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JHA/032/2026
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Beschlussvorlage
Betrifft:
Düsseldorfer Präventionskette - Maßnahmen zur Minderung der Folgen von Kinderarmut:
Armutsfonds 2026
Fachbereich :
51 - Amt für Soziales und Jugend
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Jugendhilfeausschuss 15.04.2026 Entscheidung
Beschlussdarstellung:
Der Jugendhilfeausschuss beschließt die Fortführung bestehender sowie die Durchführung
neuer Maßnahmen zur Linderung der Folgen von Kinderarmut für 2026 aus dem Armuts-
fonds gemäß nachstehender Übersicht.
Die Verwaltung wird ermächtigt, geringfügige Änderungen aufgrund veränderter Bedarfs-
lagen im Rahmen der unterjährigen Mittelverausgabung umzusetzen.
Sachdarstellung:
Im Rahmen des Auf- und Ausbaus der Düsseldorfer Präventionskette hat der Rat der Stadt
Düsseldorf im Jahr 2018 die Verwaltung beauftragt, Maßnahmen zur Reduzierung von
Kinderarmut zu entwickeln, umzusetzen und zu bewerten.
Zur Umsetzung dieses Auftrags wurde ein kommunal finanzierter Armutsfonds eingerichtet,
der perspektivisch in einen Chancenfonds überführt werden soll. Der Fonds leistet dabei
einen wesentlichen Beitrag zur Identifizierung und Schließung bestehender Versorgungs-
lücken innerhalb der kommunalen Präventionsketten, indem er flexibel auf bislang nicht
abgedeckte Bedarfe reagiert und neue, ergänzende Angebotsstrukturen erprobt.
Der Fonds ermöglicht die Initiierung innovativer Programme und Projekte zur Linderung der
Folgen von Kinderarmut mit besonderem Fokus auf die Schaffung nachhaltiger Strukturen im
Rahmen der Jugendhilfe- und Sozialplanung. Neben der Finanzierung kurzfristig
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notwendiger, pragmatischer und bedarfsorientierter Hilfen wird regelmäßig geprüft, inwiefern
erfolgreiche Maßnahmen verstetigt und perspektivisch in eine Regelförderung übergehen
können. Dadurch bleiben die Mittel des Fonds langfristig für die Entwicklung weiterer
innovativer Ansätze verfügbar.
Ein zentrales Qualitätsmerkmal der Umsetzung ist die kontinuierliche Begleitung und
fachliche Bewertung der Projekte. Dazu zählen regelmäßige Qualitätsdialoge mit den
Zuwendungsempfängerinnen und -empfängern sowie aussagekräftige Sachberichte. Diese
Instrumente bilden die Grundlage für die Bewertung, Weiterentwicklung und nachhaltige
Ausrichtung der Projekte und haben sich in der Praxis bewährt.
Über den Stand der Umsetzung, die Fortführung bestehender Maßnahmen sowie die
Initiierung neuer Projekte wird dem Jugendhilfeausschuss seit Einrichtung des Fonds
regelmäßig berichtet.
Der Etat des Armutsfonds sieht für 2026 ein Fördervolumen von 475.000 Euro vor.
Nachstehende Maßnahmen sind zur Umsetzung vorgesehen:
Maßnahmen 2026
Aufstockung „ Alleine Erziehen-Gemeinsam Aktiv " 30.000 €
Fortführung „ Koordinationsstelle Heerdt " 30.000 €
Fortführung „ Relieve " : Kinder- und Jugendlichentherapie 21.875 €
Gesundheitswerkstatt Garath 45.000 €
Sozialberatung in drei Stadteiltreffes Kategorie C
Stadtteiltreff SOS-Kinderdorf, Garath (45.000 € )
Stadtteiltreff Diakonie, Flingern-Süd (45.000 € )
Stadtteiltreff AWO, Wersten-Südost (45.000 € )
135.000 €
Mittagessen für Kinder und Jugendliche in der Offenen
Tür Wittenberger Weg
5.040 €
Projekt „ Fit in Oberbilk " - Umsetzung von Maßnahmen 25.000 €
2026 verplant 291.915 €
noch zur Verfügung stehend 183.085 €
Vorhandenes Gesamtvolumen 2026 475.000 €
Erläuterungen zu den einzelnen Maßnahmen:
Alleine Erziehen-Gemeinsam Aktiv
Träger: Evangelische Familienbildung Düsseldorf (efa) / Arbeiterwohlfahrt (AWO) /
Deutsches Rotes Kreuz (DRK) / Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und
Gesellschaftsbildung e. V. (ASG)
Alleinerziehende sind signifikant erhöht von Armut bedroht. Das erhöhte Armutsrisiko des
Elternteils und die (drohende) Kinderarmut gefährdet ein gesundes Aufwachsen der
Betroffenen. Armut wirkt dabei nicht nur über fehlendes Einkommen bzw. Einkommens-
armut, sondern über konkrete Folgelasten wie etwa erhöhte psychische Belastung,
eingeschränkte Bildungs- und Teilhabechancen der Kinder, schlechtere Gesundheits- und
Entwicklungsbedingungen sowie ein erhöhtes Risiko späterer Hilfebedarfe. Ein passgenaues
Angebot für Alleinerziehende kann die besonderen Bedürfnisse dieser Familien aufgreifen
und unterstützend wirken. Die Maßnahmen sind präventiv und empowernd.
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Das Projekt „ Allein erziehen - gemeinsam aktiv " umfasst durch pädagogische Fachkräfte der
anerkannten Familienbildungsträger offene Frühstückstreffs und Bildungswochenenden für
Alleinerziehende und ihre Kinder. Die Angebote können mit einem sehr geringen Eigenanteil
oder kostenlos angeboten werden. Die Wochenendfahren sind regelhaft sofort ausgebucht,
die offenen Treffs werden sehr gut besucht.
Ziel des Projektes ist es, die Resilienz und Erziehungskompetenz von Alleinerziehenden zu
stärken und die Familien miteinander zu vernetzen.
Die Teilnehmenden werden durch die Angebote darin unterstützt, Krisen im Erziehungsalltag
besser zu bewältigen. Aktuelle Themen der Eltern werden von den Fachkräften aufgegriffen
und im gegenseitigen Austausch vertieft. Die entstehenden Netzwerke wirken unterstützend
und tragen zur Stabilisierung des Familienalltags bei.
Die Bezuschussung über den Armutsfonds garantiert, dass die bereitgestellte Leistung für
die Zielgruppe der Alleinerziehenden bedarfsgerecht gesichert wird und so Risikolagen
abgewendet werden.
Koordinationsstelle Heerdt
Träger: Sozialdienst katholischer Frauen und Männer Düsseldorf e. V.
Die sozialräumliche Gliederung Düsseldorfs, zuletzt aktualisiert im Quartiersatlas 2024, fasst
Gebiete mit ähnlicher sozialer und siedlungsstruktureller Lage zusammen und dient als
zentrale Planungsgrundlage. Für den Sozialraum Heerdt zeigten die Analysen und Daten
einen erhöhten Handlungsbedarf für Kinder, Jugendliche und Familien, woraus gezielte
Handlungsempfehlungen abgeleitet wurden.
Seit 2021 baut das Projekt „ Fit in Grünau " im Quartier Heerdt-Grünau gesundheitsförderliche
Strukturen für Kinder und Familien auf. Besonders die Gesundheitsförderung in der frühen
Lebensphase spielt eine zentrale Rolle, da sie dazu beiträgt, Entwicklungsrisiken,
armutsbedingte Belastungen und soziale Benachteiligungen frühzeitig abzufedern.
Die Koordinationsstelle Präventionsmanagement übernimmt im Linksrheinischen eine
zentrale Rolle in der Präventionsarbeit und im Netzwerk der Frühen Hilfen. Sie erfasst
sozialräumliche Bedarfe vor Ort, vernetzt Akteur*innen und schafft niedrigschwellige
Zugänge zu Angeboten für Familien in vulnerablen Lebensphasen.
Die etablierten frühzeitigen, koordinierten Präventionsstrukturen wirken stabilisierend und
entlastend und tragen so zur Vermeidung armutsbedingter Folgen über den Lebensverlauf
bei. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Gesundheitsförderung im Quartier
nachhaltig verankert ist: Ein stabiles Netzwerk qualifizierter Fachkräfte wird vor Ort von der
Koordinationsstelle organisiert und moderiert.
„ Relieve " - Kinder- und Jugendlichentherapie
Aus Fördermitteln des Programms „ AUF!leben-Zukunft ist jetzt " der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung konnte die Jugend- und Elternberatung der Landeshauptstadt Düsseldorf ab
März 2022 das niederschwellige therapeutische Angebot für Kinder und Jugendliche
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„ AUF!leben: Kinder- und Jugendlichentherapie in Corona-Zeiten " anbieten.
Der Bedarf nach intensiver und niederschwelliger therapeutischer Begleitung für Kinder,
Jugendliche und junge Erwachsene durch kinder- und jugendlichentherapeutische
Fachkräfte auf Honorarbasis, hat sich - auch nach dem Ende der Pandemie und mit
Sichtbarwerden ihrer gesellschaftlichen Folgen - als angemessen und lösungsorientiert
erwiesen.
Seit 2023 wird das Angebot, das besonders wertvoll für Familien ist, die nicht aus eigenen
Ressourcen heraus eine (private) therapeutische Hilfe finden und finanzieren können, aus
dem Armutsfonds finanziert. Die Nachfrage nach dieser therapeutischen Unterstützung war
auch 2025 unvermindert groß.
Fehlende kassentherapeutische Niederlassungen führen dazu, dass die Landehauptstadt
Düsseldorf im Sinne der unterstützungsbedürftigen Kinder und Jugendlichen auch 2026 eine
stabilisierende und überbrückende Unterstützung über den Armutsfonds ermöglicht.
Eine Verstetigung wird für 2027 angestrebt - das Angebot liegt jedoch außerhalb
herkömmlicher Leistungsstrukturen (und der Zuständigkeit) der Jugendhilfe, was eine
dauerhafte Finanzierung erschwert.
Gesundheitswerkstatt Garath
Träger: SOS-Kinderdorf e. V. Düsseldorf
In sozial stärker belasteten Stadtteilen wie Düsseldorf-Garath zeigt sich besonders deutlich,
wie eng Armut und Gesundheit miteinander verbunden sind. Die Gesundheitswerkstatt
Garath setzt genau hier an. Sie ist ein niedrigschwelliges, generationenübergreifendes
Angebot im Quartier, das Gesundheitsförderung mit sozialer Begegnung verbindet. Ziel ist
es, Menschen im Quartier alltagsnah zu erreichen und sie dabei zu unterstützen, ihre
Gesundheit aktiv zu stärken.
Das Angebot reicht von praktischer Ernährungsbildung für Familien mit kleinen Kindern über
gemeinsame Koch- und Essensangebote für Kinder bis hin zu gesundheitsfördernden
Aktivitäten für ältere Menschen. Gleichzeitig schafft die Gesundheitswerkstatt Räume für
Austausch, Begegnung und gegenseitige Unterstützung im Stadtteil. So werden soziale
Isolation reduziert und nachbarschaftliche Netzwerke gestärkt.
Ein zentraler Ansatz ist die Vermittlung konkreter, alltagstauglicher Kompetenzen: Die
Teilnehmenden lernen, wie gesunde Ernährung auch mit begrenzten finanziellen Mitteln
umgesetzt werden kann und wie sie ihre Gesundheit eigenständig fördern können.
Untersuchungen zur Wirksamkeit und Weiterentwicklung wurden im März 2026 durch die
wissenschaftliche Begleitung und Evaluation durch die Heinrich-Heine-Universität
(Fachbereich Medizinische Soziologie) sichergestellt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse
fließen in die Weiterentwicklung des Angebots ein.
Die Anschlussförderung ist erforderlich, um die kontinuierliche Umsetzung und
Weiterentwicklung des Angebots sicherzustellen. Insbesondere die Finanzierung einer
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pädagogischen Fachkraft ist zentral, um die Qualität, Verlässlichkeit und nachhaltige
Wirkung des Projekts zu gewährleisten. Die Fachkraft übernimmt die Koordination der
Angebote, die bedarfsgerechte Weiterentwicklung sowie die fachliche Begleitung der
Teilnehmenden.
Sozialberatung an drei Stadtteiltreffs der Kategorie C
Fünf Düsseldorfer Stadtteil- und Familientreffs (Kategorie C) liegen in Quartieren mit hohem
sozialem Handlungsbedarf und sind dort zentrale Anlaufstellen für Bürger*innen. Weiterhin
erfüllen sie eine besondere Funktion in der örtlichen Vernetzungs- und Kooperationsstruktur
und der Anbindung an die vorhandene Angebotslandschaft.
In seiner Sitzung am 08.02.2023 hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen, dass in den
Stadtteiltreffs dieser Kategorie auch eine niederschwellige Sozialberatung vorzuhalten ist.
Ein Planungsprozess zur Ausgestaltung einer trag- und zukunftsfähigen Gesamtstruktur der
Sozialberatungslandschaft in Düsseldorf wird im Laufe des Jahres 2026 fertiggestellt.
Eine finanzielle Absicherung der in der Tabelle benannten und bisher nicht ausfinanzierten
drei Sozialberatungsangebote in den Stadtteiltreffs in Garath, Flingern-Süd und Wersten-
Südost wird deshalb für 2026 über den Armutsfonds gewährleistet.
Mittagessen in der Offenen Tür (OT) Wittenberger Weg
Träger: Sozialdienst katholischer Frauen und Männer Düsseldorf e.V.
Die OT Wittenberger Weg ist ein sozialer und pädagogischer Treffpunkt für Kinder und
Jugendliche im Stadtteil Garath. Mit ihrem Schwerpunkt Sport und Gesundheit bietet sie
niedrigschwellige Bildungs-, Bewegungs- und Freizeitangebote. Ergänzend betreibt die
Einrichtung eine naheliegende Spielanlage und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur
attraktiven Freiraumgestaltung im Quartier.
Die Einrichtung wird regelmäßig auch in den Nachmittags- und Abendstunden besucht. Ein
wachsender Anteil der Kinder und Jugendlichen kommt direkt aus der Schule in die OT.
Daraus ergibt sich ein unmittelbarer Bedarf an einer verlässlichen Verpflegung vor Ort.
Ein warmes Mittagessen sichert die Grundversorgung und schafft eine stabile Grundlage für
die Teilnahme an den Angeboten, insbesondere an der kostenfreien und verbindlichen
Hausaufgabenbegleitung für acht Kinder, die jeweils für mindestens ein Schulhalbjahr
angemeldet sind.
Projekt „ Fit in Oberbilk " - Maßnahmen
Die 2024 und 2025 durchgeführte Analyse in Oberbilk - durchgeführt durch das Deutsche
Diabetes Zentrum (DDZ) - zielte auf ein gesundes und chancengerechtes Aufwachsen von
Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Lebenslagen im Alter zwischen 0 und 21 Jahren
sowie deren Familien in Oberbilk ab.
Vorbild war der gelungene Projektansatz „ Fit in Grünau " (seit 2021).
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Entsprechend des Analysedreiklangs wurde eine Bestands-, Bedarfs- sowie
Bedürfnisanalyse durchgeführt. Es fanden qualitative Interwies und Befragungen bei den
Kindern, Jugendlichen und ihrer Familien statt sowie Beteiligungsaktionen bei den
Jugendlichen. Darüber hinaus wurden Ergebnisse des Oberbilker Kinderparlaments
einbezogen. Im Mittelpunkt stand der Austausch mit den Fachkräften der Kinder- und
Jugendhilfe, de r Schulen sowie mit (Sport)Vereinen und weiteren Akteuren in Oberbilk. Ihre
Erfahrungen wurden in Fokusgruppen vertieft und mit ihnen Handlungsempfehlungen/Maß-
nahmen für ein gesundes/chancengerechtes Aufwachsen erarbeitet (siehe Informations-
vorlage JHA/004/2026).
Für die Umsetzung von Maßnahmen in Oberbilk im Jahr 2026 ist ein Projektbudget in Höhe
von 25.000 € vorgesehen für gesundheitsbezogene Angebote und Maßnahmen sowie
insbesondere Mittel zur Etablierung eines zentralen Informationsportals für Oberbilk
(webpage). Auch digitale Informationsboards auf Oberbilker Plätzen sollen ausprobiert
werden. Ebenso werden klassische „ schwarze Bretter " für analoge Informationen im Stadtteil
ausgeweitet.
Die Finanzierung der Ansätze für 2026 erfolgt aus den dafür etatisierten
Haushaltsmitteln bei Position 3636302 5318000.