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AÖE/049/2026
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Informationsvorlage
Betrifft:
Blühwiesenstrategie - Bericht über die Umsetzung der Maßnahmen in der Priorität 1
Fachbereich:
68 - Garten-, Friedhofs- und Forstamt
Dezernentin / Dezernent:
Beigeordneter Jochen Kral
Beratungsfolge:
Gremium SitzungsdatumBeratungsqualität
Ausschuss für öffentliche
Einrichtungen, Stadtökologie,
11.09.2026Kenntnisnahme
Abfallmanagement und
Bevölkerungsschutz
Beschlusslage:
Beschluss Ausschuss für öffentliche Einrichtungen, Stadtökologie, Abfallmanagement und
Bevölkerungsschutz AÖE/008/2024 vom 26.02.2024
Blühwiesenstrategie - Umsetzung der wesentlichen Maßnahmen der Priorität 1 sowie
Akquise von Fördermitteln
Beschluss Rat AÖE/036/2025 vom 10.07.2025
Biodiversitätskonzept 2030 - Umsetzung eines ersten Maßnahmenpakets sowie Akquise von
Fördermitteln
Sachdarstellung:
Die Blühwiesenstrategie der Landeshauptstadt Düsseldorf (LHD) ist ein zentraler Pfeiler des
städtischen Biodiversitätskonzepts 2030. Das Ziel der Strategie ist die ökologische
Aufwertung bestehender Grünflächen, indem intensiv gepflegte Rasenflächen in artenreiche
Wiesen umgewandelt bzw. durch deren Erhalt Lebensräume für Insekten und bedrohte
Pflanzen geschaffen werden:
Umwandlung von Flächen:
Bereits seit 2005 werden verstärkt Rasenflächen in Parkanlagen und im
Straßenbegleitgrün extensiviert und in Blühwiesen umgewandelt. Bis zum Jahr 2022
wurden rund 7,5 Hektar neue Blühwiesen angelegt. In den folgenden Jahren wurden
rund 30.000 vorgezogene Stauden in die Wiesen gepflanzt.
Extensivierung der Pflege:
Statt häufigem Mähen werden diese Flächen nur noch ein- bis zweimal pro Jahr
geschnitten. Dieses Konzept leitet sich aus der herkömmlichen Nutzung von Blühwiesen
zur Heugewinnung ab. Nur durch diese gezielte Pflege können Blühwiesen erhalten oder
entwickelt werden.
Verwendung von regionalem Saatgut:
Es wird grundsätzlich auf heimische Wildblumen und Gräser gesetzt, um die lokale Flora
und Fauna optimal zu fördern.
Für die Umsetzung der Strategie wurden drei Prioritäten gebildet und ein Zeitplan festgelegt.
PrioritätBeschreibung Zeitplan
1 Maßnahmen mit einem besonders hohen2024 - 2028
Aufwertungspotential für Neuanlagen oder
Pflegeanpassungen oder mit höchster Bedeutung für
den Erhalt der Biodiversität.
2 Maßnahmen mit hoher Bedeutung für den2029 - 2033
Biodiversitätserhalt im Stadtgebiet, insbesondere
Pflegeanpassungen von artenarmen Extensivwiesen.
3 Maßnahmen zur Aufwertung von Flächen mit bereitsab 2034
hoher Artenvielfalt durch Pflegeanpassungen oder
Neuansaat mit Blühpflanzen.
Mit dieser Vorlage wird über den aktuellen Sachstand zur Umsetzung der Maßnahmen der
Priorität 1 berichtet.
Für die Umsetzung der Maßnahmen der Priorität 1 wurden Anfang 2024 insgesamt 530.668,-
Euro kalkuliert (Vorlage AÖE/008/2024), davon 212.238 Euro für Neuanlagen, Nachsaaten
und Wiesenstaudenpflanzungen sowie 188.000 Euro für die Beschaffung von erforderlichen
Maschinen und Geräte. Hinzu kommen 130.430 Euro für eine nachhaltig und ökologisch
ausgeführte Pflege im Zeitraum von 5 Jahren.
Im März 2024 wurde im Rahmen der Förderrichtlinie „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen
(NKK)" ein Förderantrag gestellt. Da zu diesem Zeitpunkt ein höherer Bedarf an Maschinen
erkennbar war, wurde die beantragte Fördersumme auf 570.000,- Euro festgesetzt. Mit
Bescheid vom 02.04.2024 hat die KfW eine 80 % Förderung in Höhe von 456.000,- Euro
bewilligt. Diese Zuwendung konnte inzwischen komplett verwendet werden. Der Eigenanteil
der Stadt Düsseldorf beläuft sich auf 114.000,- Euro.
Umgesetzte Maßnahmen:
1.Gerätebeschaffung
Insgesamt wurde der städtische Fuhrpark mit Maschinen (Balkenmäher, Heuwender,
Ballenpressen etc.) in einem Wert von 426.265,55 Euro ergänzt (davon 341.012,44 €
Förderung). Zum Teil werden die Maschinen aufgrund langer Lieferzeiten im Jahr 2026
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zum ersten Mal eingesetzt, sodass erst ab diesem Jahr Erfahrungswerte gesammelt
werden können.
2.Pflegeumstellung und Neuanlagen
Die weiteren Mittel (in Höhe von 143.734,45 €) wurden für kleinflächige Neuanlagen von
Blühwiesen, Entwicklungspflege, Vergabe der Insekten schonenden Mahd an Fachfirmen
sowie für Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwendet.
Die Wiesenmahd stellt an die in der Pflege Tätigen höhere Ansprüche als an eine
regelmäßige Rasenmahd, da die Mahdzeitpunkte, die zur Mahd einzusetzenden Geräte
und begleitende Maßnahmen in Abhängigkeit von der Vegetationsentwicklung beachtet
werden müssen.
Daher wurden im Jahr 2025 durch einen Fachexperten alle Mitarbeitenden des
Gartenamtes, die für die Wiesenpflege zuständig sind, im Bereich biodiversitätsfördernde
Mahd geschult. Bei der mehrtägigen Schulung wurden sowohl die Theorie erläutert als
auch die praktische Umsetzung vorgestellt.
In Zusammenhang mit diesem Seminar wurde begonnen, auf besonders gut entwickelten
Blühwiesen ein Konzept zur Streifenmahd zu etablieren. Diese Maßnahme war in der
Blühwiesenstrategie bisher noch nicht vorgesehen und soll in einer Fortschreibung der
Strategie noch stärker berücksichtigt werden.
Bei der Streifenmahd verbleiben partiell ungemähte Flächen, die den Insekten als
Rückzugs- und Nahrungsräume dienen. Die Arten- und Individuenzahl lässt sich somit
noch erheblich steigern.
Erste Versuchsflächen von insgesamt fast vier Hektar liegen im Nordpark, im
Schlosspark Mickeln und am Hellerhofhügel. Auf Grund der positiven Erfahrung in diesen
Bereichen wurden in der Folge weitere 1,5 Hektar Wiese durch die städtischen
Mitarbeitenden mit dieser Methode gemäht.
Weitere Entwicklung
Aktuell wurde für das Jahr 2026 die Insekten schonende Mahd, also mit Balkenmäher in
einer Höhe von etwa 10 cm über dem Boden, sowie auf besonders geeigneten Flächen
die Streifenmahd, ausgeschrieben.
Seit Beginn der Pflegesaison 2026 werden bei den Wiesenflächen in Eigenmahd zudem
erstmals die neu beschafften Maschinen und Geräte eingesetzt. Beide Maßnahmen
werden zu einer sukzessiven Anreicherung der Wiesen mit den typischerweise dort
vorkommenden Tier- und Pflanzenarten führen.
Die Ausschreibungen von Streifenmahd und Insekten schonender Mahd sind für die
Verwaltung und auch für die beteiligten Firmen noch in der Erprobung. Die Vorgänge
müssen weiter optimiert und verstetigt werden. Der Klimawandel führt zu immer früheren
Blühzeitpunkten der Wiesen. Erfolgte die Mahd in früheren Jahren ab dem 15. Juni zur
Vollblüte der Margeriten, hat sich diese heute oft bereits in den frühen Mai verlagert.
Somit muss die erste Mahd früher erfolgen, damit die Wiesen vor den trockenen
Sommermonaten wieder austreiben und die Blütenpflanzen sich aussähen können.
Im Biodiversitätskonzept ist darüber hinaus vorgesehen, die Blühwiesenstrategie um ein
Kapitel zur Beweidung von Flächen zu ergänzen. Hierzu wird aktuell nach einem
fachkundigen Gutachter gesucht.
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Bereits im ersten Jahr mit Streifenmahd zeichnet sich im Nordpark eine sehr positive
Entwicklung der Insektenbestände ab. Die Schmetterling-Stückzahlen der Großen
Ochsenaugen, Hauhechelbläulinge und Kleinen Sonnenröschenbläulinge werden
gegenüber denen der Vorjahre um den Faktor 20 überschritten. Vom Großen
Ochsenauge flogen im Juni um die 1.000 Exemplare in den Wiesen des Nordparks. Eine
derart große Zahl von Schmetterlingen konnte bisher in keiner anderen Fläche in
Düsseldorf erreicht werden. Bei der früh im Jahr fliegenden Braunen Tageule, einem
tagaktiven Nachtfalter hat sich der Bestand verhundertfacht. Ebenso hat sich der
Bestand der Grünen Heupferde vervielfacht. Darüber hinaus erfolgten auch
Neubesiedlungen mit Insektenarten, die bisher noch nie im Nordpark nachgewiesen
waren, wie dem Sechsfleck-Widderchen (Blutströpfchen). Einzelne Pflanzenarten wie der
Zottige Klappertopf wurden an neuen Standorten, hier im Ostpark und Südfriedhof
nachgewiesen.
Immer wieder kommt es in den Wiesen zu Neunachweisen von Insektenarten, die in den
jeweiligen Wiesen jahrelang fehlten oder sogar in ganz Düsseldorf jahrzehntelang
verschollen waren.
Für die weitere Umsetzung der Blühwiesenstrategie sollen erneut Fördermittel beantragt
werden.
Auszeichnung
Für ihr Engagement in der naturnahen Gestaltung und Unterhaltung ihrer Grünflächen wurde
Düsseldorf vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt" im September 2021 mit dem
Label „StadtGrün naturnah" in Gold ausgezeichnet. Im Jahr 2025 stellte sich die Stadt der
Rezertifizierung dieses Labels und konnte wieder mit dem Label in Gold belohnt werden.
Zusammenfassung
Die Blühwiesenstrategie ist ein Kernprojekt des Biodiversitätskonzeptes 2030. Ihre
Umsetzung gehört zu den wichtigen Aufgaben der Grünflächenpflege. Die Anpassung der
Pflege mit dafür geeigneten Maschinen und Geräten konnte umgesetzt werden.
Die Vergabe der insektenschonenden und/oder Streifen-Mahd von Teilflächen wird optimiert
und verstetigt. Dazu soll erneut ein Antrag auf Fördermittel gestellt werden.
Die Strategie soll um ein Kapitel zur Beweidung ergänzt werden. Ebenso wird das Konzept
der Streifenmahd bei einer Fortschreibung berücksichtigt.
Erste Erfolge der Maßnahmen sind anhand der Ausbreitung von Wiesenblumenarten, der
Nachweise neuer Insektenarten sowie der deutlichen Bestandszunahme von Insekten in
Bereichen der Streifenmahd bereits deutlich sichtbar.
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