Rath – Industriegeschichte am Aaper Wald
Rath verbindet zwei Seiten des Düsseldorfer Nordens: großflächige Industrie- und Gewerbegebiete auf der einen, gewachsene Wohnsiedlungen und den nahen Aaper Wald auf der anderen Seite. Theodorstraße, Bahnstrecken und große Verkehrsachsen prägen den Stadtteil ebenso wie kleinere Zentren und ruhige Straßen. Diese Gegensätze gehen auf die rasche Industrialisierung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zurück.
Von der Rodung zur Honschaft
Der Name Rath wird mit Rodung in Verbindung gebracht. Landwirtschaft, Waldnutzung und Ziegeleien bestimmten lange das Gebiet. Die Honschaft Rath ist seit dem 14. Jahrhundert belegt und umfasste auch Teile des heutigen Unterrath. Der Aaper Wald bildete dabei einen wichtigen landschaftlichen Bezugspunkt.
Mit der Eisenbahn und der Ansiedlung großer Betriebe veränderte sich Rath grundlegend. 1897 nahm das Mannesmann-Röhrenwerk seinen Betrieb auf. Produktionshallen, Gleisanschlüsse und Arbeiterwohnungen ließen aus dem ländlichen Ort einen Industrie- und Arbeiterstadtteil werden. 1909 wurde Rath gemeinsam mit Unterrath und Lichtenbroich nach Düsseldorf eingemeindet.
Arbeiten und Wohnen nebeneinander
Industrieflächen nehmen bis heute einen erheblichen Raum ein. Die Theodorstraße entwickelte sich zusätzlich zu einem modernen Gewerbe-, Handels- und Veranstaltungsstandort. Große Hallen, Logistik und Autoverkehr treffen dort auf die Zugänge zu Wohnquartieren. Arbeitsplätze und wirtschaftliche Nutzung gehören damit weiterhin zum Kern des Stadtteils.
Die Wohnbereiche sind vielfältiger, als der erste Blick auf die Gewerbeachsen vermuten lässt. Ältere Arbeitersiedlungen, Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser und grüne Innenbereiche bilden stabile Nachbarschaften. Lokale Geschäfte, Schulen, Sportvereine und kirchliche Einrichtungen schaffen eigene Mittelpunkte.
Verkehr als Verbindung und Belastung
Rath ist durch Bahn, Stadtbahn, Busse und große Straßen gut angebunden. Dieselbe Infrastruktur erzeugt Lärm, Schwerverkehr und Barrieren zwischen einzelnen Quartieren. Querungen und Wege zu Haltestellen sind daher zentrale Alltagsthemen. Besonders an Industrie- und Gewerberändern wirkt sich die Verkehrsführung auf die Belastung der Wohnstraßen aus.
Der Aaper Wald bietet einen starken landschaftlichen Gegenpol. Er ist schnell erreichbar und übernimmt wichtige Funktionen für Erholung, Klima und Natur. Grünzüge, Kleingärten und Sportflächen verbinden den Wald mit den bebauten Bereichen, sind aber nicht überall durchgängig.
Strukturwandel und Quartiersentwicklung
Teile von Rath und Mörsenbroich wurden in das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ aufgenommen. Das Programm verfolgt Verbesserungen an öffentlichen Räumen, Bildungsangeboten, Wohnumfeld und lokaler Beteiligung. Es zielt nicht auf eine Umwandlung Raths in einen reinen Wohnstadtteil, sondern bezieht Industrie, neue Gewerbenutzungen und Wohnquartiere gemeinsam ein.
Raths Identität liegt gerade in dieser Verbindung aus Arbeit, Siedlungsgeschichte und Waldnähe. Der Stadtteil erzählt einen wesentlichen Teil der Düsseldorfer Industriegeschichte und bleibt zugleich ein Wohnort mit eigenständigen Nachbarschaften.