Gerresheim – alte Stadt, Industrieort und grüner Düsseldorfer Osten
Gerresheim gehört zu den Düsseldorfer Stadtteilen, die bis heute wie ein eigenständiger Ort wirken. Dafür gibt es gute Gründe: Der historische Kern ist älter als Düsseldorf, Gerresheim besaß über Jahrhunderte eigene städtische Funktionen und wurde erst 1909 eingemeindet. Zugleich hinterließ die Glashütte im Süden eine völlig andere, industriell geprägte Welt. Zwischen Gerricusplatz, Benderstraße, Heyestraße, früherem Hüttengelände und Gerresheimer Höhen liegen daher sehr unterschiedliche Quartiere.
Vom Stift zur befestigten Siedlung
Die Geschichte Gerresheims reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Um das Jahr 870 entstand ein Kanonissenstift, dessen Gründung mit dem fränkischen Adeligen Gerrich verbunden wird. Rund um das Stift entwickelte sich eine Siedlung, die als Markt-, Gerichts- und Zollort Bedeutung für das östliche Umland gewann. Im späten Mittelalter erhielt Gerresheim städtische Privilegien; eine Stadtmauer ist seit dem Ende des 14. Jahrhunderts belegt.
Der historische Mittelpunkt ist bis heute am Gerricusplatz erkennbar. Dort steht die 1236 geweihte Basilika St. Margareta, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenbauten Düsseldorfs. Der Platz, die angrenzenden Straßen und zahlreiche ältere Gebäude vermitteln noch immer den Maßstab einer kleinen, gewachsenen Stadt. Auch das heutige Rathaus, das auf das frühere Katharinenbergkloster zurückgeht, gehört zu diesem Zusammenhang. Mit der Aufhebung des Stifts 1803 verlor Gerresheim zunächst einen wichtigen Teil seiner bisherigen Funktion.
Die Glashütte schafft ein zweites Gerresheim
1864 gründete Ferdinand Heye die Gerresheimer Glashütte. Der Standort bot günstige Flächen, Rohstoffe, Wasser und einen Anschluss an die Eisenbahn. Aus dem Unternehmen entwickelte sich ein international bedeutender Produzent von Verpackungsglas und der wichtigste Arbeitgeber des Ortes. Mit der Hütte entstanden Arbeiterhäuser, Siedlungen und soziale Einrichtungen. Teile dieser Wohngebiete stehen heute unter Denkmalschutz, weil sich an ihnen verschiedene Phasen des Industrie- und Siedlungsbaus ablesen lassen.
Die Hütte zog Arbeitskräfte aus vielen Regionen Europas an. Besonders sichtbar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Zuwanderung italienischer Beschäftigter und ihrer Familien. Ein Erinnerungsort dieser Geschichte ist das um 1900 errichtete Heyebad: zunächst öffentliche Badeanstalt, später zeitweise italienischer Club und Kino, heute Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung. So bildete sich neben dem alten Gerresheim rund um Stift und Benderstraße ein zweiter Schwerpunkt entlang der Heyestraße und des Bahnhofs.
Mehrere Zentren und unterschiedliche Wohnlagen
Der historische Kern und die Benderstraße bilden das große Stadtteilzentrum. Geschäfte, Wochenmarkt, Gastronomie und öffentliche Einrichtungen sorgen dafür, dass viele alltägliche Wege innerhalb Gerresheims erledigt werden können. Weiter südlich verbindet die Heyestraße den Bahnhof mit dem Ortszentrum. Ihr südlicher Abschnitt ist ein eigenes kleineres Zentrum, dessen Geschichte eng mit der Glashütte verbunden ist. Im Nordwesten übernimmt die Dreherstraße weitere Aufgaben der Nahversorgung.
Dazwischen liegen Wohnquartiere verschiedener Entstehungszeiten: historische Häuser, ehemalige Arbeiterwohnungen, gründerzeitliche Straßenzüge, Siedlungen des 20. Jahrhunderts und neuere Wohngebiete. Diese Mischung erklärt, weshalb Denkmalschutz, Wohnen, Nahversorgung und Verkehr innerhalb Gerresheims je nach Teilraum sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.
Zwischen Düssel, Wald und Höhenlagen
Nach Osten steigt das Gelände zu den Gerresheimer Höhen und den Ausläufern des Bergischen Landes an. Waldflächen, Bachtäler und landwirtschaftlich geprägte Bereiche bilden einen starken Gegensatz zu den dichter bebauten Quartieren. Der 1906 eröffnete Gerresheimer Waldfriedhof reicht bis in die Hanglagen und ist zugleich Begräbnisstätte, Erinnerungsort und Landschaftsraum. Gemeinsam mit dem Gerresheimer Wald und den geschützten Höhen bildet er einen wichtigen Übergang von der Stadt in die offene Landschaft.
Vom Hüttengelände zum Glasmacherviertel
Die Glashütte stellte 2005 nach fast 150 Jahren ihren Betrieb ein. Seitdem ist das frühere Werksgelände der größte städtebauliche Entwicklungsraum des Stadtteils. Die Planung sieht dort ein neues Quartier mit Wohnungen, Gewerbe, Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten vor. Glasturm, Kesselhaus, Elektrozentrale und Heyebad sind als Erinnerungsorte der Industriegeschichte vorgesehen. Neben der Bebauung der Fläche betrifft die Planung auch ihre Verbindung mit Heyestraße, Bahnhof, Düssel und den bestehenden Wohngebieten.
Gerresheims Identität entsteht aus diesen Schichten: mittelalterlicher Kern, eigenständige Stadtgeschichte, internationale Arbeiterschaft, mehrere lokale Zentren und die Nähe zu Wald und Landschaft. Gerade diese Gegensätze geben dem Stadtteil seinen ausgeprägten eigenen Charakter.