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JHA/079/2026
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Beschlussvorlage
Betrifft:
Düsseldorfer Präventionskette - Maßnahmen zur Minderung der Folgen von Kinderarmut:
Chancenfonds 2026/10
Fachbereich:
51 - Amt für Soziales und Jugend
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium SitzungsdatumBeratungsqualität
Jugendhilfeausschuss07.10.2026Entscheidung
Beschlussdarstellung:
Der Jugendhilfeausschuss beschließt die Durchführung weiterer Maßnahmen 2026 zur
Linderung der Folgen von Kinderarmut aus dem Chancenfonds gemäß nachstehender
Darstellung (a und b).
Die Verwaltung wird ermächtigt, geringfügige Änderungen aufgrund veränderter
Bedarfslagen im Rahmen der unterjährigen Mittelverausgabung umzusetzen.
Sachdarstellung:
Im April (JHA/032/2026) und September 2026 (JHA/065/2026) hat der Jugendhilfeausschuss
bereits diverse Maßnahmen zur Linderung der Folgen von Kinderarmut aus dem
Chancenfonds für das Jahr 2026 beschlossen.
Folgende beiden Ansätze sollen nun ergänzend aus den verbleibenden Mitteln umgesetzt
werden:
a)Qualitative Sicherstellung eines exklusiven Düsselferienangebots in den
Herbstferien 2026 (Qualitätsbausteine siehe Anlage)
Die Düsselferien richten sich an Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen
Behinderungen und sehr individuellen Unterstützungsbedarfen. Die Bandbreite reicht von
geringem Unterstützungsbedarf bis hin zu umfangreicher Pflege, medizinischer Versorgung
und notwendiger 1:1-Betreuung. Die beantragten Mittel sind daher unmittelbar erforderlich,
um eine sichere, verlässliche und gleichberechtigte Teilhabe aller Teilnehmenden (4
Gruppen mit je 15 Kindern) in den Herbstferien 2026 zu ermöglichen und den berechtigen
Qualitätsansprüchen von Familien gerecht zu werden.
Sie decken den erhöhten Betreuungsbedarf, ein geeignetes Catering sowie den
erforderlichen Busdienst ab.
Kostendeckung aus dem Armutsfonds: 47.932 Euro
b)Motorik- und Bewegungsförderung durch mobiles Zirkusangebot an
Grundschulen in besonders belasteten Sozialräumen
Die Analysen im Projekt „Fit in Oberbilk" haben einen deutlich erkennbaren Motorik- und
Bewegungsmangel herausgearbeitet, der auf alle Sozialräume mit hohem sozialen
Handlungsbedarf übertragbar ist. Zunächst ausgehend als Modellansatz im Stadtteil Oberbilk
(als Ergänzungsmaßnahme zu den als notwendig herausgearbeiteten Handlungsansätzen
des Projekts „Fit in Oberbilk") soll ein zirkuspädagogischer Ansatz zur Bewegungsförderung
an Oberbilker Grundschulen im Herbst/Winter 2026/2027 an einzelnen Tagen als Ergänzung
zur Ganztagsbetreuung angeboten werden. Der Kölner Spielecircus e. V. bietet hierzu
optionale Module an, die unkompliziert installiert und flexibel an die jeweiligen
Rahmenbedingungen angepasst werden können. Die zirkuspädagogischen Angebote
verbinden Bewegung, Spiel und soziales Lernen und ermöglichen darüber hinaus eine
niedrigschwellige Sprachförderung.
Kostendeckung aus dem Chancenfonds: 30.000 Euro
Der Etat des Chancenfonds sieht für 2026 ein Fördervolumen von 475.000 Euro vor.
Nachstehende Maßnahmen sind zur Umsetzung 2026 nun insgesamt vorgesehen bzw.
befinden sich in Umsetzung:
Maßnahmen 2026
Aufstockung „Alleine Erziehen-Gemeinsam Aktiv" 30.000 €
Fortführung „Koordinationsstelle Heerdt" 30.000 €
Fortführung „Relieve": Kinder- und Jugendlichentherapie21.875 €
Gesundheitswerkstatt Garath45.000 €
Sozialberatung in drei Stadteiltreffes Kategorie C135.000 €
Stadtteiltreff SOS-Kinderdorf, Garath (45.000 €)
Stadtteiltreff Diakonie, Flingern-Süd (45.000 €)
Stadtteiltreff AWO, Wersten-Südost (45.000 €)
Mittagessen für Kinder und Jugendliche in der Offenen Tür 5.040 €
Wittenberger Weg
Projekt „Fit in Oberbilk" - Umsetzung von Maßnahmen 25.000 €
Streetwork, Quartiersmanagement und 50.000 €
Ordnungspartnerschaft in Hassels-Nord
NEU: Exklusives Düsselferienangebot47.932 €
NEU: Motorik- und Bewegungsförderung durch mobiles 30.000 €
Zirkusangebot an Grundschulen in belasteten Sozialräumen
2026 verplant 419.847 €
noch zur Verfügung stehend55.153 €
Vorhandenes Gesamtvolumen 2026475.000 €
Die Finanzierung der Ansätze für 2026 erfolgt aus den dafür etatisierten
Haushaltsmitteln bei Position 3636302 5318000.
Anlagen:
Qualitätsbausteine für ein exklusives Düsselferienangebot
Seite 2
Qualitätsbausteine für ein exklusives Düsselferienangebot als Text anzeigen
Anlage
Qualitätsbausteine und daraus resultierende finanzielle Anpassungen für ein
exklusives Düsselferienangebot (hier: Herbstferien 2026)
Die Düsselferien richten sich an Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen
Behinderungen und sehr individuellen Unterstützungsbedarfen. Die Bandbreite reicht von
geringem Unterstützungsbedarf bis hin zu umfangreicher Pflege, medizinischer Versorgung
und notwendiger 1:1-Betreuung. Um eine sichere, verlässliche und gleichberechtigte
Teilhabe aller Teilnehmenden zu ermöglichen und den berechtigen Qualitätsansprüchen von
Familien gerecht zu werden, werden zusätzliche Finanzmittel nötig.
Sie decken den erhöhten Betreuungsbedarf, ein geeignetes Catering sowie den
erforderlichen Busdienst ab. Es handelt sich um 4 Gruppen mit je 15 Kindern.
Bereuungsqualität
Die exklusiven Ferienangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind hinsichtlich
ihrer Anforderungen nicht mit regulären Ferienangeboten der Kinder- und
Jugendfreizeiteinrichtungen und auch nicht mit inklusiven Angeboten mit einzelnen Kindern
mit Behinderung vergleichbar, so dass zum einen mehr betreuende Personen eingesetzt
werden und zum anderen ein entsprechendes Honorar gezahlt wird, um fachliche Standards
zu gewährleisten.
Der Bedarf nach einer intensiven Betreuung, die insbesondere auch Kindern und
Jugendlichen die Teilnahme ermöglicht, die aufgrund ihres Unterstützungsbedarfs nicht oder
nur zeitweise beschult werden können, ist steigend. Diese Kinder und Jugendlichen erhalten
damit Zugang zu sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe und ihre Familien erfahren
gleichzeitig eine erhebliche Entlastung.
Honorarkräfte sind damit ein wesentliches Instrument zur Sicherstellung dieser Teilhabe
durch Qualität, Verlässlichkeit und eine ausreichende Personalausstattung.
Daher werden die Betreuungskräfte sorgfältig ausgewählt und vorbereitet. Dazu gehören-
neben der Überprüfung des erweiterten Führungszeugnisses und des Masernschutzes -
insbesondere persönliche Kennenlerngespräche sowie vorbereitende Schulungen.
Die Zuordnung der betreuenden Personen erfolgt möglichst passgenau anhand von
Unterstützungsbedarf, Persönlichkeit, Kommunikationsform und Vorerfahrungen. Durch
Gespräche mit Eltern und ggf. Schulen sowie das persönliche Kennenlernen der
Teilnehmenden wird die Betreuung individuell vorbereitet.
Tägliche Vor- und Nachbesprechungen sowie ein enger Austausch mit den Familien
ermöglichen es, auf Veränderungen und die jeweilige Tagesform der Kinder zu reagieren.
Die Teilnehmenden treffen in den Düsselferien auf ein für sie häufig vollständig neues
Umfeld: neue Räumlichkeiten, neue Betreuungskräfte und andere Kinder und Jugendliche.
Gerade für Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf, Autismus oder eingeschränkter
Kommunikationsfähigkeit kann diese fehlende Vertrautheit eine erhebliche Herausforderung
darstellen, so dass für diese Kinder in erhöhter Betreuungsschlüssel notwendig ist.
Der erhöhte Personalbedarf ergibt sich insbesondere aus:
• individuellen Pflegebedarfen, z. B. Toilettengängen, Wickeln, An- und Ausziehen und
Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme,
• medizinischen Bedarfen und dem Umgang mit Dauermedikation bzw. erforderlicher
Notfallmedikation im Rahmen der jeweiligen Voraussetzungen,
• eingeschränktem Gefahrenbewusstsein und erhöhtem Aufsichtsbedarf,
• Weglauftendenzen sowie Selbst- oder Fremdgefährdung,
• herausfordernden oder aggressiven Verhaltensweisen,
• Krisen- und Konfliktsituationen,
• individuellen Kommunikationsformen wie Unterstützter Kommunikation, Gebärden
oder Bildkarten.
Insbesondere in Krisensituationen ist eine Betreuung mehrerer Kinder durch eine Person
nicht ausreichend. Eine zusätzliche Betreuungskraft ermöglicht es, unmittelbar und
ausschließlich auf die Situation des betroffenen Kindes zu reagieren, ohne die Sicherheit der
übrigen Gruppe zu gefährden.
Verpflegung
Auch die Verpflegung erfordert eine individuelle Lösung. Bei den Teilnehmenden bestehen
teilweise Allergien, Unverträglichkeiten, Zöliakie, Stoffwechselerkrankungen,
Schluckbeeinträchtigungen oder andere besondere Ernährungsbedarfe.
Hinzu kommen individuelle Essgewohnheiten und teilweise ausgeprägte Nahrungszwänge,
insbesondere bei einigen Kindern mit Autismus. Unterschiedliche Lebensmittel und deren
getrennte bzw. vertraute Darreichung können entscheidend dafür sein, ob ein Kind
überhaupt Nahrung zu sich nimmt.
Die Möglichkeit, einzelne Komponenten flexibel zu bestellen und miteinander zu kombinieren
sowie Allergien und individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen, ermöglicht den Kindern
gleichzeitig Wahlmöglichkeiten und Selbstwirksamkeit. Sie können beispielsweise selbst
entscheiden, welche für sie akzeptierten Komponenten sie kombinieren möchten.
Gleichzeitig entsteht die Möglichkeit, neue Lebensmittel kennenzulernen und - ohne Druck -
auszuprobieren.
Ein geeigneter Caterer gewährleistet somit nicht nur eine sichere Versorgung, sondern
unterstützt auch Struktur, Selbstbestimmung und Teilhabe.
Fahrdienst
Für viele Familien stellt die tägliche An- und Abreise eine erhebliche organisatorische
Belastung dar. Beruf, Geschwisterkinder, Therapien, Arzttermine und die umfangreiche
Versorgung des Kindes müssen miteinander vereinbart werden.
Ein Teil der Familien ist deshalb auf einen Fahrdienst angewiesen. Der Busdienst stellt
sicher, dass auch Kinder teilnehmen können, deren Familien die tägliche Beförderung nicht
eigenständig leisten können.
Damit schafft der Fahrdienst Zugang und Chancengleichheit und verhindert, dass der
Unterstützungsbedarf eines Kindes oder die familiäre Belastung zum Ausschluss vom
Ferienangebot führt.
Fazit
Der erhöhte Finanzierungsbedarf der Düsselferien ergibt sich unmittelbar aus den
besonderen Anforderungen der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen.
Zusätzliche Mittel ermöglichen:
• eine bedarfsgerechte, teilweise 1:1-Betreuung,
• ausreichendes und qualifiziertes Personal,
• die notwendige pflegerische und medizinische Unterstützung,
• Sicherheit auch in Krisen- und Ausnahmesituationen,
• eine individuell geeignete und sichere Verpflegung,
• die zuverlässige An- und Abreise durch einen Fahrdienst,
• echte Teilhabe und Selbstbestimmung,
• sowie eine spürbare Entlastung der Familien.
Kostenaufstellung
Honorare Verpflegung Busdienst Gruppenbudget Ausflüge