AGS/040/2026 Ö
Beigeordnete Koch
Anfrage der der Ratsfraktion Die Linke. Düsseldorf zur Sitzung des Ausschusses für
Gesundheit und Soziales am 19.05.2026
Frage 1
Wie viele Personen bzw. Konsumvorgänge mussten im vergangenen Jahr am Standort
Erkrather Straße abgewiesen werden, weil keine Kapazitäten verfügbar waren?
Antwort
Eine belastbare Darstellung individueller Personenzahlen ist nur eingeschränkt möglich, da
zwischen der Anmeldung konsumwilliger Personen und dem tatsächlichen Zustandekommen
eines Konsumvorgangs unterschieden werden muss. Grundsätzlich werden beim
tatsächlichen Konsumvorgang personenbezogene Daten erhoben, darunter Name,
Geburtsdatum sowie weitere medizinische und soziale Informationen (z. B.
Substitutionsstatus, Infektionserkrankungen, Wohnungslosigkeit oder Bezug von
Sozialleistungen). Dadurch können erfolgreiche Nutzungen personenbezogen nachvollzogen
und Mehrfachzählungen vermieden werden.
Personen, die sich zwar anmelden, den Drogenkonsumraum jedoch aufgrund fehlender
Kapazitäten nicht sofort nutzen können und die Einrichtung wieder verlassen, werden aus
Gründen der Datensparsamkeit nicht personenbezogen erfasst. In diesen Fällen erfolgt
ausschließlich eine statistische Erfassung des Anmelde- bzw. Abweisungsvorgangs, weshalb
Mehrfacherfassungen derselben Person im Bereich nicht realisierter Konsumvorgänge nicht
ausgeschlossen werden können.
Im Jahr 2025 wurden am Standort Erkrather Straße insgesamt 636 Fälle dokumentiert, in
denen konsumwillige Personen aufgrund fehlender Kapazitäten den Drogenkonsumraum nicht
nutzen konnten. Ursächlich waren hierbei überwiegend als zu lange empfundene Wartezeiten,
die häufig zu einer Verlagerung des Konsums an andere Orte führten.
Zusätzlich wurden 269 Nutzungsverbote ausgesprochen. Diese erfolgten insbesondere bei
Verstößen gegen die Hausordnung, beispielsweise durch wiederholte Zeitüberschreitungen
beim Konsum, das Herumlaufen mit offener Nadel, Gewalt gegen Sachen oder Personen oder
das wiederholte Nichtbefolgen von Anweisungen. Ziel bleibt grundsätzlich, umfassende
Hausverbote möglichst zu vermeiden. Bei schwerwiegenden Vorfällen, insbesondere Gewalt
oder Gewaltandrohungen gegenüber Mitarbeitenden, können jedoch weitergehende
Maßnahmen erforderlich werden. Sämtliche Verbote werden im Team abgestimmt,
regelmäßig überprüft und auf ihre Verhältnismäßigkeit hin bewertet.
Die genannten Zahlen sind nicht als Zahl individueller Personen zu verstehen und können
nicht zu einer Gesamtpersonenzahl zusammengeführt werden. Jedoch verdeutlichen sie ein
erhebliches Maß an nicht realisierten Konsumvorgängen sowie potenziell entgangenen
Kontakt-, Beratungs- und Unterstützungsprozessen. Kapazitätsbedingte Abweisungen und
Ausweichbewegungen können Beziehungsabbrüche begünstigen und damit die Kontinuität
gesundheitsbezogener sowie sozialarbeiterischer Interventionen erheblich erschweren.
Personenanzahl für den DKR - Erkrather Straße:
Personen weiblich männlich divers Gesamt
2020 124 812 keine Erfassung 936
2021 118 732 keine Erfassung 850
AGS/040/2026 Ö
Beigeordnete Koch
Frage 2
Welche aktuellen Erhebungen oder Einschätzungen zum Bedarf an
Drogenkonsumräumen im Düsseldorfer Stadtgebiet liegen vor? Bitte Grundlagen der
Erhebungen und Einschätzungen nennen.
Antwort:
Die Bedarfseinschätzung für zusätzliche Drogenkonsumräume im Düsseldorfer Stadtgebiet
basiert derzeit auf den fortlaufenden Auswertungen des bestehenden Standorts an der
Erkrather Straße sowie auf fachlichen Einschätzungen der Suchthilfe- und
Unterstützungsstrukturen.
Zu den wesentlichen Grundlagen zählen insbesondere die hohe und anhaltende Auslastung
des bestehenden Angebots, dokumentierte Wartelisten und Nichtnutzungen aufgrund
fehlender Kapazitäten, registrierte Nutzungsverbote, sozialräumliche Beobachtungen zu
Ausweichbewegungen sowie Erkenntnisse aus Beratungs- und Unterstützungsprozessen.
Die wiederkehrenden Kapazitätsengpässe verdeutlichen, dass das bestehende Angebot die
Nachfrage nicht vollständig abdecken kann. Fehlende Kapazitäten können zu Verlagerungen
in unsichere Konsumsettings führen und zugleich den Zugang zu Beratung, medizinischer
Versorgung und weiterführenden Hilfen erschweren.
Ein vergleichbares fachliches Vorgehen findet sich auch in anderen deutschen Großstädten,
beispielsweise in Frankfurt am Main, wo die Weiterentwicklung ebenfalls auf Grundlage von
Auslastungszahlen, offenen Drogenszenen, gesundheitlichen Risiken und
ordnungspolitischen Belastungen erfolgte.
Auch in Düsseldorf stützt sich die Bedarfseinschätzung somit auf ein fachlich etabliertes
Verfahren, das quantitative Nutzungsdaten mit sozialräumlichen und gesundheitsbezogenen
Erkenntnissen verbindet.
Frage 3
Wie viele Konsumplätze sind im geplanten Drogenkonsumraum an der Eisenstraße
vorgesehen? Bitte differenziert nach Rauchplätzen (inhalativer Konsum), Spritzplätzen
(intravenöser Konsum), flexibel nutzbaren Konsumplätzen.
Antwort
Die konkrete Ausgestaltung des geplanten Drogenkonsumraums an der Eisenstraße befindet
sich derzeit noch in der Entwicklung. Das Betriebskonzept wird aktuell erarbeitet, parallel
dazu erfolgt die räumliche Planung des Standorts.
Vor diesem Hintergrund liegen derzeit noch keine abschließenden belastbaren Angaben zur
konkreten Anzahl und Differenzierung der Konsumplätze für inhalativen, intravenösen
Konsum oder flexibel nutzbaren Plätzen vor.
Die finalen Kapazitäten werden im weiteren Planungsprozess unter Berücksichtigung
fachlicher Bedarfe, baulicher Rahmenbedingungen sowie ordnungs- und
gesundheitsrechtlicher Anforderungen festgelegt. Ziel ist eine bedarfsgerechte
Ausgestaltung, die sowohl zur Entlastung bestehender Angebote als auch zur Verbesserung
der niedrigschwelligen Versorgungsstruktur im Düsseldorfer Stadtgebiet beiträgt.