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Title: Antrag
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00593218.pdf
Published Time: 2026-07-15T17:20:00.000Z
Number of Pages: 3
Markdown Content:
RAT/432/2026
X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, 13.07.2026
> An Herrn
> Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller
## Betrifft:
Änderungsantrag der Ratsgruppe Freie Wähler Tierschutz PARTEI zur Vorlage
RAT/306/2026
> Dümmer, als die KI erlaubt, oder wie fossile Propaganda heute funktioniert.
> Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
> zur Sitzung des Stadtrates am 16. Juli 2026 stellen wir den folgenden
> Änderungsantrag mit der Bitte, diesen in der Sitzung zur Abstimmung zu bringen.
Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf beauftragt die Verwaltung,
1) vor dem Hintergrund der immer offensichtlicher werdenden Verschärfung der
Klimakrise zu prüfen, ob die im Haushalt 2026 tatsächlich geplanten Ausgaben für
Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen (einschließlich der konzernweiten
Maßnahmen der städtischen Beteiligungen) zur Finanzierung aller für das Erreichen
des 2019 beschlossenen Ziels der Klimaneutralität bis 2035 notwendigen
Maßnahmen ausreichen.
2) möglicherweise identifizierte Defizite bei der Finanzierung der erforderlichen
Maßnahmen klar zu benennen und Vorschläge zu erarbeiten, wie diese vermieden
werden können.
3) zu prüfen, ob das Klimaschutzziel der Stadt, „klimaneutral bis 2035“, angesichts der
aktuell absehbar entstehenden horrenden Kosten für die notwendig werdenden
Maßnahmen zur Anpassung an immer häufiger zu erwartende Extremwettereignisse
verschärft werden muss.
4) den Rat bis zum 30. September 2026 auf der Basis aktueller und realistischer Zahlen
darüber zu informieren, ob die Stadt bei der Verminderung der Emission der
sogenannten Treibhausgase noch auf einem realistischen Pfad ist, ihr selbst
gesetztes Ziel, klimaneutral bis 2025, zu erreichen. Seite 2
Begründung:
Die allereinfachste Recherche über eine bekannte Suchmaschine, die Eingabe „RCP 8,5“
reicht schon, führt direkt zur Zusammenfassung durch eine KI.
Zu lesen ist dort,
„RCP 8.5 ist ein Extremszenario des Weltklimarats (IPCC), das von ungebremsten
Treibhausgasemissionen und einem „Weiter-so“ bei der Nutzung fossiler Energieträger
ausging. Es prognostizierte einen zusätzlichen Strahlungsantrieb von 8,5 Watt pro
Quadratmeter bis 2100. Aufgrund der globalen Energiewende gilt dieses Szenario heute als
unwahrscheinlich .
https://de.wikipedia.org/wiki/Repr%C3%A4sentativer_Konzentrationspfad
Weiter heißt es:
# Definition und Annahmen
Das Kürzel steht für „Representative Concentration Pathway 8.5“. Ursprünglich als „Worst-
Case“-Szenario (ohne weitere Klimaschutzmaßnahmen) konzipiert, basierte es auf den
folgenden Annahmen .
https://bildungsserver.hamburg.de/themenschwerpunkte/klimawandel-und-
klimafolgen/klimawandel/rcp-szenarien-745656
- Ein starker, anhaltender Anstieg des globalen Energiebedarfs.
- Eine weiterhin hohe Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, insbesondere Kohle.
- Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um ca. 3,3 bis 5,7 Grad Celsius bis
zum Ende des 21. Jahrhunderts .
https://www.umweltbundesamt.de/themen/diskussion-um-klimaszenario-ssp5-85-
klimaschutz
# Aktueller wissenschaftlicher Konsens
Nach neueren Erkenntnissen (auch in den aktuellen Berichten des IPCC) wird RCP 8.5 (und
sein Nachfolger SSP5-8.5) als unrealistisch bewertet. Der Grund dafür ist der weltweite
Ausbau erneuerbarer Energien, der dazu führt, dass die extremen Annahmen zur
Kohleverbrennung nicht eintreten werden. In zukünftigen Klimamodellierungen wird das
Szenario daher teilweise nicht mehr als Hauptpfad berücksichtigt .
https://www.umweltbundesamt.de/themen/diskussion-um-klimaszenario-ssp5-85-klimaschutz
Das Nicht-Eintreffen dieses Extremszenarios ist zwar eine positive Entwicklung, bedeutet
jedoch keine Entwarnung. Klimaprognosen gehen davon aus, dass die Fortsetzung der
aktuell umgesetzten weltweiten Klimapolitik zu einer Erwärmung von etwa 2,6 bis 3,1 Grad
Celsius führt, was nach wie vor gravierende ökologische und gesellschaftliche Folgen hätte .
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimaszenario-rcp-8-5-so-funktioniert-fossile-
propaganda-heute-a-a5f2090b-f7e1-45dd-8f79-0138c430159d
Zugleich zeigen neuere Auswertungen, dass Szenarien, die sich an den derzeit umgesetzten
Klimaschutzmaßnahmen orientieren, weiterhin zu einer globalen Erwärmung von etwa 3
Grad Celsius bis zum Jahr 2100 führen, was sich bis zum Jahr 2150 auf etwa 4 Grad Celsius
fortsetzen könnte. Weil sich Landmassen und insbesondere Europa viel stärker erwärmen
als der Durchschnitt, wäre dann in Deutschland mit einer Erwärmung von ungefähr 4 Grad
Celsius (2100) bzw. 5 Grad Celsius (2150) zu rechnen. Derartige Erwärmungen hätten
Die drastische Verringerung der Treibhausgasemissionen bleibt daher dringend notwendig,
um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen. Dass Klimaschutzmaßnahmen, Seite 3
wie der Hochlauf von erneuerbaren Energien, wirken, zeigt sich gerade darin, dass das
extreme Hochemissionsszenario SSP5-8.5 nach aktuellem Kenntnisstand zum Glück so
nicht Realität werden wird.“
Kurz:
- Der weltweite Ausbau der Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energieträger,
also das, was die AfD hier in Deutschland ablehnt oder aktiv bekämpft, ist tatsächlich
ein wirksamer Beitrag zum notwendigen Klimaschutz.
- Leider reichen alle bisher umgesetzten Maßnahmen nicht aus, um die „Pariser
Klimaziele“, also die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 °C, zu
erreichen. Es muss weit mehr getan werden als bisher. Das gilt insbesondere auch
für Deutschland und damit auch für alle deutschen Städte und Regionen.
- Immerhin zeigt die antragstellende Düsseldorfer Ratsfraktion der AfD, dadurch, dass
sie sich in ihrem Antrag explizit auf Erkenntnisse des IPCC bezieht, dass sie dessen
Expertise anerkennt. Das überrascht, da die Fraktion bisher eher durch das Leugnen
der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem von Menschen verursachten
Klimawandel auffiel.
Einzig die Deutung dieser Erkenntnisse wird im vorliegenden Antrag ins Gegenteil dessen,
was richtig wäre, verkehrt. Hier hätte die allereinfachste Recherche im Internet (s.o.)
dagegen geholfen, dümmer zu erscheinen, als die kostenfrei verfügbare KI es erlaubt.
Dominique Mirus Torsten Lemmer Jürgen Krüger
f.d.R. Christopher Schrage