen Arbeitslosigkeit unter ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Eine Übersicht über die Sozialhilfequoten der Bevölkerung insgesamt weist die Älteren zwar eindeutig als die am wenigsten bedürftige Gruppe aus (2,8% über 75jährige, 4,4% von 60-74 Jahren), allerdings zeigt sich im Vergleich dazu bei ausländischen Senioren und Seniorinnen ein anderes Bild, denn: jeder Fünfte ab 60 Jahre und jeder Dritte ab 75 Jahre erhält Seite 5 von 6 Unterstützung (S.9, Altenplan 4.2). Bei der Altenhilfe, speziell auch bei der angemessenen Unterbringung im Pflegefall, ergeben sich neben finanziellen auch kulturelle und ethnische und sprachliche Probleme. Die Zahl der pflegebedürftigen Migrantinnen und Migranten wird in Deutschland in den nächsten Jahren steigen wegen der sich verändernden demografischen Struktur, der zunehmenden Etablierung in Deutschland und der abnehmenden Tendenz zur Rückkehr in das Herkunftsland, sowie der auch in dieser Bevölkerungsgruppe abnehmenden Möglichkeit, den steigenden Hilfebedarf durch informelle Unterstützung in der Familie abzudecken. Die ambulanten und stationären Pflegeinrichtungen sind kaum auf die speziellen Bedürfnisse dieser Zielgruppe vorbereitet, obwohl deren Zahl stetig steigt. Die Voraussetzung für interkulturelle Pflege ist nicht das schablonenhafte Erlernen von kulturellem Wissen nach dem Motto "Wie pflege ich einen Muslim?" Nötig sind schlicht Sensibilität und die Fähigkeit zur Kommunikation unter Beachtung der besonderen gegenseitigen Beziehung zwischen Pflegenden und Patientinnen und Patienten. Die Klienten sollten stärker nach ihren eigenen Vorstellungen und Lösungsideen befragt werden. Kulturelle Gemeinsamkeiten, nicht Unterschiede sollen im Vordergrund stehen. Im Zuge einer interkulturellen Öffnung ist daher zunächst die Kooperation und Vernetzung der meist unstrukturierten und unkoordiniert nebeneinander existierenden Angebote anzustreben. Weitere Ziele sind der Abbau von Zugangsbarrieren, die Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Altenhilfeeinrichtungen, die Förderung der interkulturellen Kompetenz der MitarbeiterInnen der Altenhilfe, die Qualifizierung muttersprachlichen Personals, die Schaffung bedarfsgerechter Dienste und Angebote für ältere Migrantinnen und Migranten. Ergänzend sind zielgr uppenorientierte Unterstützungs- und Beratungsangebote für pflegende Angehörige aufzubauen. Die weitere Begründung erfolgt mündlich. Mit freundlichen Grüßen Antonia Frey Beratungsfolge: Gremium Sitzungsdat um Ergebnis Ausschuss für Gesundheit und Soziales -/- 1 -/- 2 1) Die Sitzung wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht geplant. 2) Das Beratungsergebnis wurde zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Vorlage noch nicht erfasst. RSD AllVorlg.WPT Seite 6 von 6

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Quelle: Ratsinformationssystem Düsseldorf · Aktenzeichen 50/ 58/2004