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RAT/041/2026
Ratsfrau Dominique Mirus
Ratsfrau Eva Dufhues
Ratsherr Torsten Lemmer
Ratsherr Jürgen Krüger
X öffentlich nicht öffentlich
Düsseldorf, 29.01.2026
An Herrn
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller
Betrifft:
Antrag der Ratsmitglieder Ratsfrau Mirus, Ratsfrau Dufhues, Ratsherrn Lemmer und
Ratsherrn Krüger: Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zum
Jahreswechsel - Prüfung und Umsetzung eines stadtweiten Verbots von pyrotech.
Gegenständen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
wir bitten Sie den folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Ratssitzung am
11.02.2026 zu setzen und zur Abstimmung zu bringen:
Antrag:
1) Die Verwaltung wird beauftragt, unter Ausschöpfung aller rechtlichen
Möglichkeiten der Düsseldorfer Straßenordnung sowie des
Ordnungsbehördengesetzes (OBG NRW), ein umfassendes Verbot des
Abbrennens von Pyrotechnik (insbesondere Böller und Raketen der Kategorie
F2) im gesamten Stadtgebiet für den Zeitraum des Jahreswechsels zu prüfen
und vorzubereiten.
2) Hierbei sollen insbesondere die ordnungsrechtlichen Aspekte der
Gefahrenabwehr (Schutz von Personen und Sachwerten vor Brandgefahr), der
Schutz der Gesundheit der Menschen vor der starken Feinstaubbelastung, die
Vermeidung von gewalttätigen Ausschreitungen gegen Einsatzkräfte, der
Schutz von Tieren, insbesondere auch wildlebender (vor allem Vögel) sowie
die Einhaltung der Sauberkeit im öffentlichen Raum als vorrangige Schutzziele
definiert werden.
3) Die Verwaltung prüft alternativ die Ausweisung großflächiger Verbotszonen,
die über die bisherige Altstadt-Regelung hinausgehen, insbesondere in dicht
besiedelten Wohngebieten, in der Nähe von Krankenhäusern und
Pflegeinrichtungen, Parks und Tierheimen sowie historischen Gebäuden.
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Begründung:
Die Ereignisse der vergangenen Jahreswechsel haben gezeigt, dass die bisherigen
Regelungen nicht ausreichen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung in unserer
Landeshauptstadt vollumfänglich zu gewährleisten.
Schutz der Gesundheit: Feinstaub ist ein Luftschadstoff mit massivsten
Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Es gibt keine
Unbedenklichkeitsgrenze, darum muss jede Maßnahme ergriffen werden, um die
Belastung zu senken. In der Silvesternacht wird der stärkste Anstieg aller
Partikelgrößen im Jahr gemessen - auch bei den besonders schädlichen ultrafeinen
Partikeln. Besonders gravierend ist die Belastung am Neujahrstag: Dieser ist
vielerorts mit Stundenwerten von über 1000 µg/m³ belastet, während die
durchschnittliche Belastung im Jahr 2018 an den städtischen Messstationen in
Deutschland rund 18 µg/m³ betrug. Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation
zufolge sollte ein Grenzwert von 45 µg/m³ an höchstens drei Tagen pro Jahr
überschritten werden. Diese können wegen der Belastung durch das
Silvesterfeuerwerk schon vom 1.-3. Januar erreicht werden.
Schutz der Tiere: Haus-, Wild- oder Nutztier - für sie kommen das laute, krachende
Knallen und die hellen Blitze völlig aus dem Nichts und bedeuten puren Stress.
Hunde und Katzen, wie auch viele andere Tiere, haben ein besonders empfindliches
Gehör, der Lärm in der Silvesternacht kann traumatische Folgen haben. Wildtiere
werden durch den Lärm aus ihrer Winterruhe gerissen und flüchten. Der dadurch
entstehende Energieverlust kann für sie zur Lebensbedrohung werden. Vögel sind
besonders betroffen, durch den Schreck fliehen sie in die Luft und fliegen teilweise
bis zu 1.000 Meter hoch - eine Höhe, die sie normalerweise nicht erreichen.
Sicherheit und Schutz des Eigentums: Der unkontrollierte Einsatz von Raketen und
Böllern führt jährlich zu erheblichen Sachschäden an Gebäuden und Fahrzeugen der
Bürger. Ein Verbot dient dem unmittelbaren Schutz des Privateigentums und der
körperlichen Unversehrtheit.
Stärkung der Einsatzkräfte (Polizei und Feuerwehr): Unsere Sicherheits- und
Rettungskräfte werden in der Silvesternacht immer wieder zur Zielscheibe von
gezielten Angriffen mit Pyrotechnik. Ein generelles Verbot entzieht diesen
gewaltbereiten Gruppierungen die „ Tatmittel " und sorgt dafür, dass die staatliche
Autorität im öffentlichen Raum gewahrt bleibt. Ordnungswidrigkeiten können so
effektiver sanktioniert werden.
Sauberkeit und Kosten : Die Vermüllung öffentlicher Straßen und Plätze durch
Reste von Feuerwerkskörpern stellt eine erhebliche Beeinträchtigung des Stadtbildes
dar. Die Reinigungskosten werden derzeit von der Allgemeinheit getragen; ein
Verbot würde hier zu einer Entlastung des Haushalts und der kommunalen
Reinigungsbetriebe führen.
Rechtlicher Rahmen: Die Düsseldorfer Straßenordnung bietet bereits heute die
Grundlage, um Nutzungen des öffentlichen Raums zu untersagen, die die Sicherheit
gefährden oder die Allgemeinheit unzumutbar belästigen. Unter Berücksichtigung der
Gefahrenprognosen der Polizei ist eine Ausweitung der Verbote rechtlich geboten, um
die Handlungsfähigkeit des Ordnungsamtes zu stärken.
Ein Verbot schützt zudem jene Bürger, die den Jahreswechsel in Ruhe und Sicherheit
verbringen wollen, und verhindert, dass öffentliche Räume zu rechtsfreien Zonen
werden.
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Aufstellung mit dokumentierten Vorfällen aus Düsseldorf aus den letzten beiden
Jahren:
1. Angriffe auf Einsatzkräfte (Polizei & Feuerwehr)
• Silvester 2024/2025 (Wersten & Hassels): Einsatzkräfte der Feuerwehr
wurden während Löscharbeiten massiv mit Böllern und Flaschen beworfen. In
Hassels (Fürstenberger Straße) griffen Jugendliche die Helfer gezielt an,
während diese brennenden Sperrmüll löschten.
• Silvester 2024/2025 (Derendorf): Ein 22-jähriger Tatverdächtiger
beschädigte an einer Polizeiliegenschaft mehrere Streifenwagen durch
Feuerwerkseinwirkung erheblich und wurde festgenommen.
• Statement der Stadtspitze: Oberbürgermeister Dr. Keller und die
Polizeipräsidentin verurteilten am 01.01.2025 offiziell die „ inakzeptablen
Angriffe " auf Rettungskräfte, bei denen mindestens ein Feuerwehrmann
verletzt wurde.
2. Brände und Sachschäden
Die Zahl der Brände durch unsachgemäßen Gebrauch von Pyrotechnik ist in
Düsseldorf auf einem hohen Niveau:
• Bilanz 2024/2025: Die Feuerwehr verzeichnete allein in dieser Nacht 147
Brände (ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 112). In 93 Fällen brannten
Müll- oder Papiercontainer.
• Gebäudeschäden (Eller & Pempelfort): In Eller (Am Pflanzkamp) geriet ein
Rohbau kurz vor Mitternacht in Brand. In Pempelfort (Derendorfer Straße)
verursachte Pyrotechnik einen Balkonbrand in einem Mehrfamilienhaus, der
nur durch schnelles Eingreifen nicht auf die Wohnungen übergriff.
• 95 Einsätze musste die Feuerwehr in der Silvesternacht bewältigen. In 68
Fällen brannten Papier- oder Müllcontainer.
• Garath (2025/2026): Auch zum jüngsten Jahreswechsel kam es zu
schweren Vorfällen, darunter ein Balkonbrand am Heinrich-von-Brentano-Platz
und ein Kellerbrand an der Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße mit starker
Verrauchung des Treppenhauses, bei dem zwei Personen ins Krankenhaus
mussten.
3. Verletzungen und medizinische Notfälle
• Verletzte durch Pyrotechnik: In der Bilanz 2024/2025 wurden offiziell
4 Personen durch Feuerwerkskörper verletzt.
• Gefährliche Situationen im Verkehr: Auf der Missundestraße wurde eine
Person schwer verletzt, die nach dem Zünden von Pyrotechnik auf die
Fahrbahn trat und von einem Pkw erfasst wurde. Schaulustige behinderten
hierbei massiv die Unfallaufnahme durch die Polizei.
• Einsatzbelastung: Insgesamt rückte der Rettungsdienst in der Neujahrsnacht
2024/2025 zu 222 Einsätzen aus.
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4. Verstöße gegen die öffentliche Ordnung
• Altstadt-Bilanz: Trotz des bereits bestehenden Teilverbots in der Altstadt
mussten dort 2024/2025 über 74 Platzverweise ausgesprochen werden. Es
kam zu 26 Körperverletzungsdelikten.
• Illegales Feuerwerk: Die Bezirksregierung stellte bei Kontrollen im Raum
Düsseldorf allein im Vorfeld von Silvester 2025 über 66 Verstöße fest,
darunter illegale Lagermengen und nicht zugelassene Pyrotechnik aus dem
Ausland.
Die Vielzahl der dezentralen Brandherde bringen die Einsatzkräfte längst an ihre
Kapazitätsgrenzen und gefährden zudem die Reaktions- und Einsatzfähigkeit für
echte Notfälle.
Ein Böllerverbot wird u.a. gefordert von:
Der Deutsche Tierschutzbund:
https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/silvester-
deutscher-tierschutzbund-fordert-boellerverbot/
Die Gewerkschaft der Polizei:
https://www.gdp.de/berlin/de/stories/2025/01/250101-petition
Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein Böllerverbot:
https://www.duh.de/mitmachen/boellerfreies-silvester/
Die Fraktion DIE LINKE hat im Deutschen Bundestag am 25.11.2025 einen
entsprechenden Antrag gestellt (Drucksache 21/2909).
Mit freundlichen Grüßen
f.d.R. Torsten Lemmer Dominique Mirus
Jürgen Krüger Eva Dufhues
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