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Title: Informationsvorlage
URL Source: http://ris-oparl.itk-rheinland.de/Oparl/bodies/0015/downloadfiles/00584905.pdf
Published Time: 2026-04-27T05:57:00.000Z
Number of Pages: 3
Markdown Content:
JHA/045/2026
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# Informationsvorlage
Betrifft:
Weiterentwicklung der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe in Düsseldorf – erste
Umsetzungsschritte im Rahmen der SGB VIII-Reform
Fachbereich:
51 - Amt für Soziales und Jugend
Dezernentin / Dezernent:
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche
Beratungsfolge:
Gremium Sitzungsdatum Beratungsqualität
Jugendhilfeausschuss 13.05.2026 Kenntnisnahme
Ausschuss für Gesundheit und
Soziales 19.05.2026 Kenntnisnahme
Schulausschuss 23.06.2026 Kenntnisnahme
Behindertenrat 29.06.2026 Kenntnisnahme
Sachdarstellung:
Die Kinder- und Jugendhilfe befindet sich derzeit in einem umfassenden
Entwicklungsprozess. Mit der Weiterentwicklung des SGB VIII sowie den
bundespolitischen Diskussionen zur Neuordnung der Eingliederungshilfe und sozialen
Leistungen zeichnet sich ein klarer Paradigmenwechsel ab: weg von ausschließlich
einzelfallbezogenen Unterstützungsformen hin zu inklusiven, systemisch verankerten
und nachhaltig wirksamen Ansätzen.
Diese Entwicklung wird auch im aktuellen Entwurf des Kinder- und
Jugendhilfestrukturreformgesetzes (KJHSRG) aufgegriffen. Dort wird mit der
Bildungsassistenz erstmals ausdrücklich ein infrastruktureller Ansatz ausdrücklich im
schulischen Kotext gesetzlich beschrieben.
Gerade im schulischen Kontext wird deutlich, dass die bisherigen Strukturen der 1:1-
Schulbegleitung an ihre Grenzen stoßen – sowohl fachlich als auch organisatorisch.
Gleichzeitig besteht ein wachsender Anspruch, die Teilhabe von Kindern und
Jugendlichen im inklusiven Bildungssystem wirksam und umfassend sicherzustellen.
Auch in Düsseldorf ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg der
Schulbegleitungen zu verzeichnen. Die damit verbundenen fachlichen, Seite 2
organisatorischen und finanziellen Herausforderungen machen eine
Weiterentwicklung der bisherigen Unterstützungsstrukturen erforderlich.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die Landeshauptstadt Düsseldorf das Ziel, frühzeitig
tragfähige und zukunftsorientierte Ansätze zu entwickeln, um auf die absehbaren
Veränderungen in der Kinder- und Jugendhilfe vorbereitet zu sein und diese aktiv
mitzugestalten.
Pilotprojekt Pooling von Schulbegleitungen
Mit dem Pooling-Projekt hat die Landeshauptstadt Düsseldorf bereits einen konkreten
und zukunftsweisenden Umsetzungsschritt eingeleitet. Seit dem Schuljahr
2025/2026 wird das Modell an ausgewählten Grundschulstandorten und an
Förderschulen erprobt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Dabei werden zwei grundsätzliche Ansätze verfolgt:
Sozialrechtlich begründete Leistungen, die individuell als Mehrfachbegleitung
gewährt werden,
gezielter Aufbau infrastruktureller Unterstützungsstrukturen im System Schule
(Bildungsassistenz).
Im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung steht insbesondere der infrastrukturelle
Ansatz. Ziel ist es, Unterstützungsressourcen so einzusetzen, dass sie ihre Wirkung
dort entfalten, wo sie im schulischen Alltag tatsächlich benötigt werden – flexibel,
situationsbezogen und im Kontext des gesamten Systems Schule.
Das Pooling markiert damit einen grundlegenden Entwicklungsschritt:
Unterstützungsleistungen werden nicht mehr ausschließlich individuell organisiert,
sondern als Bestandteil eines inklusiven Gesamtsystems gedacht und umgesetzt.
Damit wird sichergestellt, dass jedes Kind mit einem Unterstützungsbedarf erreicht
wird.
Erste Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt
Die bisherigen Erfahrungen aus dem Pilotprojekt zeigen deutlich, dass das Pooling
einen qualitativen Mehrwert für die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen im
schulischen Alltag bietet.
Kinder können flexibler und bedarfsgerechter unterstützt werden, da
Unterstützungsleistungen nicht mehr ausschließlich an eine feste 1:1-Zuordnung
gebunden sind. Stattdessen ist es möglich, Unterstützung auch in Gruppen- und
Klassensituationen sowie in Übergängen bereitzustellen. Dies stärkt die Einbindung in
das Klassengeschehen und trägt dazu bei, Teilhabe im inklusiven Setting tatsächlich
zu ermöglichen.
Zugleich zeigt sich, dass durch den veränderten Ansatz auch Kinder erreicht werden
können, deren Unterstützungsbedarfe bislang nicht oder nur eingeschränkt sichtbar
waren. Das Pooling eröffnet damit neue Möglichkeiten, Bedarfe frühzeitig zu
erkennen und präventiv zu bearbeiten.
Insgesamt wird deutlich, dass Unterstützungsleistungen durch das Pooling stärker
am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet und weniger durch starre Strukturen begrenzt
werden. Dies stellt einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung inklusiver
Bildungs- und Unterstützungsstrukturen dar. Seite 3
Weiteres Vorgehen
Mit Blick auf die absehbaren Veränderungen im Rahmen des Kinder- und
Jugendhilfestrukturreformgesetzes (KJHSRG) bereitet die Landeshauptstadt
Düsseldorf den Transformationsprozess in der Eingliederungshilfe bereits aktiv vor.
Aufgrund der bisherigen positiven Entwicklungen ist vorgesehen, das Pooling-Projekt
schrittweise auf weitere Schulstandorte auszuweiten und die gewonnenen
Erkenntnisse in die Weiterentwicklung des Ansatzes einfließen zu lassen. Ziel ist es,
frühzeitig tragfähige inklusive Unterstützungsstrukturen weiterzuentwickeln und
praktische Erfahrungen für die Ausgestaltung der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe
im Rahmen des KJHSRG zu gewinnen.
Die Trägervielfalt bleibt ausdrücklich erhalten. Die Entscheidung über die
Zusammenarbeit mit einem Träger im Rahmen des infrastrukturellen Poolings liegt
bei der jeweiligen Schulleitung.
Die Umsetzung und Weiterentwicklung des Projektes wird durch die Jugendhilfe- und
Sozialplanung des Amtes für Soziales und Jugend begleitet und evaluiert. Über die
gewonnenen Erkenntnisse wird die Politik regelmäßig informiert, um eine
transparente und fachlich fundierte Weiterentwicklung zu gewährleisten.