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https://www.brd.nrw.de/document/20240514_4_41_Schulabsentismus_Leitfaden.pdf
SCHUA/019/2026
X öffentlich nicht öffentlich
Informationsvorlage
Betrifft:
Pilotstudie „ school attendance teams „ im Kontext „ Prävention von Schulvermeidung "
Fachbereich:
40 - Amt für Schule und Bildung
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Schulausschuss 14.04.2026 Kenntnisnahme
Jugendhilfeausschuss 15.04.2026 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
1. H i n t e r g r u n d
Im Kinder- und Jugendförderplan 2021 bis 2025 wurde unter Maßnahmennummer „ C2 " (S.
74) die Entwicklung eines einheitlichen Datensystems zur Verbesserung einer
Datengrundlage zu schulvermeidendem Verhalten als Ziel beschrieben. Es gibt aufgrund
der schulinternen Verantwortlichkeit der Schulpflichtüberwachung keine einheitliche,
flächendeckende Datenerfassung von Anwesenheits- und Fehlzeiten in den Düsseldorfer
Schulen. Der Verwaltung liegen daher keine verwertbaren Zahlen zu schulabsentem
Verhalten vor. „ Schulabsentismus " wird fachbegrifflich definiert, als „ alle (regelmäßigen)
Verhaltensmuster, bei denen Schüler*innen ohne ausreichende Berechtigung der Schule
fernbleiben
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.
Gesteuert vom Amt für Schule und Bildung (Regionales Bildungsbüro) und dem Amt für
Soziales und Jugend (Jugendförderung) entwickelte die amts- und trägerübergreifend
besetzte „ Arbeitsgemeinschaft Prävention von Schulvermeidung in Grundschulen "
ein gemeinsames Verständnis des Begriffes Schulabsentismus (ab der ersten
Fehlstunde, die ohne Berechtigung auffällt)
eine Netzwerkkarte mit den kommunalen Unterstützungsstrukturen im Kontext
Schulvermeidung
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In 2026 wird in der Arbeitsgemeinschaft der „ Leitfaden für den Umgang mit
Schulabsentismus der Bezirksregierung "
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um die konkreten Unterstützungsangebote,
Kontaktadressen und Abläufe in Fällen von Schulvermeidung in der Stadt Düsseldorf
ergänzt. Die Handreichung wird allen Düsseldorfer Schulen in städtischer Trägerschaft zur
Verfügung gestellt. Damit wird sichergestellt, dass die Schulen in Fällen von
Schulabsentismus und insbesondere im Hinblick auf die Sicherstellung des Kindeswohls
(z.B. in Fällen von Fernhalten der Kinder durch die Personensorgeberechtigten)
handlungsfähig sind.
Aus der Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft ergab sich in 2023 die Möglichkeit, in
Zusammenarbeit mit der LVR-Klinik Düsseldorf (Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie) an einem internationalen Forschungsprojekt
teilzunehmen.
Es werden im Folgenden die Ergebnisse des Modellprojekts vorgestellt. Damit wird nicht
das Gesamtsystem im Umgang mit Schulvermeidung - insbesondere mit Blick auf die
Jugendhilfe - abgebildet.
2. Das Forschungsprojekt „ O n T he F rontline for A ttendance "
a) Zielsetzung:
Ziel des Forschungsvorhabens war es, an Schulen sogenannte „ school attendance
teams " zu bilden und zu etablieren. Das sind multiprofessionelle Expert*innenteams,
bestehend aus Schulleitungen, Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften /
Schulsozialarbeitenden. Die Expert*innenteams nehmen das Thema Schulabsentismus für
ihren Standort in den Fokus, entwickeln präventive Angebote, gehen in Fällen von
schulvermeidendem Verhalten in den Elternkontakt und beziehen Fachstellen (u.a. die
Schulpsychologie, die Erziehungsberatung, die Fachstelle zur Stärkung der psychischen
Gesundheit und / oder den Bezirkssozialdienst) ein. Darüber hinaus sind sie
Ansprechpersonen für das Thema und die Umsetzung an ihrer Schule.
Teilgenommen haben folgende städtische Grundschulen: KGS Höhenstraße, GGS
Gumbertschule, GGS Am Köhnen sowie GGS Wrangelstraße.
Neben der Landeshauptstadt Düsseldorf für Deutschland vervollständigen Akteure aus
den USA, Norwegen und den Niederlanden die Forschungsgruppe.
Mit den „ school attendance teams " wurden zwischen Herbst 2023 und Ende 2024 durch
die Forschenden des LVR-Klinikums Workshops durchgeführt, dazu kamen
Austauschtreffen in 2025 zur nachhaltigen Begleitung und Vertiefung.
In den Workshops wurden aktuelle pädagogische Konzepte vermittelt und das sogenannte
„ Response to Intervention " -Modell vertieft. Das Modell sieht verschiedene Stufen der
Prävention schulvermeidenden Verhaltens und der Intervention in Abhängigkeit des
Ausmaßes des (drohenden oder vorliegenden) schulvermeidenden Verhaltens vor. In den
Workshops wurden den Teams individuell zur jeweiligen Schule angepasste Methoden
und Handlungsansätze vermittelt.
Die als Machbarkeitsstudie angelegte Forschung unterstützte dabei, der Problematik von
aktivem und passivem Schulabsentismus in den beteiligten Schulen entgegenzuwirken.
Darüber hinaus wurden Lehrkräfte, Eltern und Kinder durch effektive, niedrigschwellige
und zeitnahe Zusammenarbeit, Beratung und Vermittlung im Rahmen des Netzwerks
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unterstützt.
Die Studie umfasste eine umfangreiche Datenerhebung, mit der an den Projektschulen ein
digitaler Datenbestand über Fehlzeiten sowie ergänzende Notizen von Fallentwicklungen
(inklusive Maßnahmen und Wirkung) erfasst wurde.
Zur Datenerhebung testeten die Schulen das Tool „ Fehlzeitenerfassung " der in Köln
ansässigen Firma „ eduFlux " , die Lizenzen wurden durch das Amt für Schule und Bildung
finanziert. Die erfassten Daten dienten den Schulen als Grundlage für die Umsetzung der
in den Workshops erlernten Methoden.
In einem zweiten Schritt dienten die Eingaben einer Analyse des Studienteams der LVR-
Klinik, mit welchen Handlungsschritten dem Phänomen Schulvermeidung in seinen
verschiedenen Ausprägungen am besten vorgebeugt werden kann.
Die Datenauswertung erfolgte dafür in drei Schritten:
I Quantitative Ein-Jahres-Evaluation von 4 Schulen: 1. vs. 2. Schulhalbjahr 2023/24
II Quantitative Zwei-Jahres-Evaluation von 3 Schulen: 1. Halbjahr 2023/24 vs. 1.
Halbjahr 2024/25 sowie 2. Halbjahr 2023/24 vs. 2. Halbjahr 2024/25
III Qualitative Ergebnisse der Auswertung der Fokusgruppeninterviews
Die Finanzierung der Studie erfolgte über den Integrationsfond sowie jeweils anteilig über
das Amt für Schule und Bildung sowie das Amt für Jugend und Soziales und über das
LVR-Klinikum Düsseldorf.
b ) D i e E r g e b n i s s e d e r S t u d i e
Quantitative Auswertung:
Die Ergebnisse der Workshop-Reihe mit den Experten-Teams und der erfolgten digitalen
Datenerfassung zeigen insgesamt einen signifikant positiven Effekt.
Sowohl kurzfristig als auch langfristig ist eine deutliche Verringerung von Fehlzeiten
erkennbar. Zum einen führten bereits die digitale Datenerfassung von Fehlzeiten, die
gezielte schulinterne Steuerung (Betrachtung der Daten und die daraus erfolgenden
passgenauen Handlungsschritte) durch die Expert*innenteams zu einer Steigerung der
Anwesenheitszeiten. Zum anderen halfen die grafischen Auswertungen durch das Tool bei
Elterngesprächen, häufige Fehlzeiten zu veranschaulichen und damit einen
Handlungseffekt zu erzeugen. Zeitgleich wurden schulintern strukturelle / systemische
Optimierungsmöglichkeiten sichtbar.
Die über alle Schüler*innen gemittelte Anzahl der Fehlstunden liegt für das 1. Halbjahr
2023/24 zwischen 2,3 und 6,7 Stunden. Der Anteil der Schüler*innen aller vier Schulen mit
schwergradigem Absentismus reduzierte sich von 19% im ersten auf 13% im zweiten
Halbjahr. Insbesondere eine Schule meldete signifikant geringere Fehlzeiten zurück.
Die 2-Jahres-Evaluation der Daten der drei Schulen, die ein weiteres Jahr an der
Evaluation teilnahmen, ermöglichte einen um saisonale Effekte (z.B. virale Erkrankungen
im Herbst und Winter) weitgehend bereinigten Vergleich.
Der Anteil der Schüler*innen in der Kategorie „ ohne/geringgradiger Absentismus " nimmt
um ca. 12 Prozentpunkte zu. Der Anteil der Schüler*innen in den Kategorien
„ mittelgradiger " und „ schwergradiger " Absentismus nimmt jeweils um ca. 5-6
Prozentpunkte ab.
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Qualitative Auswertung:
Die „ school attendance teams " entwickelten in den Workshops gemäß der in den zuvor
geführten Fokusgruppen-Interviews ein gemeinsames Grundverständnis zum Thema
Schulabsentismus. Ein Schwerpunktthema war die Elternarbeit und Strategien, mit den
Eltern in guten, effektiven Kontakt zu kommen. Im Zuge eines zweiten Fokusgruppen-
Interviews nach der Workshop-Serie zeigte sich, dass das Thema Absentismus deutlich in
das Bewusstsein der Schul-Teams und deren Kolleg*innen gerückt war. Das Gefühl ihrer
Selbstwirksamkeit war gestiegen, die Teams stellten durch das kontinuierliche Erfassen
und Monitoring frühzeitiger beginnenden Absentismus fest, intervenieren zügig und
beziehen schnell die entsprechenden Fachstellen ein. Als herausfordernd benannt wurde
die schulintern fehlende regelmäßige Zeit für Fallbesprechungen. Die zur Verfügung
gestellte App zur Erfassung der Fehlzeiten wurde hinsichtlich ihrer Benutzerfreundlichkeit
als noch nicht optimal beschrieben.
Fazit
Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass eine konsequente Datenerfassung und -auswertung
einhergehend mit einem praxistauglichen und etablierten standortspezifischen Konzept zur
Prävention von schulvermeidendem Verhalten und Intervention in Fällen von
Schulabsentismus ein nützlicher Lösungsansatz sein kann. Schulvermeidendes Verhalten
wird so in den Fokus gerückt und schneller zielgerichtet bearbeitet.
A u s b l i c k
D i e b e t e i l i g t e n S c h u l e n f ü h r e n n a c h h a l t i g d i e D a t e n e r f a s s u n g u n d k o m m u n i k a t i v e n
S t r u k t u r e n d e r „ s c h o o l a t t e n d a n c e t e a m s " a u f d i e s e r B a s i s w e i t e r . D a r ü b e r h i n a u s g i b t e s e i n
j ä h r l i c h e s g e m e i n s a m e s A u s t a u s c h - u n d R e f l e x i o n s t r e f f e n , o r g a n i s i e r t u n d b e t r e u t d u r c h d a s
R e g i o n a l e B i l d u n g s b ü r o .
D e r B e d a r f d e r S c h u l e n i n d e r T h e m a t i k u n d d i e s t e i g e n d e n A b s e n t i s m u s - F ä l l e s o w o h l i n
G r u n d - a l s a u c h w e i t e r f ü h r e n d e n S c h u l e n , b e s o n d e r s s e i t C o r o n a , s i n d ü b e r g r e i f e n d
b e k a n n t . A u f g r u n d d e r d e u t l i c h z u r ü c k g e h e n d e n Z a h l e n i m K o n t e x t d i e s e r S t u d i e i s t e s
s i n n v o l l , d i e A u s w e i t u n g d e r W o r k s h o p - R e i h e a u f w e i t e r e G r u n d - u n d w e i t e r f ü h r e n d e
S c h u l e n d u r c h z u f ü h r e n . A u c h u m d i e W i r k s a m k e i t d e s K o n z e p t e s u n d d i e u n t e r s c h i e d l i c h e n
O p t i o n e n f ü r e i n e z i e l f ü h r e n d e D a t e n e r f a s s u n g ü b e r d i e P i l o t - S t a n d o r t e h i n a u s e v a l u i e r e n z u
k ö n n e n . F ü r e i n e U m s e t z u n g w e r d e n e i n m a l i g r u n d 2 . 8 0 0 E u r o p r o S c h u l e z u z ü g l i c h
m ö g l i c h e r K o s t e n f ü r L i z e n z e n f ü r d a s D a t e n e r f a s s u n g s t o o l b e n ö t i g t . D i e F i n a n z i e r u n g d e r
K o s t e n i s t f ü r d i e t e i l n e h m e n d e n S c h u l e n a u s d e m S t a r t C h a n c e n - P r o g r a m m d e s L a n d e s
N R W / S c h u l b u d g e t m ö g l i c h .
D a s R e g i o n a l e B i l d u n g s b ü r o s t e h t i n t e r e s s i e r t e n S c h u l e n f ü r w e i t e r g e h e n d e I n f o r m a t i o n e n
z u r V e r f ü g u n g u n d w i r d a u c h d i e w e i t e r e B e g l e i t u n g ü b e r n e h m e n .